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Laufberichte

Den gibt es gar nicht

 

Diesen Lauf gibt es nicht, jedenfalls nicht offiziell: Absage wegen Corona. Aber was tun Läufer, die sich lange drauf gefreut haben? Sie laufen einfach, privat. Die Strecke ist bekannt und für ewig beschildert.

Man hat ja an dem Tag nichts Besseres vor, also los, rauf auf den Schinder-Trail! Oder auf die Extended- Variante mit 125 km, sofern man den Track auf dem GPS hat. Start-Ziel und Zeiten stehen ja fest. Alex jedenfalls freut sich über jeden, der da kommt. Zufällig ist der Grill an, der Kühlschrank voll, die Laune bei allen, die „unverhofft“ vorbeikommen, bestens. Zum Testen gibt es Schuhe und mit der Startnummer dürfen eine neue race-result-Messanlage ausprobieren…

Der Extended hat es mir angetan und 25 anderen auch. Fast alle starten am Freitag um 18:00, und laufen in die Nacht hinein. Das kenne ich ja schon vom letzten Mal, daher starte ich mit ein paar anderen um 7 in der Früh und genieße den wunderbaren Wispertaunussteig bei Tageslicht.  Aber nur bis Holzhausen, das reicht mir. Das sind dann knapp 60 km mit etwa 2000 hm. Wir haben uns eine mobile Versorgung organisiert, denn diese Strecke nur mit kaltem Quellwasser und ein paar Häppchen aus dem Rucksack ist nicht so einfach!

Pünktlich um 7 traben wir vom Parkplatz neben der Wisper-Mündung los. In Lorch schläft noch alles. Kühl ist es, aber der stahlblaue Himmel verheißt für später Wärme. Es empfiehlt sich, die Wegweiser-Infotafeln zu beachten. Damit weiß man, auf was man sich da einlässt. Das ist nicht wenig und fängt noch im Ort an. Eine stolze Steigung führt in die Klippen hinein, Drahtseile helfen an den kniffligen Stellen. Steile Serpentinen bringen uns an einer Burgruine vorbei auf den Nöllig, einen Berg über Lorch. Burgen oder Reste davon gibt es ja viele hier. Der Blick ins Rheintal ist einfach nicht zu toppen!

 

 

Oben ist es flach oder etwas wellig. Im Gras geht es gut voran, die Wege sind gut belaufbar. Ebenso ein schöner Trail links in den Wald hinein. Wir laufen im Schatten auf weichem Boden. Die Markierungen des Steigs sind im Hellen gut zu sehen, der Abzweig zur Sauerburg gut zu finden. Letztes Jahr konnte man sie noch kaufen, heute kann ich keinen fragen, kein Mensch ist unterwegs. In Sauerthal sitzen ein paar Dementoren im Vorgarten, aber Antwort geben sie keine. Hier beginnt DER Aufstieg. 170 hm, endlos lang und steil. Oben folgt Ransel. Neben dem Landmuseum existiert ein Ausschank, aber alles ist dicht. Nix zu trinken. Und erst 12 km und zwei von 6 knackigen Anstiegen sind geschafft.

Im Wald folgen wir den schönsten Trailabschnitten des Steigs. Einsam ist es hier, Rehe und Böcke erscheinen kurz und verschwinden wieder. Überall gedeiht der Fingerhut und auch Zecken sind hier heimisch. Immer wieder sind kurze Wegabschnitte durch Holzabfuhr (Borki war hier) zerstört oder durch Kleinholz blockiert. Schwierig, nicht zu stürzen.

Eine Tafel unterrichtet uns über das Rheingauer Gebück. Es geht um einen Streit im 13. Jahrhundert. Man vergisst hier so schnell nichts. An ganz steilen Stücke gibt es Holzstufen, das hilft. Unten kurz über eine Straße, ein bisschen Gelände und dann ein Brunnenhaus. In Stein gefasst sprudelt kostbares Nass aus der Tiefe. Normalerweise, momentan aber nicht, alles dröge.

 

 

Dann wieder ein Höllenanstieg. Bis nach Espenschied zum VP büßt man sämtliche Sünden ab, um dann unbeschwert Erfrischungen einzunehmen. Schoki, Hopfi und was der mobile VP noch so alles bietet. Sehr beliebt sind Haribos Bärchenpärchen. Man glaubt es ja nicht, auf was gestandene Veteranen alles abfahren.

