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Laufberichte

Türme, Kirchen, Brücken und Paläste

27.11.11
Autor: Klaus Duwe

Dafür leistet mir das Team von „Marathon Abili“ Gesellschaft, alles natürlich ausgezeichnete Läuferinnen und Läufer, für die Zeiten um 3:00/3:30 kein Problem sind. Heute widmen sie sich aber voll und ganz einer anderen Aufgabe. Nicht nur, dass sie die behinderten Jungs und Mädels in ihren Rollstühlen (das sind keine Rennmaschinen!) über die Strecke schieben, nein, an jeder Verpflegungsstelle kümmern sie sich um Getränke und Essen, überprüfen Helme und Sicherheitsgurte. Und das mit so großer Freude, dass sie überall für Begeisterung sorgen. Bei den Betroffenen, die bestimmt den schönsten Tag des Jahres erleben, sowieso. Aber auch bei den Läuferinnen und Läufern und vor allem bei den Zuschauern. Mehr Applaus bekommen auch die Sieger nicht. Und das ist recht so.

Bei km 15 verlassen wir den Park, queren über die Ponte Vittoria den Arno und laufen an etlichen alten Wehrtürmen, Portalen und Gemäuern dem Fluss entlang, bis es plötzlich rechts in eine schmale Gasse geht, die uns geradeaus zur Porta Romana (km 18) führt, was einmal aus Rom kommend der Zugang zur Stadt war. Blasmusik und viele Zuschauer sorgen für Stimmung.

Ein kleines Schild an einem unscheinbaren  Tor weist den Weg zum Giardino Boboli, der zum Palazzo Pitti gehört und bekannt ist für seine Skulpturen. Wenig später sehen wir den riesigen Palazzo (km 19), den größten in Florenz überhaupt. Er wurde nach Plänen von Filippo Brunelleschi gebaut, dem die  Kuppel des Florentiner Doms Santa Maria del Fiore zu verdanken ist. Den Medicis lag der Plan für den Palazzo ebenfalls vor. Denen war er aber protzig (!). Der Bankier Luca Pitti aber sah eine Möglichkeit, dem mächtigen Rivalen und dem Volk zu zeigen, dass mit den Pittis zu rechnen ist.

1448 wurde mit dem Bau begonnen. Die Fenster im ersten Stock sollten so groß sein, wie das Eingangsportal des neuen Medici-Palastes. Aber schon damals waren Kostenvoranschläge nicht das Papier wert, auf denen sie geschrieben waren. Der Bau verschlang Unsummen und musste nach 18 Jahren eingestellt werden. Erst 80 Jahre später kaufte Eleonora di Toledo die „Baustelle“ mitsamt dem Garten. Die reiche Dame war die Gemahlin von …. Cosimo Medici! So wurde der einst als zu protzig eingestufte  Palazzo doch noch die Residenz der Medicis. Später gab es einen Korridor vom Wohnsitz über die Ponte Vecchio zu den Uffizien und dem Palazzo Vecchio.

Als Florenz 1865-1871 Hauptstadt von Italien war,  war der Palast sogar die Residenz des Königs. Heute sind in den Museen und Galerien des Palazzo Pitti Werke von Tizian, Raffael und Rubens zu sehen.

Gleich sind wir an der Alten Brücke (Ponte Vecchio), bleiben aber zunächst am diesseitigen Ufer und sehen hinüber zu den Türmen, Portalen und Kuppeln der Stadt, die sich im Wasser des Arno spiegeln.  Die Stadtbefestigung hatte einmal sage und schreibe 63 Türme und 12 monumentale Tore. Einige davon haben wir bereits gesehen, andere folgen. Auch der Torre San Niccolo hier an der Uferstraße gehört dazu und das Belvedere, nicht weit von hier.

Die Ponte San Niccolo ist eine der neueren Brücken in Florenz. Auf ihr queren wir den Arno und erreichen die Halbdistanz unweit des Startgeländes. Von einem Sightseeing-Bus aus wird uns wieder eingeheizt und jede Menge Zuschauer feiern die Läufer. Es ist ein Fest heute, an dem alle ihre Freude haben.

Durch eine lange Pinienallee laufen wir ostwärts immer entlang des Flusses. Pinien gehören zur Gattung der Kiefern und werden ihrer Form auch Schirm-Kiefer genannt. Ihr Samen, die Pinienkerne, sind in der italienischen Küche sehr beliebt.  Auch meine liebste Pasta-Zutat, „Pesto alla Genovese“ kommt nicht ohne aus.

Die laute Disco-Musik kommt aus der OBI-Hall, einer zeltartigen Konzertarena. Heute Abend findet hier die Marathon-Party statt, die man nicht verpassen sollte. Die zusätzlichen Kosten (10 Euro für Teilnehmer, 15 Euro für Begleiter) sind sehr gut angelegt. Es gibt ein kaltes und warmes Büffet, Wein und ein professionelles Showprogramm.

Lucy und Christopher kommen aus England. Er hat heute in den Wäscheschrank seiner Frau gegriffen und sorgt mit Superbusen und Stringbody mächtig für Aufsehen, was seine Lucy amüsiert from distance beobachtet.

8 Verpflegungsstellen sind eingerichtet. Es gibt warmen Tee, Wasser und Iso, Gebäck, Riegel, Obst und Gel, Nüsse und Rosinen. An 7 weiteren Stellen dazwischen gibt es Schwämme. Da wird sich keiner beklagen. Die Helferinnen und Helfer tragen heute übrigens blaue Regencapes. Das Wetter letztes Jahr war wohl doch zu heftig. Heute sind sie damit aber eindeutig „overdressed“.

Bei km 27 sind wir beim Campo di Marte, wo man sich auf der Marathon-Expo die Startunterlagen holt. Die Messe ist nach Rom die größte dieser Art in Italien. Rechts und links der Straßen sind bereits Parkplätze für das naheliegende Stadio Comunale  “Artemio Franchi” ausgewiesen, Heimat des AC Florenz. Das Stadion wurde zur WM 1990 umgebaut (wer wurde Weltmeister?) und ist seither Vorbild für viele weitere Neubauten.

Wir umrunden das schmucke Stadion (km 29) und ich kann zu den 4:45-Pacern aufschließen, die mich unbemerkt irgendwo bei der Halbdistanz überholt hatten. Bei der Brücke über die Gleisanlagen muß die einzige nennenswerte Steigung genommen werden. Dort hole ich auch die Gruppe mit den Rollstuhlfahrern wieder ein. Bevor sie mit ihren behinderten Freunden die Abfahrt wagen, werden die Gurte überprüft. Den “Piloten” geht es viel zu langsam die steile Piste hinunter. Aber die Läufer gehen kein Risiko ein.

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Informationen: Firenze Marathon
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