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Laufberichte

Metzingen macht allen Spaß!

08.07.12

Am Ende der Heerstraße geht der Weg in einen neuen Radweg über, der aus Metzingen heraus und nach Neuhausen herein führt. Zur Linken sehen wir an den Hängen die Metzinger/Neuhauser Weinberge. Seit rund 1400 Jahren werden hier Reben kultiviert. Kein Wunder, dass uns am Ortseingang von Neuhausen die erste Verpflegungsstelle an einer Kelter erwartet. Zwei Kilometer sind absolviert, das Niveau steigt ständig, aber nur leicht an. Fünfzehn Höhenmeter haben wir hinter uns gebracht. Von Neuhausens schöner Altstadt sehen wir leider nichts. Vorbei an der Kelter geht es am Rande Neuhausens vorbei. Der herrliche Blick über die bestellten Felder hinweg zu den Rebhängen und auf die andere Talseite zum naturbelassenen Albtrauf ist dafür wieder frei.

Auf den nächsten zweieinhalb Kilometern bis zu den ersten Häusern von Dettingen kommen noch einmal 15 Höhenmeter hinzu und wir dürfen auch mal auf 200m fester Schotterpiste laufen. Kurz darauf treffe ich auf Daniel Walker, Peter Sautter, Michael Kober und Tobias Betz. Den vier Reutlingern macht ihr erster Halbmarathon sichtlich Spaß. Den ganzen wollen sie aber doch erst im nächsten Jahr mit mir laufen. Ich nehme Euch beim Wort Jungs!  Ihr könnt mich über die Autorenseite kontaktieren.

Die einzige Kreuzung auf diesem Abschnitt wurde durch die örtliche Landespolizei wieder bestens gesichert. Über die Kappishäuser Straße geht es stadteinwärts. Bei km 5 kommen mir im Starkregen auch die TuSsies entgegen.

Die Handballer Metzingens sind wohl der Grund, warum sich m4y-Autor Daniel Steiner 2009 fragte, "ob Marathon in Metzingen wirklich eine solche Randsportart ist, dass die großen Namen (Horst Preisler) nicht besser bekannt sind." Die Metzinger TuSsies, also die Damen-Handball-Mannschaft des TuS Metzingen, hat in diesem Frühjahr bereits zum 3. Mal seit 1997 den Aufstieg in die erste Frauen-Bundesliga geschafft. Nachdem man 1997 aus wirtschaftlichen Gründen auf einen Aufstieg freiwillig verzichtete und 2007 der Aufstieg, wegen des Einsatzes einer nicht spielberechtigten Spielerin am grünen Tisch aberkannt - und die zuvor gewonnene Play-Off-Runde ohne Metzinger Beteiligung neu ausgespielt - wurde, wird nun der souveräne Aufstieg auch in die Tat umgesetzt. Apropos Tat: In der Tat nutzen die Metzinger Bundesliga-Handballerinnen den im Rahmen des Marathons angebotenen 10 km Lauf als Trainingseinheit.

Dann die Blasmusik, von der Anton Lautner vor zwei Jahren glaubte, dass sie eigentlich gar nicht spielen könnten und sie ihm nun das Gegenteil lautstark beweisen wollten. Am Kelterplatz steht der Chef-Pizza-Macher wie jedes Jahr, heute im Regen und ohne Familie. 

Die Stimmung unter den Läufern ist hervorragend. Man kann heute schlicht mit jedem "a Schwätzle halte",  wie es im Schwäbischen heißt.

Noch einmal zum Gerhard - der legt heute ein unfassbares Tempo vor, dabei wollte er doch eigentlich 4 Stunden laufen. Jedenfalls muss ich nach jedem noch so kleinen Fotostopp kräftig hinterher rasen. Ganze 3 km bleibe ich am heutigen Tage jeweils deutlich unter 5 min/km. Da muss ich mal nachhaken.

Wenige Meter weiter erreiche ich einen sehr, sehr markanten Wegpunkt.  Auf dem zweiten Rückweg möchte ich diese Stelle, dann bei Kilometer 37, in 4 Stunden passiert haben. Denn hier ist der Start derer, die zweckmäßigerweise eine achtspurige Autobahn für ihre Wettkämpfe brauchen würden: Die Walker.

