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Laufberichte

Überall Spatzen

 

Zum fümften Mal treten Judith und ich beim Einstein-Marathon in Ulm an. Und jedes Mal gefällt mir die Stadt besser. Vielleicht auch, weil sich seit unserer ersten Teilnahme 2013 das Wetter konstant verbessert hat. Wir kommen Samstagmittag an und beziehen ein Hotel im neuen Dichterviertel. 

Zwei Standorte muss man bei diesem Marathon kennen: das Messegelände für die Abholung der Unterlagen und als Startort sowie das Zielgelände am Münster, wo am Vorabend auch die Spätzleparty stattfindet. Am Samstag geht es mit der schicken Trambahn zum Messegelände. Dort in der Donauhalle gibt es Stände vieler Aussteller und die Startnummernabholung. Auch die Sponsoren sind hier vertreten. Vor einem Christbaum, der hier schon für den kommenden Weihnachtsmarkt wirbt, erhalten wir den Kleiderbeutel mit einigen Gutscheinen, einem Kühlpack und Produktproben.

Wir flanieren an der Donau entlang. Auch einen kleinen Zoo gibt es hier. Der große Spielplatz ist überfüllt, kein Wunder an einem mit 26 Grad perfekten Spätsommertag. Dann mit der Tram zurück, am Donaustadion wird es eng. Das Spiel des SSV Ulm gegen Trier 01 wurde zwar mit 0:1 verloren, doch die Fans in der Bahn tragen es mit Fassung.

Wir flanieren durch die Altstadt, besichtigen das Münster. Den bis vor Kurzem welthöchsten Kirchturm kann man zwar um diese Uhrzeit nicht mehr besteigen, aber im Innenraum fällt mir ein steinerner Vogel mit einem Getreidehalm im Schnabel auf, der „Ulmer Spatz“. Hatte ich nicht so eine Skulptur auch auf dem Dach des Münsters schon gesehen? 

 

 

Die Geschichte dazu ist schnell erzählt: Die Ulmer wollten einst eine Kirche mit einem hohen Turm bauen und fällten dazu große Bäume. Diese lagen beim Transport aber quer auf dem Wagen und passten deshalb nicht durch das Stadttor. Man überlegte schon, das Stadttor abzureißen, als ein Spatz mit einem Getreidehalm vorbeiflog. Vor einem Schlitz in einer Mauer drehte er den Halm längs und kam so durch den Spalt. Die Ulmer folgten diesem Beispiel, drehten die Baumstämme und konnten nun ohne Probleme durch das Stadttor fahren. Heute sieht man überall in Ulm Abbildungen und Skulpturen des schlauen Vogels.

Der Grundstein für das gotische Ulmer Münster wurde im Jahr 1377 gelegt. 1530 wurde die Kirche per Volksabstimmung evangelisch. Der Kirchturm ist mit seinen 161,53 m seit diesem Jahr nur noch der zweithöchste weltweit, denn der Hauptturm der Sagrada Familia in Barcelona, der den Turm des Ulmer Münsters um 11 Meter überragen sollte, wurde nun endlich fertiggestellt. Davon konnten Judith und ich uns dieses Jahr übrigens beim Barcelona Marathon überzeugen. 

Vor dem Kirchenportal können wir eine Schale mit Spätzle genießen. Mir schmecken sie sehr gut. Dann noch in das idyllische Fischerviertel, das wir morgen auch durchqueren werden. An der Donau genießen wir den Sonnenuntergang.

 

Marathontag

 

Der Start des Halb- und des Marathons ist ab 9:10 Uhr vorgesehen. Also stehen wir um 6:00 Uhr auf. Die Trambahn verkehrt alle 15 Minuten, aber es gibt auch Einsatzbusse, sodass viele Anreisende vom Bahnhof recht schnell zur Donauhalle kommen. Dort ist schon die Hölle los. Viele Teilnehmenden holen erst heute ihre Startnummer ab. In einer Messerhalle stehen die LKW für die Taschenabgabe. Die sind neu und frisch gereinigt. Sogar die Reifen wurden geschwärzt.   Vor der Messehalle gibt es unzählige WC-Häuschen, zusätzlich zu den Toiletten in der Messehalle und in der Donauhalle. Dann gesellen wir uns in Startblock D zu Volker, heute Pacer für 4:30.

