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Laufberichte

Vom Laufen ohne Vorbereitung

07.07.12

Nebel und Regen waren stärker geworden, auch etwas kühler, ein paar Bilder konnte ich noch machen, bevor ich die Kamera wegpacken musste. Aber der Gipfel war bald erreicht und man hätte eigentlich den Turm sehen müssen, lag er doch keine 200 m vom Weg entfernt, heute aber war er vom Nebel verschluckt. Auf meinen Bildern aus 2007 ist zu sehen, dass auch noch einige andere militärischen Relikte neben dem Weg waren, aber auch die waren „unsichtbar“.

Von hier oben aus sind es vielleicht 25-30 km Luftlinie Richtung Osten bis zur Grenze nach Tschechien, weit und breit ist der Schneeberg der höchste Gipfel. Während der Zeit des Kalten Krieges bot es sich daher an, den „Feind“ von hier oben aus mit Antennen und Parabolspiegeln zu belauschen. Ein Großteil des Gipfels war daher militärisches Sperrgebiet und zum besseren Lauschangriff wurde Anfang der 60er Jahre der Turm gebaut. Erst in den Jahren 1992 bis 94 wurden die militärischen Anlagen aufgegeben und jetzt sind hier nur noch Mobilfunkantennen in Betrieb. Der Turm aber steht noch und soll mit weiteren militärischen Relikten unter Denkmalschutz gestellt werden. Damit man sich eine Vorstellung machen kann, „schmuggle“ ich zwei Archivbilder von meinem Lauf 2007 mit in meine Bilderserie hinein.

Hier oben war auch die zweite Verpflegungsstelle aufgebaut, bestens besetzt, mit Personal, aber auch mit Auswahl an Speisen und Getränken. Wir hielten uns aber nur ganz kurz auf, das Wetter lud über-haupt dazu nicht ein und auch die beim Aufstieg verlorene Zeit musste eingeholt werden. Es reichte nur noch für ein Bild von Angelika mit dem Alphornbläser, um uns dann den Weg hinunter zu stürzen.

In der Tat ging es richtig steil auf grobem Schotter abwärts, aber bereits nach dreihundert Metern ging es nach links weg. Damit man hier nicht versehentlich geradeaus weiter abwärts lief, stand an dem Abzweig ein Streckenposten und passte auf. Überhaupt muss ich erwähnen, dass alle kritischen Wegstellen stets durch Posten gesichert waren, seien es Straßenübergänge, oder auch potenzielle Verlaufmöglichkeiten – vorbildlich!

Der Weg war ab hier fein geschottert nicht mehr so steil und gut zu laufen. Wir kamen am Tausendmeterstein vorbei und es ging weiterhin meist sanft abwärts. Die erste der beiden Steigungen, die das Höhendiagramm zeigte, war ja oben an der Verpflegung überwunden und man „verlor“ vom Gipfel auf den nächsten 12 Kilometern bis Tröstau hinunter wieder knapp 500 Höhenmeter. Ideale Bedingungen also, um Tempo zu machen. Zwar kamen immer wieder auch ebene Abschnitte und es ging es zwei, drei Mal sogar ein paar Meter aufwärts, aber das hinderte nicht, die Tendenz hieß abwärts durch den Wald!

Auch das Wetter machte mit, der Regen hatte aufgehört und wir liefen so vor uns hin, ich wusste vier Läufer hinter mir und hätte eigentlich bester Stimmung sein müssen, aber die fehlenden Trainingseinheiten der letzten sechs Wochen machten sich immer mehr bemerkbar. Das Radfahren war ja gut, aber fürs Laufen ist es ganz offensichtlich nicht hilfreich. Bergauf profitiert man vielleicht ein wenig davon, aber abwärts auf keinen Fall. Meine Oberschenkel schmerzten mächtig und ein „rundes Laufen“ war mir nicht möglich. Direkt nach meinem 100-km-Lauf in der Toskana wäre ich hier ganz anders gerannt. So aber fügte ich mich eben in mein Schicksal und trabte vor mich hin.

Zwei weitere Verpflegungsstellen passierten wir unterwegs, stets von freundlichen Helfern betreut. Auch wenn wir sonst alleine liefen, machte ich mir um den Weg keinerlei Sorgen. Ich habe in meinem Läuferleben schon viele Landschaftsläufe gemacht, eine so gute Ausschilderung wie hier aber nur bei ganz wenigen großen Veranstaltungen angetroffen. An jeder Gabelung oder Kreuzung war mit blauer Farbe riesengroß ein M mit einem Richtungspfeil auf den Boden gemalt, einige Meter vorher machte ein Schild bereits auf die Richtung aufmerksam und einige Meter danach kam ein Flatterband zur Kontrolle, dass man richtig gelaufen war. Zweigte ein schmaler Pfad rechts oder links von der Strecke ab, war der mit einem Flatterband gesperrt. Besser geht es nicht!

Noch immer liefen wir im Wald, das Wetter war deutlich besser und wärmer geworden, die Sonne aber noch nicht zu sehen. 70 Minuten nach dem Gipfel war Leupoldsdorf erreicht und bald auch die dortige Verpflegungsstelle am ehemaligen Bahnhof im Ort. Genau hier beginnt ein Radweg auf der Trasse der vor 19 Jahren stillgelegten Nebenbahnlinie über Tröstau, Wunsiedel bis nach Holenbrunn. Heute ist das der Beginn und Teil eines 40 Kilometer langen Radwegs bis nach Asch in Tschechien.

Hier im Ort waren auch vor mehr als zwei Stunden um 9 Uhr die etwa 200 Halbmarathonis gestartet, die meisten davon waren wohl bereits im Ziel, während wir noch 20 Kilometer vor uns hatten.

Knapp zwei Kilometer verlief die Strecke ab hier auf dem Radweg. Man wurde unterwegs gut gesichert über eine Straße geleitet, lief weiter bis nach Tröstau, durch den Ort hindurch bis VP 6 (km 24,5) kurz vor Ortsende. Wie immer war Wasser, Iso, Cola im Angebot, Banane, Apfelschnitze, Schokolade, Brotstücke und alles auch bestens betreut von mehreren freundlichen und hilfsbereiten Helfern. Neben der Ausschilderung und Wegeführung muss ich daher auch die Verpflegung lobend erwähnen. Insgesamt 12 Wasser-, bzw. Verpflegungsstellen verteilt auf den Marathon, da darf es ruhig auch mal heiß werden.

So, jetzt kam der zweite Anstieg, mit knapp 200 Höhenmeter nur halb so viel wie auf den Schneeberg und mit 2,5 km auch bedeutend kürzer. Aber es war wärmer geworden. Die Teerstraße, der wir entlang liefen, schlängelte sich den Berg hoch, vorbei am Golfplatz. Dort hatten wir 26 km in den Beinen. Es ging also nicht mehr ganz so gut, wie beim ersten Anstieg, aber wir konnten trotzdem nahezu alles joggen. Nach einem Kilometer war Fahrenbach erreicht, die Teerstraße endete und wir waren wieder auf einem Wirtschaftsweg.

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Informationen: Fichtelgebirgsmarathon
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