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Laufberichte

Premiere am Kronplatz

18.09.10

Später kann ich auf Tiziana Pignatelli auflaufen. Die springt mir dann bei jeder Fotoarbeit wieder davon. Enneberg ist der letzte Ort vor dem Funkelpass. Mittlerweile nebelt es gehörig. Keine 100 Meter sind zu sehen. Enneberg ist eine der fünf ladinischen Gemeinden des Gadertales. An der Kirche sind eindrucksvolle Malereien zu sehen. Bis ich wieder zwei, drei Bilder gemacht habe (oder habe ich geschlafen?), ist mir Tiziana auf dem folgenden Gefällestück bestimmt  200 Meter voraus. 19 Kilometer liegen schon hinter uns.

Übrigens, vom Begriff „Ladinisch“ habt Ihr bestimmt schon mal gehört. Das ist eine romanische Sprache, die im Gadertal sowie in den Tälern um den Sellastock gesprochen wird. Damit wir auch ein wenig lernen, „Bun Dé“  ist eine Grußformel.
 

 

Hinauf zum Furkelpass

 

Nach Enneberg beginnt der rund fünf Kilometer lange Anstieg zum Furkelpass. Bei Kilometer 20 bin ich glücklich, dass das Getränk nun angewärmt ist, denn es ist bei dem Nieselregen schon kühl geworden. Am eigentlichen Abzweig zum Furkelpass, eine Spitzkehre, geht es dann richtig zu Sache. Einige marschieren schon, ich kann jedoch gerade noch laufen,  die Verfolger sind beim folgenden Fotostopp gleich wieder da. Aber es ist hier nicht ein Kampf Mann gegen Mann, sondern man unterstützt sich gegenseitig.

Gerhard Kremer ist ein Landsmann, den es, soweit ich mich erinnern kann, beruflich nach Südtirol verschlagen hat. Immer wieder läuft er auf, dann ist er wieder vorne, dann komme wieder ich von hinten. Jetzt geht es ein paar Kehren auf Almwiesen steil empor. Nur wenige Läufer sind hinter mir zu sehen.

Bei Kilometer 24 überhole ich Lombardi Raffaele. Auf meine Frage, wie es geht und steht, antwortet er „I am finished.“ Englischkundige bemängeln wohl den Ausdruck. Dass er erledigt ist, auf das komme ich später. Nur noch sechs Kilometer.

Vor mir einer im roten Shirt und schwerer Kamera. Andreas Leiter hat die Aufgabe, einen Film über den Lauf zu drehen, den er dann später auf die Homepage des Veranstalters stellen wird. Wir unterhalten uns über das Rennen, und das bei laufender Kamera.

Dann sind wir beide beim Furkelpass auf 1789 Meter angekommen. Aus dem links liegenden Gasthaus sind einige Personen nach draußen gegangen und machen uns Beine für den Endspurt. Die nebenanliegenden Kapelle mit dem aufgemalten Ave Maria holt uns auf den Boden der Realität zurück.

 

Das Giggerle zeigt zum Kronplatz!

 

Den letzten Teil der Strecke nehme ich mit einem Schwung in Angriff, doch die Steigung nimmt wieder zu. Auf dem Asphalt sehe ich den Kopf eines Gockels aufgemalt, das Kronplatz-Logo.  Und dann lese ich „Noch 480 Höhenmeter!“ Den Spruch, so erfahre ich später, hat am Morgen der Hermann da noch hingemalt. Will er uns da noch mürbe machen? Wenn die Kapelle mit dem Ave Maria nicht wäre, dann hätte ich die Sachsen gerufen.

Mit der Marschiererei trifft es mich nun auch. Der Höhepunkt auf dem Weg zum Gipfel sind dann die 13 Spitzkehren. Jede ist mit einem Plakat versehen. Manchmal sind gerade die Kurven sausteil. Am morgigen Renntag können die Biker aufgrund des tiefen Schotters beweisen, dass sie es draufhaben. Die Kehren gehe ich und kann dann wieder ein Schneckenlauftempo aufnehmen. Andreas bleibt mit seiner Kamera zurück.

Kehre drei (es wird zurückgezählt), da geht mir fast der Gaul durch, denn es gab 1956 und 1959 den Charly Gaul, der hat in diesen Jahren den Giro d’Italia gewonnen. Der Luxemburger Kletterspezialist wurde auch „Engel der Berge“ genannt. Ob den bei seinen Etappen in den Bergen mal ein Fluch ausgekommen ist?