 

 

Die Strecke kann man nicht so leicht beschreiben: Zwei Runden, wobei die erste nur 16 km lang ist und daher bei der zweiten Runde einige spannende Schlenker hinzukommen. Die letzten fünf Kilometer führen dann kreuz und quer durch die Städte Ulm und Neu-Ulm. Wobei in diesem Jahr der Streckenplan eine Überschneidung von zwei Schleifen offenbart. Aber ein Teil davon gepunktet, weshalb ich vermute, dass wir durch eine Tiefgarage gelotst werden sollen. Markus Ebner denkt sich als Chef-Organisator gerne mal so etwas Unkonventionelles aus. So gab es schon einmal die Durchquerung eines Einkaufszentrums und einer Waschanlage. Da waren wir nicht dabei. Auf die Neuerung heute bin ich gespannt!

Endlich ist es soweit: 27 Minuten nach dem Startschuss gehen Judith und ich über die Linie, angefeuert vom Sprecher Artur Schmidt. Auf der Donaustraße schnurgerade flussabwärts. Die Donau sieht man gelegentlich auf der rechten Seite, aber am Anfang konzentriert man sich eher auf sein Laufumfeld. Es geht eng und etwas ruppig zu. Während Judith und ich versuchen, etwas zügiger voranzukommen, werden wir öfter von Schnelleren, teilweise mit ganzem Körpereinsatz, überholt. Aber wir bleiben gelassen und als wir nach drei Kilometern ins bayerische Thalfingen - beziehungsweise an die Lärmschutzwand - kommen, können wir uns schon über die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer freuen. Und natürlich viele Kinderhände, die abgeklatscht werden wollen. Ein wenig später müssen wir schon über die Donaubrücke. Nun ein Stück über eine kurvenreiche Landstraße durch grüne Felder und Auen. Macht Spaß, die Läuferschar vor sich zu sehen. Und natürlich taucht dann auch schon der Turm des Ulmer Münsters weit in der Ferne auf. 

 

 

Bei Kilometer 7 erreichen wir Pfuhl, inzwischen ein Vorort von Neu-Ulm. Hier ist die Hölle los: Die Feuerwerhrkapelle spielt auf. VP und nicht wenige Partys in den Vorgärten. Kurz danach laufen wir am Golfplatz vorbei. „Sie sehen gut aus“, rufe ich einem Golfer nach erfolgreichem Abschlag zu. Wir kommen in eine Auenlandschaft und bald sehen wir rechts auch die Donau. Auf der anderen Flussseite erscheinen die schnelleren Marathonis. Sie liegen  etwa sechs Kilometer vor uns, aber „die sind ja auch 30 Minuten vor uns gestartet“, spreche ich mir Mut zu.

Auf einer Fußgängerbrücke ist viel los. Links und rechts der Donau liegen hier Staffelwechselstellen plus Verpflegungsstellen, immer ausgestattet mit Wasser, Iso-Getränken, oft Cola, Bananen und Riegeln. Und natürlich vielen freundlichen Helferinnen und Helfern.

 Augsburger Straße in Neu-Ulm. Mein persönliches Musik-Highlight ist die Sängerin samt Band „Sparrow“ hier gegenüber dem Lessing-Gymnasium. Weiter geht es mit einer Trommelgruppe und viel Zuspruch aus den Freischankflächen der vielen Cafés und Restaurants. Die breite Straße wird gerade umgestaltet, aber uns bleibt genug Platz. Ein Highlight ist St. Johann Baptist, 1857 als Garnisonskirche erbaut und in den 1920er Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg im expressionistischen Stil umgestaltet. So etwas würde ich eher in Italien vermuten. Die Außenmauern und der Turm bestehen aus Material der abgebrochenen Ulmer Befestigungsanlagen. 

