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Laufberichte

„If you believe ...“

 

2014 habe ich ausgesetzt beim Welt Down-Syndrom Tag Marathon in Fürth, aber heuer muss ich wieder dabei sein. Ein kleines Jubiläum gilt es zu feiern, die fünfte Ausgabe. Was es aus Färdd zu berichten gibt und was du glauben darfst, erfahrt ihr hier.

Wer kennt sie nicht, die nimmermüde Anita Kinle, ständig im Einsatz für die Kinder im Laufclub 21. Heute hat sie für rund 900 Läufer das Drumherum zum Welt Down-Syndrom Tag Marathon organisiert. Anita, vor einigen Jahren von euch zum M4Y-Hero gewählt, bietet uns einen 6-Stunden-Lauf, einen Marathon, Halbmarathon und einen 10-Kilometer-Lauf an. Der Marathon kann als Staffel gelaufen werden. Wer ohne Zeitdiktat nur so zum Spaß mitrennen will, bucht ein sogenanntes FanTicket.

Klar, dass ich mich als Kilometerfresser auf die sechs Stunden habe einschreiben lassen. Immer im Kreis oder besser gesagt im Quadrat herum, das mag dem einen oder anderen langweilig vorkommen. Aber wer das noch nicht ausprobiert hat, kann und darf nicht mitreden. Ich sage, es macht unbandig Spass.

Eigentlich können die Nürnberger und Fürther nicht so recht miteinander. Fußballspiele zwischen dem Club und Greuther Fürth haben meist große Brisanz. Aber nicht hier beim Welt Down-Syndrom Tag Marathon. Für die gute Sache laufen die Grün-Weißen und die Rot-Schwarzen schon mal nebeneinander.

 
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Das Startgeld beinhaltet nicht nur die vielseitige Verpflegung während des Rennens, sondern auch ein attraktives  Finishergeschenk und Urkunde (aus dem Internet), Kinder werden betreut und Massagen werden in der Grünen Halle („Hauptquartier“) angeboten. Parkplätze sind zwar im näheren Umfeld der Halle nur knapp vorhanden, aber in einem 10minütigen Spaziergang sind wir von einigen großen Firmenparkplatzen schnell vor Ort. Ob sich Petrus heute freundlich zeigt, werden wir sehen. Zumindest soll es ab Mittag aufhellen und sogar etwas die Sonne scheinen. Aber jetzt hat es nur zwei, drei Grad. Handschuhe und Mütze haben die meisten Athleten griffbereit.

In der Halle werden wir freundlich empfangen, der Weg zur Startnummernausgabe (im oberen Teil der Halle) ist ausgeschildert. Die Zeitmessung geschieht per Chip, du brauchst also nicht die vollen sechs Stunden Rundenzählen, sondern das übernimmt die Elektronik. In der Mitte der Halle sind Biertische aufgebaut, wo sich schon zahlreiche Sportler zum anregenden Kaffeegenuss niedergelassen haben.

Bei meinem Rundgang komme ich nicht weit, denn ich werde immer wieder von Lauffreunden und Lesern unseres Portals begrüßt. Auch Norbert Wilhelmi ist vor Ort, er feixt über den Pumuckl, der erst am Morgen in seine Wohnung zum Schlaf gekommen ist. „Der hat die Nacht durchgefeiert“, lacht der Fotograf. Augenblicke später sehe ich den Barfußläufer im Kreis einiger Kinder. Für Musik wird Bernd von Trill (Chef vom Metropolmarathon in Fürth) sorgen, die Moderation übernimmt Matthias Zeitler.

Nach ein paar nachdenklichen Worten, ein Elternpaar hat ein an Down-Syndrom erkranktes Kind verloren, werden wir an die Startlinie gebeten. Die Halbmarathonis und die Marathonläufer gehen zu ihrem Start nach draußen. Immer am 21.03. wird der Welt Down-Syndrom Tag begangen. Bei den am Down Syndrom erkrankten Mitmenschen liegt das 21. Chromosom in dreifacher Form vor. Die Betroffenen leiden häufig an Herzfehlern und Darmerkrankungen, die heute medizinisch gut beherrschbar sind. Trotzdem sind sie anfälliger und häufiger krank.

Der Laufclub 21 veranstaltet diesen Charitylauf und schlägt damit eine sportliche Brücke des Miteinanders und der Integration. Was bei der Veranstaltung an Geld übrig bleibt, fließt in die Fürther Welt-Down-Syndrom Beratungsstelle und in die Förderung des Laufclub 21. Wer da noch einen Beitrag leisten will oder noch Informationen braucht, Anita freut sich auf eure Anfragen.

 
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„If you believe“ lautet das Motto für dieses Jahr: Du sollst an dich und deine Kräfte und an deine Kinder glauben. Ein fester Glaube kann ja Berge versetzen. Mit dieser Message werden wir gleich auf die Strecke gehen.

Kurz vor dem Start um 09.00 Uhr. Ein Plakat wird aufgerollt. Ein Schmetterling ist zu sehen, ich lese „if you believe“. Und dann zählt man nicht herunter, sondern hinauf: Von 1 auf 21. Mit ein wenig Verzögerung stürmen die Kinder des LC 21 durch die Papiermauer, Nebel steigt auf, laute Musik. Ich steige dann um den Startbogen und mache mich auf den langen Weg, der mich nach wenigen Schritten ins kühle Freie bringt. Von rechts biegen die Marathonis und die Halben auf unseren Kurs ein.