Dettingen, im Jahr 1089 erstmals urkundlich erwähnt, weist übrigens bis heute gerne darauf hin, dass einem der Reutlinger Nachbar nicht immer wohlgesonnen gewesen war. Kein Wunder, denn am 21. Mai 1377 besiegten die für ihre Raubzüge berüchtigten Reutlinger die Württemberger in einem großem Blutvergießen und kamen bis vor die schnell geschlossenen Stadttore Urachs, klauten den Urachern das Vieh und den Dettingern zündeten sie die Häuser an. Das Verhältnis der Städte untereinander hat sich inzwischen gebessert!

Als sich die Termine des traditionellen Reutlinger Stadtlaufes und des  Ermstal-Marathon zu überschneiden drohten, nahm man schnell Kontakt mit der veranstaltenden Interessengemeinschaft Laufen (IGL) Reutlingen auf. Man konnte sich, anders als vor 635 Jahren, friedlich einigen und die IGL verlegte ihren Lauf ausnahmsweise um eine Woche.

Über die Uracherstraße und die Kohlplattengasse erreichen wir auf schnurgerader Streckenführung das Neuwiesenstadion des TSV Dettingen. Am Eingang ist bei heißem Wetter eine Dusche aufgebaut. Die dreiviertel Stadionrunde laufen wir entgegen der gewohnten Richtung und erstmals seit dem Start nicht auf Asphalt. Wir verlassen das Stadion durch den Hinterausgang über ein  Wiesenstück. Ein Ordner uns zuverlässig und rechtzeitig auf etwaigen Gegenverkehr hin. Danach gibt es zwei kurze Abschnitte mit Schotter, vorbei hinter dem Freibad und weiteren Sportanlagen - unter anderem einer Off-Road Modellautorennstrecke, der Rest bleibt asphaltiert. Auf die ersten sieben Kilometer verteilen sich insgesamt 56 Höhenmeter. Ab hier wird es etwas welliger.

Wir machen einen kleinen Schlenker, umgehen so das Industriegebiet, und kommen so wieder auf einen Radweg. Hier werden wir am Rückweg noch ein kurzes Ausgleichsstück von 400 m in Richtung Buchhalde laufen, uns führt es jetzt aber wieder über Obstwiesen weiter hinein ins enger werdende Ermstal.

Wir haben einen schönen Ausblick auf die längst geschliffene Festung Hohenurach. Nach weiteren 2,8 km erreichen wir das Kurgebiet von Bad Urach und erstmals auch den höchsten Punkt der Strecke, der 91 Meter über dem Startpunkt in Bad Urach liegt. Weitere 14 Höhenmeter kommen noch durch das wellige Profil hinzu. Wir drehen eine halbe Runde auf der Bahn des Sportplatzes im Schulzentrum, achten peinlich auf das richtige Passieren der Zeitmessmatte und kehren nach der Kurve durchs Schulzentrum wieder auf unsere Strecke zurück. Mehr sehen wir von der ehemaligen Landeshauptstadt nicht.

Landeshauptstadt - oh ja in der Tat. Urach ist Landeshauptstadt ade (a.D.).  Eberhard Ostertag war 2008 der erste m4y-Autor vor Ort. Namensvetter und erster Herzog Württembergs, Graf Eberhard im Bart von Württemberg-Urach, wurde am 11. Dezember 1445 hier geboren. 1482 gelang es ihm, das 50 Jahre lang geteilte Württemberg wieder zu vereinen. Von Urach aus wurde die heutige Elite-Universität Tübingen gegründet.

Zu seiner Hochzeitsfeier kamen einst 14'000 Gäste in das heute 9'000 Einwohner zählende Städtchen mit seinem traumhaft schönen Marktplatz. Schade, dass die Streckenbegrenzung auf 42,195 Kilometer den Durchlauf hier nicht erlaubt. Einmal zum Marktplatz und zurück, das wären 4 Kilometer. Von hier wären es nur ein paar Schritte zur Haltstelle Ermstalklinik und von dort ist es nur Steinwurf zur Jugendherberge, die erst im Oktober nach umfangreicher Renovierung wieder eröffnet wurde. Auch sonst gibt es im auf Fremdenverkehr ausgerichteten Tal reichlich kleine familiäre Hotels, Gasthäuser und Pensionen.

Es geht zurück. Der Regen hat nachgelassen, die Sonne kommt raus. Hier im Kurgebiet hatten in der Hitzeschlacht vor zwei Jahren die Anwohner aus eigenem Antrieb Mineralwasser an die Läufer ausgegeben und für Abkühlung aus dem Wasserschlauch gesorgt. Das ist heute nicht nötig. Trotzdem stehen wieder sehr viele bis zum Schluss an der Strecke und applaudieren den Läufern bis zum Schluss zu. Respekt.

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Informationen: Ermstal-Marathon
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