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Laufberichte

City-Marathon vom Feinsten

18.10.09

Über das Terrassenufer erreichen wir wieder die Augustusbrücke - nur laufen wir jetzt nicht über sie, sondern unter ihr durch. Hinter der Brücke sehen wir oberhalb der viele Meter senkrecht aufsteigenden, festungsartigen Ufermauer die Brühlsche Terasse, quasi der „Balkon“ der Altstadt, allerdings ein Balkon von zyklopischen Ausmaßen: einen halben Kilometer lang und bis zu 200 Meter breit. Sie ist eine der beliebtesten Flaniermeilen der Stadt und der Ausblick über die Elbe ist traumhaft. Auch von dort oben beobachten viele Zuschauer interessiert unser Treiben. Hinter der Terrasse fällt als weiterer historischer Baukomplex unweigerlich die monumentale Hochschule für bildende Künste in Auge. Gekrönt wird diese von einer auffälligen Kuppel aus Stahl und Glas, von Spöttern als „weltgrößte Zitronenpresse“ bezeichnet. Aber der Vergleich passt. Ein besonderes Schauspiel ist es zu beobachten, wenn nachts im Stakkato Lichtblitze durch die Kuppel zucken. Ob das eine Art Kunstinstallation sein soll?

Durch die Dresdener Vorstadt

Gerade einmal vier Kilometer liegen hinter uns. Vier Kilometer, die bereits mehr Eindrücke hinterlassen als viele andere Marathons es auf 42 km vermögen. Gar nicht mal so unglücklich bin ich daher, als die Umgebung jenseits der Carolabrücke, der die Altstadt nach Osten begrenzenden Elbbrücke, sagen wir es mal so: optisch "reizarmer" und auch deutlich ruhiger wird.

Zwar nicht an, aber nahe der Elbe geht es zunächst noch auf dem Terrassen-Ufer entlang. Kurz vor Kilometer 5 heißt es Abschied zu nehmen von den 10 km-Läufern, die hier abzweigen. Und  gleich ist ein wenig mehr Platz auf der Straße. Das Terrassen-Ufer setzt sich über das Käthe-Kollwitz-Ufer weiter elbaufwärts fort, ehe wir bei km 6,5 nach rechts auf die kilometerlange Gerade der Fetscherstraße abbiegen. Diese führt uns mitten hinein in den Stadtteil Johannesstadt. Dichte Laufbäume säumen beiderseits die Straße und es ist besonders schön anzuschauen, wie der Herbst das noch üppige Grün bereits ansatzweise gelb und rot eingefärbt hat.

Unser nächstes Etappenziel ist der Große Garten, die mit 180 Hektar größte, bereits im 17. Jahrhundert begründete Parkanlage Dresdens. Die Fletscherstraße stößt direkt auf deren Nordzugang. Doch wir müssen uns in Geduld üben: Denn der Streckenplan sieht vor, dass wir das rechteckige Parkgelände in östlicher Richtung zunächst einmal zur Hälfte umrunden müssen, ehe man uns Zugang gewährt. Und das zieht sich. Bei km 11 ist es soweit. Am Südeingang werden wir eingelassen und steuern von dort direttissma durch dichten Laufwald dem am Horizont schon sichtbaren Palais im Zentrum des Parks entgegen. Gepflegte Rasenflächen und ein hübscher kleiner See umgeben das herrschaftliche Gebäude. Über die Hauptallee werden wir aber gleich schon wieder gen Westen aus dem Park geleitet, um ihn dann außerhalb des Geländes bis zum Nordzugang an der Festscherstraße weiter zu umrunden.

Eher stereotyp ist das Einerlei der umgebenden Siedlungsbebauung. Zu allem Überfluss hat es wieder angefangen zu regnen, was die Tristesse verstärkt. Wie von einem anderen Planeten kommend sticht aus dieser Umgebung die Gläserne Manufaktur heraus. Aus Stahl und vor allem Glas hat VW in die Nordwestecke des Großen Garten die futuristischen Endmontagehallen für seine Luxusfahrzeugmodelle gepflanzt. Seit 2001 läuft hier insbesondere der „Phaeton“ vom Band. Auch wenn der Phaeton sich nicht als das große Verkaufsschlager herausgestellt hat - die Manufaktur bereichert Dresden auf jeden Fall um eine weitere Attraktion. Leider ist hinter der Fassade nicht allzu viel zu erkennen. Beeindruckend ist der Komplex aber selbst im Vorbeilaufen allemal.

Zurück in der Fetscherstraße folgen wir dieser nun in umgekehrter Richtung. Hierbei stoßen wir jetzt auf regen Gegenverkehr - allerdings nur läuferisch. Es kommen uns auf der anderen Fahrbahnseite all die Läufer entgegen, die den Park noch vor sich haben. Die Fetscherstraße laufen wir jedoch nicht wieder bis zur Elbe ab, sondern zweigen etwa bei km 15 in die Striesener Straße ab, die geradewegs auf die Altstadt zusteuert. Bevor wir, am Horizont die Kuppeln der Altstadt schon sehend, in diese eindringen, werden wir auf die Carolabrücke zur dritten Elbüberquerung geleitet.

Erstmals müssen wir uns ein Streckenstück mit dem Autoverkehr teilen, aber der für die Läufer abgesperrte Straßenteil lässt genug Platz für einen ungestörten Lauf. Auf der anderen Elbseite thront hoch über dem Elbufer in Traumlage und von ausladenden Weiden umgeben der repräsentative Gebäudekoloss der Staatskanzlei, Sitz des sächsischen Ministerpräsidenten und diverser Ministerien. Anfang des letzten Jahrhunderts entstand er, um Platz für den aufgeblähten Verwaltungsapparat zu schaffen. Böse Zungen werden behaupten, dass sich daran bis heute nichts geändert hat.

In einer Schleife umkreisen wir die Staatskanzlei, um dann - etwa bei km 18,5 - direkt auf die Elbwiesen hinab zu stoßen.

Panoramastrecke am Elbufer

Der Lauf über den asphaltierten Fußweg durch die breiten, luftigen Elbwiesen, die die Überlaufzone der Elbe bei Hochwasser bilden, ist ein weiterer Höhepunkt unseres Dresden-Rundkurses. Die Dresdener sind um dieses einmalige Laufrevier zu beneiden. Wir passieren erneut die Carolabrücke, allerdings nun von unten.

Jenseits der Brücke ziehen auf der gegenüberliegenden Elbseite dem Lauftempo entsprechend langsam die historischen Monumente der Altstadt wie auf einer überdimensionalen, langgezogenen Panoramapostkarte vorbei: Selbst aus der Entfernung besonders raumfüllend ist das Bild der Hochschule für Bildende Künste, neben der die benachbarten Monumente des Albertinums und des Ständehauses fast untergehen.

 
 

Informationen: Dresden Marathon
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