 

 

Dann drehen wir Richtung Ulm. Die Kleine Donau fällt hier gar nicht auf, erst die Brücke über den Hauptarm. Unten eine große Läuferschar am Rande des Flusses. Das sind wohl Halbmarathonis bei km 17. Generell geht es beim Ulm Marathon im Zentrum der Stadt immer heiß her, viele Laufstränge verflechten sich. Man kann sich aber auf Absperrungen, Schilder und Ordner verlassen. Daher bleibe ich erst mal ruhig, als ein Strom von Läufern aus dem Untergrund auftaucht, ebenso wie uns Läuferinnen entgegenkommen. Bald dreht die rechte Seite ab und dann die entgegenkommende linke Spur. Vor uns das Starttor der 5- und 10-km-Bewerbe. „Auf dem Schiffberg“ heißt das hier und wir sind ein paar Meter hoch gelaufen, die es nun in die Altstadt wieder hinunter geht. 

Am Zeughaus vorbei und dann kommt die zweitbeste Band des Tages: „Elmar and the Golden H crew“. Ein Radler kündigt den führenden Marathoni an. Ganz schön flott. Wir finden uns hinter einem VP bald bei der Dreifaltigkeitskirche und jetzt geht es hinein in die Tiefgarage des Rathauses. Wir drehen eine große Runde im Parkhaus, das komplett autofrei, dafür ein wenig farbig beleuchtet ist. Ein netter Spaß, auch wenn die Ausfahrt hinauf doch ein paar Körner kostet. Die Trommelgruppe ist voll bei der Sache, auch auf der zweiten Runde übrigens. 

Die Marathonweiche wird angekündigt. Bei km 15,8 ist es so weit: Halbmarathonis nach rechts Richtung Ziel. Für uns gibt es noch um das Maritim Hotel, dann hinunter zur Donau. Eine verzweifelte, weinende Staffelläuferin fragt eine Läuferin vor mir, wo der Staffelwechsel denn sei. Sie ist schon sehr spät für die Ablösung dran. Ein Stück weiter donauabwärts. Die junge Läuferin rast davon, Hoffentlich findet das ein gutes Ende. 

 

 

Für mich wird es nun Zeit für den Halbmarathon-Punkt. Aber so weit sind wir noch nicht. Wir laufen hinter der Donauhalle vorbei und treffen auf bekanntes Terrain, um bei km 20 über ein Wehr die Donau zu überqueren. In Bayern erwartet uns ein Schotterweg. Ich komme mit einem jungen Läufer ins Gespräch, der heute seinen zweiten Marathon läuft.  Zusammen freuen wir uns über die Ankunft bei der Halbmarathonmarke, dann zieht er langsam davon. 

Der Weg ist nicht der beste, erscheint mir immerhin ein wenig ebener als letztes Jahr. Dann nach rechts und kurz danach kommen wir auf die bekannte Straße nach Pfuhl. Hier ist doch noch einiges los und ich beginne mit der Bestimmung der Ideallinie. Felix vor mir macht es genauso, doch die meisten Mitstreiter laufen die Kurven aus. Wir hingegen sparen uns ein paar Meter. Der Pfuhler See wird einmal umrundet. Trotz besten Spätsommerwetters ist nichts los. Wahrscheinlich ist der See gerade nicht so gut erreichbar. Ein Pärchen liegt unter einem Sonnenschirm und sogar einen Schwimmer kann ich sehen. So knapp zwei Kilometer kommen bei diesem Abstecher zusammen.

Weiter wie bekannt. Ulmer Münster in der Ferne, dann Pfuhl. Die Partys sind noch nicht vorbei und es fällt mir nun leichter, Stimmung zu machen, da ich ja nicht in der Masse untergehe.

Zweites Zusatzstück: eine Begegnungsstrecke an der Firma Dana vorbei. Heiko sieht mich und ruft mir zu, dass Judith bald kommt. Und da ist sie schon. Alles ok und weiter. Wendestelle am Klärwerk. Ich muss feststellen, dass ich doch ein wenig weit hinten bin, da kommen nicht mehr viele nach. Aber es läuft! Und wieder 2 Kilometer mehr. Im Moment bin ich in einer Laufphase, in der ich konstant Mitstreiter einsammeln kann. Das macht Spaß.

