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Laufberichte

Nicht überall bedeutet Winter Schnee und Eis

28.02.10
Autor: Klaus Duwe

Die Straße ist für den Verkehr gesperrt. Das nimmt nicht jeder Driver klaglos hin. Ich beobachte, wie auf der Gegenfahrbahn heftig diskutiert wird. Der Fahrer lehnt sich weit aus dem Fenster, gestikuliert mit beiden Armen und wird ziemlich laut. Dem Polizisten wird das offensichtlich zu blöd und er lässt ihn passieren. Er kommt nicht weit. 300 m weiter die nächste Kreuzung, diesmal von einer Polizistin bewacht. Wieder anhalten, wieder Diskussion. Die Dame ist gnadenlos. Keine Chance für den Macho. Er muss nach links die Fahrbahn verlassen.

Bald kommen uns die ersten Zehner  entgegen, dann kommt deren Wende und das größte Läuferkontingent verlässt unseren Kurs. Ich genieße den Lauf, die Sonne und die angenehme Temperaturen. Dass es ziemlich ruhig auf der Strecke ist, stört mich nicht. Ich schaue immer wieder auf das Meer und die meist felsige Küste. Sandstrände sind hier selten. Alle 2,5 km kommt eine Getränkestelle, es gibt Wasser und an jeder Zweiten zusätzlich ein isotonisches Getränk. Wer’s braucht, sollte sich was zum Essen selber mitnehmen. 

Die Halbmarathonis bevölkern jetzt die Gegenbahn und als ich bei der Wende weiter dem Marathonkurs folge, sehe ich nur ganz vorne auf der schnurgeraden Straße noch zwei Läufer. Ab und zu glauben ein paar Passanten mich aufmuntern zu müssen.  Ich laufe stur in meinem Wohlfühltempo. Niemand animiert mich zu mehr Speed, niemand hält mich auf. Laufen, wie ich es mag. Noch dazu in einer wunderschönen Umgebung bei herrlichem Wetter. I feel good.

Die Kenianer kommen mir entgegen, dann dauert es eine ganze Weile, bis der Rest des Feldes folgt. Ziemlich bald schon kommt Emily, meine liebste Freundin auf Zypern. 2007 habe ich sie in Pafos kennengelernt, als sie ihren ersten Marathon gelaufen ist. Mittlerweile  ist sie so gut drauf, dass sie mich um über eine Stunde abhängt.

Die Straße steigt jetzt spürbar an und verläuft hoch über dem Meer, das man über die Hausdächer hinweg sehen kann.  Am Ende der Steigung kommt bei km 12,5 die Wende. Ungefähr 400 Meter vor mir wenden zwei Läufer, dann bin ich aber gespannt, ob überhaupt noch jemand hinter mir ist. Bis fünf zähle ich, darunter sind auch Mark und Wassam aus Beirut. Sie sehen gut aus. Mal sehen, ob ich sie mir vom Leib halten kann. Theodoros bremst meinen entspannten Lauf. Er bildet das Schlusslicht und will wissen, wie weit es noch bis zur Wende ist. „500 Meter!“ Ich sage ihm nur die halbe Wahrheit, zu sehr ist er am Kämpfen.

Auch wenn es jetzt auf gleicher Strecke zurück geht, langweilig ist das nicht. Viel zu schön sind die Ausblicke und Eindrücke.  Nach der Halbmarathonmarke werden die Straßen deutlich belebter und plötzlich sehe ich auch immer mehr Läuferinnen und Läufer vor mir. Es sind die Letzten des Halbmarathonfeldes, wie sich herausstellt. Sie gehen ihre restlichen 2 km. Es tut dem Ego natürlich gut, wenn man ein paar  junge Leute einigermaßen flott überholen und dann noch weitere 20 Kilometer laufen kann.

Bei ungefähr km 25 wird das Start- und Zielgelände passiert. Das Interesse der Zuschauer gilt den Finishern auf der Gegenbahn und ich mache mich, jetzt weitere fünf Marathonis im Blickfeld, mehr oder weniger unbemerkt auf den nächsten Streckenabschnitt. Gleich im Anschluss kommt man an dem 2003 angelegten Skulpturenpark vorbei, der bei der Bevölkerung sehr beliebt ist. Es gibt einen 1000 Meter langen breiten, asphaltierten Weg direkt am Meer, auf dem es zu bestimmten Zeiten zugeht wie bei einem Volkslauf.  Der Park endet beim alten Hafen, wo einmal die Burg stand, auf der Richard Löwenherz sein Herzblatt Berengaria von Navarra heiratete und zur Königin von England krönte.

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Informationen: Limassol Marathon
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