Weiter, auf den dritten und vierten Knackanstieg. Erst am Rand von Dickschied ist etwas Erholung möglich. Waldwege und Wiesen, tolle Ausblicke in die weite Runde belohnen uns. Ringsum ist nichts, was den Blick verstellt. Das ist nachts alles futsch, man sieht ja nur im Lichtkegel was. Zum Aussichtspunkt Scherbensberg geht es schön bergab, ein kleiner Abstecher vom Steig ist hier fest eingeplant, denn ins nächste Tal lohnt sich. Nachts kann man schier verzweifeln, weil dann die Schilder nicht zu sehen sind oder das GPS spinnt…

Endlich laufen wir runter zur Wisper, die ganze Zeit war ja nichts vom Bach zu sehen. Jetzt eigentlich auch nicht, denn der ist fast trocken. Schön ist‘s trotzdem - und wild. Es sind bis zur Quelle noch gut 250 hm auf 10 km Länge, immer auf und ab. Nur eine kalte Quelle bei km 34 ist benutzbar. Immer wieder gibt es überraschende Anstiege und Abzweigungen auf schmale, steinige Pfade. So manches Höhenmeterchen geben wir dabei gleich wieder her.

 

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Informationen Schindertrail-Extended

 

Start/Ziel: 56357 Holzhausen, Firmensitz Hasta la Ultra
Strecke: Schindertrail-Extended Lorch- Holzhausen
Distanz: 1/2 Strecke ca. 60 km/2000 hm, ganze Strecke 125 km/3600 hm
Zeit:  10 h mit Pausen
Untergrund: überwiegend Waldweg/Trail, Schotter.

 

Hier gibt es weitere Informationen

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Das Örtchen Wisper nehmen wir eigentlich kaum wahr, so schnell sind wir hier durch. Ein endloser Waldweg folgt, später geht es über Gras an Feldern lang.  Die nächste Quelle ist ein in Stein gefasstes Schlammloch, Wasser ist kaum zu sehen. Es war zu lange zu trocken.

Hier bei Kemel/Mappershain endet der Wispertaunussteig. Eine Traverse nach Holzhausen ist unmarkiert und nur mit GPS zu finden. Hier sind noch ordentliche Steigungen drin. So zum Beispiel nach Egenroth eine Wiese, steil wie eine dunkelrote Skipiste. Vorher ist alles wunderbar: dichter Wald, offene Felder und manchmal tolle Blick in die Weite. Wie schon erwähnt, das genießt man nur tagsüber…

Kurz vor der Bäderstraße verlassen wir den Track, denn Alex‘ Auftrag lautet, das neue Gipfelkreuz zu bewundern. Da wir bereits auf der Höhe sind, queren wir die Straße und folgen der Spur der Windräder. Bei Quirl Nr. 10 ist der Graue Kopf erreicht.  Daneben steht das nagelneue, sehr schöne Gipfelkreuz. Hier soll der „normale“ Schindertrail) vorüberführen, denn es folgen zwei Highlights: Ein einfach prachtvoller Trail und das Römerkastell. Da geht’s quer durch. Endlich sieht man mal was von den Dimensionen dieser Kaserne. Bisher trabten wir ja zügig dran vorbei.

Nun noch runter vom Berg nach Holzhausen, unserem Ziel. Der eigentliche Extended- Track führt etwas anders dorthin und der dann folgende Schindertrail wieder zum Grauen Kopf hoch. Alle können so die Neuerungen genießen!

Zufällig ist der Grill noch an, der Kühlschrank auch noch gut bestückt und Alex in bester Laune. Das race-result- Zeitmeßteil funktioniert auch einwandfrei. Stärkung tut jetzt not. In den nächsten Stunden trudeln noch viele „zufällig“ vorbeikommende Läufer hier ein. Abstand ist dennoch garantiert. Alle sind überglücklich und hochzufrieden!

 

Fazit

 

Es wäre wirklich schade gewesen, auf den Lauf zu verzichten. Als Privatvergnügen geht es doch auch. Und mit Kreativität lassen sich Versorgungsprobleme prima lösen. Bestes Wetter und gute Laufkameraden haben diesen Tag zu einem besonderen gemacht.

Das macht Lust auf mehr: In 2021 starten wir ganz woanders, im renovierten Römerkastell Pohl! Egal, ob 66 oder 125 km, mit guten, profilierten Trailschuhen, Stöcken, GPS und Proviant ist alles zu schaffen.

 

 

 


 

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