Kilometer 29, wir haben den Wald verlassen. Der Nebel lässt keine gescheite Sicht zu. Ich kann gerade noch erkennen, dass 200 Meter vor mir einer läuft. Der ist wahrscheinlich schon zu weit weg.

Kehre eins mit dem Konterfei von Marco Pantani: Dazu sage ich aus gutem Grund nichts. Weiter. Dann kommt ein Schild mit einem Smiley. Der letzte Kilometer. Und der hat es in sich.

Drei Bergkameraden kommen entgegen. Sie motivieren. „Kann mich einer ein wenig anschieben?“ so meine kleine Bitte. Einer macht es dann und so kann ich wieder laufen. Und wenn es nur 20 Meter sind.

Dann die steilste Rampe. Rechts ist ein Holzgatter angebracht. Ich glaube, das sind annähernd 30 Prozent Steigung. Kann man hier überhaupt hochradeln? Leichter ginge es auf allen Vieren.

Kilometer 30, noch 600 Meter. Jetzt sind alle 100 Meter markiert. In Laufrichtung sehe ich einen Betonklotz, aus dessen Richtung ich Musik und Lautsprecherdurchsagen höre. Dann führt unser Weg an dem Betonklotz vorbei, der sich jetzt als Restaurant Kron entpuppt. Die letzen Meter gehen dann bis zur höchsten Stelle am Kronplatz auf 2275 Meter. Zieleinlauf unter dem modernen Tor des Erdinger Bierspezialisten. Vor mir sehe ich die Concordia 2000, die Friedensglocke es Künstlers Paul de Doss-Moroder.

Was sagt das Zeiteisen? 3.11.51 Stunden, Platz 55 von 86 Männern. Ist vielleicht noch ausbaufähig. Rang acht in der Klasse, schaut schon besser aus. Ich schnappe mir ein Bier, leere den Becher und verschwinde im Restaurant Kron. Es ist mir hier mit rund fünf Grad und Wind zu ungemütlich. Eine Erkältung will ich nicht riskieren.

Im Untergeschoss des Restaurants können wir uns umziehen und verpflegen. Neben Iso und Wasser erhalten wir Kuchen, Schokoriegel, Waffeln, Obst. Das Finishershirt gibt es nebenan. Der Bon für die Nudeln kann oben eingelöst werden.

 

Sieger

Männer

1. Rungger Hannes, Sarntal (BZ)              2:07.32,0   
2. Achmüller Hermann, Pfalzen (BZ)           2:10.44,8     
3. Niederegger Thomas, Stilfs (BZ)           2:11.16,3  

Frauen

1. Keydana Sigrid,  D-München                3:00.01,4  
2. Siller Monika, Schlanders (BZ)            3:02.26,9    
3. Kerschbaumer Anna, Latsch (BZ)            3:08.04,8  

91 Finisher

Streckenbeschreibung:
30,6 Kilometer mit 1490 Höhenmetern. Schwere Steigung zum Funkelpass und zum Kronplatz. Alles asphaltiert bis auf den letzten geschotterten Teil zum Ziel ab Funkelplatz.

Auszeichnung:
Funktionsshirt, Urkunde aus dem Internet, alle Teilnehmer der Kombinationswertung Run und Bike erhalten eine Kiste mit Äpfeln. Sachpreise für die Schnellsten Gesamt und Altersklassen.

Logistik:
Parkplätze in unmittelbarer Nähe. Bahnhof in Gehweite. Gepäcktransport zum Ziel. Rücktransport durch Bergbahn bzw. Shuttles von der Talstation zum Rathausplatz.

Verpflegung:
Sieben V-Stellen mit angewärmten Iso, Riegel, Obst. Wasser in Plastikflaschen. Erweiterte Zielverpflegung (Kuchen, Schokoriegel etc.) und Nudelbon für die Siegerehrung

Zuschauer:
Aufgrund der Strecke nur in den Ortschaften und bei den V-Stellen vorhanden.

Fazit:
1000 Teilnehmer sind ein ehrgeiziges Ziel. Der Zeitpunkt jetzt im September ist in meinen Augen allerdings etwas ungünstig, zumal vor Wochenfrist der Lauf in Sexten zur Drei-Zinnen-Hütte stattgefunden hat. Wie wäre es als Vorbereitungslauf zum Brixen Marathon?

 

 

Tour zu den Drei Zinnen, Bilder aus Sexten

 

 

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Informationen: Kronplatz Run
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