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Laufberichte

Ausdauernd geholfen

15.12.12 Eisweinlauf
 

2. Etappe: Von Durbach nach Tiergarten (10,5 km)

 

Im Laufe des weiteren Weges wird unsere Truppe durch Etappenläufer, die hinzukommen (aber auch früher aussteigen) können, verstärkt. So kann jeder, der sich nicht den vollständigen Weg zutraut oder den kompletten Tag freischaufeln kann, Teil des Ganzen sein, Schönes miterleben und ein paar Euronen für die gute Sache abdrücken. Insgesamt werden sich am Ende erneut über 200 Sportler beteiligt haben. Rolf wird hinterher sagen, daß damit die Kapazitätsgrenze absolut erreicht ist und er im kommenden Jahr die Teilnahme bei anhaltendem Interesse limitieren muß.

Alle Weinstöcke, die wir bisher gesehen haben, sind leider bereits abgeerntet, da wurde wohl der starke Frost der vergangenen Tage zur Eisweinproduktion genutzt. -7° muß es bei der Lese mindestens haben, damit das in den Beeren enthaltene Wasser schön auskristallisiert. Somit wird nur das stark zucker- und aromahaltige Konzentrat ausgepresst; das Mindestmostgewicht beträgt 110° Öchsle. So entsteht ein sehr süßer (Dessert)Wein, die erzielten Mengen sind natürlich höchst überschaubar. Die Ernte kontrollieren – wie könnte das bei uns anders sein – Heerscharen amtlicher Prüfer.

Am Ende des durchquerten Weinorts Oberkirch findet Heidi Georgi nach Überquerung der sehr viel Wasser führenden Rench am Straßenrand eine einzelne Taucherflosse, die sie sich zur allgemeinen Gaudi auch gleich überstreift. Ein den heutigen Witterungsverhältnissen durchaus adäquates Schuhwerk! Da sich bisher keine einzige Traube finden ließ, fotografiere ich irgendwann in meiner wachsenden Verzweiflung wenigstens ein paar gammelige Brombeeren. Man macht mich darauf aufmerksam, daß dies bei meinen Lesern zu Missverständnissen führen könnte, aber ich bin mir sicher: „Das merken die eh nicht.“

Mittlerweile hat der Regen dann doch angefangen und setzt sich so richtig schön fest. Plötzlich sieht man dann Dinge, die man nicht für möglich hält: Eine Dame läuft doch tatsächlich mit einem Regenschirm! Nein, Heidi, das Geheimnis ist bei mir sicher, ich verrate Dich nicht. Ich selber – wie bereits oben geschildert ein bekennendes Weichei – habe eine transparente Regenhaut mit Kapuze dabei und teste die erstmals in meinem mittlerweile langjährigen Läuferleben. Gut, man schwitzt darunter natürlich noch mehr, andererseits aber hält das Teil warm und das ist bei den zahlreichen Stops echt von Vorteil. Außerdem, so stelle ich zu meiner Beruhigung fest, bin ich nicht der einzige, der so etwas trägt. Aber Heidi mit ihrem Schirm - Hammer!

An der rund 40 Jahre alten Fàtima-Kapelle, die auf ihren vier Fenstern das Sonnenwunder von Fàtima zeigt, befindet sich der 2. Verpflegungspunkt. Meine Prioritäten sind schnell gesetzt: erstmal Atzung, dann wird sich gewundert. Nahe des portugiesischen Fàtima soll die Gottesmutter im Jahre des Heils 1917 drei Schäferkindern dreimal erschienen sein und ein weiteres Erscheinen für den 17. Oktober angekündigt haben. 30.000 auf sie wartende und nach einem Regenguß nasse Menschen sollen durch die sich in einer Wolkenlücke in einem Zickzack-Kurs auf die Erde zubewegende Sonne innerhalb von zehn Minuten getrocknet worden sein. Ein Wunder, das man der Gottesmutter zuschrieb. Nach ebenfalls zehn Minuten ist unsere Verpflegungspause vorbei, auf die wundersame Trocknung aber warten wir vergeblich.

Phantastisch ist auch das Gepäcksystem: Wir hatten die Möglichkeit, einen kleinen Rucksack als Gepäckstück in einem Lieferwagen mitzugeben. Dafür waren kleine Schilder laminiert, eines für das Bagschieserl, eines zur Identifikation für den Läufer – perfekt. An jeder Labestation (ich hoffe, Herbert, Du bist stolz auf mich!) wird das ganze Gerümpel ausgepackt und nicht einfach auf den Boden gelegt, nein: Auf Plastikplanen ist alles schön der Nummer nach sortiert und, wenn es regnet, sorgfältig abgedeckt.