Und die Band „Sparrow“ in Neu-Ulm ist immer noch bei der Sache, Hier werden wohl bald die 10-km- LäuferInnen auftauchen. Viele Musikgruppen machen bis dahin wohl Pause, dafür sind noch mehr Zuschauer da, die uns anfeuern. Donaubrücke und kurz vor der Schleife am Zeughaus sehe ich Judith wieder. Das mit dem Einholen wird nichts mehr. Am 10k-Startpunkt ist die Hölle los, der Sprecher kündigt den Start in fünf Minuten an. Ich bin bei km 36, das wird wohl knapp. Tiefgarage, Marathonweiche und nun Neuland: ein kurzes Stück an der Donau, dann am Metzgerturm steil bergauf auf das Rathaus zu und gleich weiter nach Neu-Ulm. Eine Schleife über den Platz vor der Petruskirche. 

 

 

Am Donau-Center vorbei. Das markante 18-stöckige Gebäude wurde 1971-1974 errichtet und sollte einen Gegenpol zur historischen Kulisse von Ulm bieten. Neu saniert strahlt es in der Sonne. Weiter am Jahnufer. Mit großem Hallo kommt der erste 10er vorbei. Ein Schleifchen um die Eisenbahnbrücke und zu ihr hinauf. Ich treffe Hans-Jürgen aus Erlangen wieder. Er ist ein eifriger Leser der m4y-Berichte und läuft heute seinen 100. Marathon. Und gerne orientiert er sich bei Auslandsreisen an unseren Berichten. Heuer geht es noch nach Malaga, der leider aus der Weihachszeit in den November vorverlegt wurde. Noch zwei Kilometer. Anscheinend schließe ich gerade zu den 5-km-Läufern auf. 

 

 

Nochmal runter zur Donau. Km 41: Hier am Donausschwabenufer herrscht ausgelassenste Stimmung. In die Fischergasse. Das Viertel ist wirklich einen Besuch wert. Jetzt aber kämpfe ich mit dem anspruchsvollen Kopfsteinpflaster. An der Kleinen Blau vorbei. Nett, doch ich habe es eilig: Wann kommt denn endlich das Ziel? Rechts auf die Hirschstraße und das Münster scheint schon sehr nahe. Unendlich viele Zuschauende feuern mich an. Ich rase ungehindert durch das Zieltor, die Zehner sind noch sehr vereinzelt unterwegs. Judith erwartet mich schon seit neun Minuten. Es gibt eine Einheitsmedaille für alle Wettbewerbe.

Was für ein schöner Marathon. Der Nachzielbereich ist länger als das Münster. Es gibt Getränke, Nusszopf, Popcorn und Seeberger-Studentenfutter, aktuell übrigens Sieger in einem Test der Süddeutschen Zeitung. Am Ende dann endlich auch das lang ersehnte Gold-Ochsen-Freibier.

Wir treffen noch einige Bekannte und es gibt viel zu fachsimpeln. Als wir unsere Taschen am LKW abholen wollen, sind die Fahrzeuge schon weg. Offensichtlich haben wir zu lange geratscht, denn da liegen höchstens noch zwanzig Beutel. Duschen in der neu gebauten Friedrich-List-Schule. In der Herrenumkleide erkenne ich, warum moderne Laufschuhe so dicke Sohlen haben. Das Wasser steht hier zentimeterhoch. Da kann man viele Witze reißen. Aber die Duschen sind stylisch und das Wasser ist warm.

Der Einstein-Marathon ist für mich ein perfekter Marathon. Unheimlich viele tolle Stadtanteile, schöne Strecken durchs Grüne, ein begeistertes Publikum und mehr als 20 Live Acts an der Strecke. Die Strecke nahezu Verkehrsfrei, eher flach, mit einigen Kilometern Schotter und Kopfsteinpflaster. Und das Ganze für einen sehr günstigen Preis.

 

Siegerinnen Marathon

1. Verena Cerna         Deutschland 02:49:28 
2. Luise Armbruster         Deutschland 03:14:02 
3. Merle Röhm         Deutschland 03:14:09

Sieger Marathon

1. Karol Galas         Polen         02:29:02 
2. Richard Schumacher     Deutschland     02:38:25 
3 .Michael Schmidkonz     Deutschland     02:42:42

 

Finisher
• Sparkasse Ulm Marathon         1.134
• Sparkasse Ulm Marathon Staffel    128
• Beurer Halbmarathon        6.160
• Liqui Moly Citylauf 10 km        3.423
• AOK Gesundheitslauf 5 km        2.332   
• PistenBully Walk 10 km         162

 

Informationen: Einstein-Marathon
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