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Laufberichte

Tutte le strade portano a Roma

20.03.11

 

Ave Imperator! Morituri te salutant!


Sei gegrüßt, Kaiser! Die Todgeweihten grüßen Dich!

Beim Betrachten so manchen Gesichts könnte man fast meinen, ein Zug Gladiatoren sei erneut auf dem Weg zum Kampf auf Leben und Tod und entböte den damaligen Gruß vor Kampfbeginn. Nun ja, für so manchen wird es sicherlich einen Kampf auf Biegen und Brechen geben, zumindest anstrengend wird’s für alle werden. Nach längerem Überlegen stelle ich mich dann wirklich in den Startblock A, die Versuchung ist einfach zu groß. Mann, ist hier Platz! Die lahmen Enten ab 3 Std. Laufzeit stehen schon wie die Heringe und wir Helden haben sogar Platz zum Einlaufen (worauf ich sicherheitshalber verzichte…). Dann kommen die Schwatten – eine Augenweide! Ich bin wirklich beeindruckt.

Die Nationalhymne wird gespielt und vier Minuten verspätet geht es los. Ich drücke mich an den rechten Rand, um kein Hindernis für die Angeber hinter mir darzustellen. Noch ist die Stimmung gelöst und die ersten Meter auf der Via dei Fori Imperali werden genutzt, überschüssiges Adrenalin abzubauen. Der Vorwärtsdrang wird zunächst durch die Enge der Straßen gehemmt, ein guter Sechserschnitt ist die logische Folge.

 

In dulci iubilo


In frohem Jubel ...

...  zahlreicher Zuschauer umrunden wir zunächst das Kapitol (von „Caput Oli“ – Schädel des Olus, eines hier einstmals begrabenen Etruskerkönigs) auf dem kleinsten der berühmten sieben römischen Hügeln. Wie sagt ein US-amerikanischer Marathonführer so schön: „Everyone romantically speaks of Rome’s original seven hills, and the course finds at least every one of them“ (in etwa: Jeder spricht verklärt von den sieben Hügeln Roms und die Strecke streift letztlich jeden von ihnen). Traumhaft ist der von Michelangelo geplante Kapitolsplatz. Natürlich wird auch die monumentale (Sieges-) Trajanssäule abgelichtet. Auf dem spiralförmig aufsteigenden Fries, der mit 23 Windungen eine Gesamtlänge von 200 Metern erreicht, ließ Kaiser (übrigens von „Cäsar“ entwickelt) Trajan Szenen aus seinen erfolgreichen Kriegen gegen die Daker in den Jahren 101/102 und 105/106 darstellen. Insgesamt sind 2500 menschliche Figuren von etwa 60–75 Zentimeter Höhe abgebildet. Den Kaiser selbst kann man rund sechzigmal identifizieren.

Kaum losgelaufen, winkt schon der Circus Maximus. Bis zu 385.000 Zuschauer sollen hier auf 600 x 140 m Platz gefunden haben. U. a. fanden hier berühmte Wagenrennen (wen hat „Ben Hur“ nicht begeistert?) statt.

Also wenn das so weitergeht, werde ich bald mehr Zeit zum Fotografieren als zum Laufen benötigen! Über die Via Osteniense erreichen wir km 5 und sind von den visuellen Eindrücken schon ganz mitgenommen. Auf der Strecke werden übrigens alle 5 km und an der Hälfte der Strecke die Zeiten chronometrisch erfasst. Außerdem werden lt. Veranstalter weitere, nicht angegebene Messungen vorgenommen. Besch...ummeln ist also unmöglich. Obwohl ich im weiteren Verlauf, auch in der zweiten Hälfte, Personen sehen werde, die rein äußerlich unmöglich so lange so schnell gewesen sein können.

Entlang der Strecke ist auch alle 5 km eine medizinische Betreuung postiert. Zudem stehen ein medizinischer Motorraddienst und eine Diensteinheit für den Rücktransport der Athleten, die das Rennen vorzeitig abgebrochen haben, zur Verfügung.

 

Nil martalibus arduum est


Nichts ist den Sterblichen zu schwer.

Was schon der alte Horaz wußte, setzen wir in die Tat um. Vier Mal führt uns der Weg nun nordwärts bis kurz nach der Halbzeit über den Fluss Tiber (25 Brücken führen in Rom darüber), auf dem Romulus, der spätere angebliche Stadtgründer und sein Bruder Remus in Weidenkörben ausgesetzt worden sein sollen. Bei km 9 sticht die Pyramide des Caius Cestius (Praetor und Volkstribun) ins Auge, die mit der Porta San Paolo ein beeindruckendes Ensemble bildet.

Geradezu erholsam, zumindest fürs Auge, sind die folgenden km durch Wohn- und Gewerbegebiete am Ufer des Tiber. Die Erholung währt jedoch nicht lange: Schon sehen wir die mächtige Kuppel des Petersdoms auf uns zukommen und streifen den Petersplatz. Tja, das haut einen wirklich um. Petersdom und –platz muß man einfach gesehen haben. Es ist ein erhebendes Gefühl, darauf zu- und vorbeizulaufen. Es ist völlig sinnlos, die Kamera einstecken zu wollen, die werde ich heute wohl den ganzen Lauf über in der Hand haben müssen (war auch so).

 
 

 

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