marathon4you.de

 

Laufberichte

Schwarz Rot Gold

 

Heldburg

 

Bereits zwei Kilometer später sehen wir die Heldburg, die auf einem ehemaligen Vulkankegel der Heldburger Gangschar im 11. oder 12. Jahrhundert erbaut wurde. Im 16. Jahrhundert wurde die Anlage zu einem Schloss im Stil der Renaissance umgebaut. Benannt wurde und wird sie als Fränkische Leuchte, als Pendant zur Fränkischen Krone (Veste Coburg). Von oben müsste nach Coburg auch Blickverbindung bestehen.

Wir sehen die Heldburg quasi erst im Rückspiegel, denn auf unserer Laufstrecke ist die Burg im Ortsbereich von Heldburg fast nicht zu sehen. Seit einigen Kilometern begleitet uns die Kreck, ein 20 Kilometer langes Gewässer, das in Gemünda in die Rodach mündet.

Nach einem kurzen Wegstück werden wir in Einöd von ausgeschlafenen Jugendlichen verpflegt. Einige gehören der Bergwacht Thüringens an und helfen auch beim Betrieb der Tankstelle. Einöd ist ein Weiler mit nicht einmal 50 Einwohnern. Wieder auf der Landstraße sind dann linkerhand einige Westernfreunde beim Ausritt zu Ross unterwegs.

 

Lindenau und Autenhausen

 

Lindenau zeichnet sich durch viele schöne Fachwerkhäuser aus. Vor einigen Jahren schnitt der Ort im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mit Auszeichnung ab. Am südlichen Ende liegt der historische Ort Friedrichshall, eine ehemalige Saline. Vom 12. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert wurde hier Siedesalz produziert. 1704 wurden über der Bohrung ein Brunnen-, Siedehaus und ein Gradierwerk erbaut.

Kurz nach Kilometer 20 überqueren wir die Landesgrenze nach Bayern. Erkennen kann man das am Schild des Landkreises Coburg. Ja, an dieser Stelle verläuft das Grüne Band. Im Bereich der früheren Grenze zwischen Ost und West sind heute schon viele Schutz- und Landschaftsgebiete für Natur und Tierwelt ausgewiesen worden.

In der Ferne ist die erste fränkische Gemeinde im Krecktal zu erkennen: Autenhausen. Dort sind die Halbmarathonis, die per Bus heran chauffiert wurden (zum Nulltarif), natürlich längst auf und davon. Knapp 350 Einwohner zählt der zu Seßlach gehörende Stadtteil. Die Staffeln wechseln erneut und bringen ihren dritten Mann oder Frau ins Rennen. Wegen der Straßenenge wird der Verkehr auf 10 Stundenkilometer heruntergebremst. Ob es da Überholmanöver zwischen Marathonspitze und den kriechenden Autos gab?

Ein paar Meter haben sich drei Anwohner bei Bier, Nüssen und Baguette in der Sonne bequem gemacht. Der Läufer sieht das Fünf-Liter-Fass und kriegt augenblicklich Durst. Die Bierdose in der Halb-Liter-Klasse ist mir doch ein wenig zu viel, also lässt man mich aus dem Bierhumpen einen gescheiten Zug machen. Wer weiß, wie Joe auf das Angebot reagiert hätte. Der hätte sich das Fass gegriffen.

 

Beginn der zweiten Hälfte

 

In Gemünda liegt der Beginn der zweiten Hälfte bereits ein wenig zurück. Die Kameraden des Bayerischen Roten Kreuzes betreiben die V-Stelle in Dietersdorf, dem nächsten Ort. Heute mundet mir der angewärmte Tee besonders gut. Damit dem Körper auch genug Brennstoff zur Verfügung steht, schütte ich meist einen Schuss Cola hinein. Noch im Ortsbereich von Gemünda haben ein paar Jungfeuerwehrleute eine private Tankstelle aufgebaut, die mein Interesse weckt. Freibier wird feil geboten. Ich höre mich da nicht nein sagen. Die Jundspunde grölen, als ich einen Becher auf einen Zug leere und mich als Marathoni erkenntlich zeige.

In Dietersdorf, dem südlichsten Ort desr Rundkurses wendet unsere Laufrichtung. Auf einer Betonfahrbahn verlassen wir den bebauten Bereich. Auf den Feldern ist trotz des Feiertages die Maisernte voll im Gange.

Kurz nach Gehegsmühle verlassen wir wieder Bayern. Unmittelbar an der folgenden Tankstelle müsste die Grenzlinie sein, doch in meinem Laufwahn erkenne ich sie nicht. Ich habe heute wie meistens keine Uhr dabei, habe aber das Gefühl, dass ich schnell unterwegs bin.

 

Ummerstadt

 

Kilometer 30, Ummerstadt, hier wechseln die Staffeln zum dritten Mal und bringen den vierten Läufer ins Rennen. Mit rund 500 Einwohnern ist Ummerstadt die zweitkleinste Stadt Thüringens. Im Jahr 1394 soll die Ernennung zur Stadt gewesen sein, die entsprechende Urkunde ist verloren gegangen. Sehenswert sind die Rodachbrücke (von 1565), der Marktplatz mit dem historischen Rathaus sowie die Kirchen St. Bartholomäus und St. Andreas. Der komplette Altstadtbereich steht heute unter Denkmalschutz. Fünf nach Eins zeigt die Rathausuhr, meine Laufzeit wird in die Nähe von 3.30 Stunden gehen. Fast ein wenig rustikal zeigt sich im Ort der Laufuntergrund nach der Wechselzone: Asphalt mit Schlaglöchern und Kopfsteinpflaster.

