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Laufberichte

City-Marathon vom Feinsten

18.10.09

Vom Start weg: beeindruckende Dresden-Impressionen

10 Uhr ist es. Der Startschuss ertönt und tausendfaches Getrappel erfüllt die Ostra-Allee. Keine 20 Sekunden dauert es vom Block B aus, bis mir das helle Fiepen der Startmatten signalisiert. Jetzt geht es richtig los.

Am Horizont rückt schnell eines der ausgefallensten Baudenkmäler Dresdens ins Blickfeld: Yenidze. Der sich mächtig-prächtig vor uns auftürmende, moscheeartig gestaltete Baukörper mit seiner spitzen Glaskuppel und seinen vielen kleinen Türmchen wäre selbst am Bosporus ein Hingucker. Nur: Der Zweck des Gebäudes war von Anfang an ein ganz profaner. Um das Verbot von Industriebauten mit hohen Schornsteinen in der Nähe der Kunst- und Kulturstätten Dresdens zu umgehen, gestaltete der Zigarettenfabrikant Hugo Zietz seinen 1909 errichteten Fabrikneubau in Form einer Moschee und zweckentfremdete das Minarett als Schornstein. Benannt wurde der Bau übrigens nach dem einst türkischen (heute griechischen) Tabakbauerndorf Yenidze. Deutsche Tabakmetropole ist Dresden schon lange nicht mehr – aber Yenidze blieb erhalten und prunkt heute mehr denn je.

Am Ende der Ostra-Allee kurz vor Yenidze schwenkt die Strecke nach rechts und führt den Läuferpulk auf der Marienbrücke über die Elbe. Und hier bietet sich uns, gerade ein halber Kilometer ist zurück gelegt, gleich zum ersten Mal jedes einmalige Panorama, für das Dresden so berühmt ist. Wie Perlen an einer Schnur reihen sich zu unserer Rechten hoch über dem Elbufer die prächtigen Bauten der Altstadt aneinander. Und direkt hinter uns türmt sich Yenidze nochmals in imposanter Größe auf.

Am anderen Elbufer angekommen schwenken wir nach rechts ab in die Große Meißener Straße und damit hinein in die sogenannte „Innere Neustadt“. Um bei Nichtkennern Dresdens keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Hinter der „Neustadt“ verbirgt sich keineswegs eine Neubausiedlung im üblichen Sinne, sondern es handelt sich um einen historischen Stadtbezirk, der sein Gesicht bereits im 18. Jahrhundert unter Kurfürst August dem Starken, der wie kein anderer das Stadtbild Dresdens geprägt hat, erhielt. Aufgrund sehr viel geringerer Zerstörungen wirken die Innere wie auch die Äußere Neustadt sogar deutlich geschlossener und authentischer als die Altstadt mit ihren architektonischen Berühmtheiten auf der anderen Elbseite. Und wer sich beim Sightseeing nur auf die berühmten Monumente beschränkt, der hat nur eine Facette dieser vielgestaltigen Stadt gesehen. Leider streifen wir die Innere Neustadt nur am Rande, aber die Palazzi aus dem 18 Jahrhundert zu unserer Rechten, die uns vom Elbufer trennen, sind auch sehenswert. Auf dem Neustädter Markt blinkt uns förmlich der Goldene Reiter entgegen, mit dem August dem Starken ein repräsentatives Denkmal gesetzt wurde. Ich frage mich nur, wie oft die Statue gereinigt wird, damit sie dieses Leuchten behält.

Gleich dahinter macht die Laufstrecke einen weiteren Rechtsschwenk. Und schon erwartet uns ein weiteres absolutes Strecken-Highlight: die Augustusbrücke.

Über die Augustusbrücke hinein in die Altstadt

Die Historie dieser geschichtsträchtigsten Dresdner Brücke geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. In neun Bögen überspannt sie die Elbe und verbindet die Neu- mit der Altstadt. In der Breite bietet sie genug Platz, ein paar tausend entfesselte Läufer locker aufzunehmen. Der Panoramablick über die Brücke auf die gegenüber liegende Altstadt ist grandios.

Direkt vor uns erhebt sich die Kathedrale St. Trinitatis, im Volksmund allerdings weiterhin nur „Hofkirche" genannt. August der Starke - wer sonst - hatte sie in Auftrag gegeben und dafür extra italienische Baumeister ins Land geholt. Sie sorgten dafür, dass Sachsens größter Kirchenbau ein Meisterwerk des römischen Barock wurde. Gleich daneben: Das weitläufige prunkvolle Residenzschloss, an dem immerhin sieben Jahrhunderte (12. bis Ende 19. Jh.) herumgewerkelt wurde und dementsprechend viele Stilepochen vereinigt sind.

Über das Kopfsteinpflaster der Brücke erreichen den Schlossplatz, wo uns erstmals größere Zuschaueransammlungen erwarten und anfeuern - und sicher mehr frieren müssen als wir. Das setzt sich fort bis zum nur einen Katzensprung entfernte Theaterplatz, der mit der Semperoper und dem Zwinger gleich zwei der „Top-Spots“ der Stadt auf sich vereinigt.

Die volkstümlich nach ihrem Erbauer Gottfried Semper benannte Sächsische Staatsoper ist ohne Zweifel eines der schönsten Opernhäuser Europas. Selbst Kulturbanausen wird der markante, prachtvolle Renaissance-Rundbau aus der einschlägigen Bierwerbung (Stichwort: Radeberger) bekannt sein. Seit seiner Ersteinweihung 1841 musste der Bau nach Brand und Bomben immerhin schon zwei Mal komplett wiederaufgebaut werden. Aber dies geschah stets nach den Originalplänen und so können wir den Opernbau nach wie vor fast wie im Originalzustand erleben. Als Meisterwerk des Barock gilt der Zwinger. Auch wenn der Namen martialisch klingt und der Bau zumindest äußerlich gewisse Züge einer Wehranlage trägt – verteidigt wurde im Zwinger nie. Vielmehr diente der Anfang des 18. Jh. entstandene Bau von Anfang an primär nur einem Zweck: dem Feiern rauschender Feste (und wer hat gefeiert? natürlich der August). Heute geht es gesitteter zu. Kunst und Kultur haben Einzug gehalten. Nur die Touristenmassen, die sich im Hof auf die Füße treten, stören ein wenig das Ambiente - aber das ist eben das Schicksal jeder Berühmtheit.

In einer Schleife führt die Strecke hinab zum sogenannten Terrassenufer, einer Straße, die fast auf Höhe des Wasserspiegels dem Elbverlauf folgt. Hier sind die Anlegedocks der Ausflugsdampfer der Elbflotte. Flussaufwärts folgen wir dem Fluss. Von hier unten scheint die sich hoch über uns auftürmende Altstadt in sicherer Entfernung vor der so friedlich wirkenden Elbe zu liegen. Kaum zu glauben ist, dass es die Elbe bei der Jahrhundertflut 2002 dennoch geschafft hat, selbst die Altstadt zu überfluten.

 
 

Informationen: Dresden Marathon
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