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Laufberichte

Ultra lang – Ultra hart – Ultra schön

 

 

Durch das Alp Grindel zum First

 

Ich bin geradezu euphorisiert. Wie weggeblasen ist der Stress des Anstiegs. In einem unglaublich intensiven Grün erstrahlen die sanft geschwungenen Grasmatten der Almen, nicht minder eindrucksvoll sind die schemenhaften Silhouetten der Bergketten im Gegenlicht, zwischen denen noch vereinzelte Nebelkissen wabern. Ein breiter Naturweg führt relativ flach durch die Bilderbuchlandschaft, sodass zum optischen Genuss auch die pure Entspannung beim Laufen tritt. Gebremst werde ich nur durch eine große Kuhherde, die das ungewöhnliche Gewese zur frühen Morgenstunde mit irritiertem Muhen quittiert, freilich den Laufweg nur widerwillig räumt.

 

Ein gut belaufbarer schmaler Höhenweg führt jenseits der 2.000 m-Grenze in stetigem Auf und Ab am Hang entlang durch das Alp Grindel. Zu unserer Linken haben wir stets die majestätischen Bergriesen im Blick, die sich jenseits des Lütschinentals erheben. Wie eine uneinnehmbare Festung aus Fels, Eis und Schnee reihen sich Wetterhorn, Schreckhorn und Eiger aneinander.

Verlassene Liftanlagen um uns herum zeigen uns, dass wir das Skigebiet rund um den First erreicht haben. Der First (2.166 m üNN), unser nächstes Zwischenziel bei km 13,4, ist einer der Hausberge und eines der Alpinsportzentren Grindelwalds, auch wenn er, abgeflacht wie er ist, als Berg kaum wahrnehmbar ist. Mit zahlreichen Liften und Seilbahnen erschlossen sind die Hänge rundum. Das führt auch dazu, dass uns hier erstmals an der Strecke auch Zuschauer empfangen, die uns klatschend einen freundlichen Empfang bereiten. 

 

Runde First – Bort – First

 

 

Der First ist für uns gleich doppelt Durchgangsstation. Dazwischen liegt eine 9 km-Schleife. Und die hat es in sich. Nach einer kurzen Stärkung an der Bergstation stürzen wir über einen breiten geschotterten Fahrweg über 650 Höhenmeter durch das offene Gelände gen Tal. Das geht in die Beine, doch lasse ich mich von den anderen Läufern anstecken und gebe Gas. Die Wiesen fliegen nur so an mir vorbei und ich ahne schon: Das werde ich noch büßen müssen. Stets im Blick habe ich den Eiger, der mittlerweile im Sonnenlicht voll erstrahlt. Wie von einem endlosen Balkon blicke ich hinüber und lasse mich gerne immer wieder in seinen Bann ziehen. In Bort (1.501 m üNN, km 17,4) hat unser Sturzflug ein Ende und wir kehren auf den harten Boden der Realität zurück. Und die verheißt: All die verlorenen Höhenmetern dürfen wir im Aufstieg wieder abarbeiten.

Zunächst noch geht es recht moderat durch einen verwunschenen schattigen Bergwald, der uns angesichts der steigenden Temperaturen angenehme Kühle bringt. Doch die kraftzehrenden Anstiege lassen nicht lange auf sich warten. Aus dem Wald heraus treten wir in eine Almidylle mit alten Holzhütten, Wildbächen und Wasserfällen. Kuhglocken schaffen die entsprechende Hintergrundmusik.

Das Plateau des First kommt in Sicht. Ich frage mich nur, wie wir die dazwischen liegende Steilwand bewältigen sollen. Erst beim Näherkommen weiß ich: Es gibt einen Weg, auch wenn er zunächst primär nur durch die bunten Punkte auszumachen ist, die sich langsam darauf fortbewegen. Und dieser Weg führt mitten hindurch. Ein steiler felsiger Pfad windet sich, zum Glück im Schatten, in Spitzkehren den Abhang hinauf. Tief schnaufend schleppe ich mich nach oben. Am Rande des Plateaus werden wir schon mit Anfeuerungsrufen begrüßt. 

Ich stürze mich sofort auf die Verpflegungsstation (km 22,7) und bringe kaum etwas von dem leckeren kräftig-deftigen Bergkäse und dem Trockenfleisch, eine Spezialität eines lokalen Metzgers, wie man mir sagt, hinunter. Dafür kippe ich kamelartig einen Becher Flüssigkeit nach dem anderen hinein. Habe ich jemals schon so geschwitzt?

 

Bergidyll Bachalpsee

 

Ich freue mich schon auf die nächsten Kilometer, denn sie führen zu einem der Highlights unseres Kurses: Dem Bachalpsee, neben dem Eiger sozusagen ein "Wahrzeichen" des Laufs, der auch im gestrigen Motivationsfilmchen ausgiebig gezeigt wurde.

Ein breiter, gut ausgebauter Wanderweg führt vom First aus durch die Weite der Bergwiesen dahin. Auffällig dichter wird der Läuferandrang auf der Strecke. Des Rätsels Lösung: Die E51-Läufer stoßen dazu. Zwar sind sie erst um 7 Uhr in Grindelwald gestartet, doch fehlt die Schleife nach Bort auf ihrem ansonsten auf der ersten Hälfte mit dem E101 identischen Kurs, sodass sie uns hier, zumeist noch deutlich frischer wirkend, eingeholt haben. 

Und auf einmal ist er da: Wildromantisch und einsam liegt der Bachalpsee 2.265 m üNN inmitten der Bergwelt. Das Panorama des stillen Bergsees vor den von ewigem Eis bedeckten Riesen der Berner Alpen, sich im Wasser spiegelnd, ist einfach nur kitschig schön. Kein Wunder, dass dies eines der beliebtesten Postkarten und -Fotomotive der Region ist. Der See selbst besteht aus zwei Teilen, wobei der kleinere sechs Meter und durch einen Naturdamm getrennt unter dem größeren Teil liegt. Direkt über diesen Damm führt unsere Laufstrecke.

 

Querung zur Oberläger Bussalp

 

Traumhaft schön geht es weiter. Der bequeme Wanderweg mutiert zu einem ausgesetzten Pfad, der durch Fels und vereinzelt Schnee führend unsere volle Konzentration erfordert. Aber es macht einfach Spaß, gämsengleich über Steine und kleine Bäche zu springen. Einfach nur grandios ist erneut das Panorama auf die Drei- und Viertausender des Berner Oberlands.

Aus dem Fels heraus treten wir schließlich hinaus in üppig gelb blühende Blumenwiesen, durch die sich der tief darin eingegrabene Weg bis zur Oberläger Bussalp (km 30,1) hinab schlängtelt. 

Unser nächstes Etappenziel haben wir von hier gut im Blick: Das Faulhorn. Und dieser Blick ist respekteinflößend. Da sollen wir hinauf? Das Faulhom ist mit einer Höhe von 2.680 m üNN, gemessen an den Bergen auf der anderen Talseite, wahrlich kein Gigant. Doch aus läuferischer Sicht kommt er einem durchaus so vor. Etwa 600 Höhenmeter sind auf den nächsten drei Kilometern zum Gipfel zu überwinden. Daher sollte man an der pittoresk vor der Berghütte postierten Verpflegungsstation an der Bussalp ausgiebig "tanken". 

 
 

Informationen: Eiger Ultra Trail
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