In Bad Colburg (etwa 120 Einwohner) dominiert das Thermalbad und die Kurklinik die Szenerie. 1907 wurde von einem Kaliunternehmen eine Thermalquelle entdeckt. In Folge wurde ab 1910 ein Badebetrieb aufgenommen. Nach der Wende ließ die LVA Thüringen den Untergrund prüfen und fand eine schwefelhaltige Thermalsole. Die Einrichtungen wurden saniert, neue erbaut und so begann hier die Zeit eines modernen Kurortes, in dem viele Arbeitsplätze geschaffen wurden.

 

Bayerischer Endspurt

 

Kilometer 36, Wüstung Billmuthausen. Vor der Wende lag der kleine Ort in der sogenannten Sperrzone. Nach und nach wurden Gebäude geräumt und abgerissen. 1961 dann Zwangsaussiedlung zweier Familien, 1965 Abriss der Dorfkirche, 1977 Abriss der Mühle und Verkündung der vollständigen Räumung der letzten Häuser. Nicht geschliffen wurde der Friedhof, der heute neben einem Grenzturm besichtigt werden kann.

„50 Meter weiter, und du bist in Bayern,“ erklärt der Helfer, als er mir als Trinkgabe von seinem Bier einschenkt. Und der Hopfentee macht mich schnell, dass ich zwei davon geeilte Staffeln noch vor Gauerstadt stellen kann.

In dem Stadtteil von Bad Rodach mit weniger als 500 Einwohnern spielt an der vorletzten Tankstelle eine Blaskapelle auf. Die Bierbänke sind gut gefüllt und meine Fotografieraktion lässt die Leute applaudieren. Wir laufen an der evangelischen Pfarrkirche vorbei, Endspurt.

Ein richtiger Endspurt ist es bei mir zwar nicht, aber trotzdem kann ich den einen oder anderen Marathoni noch ein- und überholen. Das Ortsausgangsschild von Gauerstadt signalisiert vier Kilometer bis Bad Rodach. Kurz vor Kilometer 41 die letzte V-Stelle. Schon von Ferne erkundigt sich ein Sani nach dem Getränkewunsch. „Bier“ kommt von mir, „leichtes Weizen“ gibt er an die Tischbesatzung weiter und schaut verstört, als ich auf seine zweite Nachfrage beim Bier bleibe. Das steht allerdings nicht auf dem Getränkeplan. So starte ich durch.

Ein paar Wellen stellen sich uns auf den letzten Kilometern entgegen, die stärkste dann in Gestalt der Allee, wo nun die letzten 500 Meter nochmals für hohen Puls sorgen. Ein Mitläufer muss dann kurz vor dem Ziel noch dran glauben. Aber der weitest angereiste Läufer Nikolaj Sustavov aus Omsk kann sich noch ins Ziel retten. Der Russ' ist schneller.

 

Im Ziel

 

Im Ziel warten Tee, Cola und Obst auf die Läufer. Mich zieht jedoch der Stand aus der Stadt nördlich von München an, ihr wisst schon, was es da gibt. Der Zieleinlauf bietet alle Facetten: Glückliche Gesichter, Muskelkrämpfe, eine glückliche Bürgermeisterstaffel (Hendrik Dressel aus Sesslach, Tobias Ehrlicher, Bad Rodach, Martin Finzel, Ahorn und Christian Gunsenheimer aus Weitramsdorf), Jürgen Lange, dem Präsident des Rennsteiglaufvereins, der incognito laufen wollte. Mich überrascht, dass sich der Vorstandsvorsitzende der Medical Park AG, Dr. Ulrich Mauerer, mit 3.24 Stunden unter den Top 10 platzieren kann. Mein Begleiter Franz Steichele, der eigentlich im IVV-Bereich unterwegs ist, kommt mit 4.45 Stunden ins Ziel und ist hoch zufrieden.

Na, wie wäre es für 2014? 25 Jahre Deutsche Einheit, 10 Jahre Medical Park Marathon, die Einladung steht schon heute für den 3. Oktober 2014. Ich höre mich da nicht nein sagen.

Ergebnisse Männer

1. Hauke Dutschak, Klinikum Coburg, 2..49.13
2. Thomas Schiller, MTV Kronberg, 257.16
3. Felix Meyerhöfer, o.V., 2.58.46
4. Dr. Robert Hammerer, TV 1848 Coburg, 3.06.21
5. Marcus Söllner, TSV Scheßlitz, 3.11.17
9. Dr. Ulrich Mauerer, Medical Park, 3.24.18
15. Anton Lautner, marathon4you, 3.33.11.

Ergebnisse Frauen
1. Gabi Thiele, WSV Ilmenau, 3.29.07
2. Silvia Geiger, o.V., 4.20.40
3. Katrin Rossner-Peikert, KSV Pausa, 4.29.00
4. Dr. Gabriele Schick, o.V., 4.39.27.

 

12
 
 

Informationen: Medical Park Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

Das M4Y-Buch

Das M4Y-Buch bestellen

Aktuelle Print-Ausgabe

Das marathon4you.de Printmagazin