 

3. Etappe: Von Tiergarten nach Sasbachwalden (13,4 km)

 

Wir sind mittlerweile froh über jeden Meter, den wir auf Asphalt zurücklegen dürfen, und ich ganz besonders, denn meine treuen Trabucos, die mich jahrelang zuverlässig begleiteten, beginnen sich aufzulösen. Leicht feuchte Füße sind die logische Folge, glücklicherweise aber geht alles ohne Blasenbildung ab. Ein phantastischer Ausblick löst den nächsten ab und gibt uns eine Ahnung davon, wie schön es hier in der warmen Jahreszeit sein muß. „Badischer Wein, von der Sonne verwöhnt“ heißt es in der Werbung, aber wenn der Wein fort ist, braucht’s auch keine Sonne. Is klar, ne.

An geschützten Punkten, meistens wenn wir Wald durchqueren, müssen wir höllisch aufpassen, denn immer wieder liegen restliche Eisplacken auf den Wegen, manchen von uns zerreißt es, aber ohne langfristige Schäden. Der zunehmende Regen macht auch meiner Kamera keinen Spaß, denn sie bekommt das Auge nur noch halb auf, wer hätte dafür kein Verständnis? Unterwegs kommen wir an einer Schweineskulptur vorbei, logisch, daß sich irgend so ein Kasperl darauf sitzend ablichten läßt.

Kurz vor dem 3. VP in Sasbachwalden steht ein beeindruckender Klettergarten/-park, heute natürlich völlig ignoriert, denn welcher Depp geht bei solch einem Wetter schon ohne Not vor die Tür? Als weiterer kulinarischer Höhepunkt erwartet uns hier von einem örtlichen Winzer gestifteter Glühwein, der die trotz des Wetters ohnehin gute Stimmung weiter hebt, außerdem ist ja schon die Hälfte geschafft.

Bei dieser längsten Etappe merke ich, daß mein Entschluß, ohne Trinkflasche zu laufen und mich nur auf die VP zu verlassen, grenzwertig ist. Natürlich benötigt man bei Kälte und Nässe weniger Flüssigkeit, aber der Bedarf steigt gegen Etappenende doch stark an und das Nachfüllen warmer bis heißer Getränke, so angenehm das auch ist, gestaltet sich in der dafür zur Verfügung stehenden nur kurzen Zeit schwierig. Dafür muß man andererseits nichts mitschleppen, das hat auch etwas für sich. Na ja, wie man’s macht, macht man’s verkehrt.

 

4. Etappe: Von Sasbachwalden zur Burg Windeck (9,0 km)

 

Nicht immer ganz einfach ist es für Brigitte und Rolf im weiteren Verlauf, die doch sehr heterogene Meute beisammenzuhalten. Die einen wollen gerne schneller, die anderen können nicht so fix und andere gar nicht mehr, so muß halt vorne ab und an gewartet werden. Die Krux ist: Bist du mal hinten und langsam, kommst Du kaum hinterher. Daher versucht man, die etwas Schwächeren nach vorne zu holen, die einzig richtige Entscheidung.

Jetzt muß ich mal etwas über Alfons loswerden, ohne die vielen anderen selbstlosen Helfer damit zurücksetzen zu wollen. Aber ihn sieht man halt ständig bei der Arbeit: Der Junge fährt mit seinem eigenen Wagen parallel mit und sperrt damit und RKL (ja, wärst Du beim Bund gewesen, wüßtest Du jetzt, worum es geht) alle wesentlichen Kreuzungen zuverlässig ab, um uns ein gefahrloses Überqueren zu ermöglichen. Tolle Arbeit.

Über die Burgruine Neuwindeck in Lauf kommen wir zur Burg Alt Windeck, wo man uns  wieder aufpäppelt. Hier bemerke ich zum ersten Mal gekochte Kartoffeln, die, mit Salz bestreut, optimale Läufernahrung sind. Ihr erkennt also, wie umfangreich das Angebot ist, es gibt so viel und so viel Verschiedenes, daß man sich kaum durchfressen und –saufen kann. Der eine oder andere hat schon Angst, mit einer positiven Kalorienbilanz aus diesem Lauf zu kommen! Eine RKL ist übrigens eine gelbe Rundumkennleuchte, Aküfibw halt. Jetzt hast Du schon wieder keine Ahnung. Das ist der Abkürzungsfimmel Bundeswehr.

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Informationen: Eisweinlauf
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