marathon4you.de

 

Laufberichte

Frankfurt dreht auf

29.10.12

Der lange Weg durch Frankfurts Suburbia

 

Über die Alte Brücke, die älteste  der Frankfurter Mainbrücken, queren wir bei km 13 den Fluss. Von hier hat man einen der schönsten Ausblicke auf die Skyline der Frankfurter Innenstadt. Kein Wunder, dass das Motiv der vor dieser Kulisse dahinziehenden Läuferkarawane das wohl beliebteste Werbebild des Marathons darstellt. Dominiert wird die Skyline aus unserer Perspektive vom Commerzbank Tower, mit 259 m Höhe bis Juli diesen Jahres immerhin der höchste Büroturm der EU.

Die Brücke bedeutet gleichzeitig einen Schnitt im Streckenkurs. Wir verlassen mit ihr den Bereich der Innenstadt und steuern von hier geradewegs und immer weiter der Frankfurter Vorstadtprovinz entgegen.

Den Anfang macht freilich die alles andere als provinzielle Museumsmeile, der wir auf der anderen Flussseite direkt am Main entlang folgen. Die Museen für Angewandte Kunst, Weltkultur, Film, Architektur geben sich hier die Klinke. Der Blick der Läufer geht allerdings eher in die andere Richtung, hin zum Fluss und der sich dahinter auftürmenden Hochhauskulisse. Leider geben die  dicht belaubten Bäume immer nur für Momente den Blick frei.

Einen knappen Kilometer weiter kehren wir dem Fluss den Rücken zu und tauchen, von den Bewohnern herzlich begrüßt, ein in Frankfurts größten Stadtteil: Sachsenhausen. Alte Bürgerhäuser säumen die Straße, schon bald wird die Bebauung lockerer, die Umgebung grüner. Es beginnt die Zeit der langen Geraden, die Zeit, in der wir 10 km tief in den Frankfurter Westen vorstoßen. Den Anfang macht die breite Kennedyallee. Ruhig wird es auf diesen Kilometern, optische wie akustische Reize: Fehlanzeige. Aber die Läufer stehen noch gut im Saft und so fließen diese Kilometer recht entspannt dahin. Besonders schön: der km 17, ein Kilometer, der uns Natur pur mit dichtem herbstlich eingefärbtem Laubgehölz beidseits der Straße bietet.

Der Stadtteil Niederrad steht als nächstes auf dem Besuchsprogramm: zunächst der historische Teil, dann aber langsam ins graue Einerlei eines Gewerbegebiets abgleitend. Die Autobahn A5 markiert die Grenze zu Schwanheim. Schwanheim präsentiert sich uns als Schlafvorstadt par excellence. Kleine Einfamilien- und Doppelhäuser, manchmal auch ein paar Wohnblocks, bestimmen das Bild, soweit das Auge reicht oder besser gesagt: soweit uns die Füße tragen. Verschlafen ist gerade Schwanheim jedoch gar nicht. Feste, vom kleinen Nachbarschaftstreff bei Kaffee und Kuchen bis zur groß organisierten Straßenfete mit Bier und Blasmusik liefern uns immer wieder Unterhaltung.

"Come on, light my fire" - rockige Liveklänge begleiten uns bei km 24 an der einzigen Stelle unseres Rundkurses, der wohl das Prädikat "Steigung" verdient. In einer 360 Grad-Drehung windet sich die Laufstrecke hinauf zur Bundestraße B40 - Höhendifferenz 20 m, wow,  -  über die wir sodann den hier beschaulich naturumrahmt dahin fließenden Main queren und geradewegs unser nächstes Zwischenziel ansteuern: Höchst.

 

"Höchst"-Stimmung

 

Mit Höchst erreichen wir den Ort, an dem der Frankfurt Marathon seine Wurzeln hat, an dem alles begann und in den ersten Jahren gestartet und gefinisht wurde. Die meisten werden diesen Ort primär mit dem gleichnamigen ehemaligen Industriegiganten Höchst AG und mit Schlagworten wie Chemie, Farben und Pharma in Verbindung bringen. Die andere Seite von Höchst ist jedoch: Eine gänzlich intakte Altstadt mit verwinkelten Gassen und viel Fachwerk - mittelalterliche Idylle nahe der Großstadt. Und es ist diese Seite, die wir als Läufer zumindest ein wenig kennenlernen dürfen.

Und noch etwas gibt es, für das der Begriff "Höchst" gerade in Verbindung mit dem Lauf steht: "Höchst"-Stimmung. Euphorische Menschenmassen, die nur einen schmalen Durchlaufkorridor lassen, das war für mich eines der prägenden Erlebnisse vom Frankfurt-Marathon 2003. Entsprechend hoch sind meine Erwartungen heute. Nun ja, es sind durchaus eine ganze Menge Leute an der Strecke, es wird Musik gespielt und ein Streckenmoderator macht Stimmung. Nur ganz offen: Auf das eher reserviert dreinblickende Publikum scheint sich das nicht so recht zu übertragen. Ich bin offen gesagt etwas enttäuscht. Was ist los? Ein wenig ernüchtert ziehe ich von dannen. 

 
 

Informationen: Mainova Frankfurt Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner
 

Anzeige

Das M4Y-Buch

Das M4Y-Buch bestellen

Aktuelle Print-Ausgabe

Das marathon4you.de Printmagazin