Wer übrigens einen Rekord laufen will, auch das ist möglich, denn die Strecke ist zentimetergenau vermessen. Ich behaupte aber, dass es nur wenige Sportler gibt, die heute auf eine Bestleistung aus sind. Alle nehmen es locker und möchten mit ihrer Teilnahme Anita und ihre Arbeit unterstützen.

Unser Chef hat mich vor einigen Jahren zu meinem ersten „Rundenrennen“ motiviert. Er hatte recht, als er mir versprach: „Du wirst sehen, wie kurzweilig und interessant so ein Marathon auf kleinem Raum ist.“  Ich gebe das an meine Vereinsfreunde weiter, die heute das erste Mal an einem solchen Lauf teilnehmen und bin auf das Feedback gespannt. Ansonsten sind sehr viele Stammgäste unterwegs.

Die Strecke ist schnell erklärt: Nachdem wir die Halle verlassen, hält nach einer links/rechts-Kombination ein Schild  nebst Trassierband auf dem rechten Weg. Es folgt eine lange Gerade von rund 500 Metern mit einem Disco-Zelt. Der DJ ist gut aufgelegt und legt gut auf. Toll!

Am Ende der Gerade geht es rechts ab. Doch halt, zuvor gibt es  noch eine öffentliche Bedürfnisanstalt, die immer wieder gerne aufgesucht wird. Die nächste Gerade ist nur etwa 150 Meter lang, dann gehts nach rechts auf die Grüne Halle zu. Nach rund 300 Metern kommt die sensationell bestückte Verpflegungsstelle. Ich sehe Riegel, Obst, Salzstangerl, Wurst- und Käsebrote, Salami, Kuchen, Kekse, Gummibärchen, Gemüseteilchen und Iso, Wasser, Tee und Cola zum Trinken. Die Liste ist nicht vollständig, ich kann mir nicht alles merken. Ach so, auf Nachfrage wird auch Bier kredenzt.

Nach der Verpflegungsaufnahme geht es noch ein kurzes Stückchen geradeaus weiter, um alsbald  in die Halle zu gelangen, die wir auf einem roten Teppich durchlaufen. Rechts ist eine Digitaluhr, oben wird auf einer Leinwand wird der jeweilige Rundenstand angezeigt. Eine Runde hat 1,3152 Kilometer. So fünf bis acht, neun Minuten werden die meisten für eine Runde brauchen. In der Halle moderiert Matthias weiter bei fetziger Musik. Ja, Staffelwechsel ist da ebenfalls vorgesehen, der kann auch im Außenbereich durchgeführt werden. Einige Gruppen haben dazu eigene Zelte aufgebaut und auch einige Fressalien bereitgestellt. Bis auf zwei Stellen mit Kopfsteinpflaster ist alles asphaltiert. Wer mag, kann neben der Teerpiste auf dem Splitt laufen.

Die ersten Runden vergehen sehr schnell. Ob ich wie in den letzten Jahren auf knapp über 60 Kilometer kommen kann, wird sich zeigen. Evtl. wird der am Vortag gelaufene Cross in Parsberg noch nicht ganz „verdaut“ sein. Die Tankstelle möchte ich nur alle drei Runden anlaufen. Auch wenn es heute kühl ist, darf eine Verpflegungsaufnahme sollte nicht länger auf die lange Bank geschoben werden. So viel Zeit muss sein.

 
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Nach etwa einer Stunde laufe ich auf Peter Meyer auf. Den kennt ihr nicht? Aber wenn ich euch sage, das ist der Läufer, der immer beim Laufen mit vier Bällen jongliert, dann wisst ihr schon, um wen es geht. Marathonlaufen und jonglieren, Sachen gibt’s! Gerade einmal ein paar Augenblicke später läuft mir Kollege Olaf Ulmer über den Weg. Den Olaf habe ich lange nicht mehr gesehen. Es vergeht Runde um Runde.

Dann sehe ich (wieder einmal) Pumuckl an der V-Stelle beim Genuss des isotonischen Erfrischungsgetränkes auf Hopfenbasis. Er weiß um meine Vorliebe und schenkt mir gleich einen Becher ein. „Hast du einen Riecher dafür, wenn's Freibier gibt?“ lacht er.  Ich kann halt nicht vorbeilaufen. Und mein Ruf leidet längst nicht mehr, wenn ich beim Zirndorfer Landbier zugreife.

Einige der Cheer-Leader-Girls turnen im Freien an der Strecke und zeigen ihre Kunststücke. In den kurzen Röckchen müssen die sich gut bewegen, damit sie nicht frieren. Wir sind zwei Stunden unterwegs, meine Rundenzahl kenne ich nicht, da macht der DJ Pause. Dafür beginnt die Gruppe Red'n Blue mit ihren Gospeln. „I will follow him“ ist nur eine von vielen bekannten Melodien.

Viele Plakate weisen darauf hin, dass im Südstadtpark gebaut werden soll. Die Wilhelm-Löhe-Hochschule hat Pläne für zwei Erweiterungsbauten eingereicht, die in der Öffentlichkeit und bei den Anwohnern auf Kritik stoßen. Man soll doch den Park so lassen, wie er ist. Besonders bei schönem Wetter treffen sich viele Besucher zum Spazierengehen, Fußball spielen oder einfach nur an der frischen Luft sich aufhalten.

Mittlerweile ist es ruhiger auf der Strecke geworden, denn die führenden Halbmarathonis sind längst im Ziel, darunter Roland Rigotti, der wiederholt den Halben für sich entschieden hat. „Jetzt überholt der schon wieder“, höre ich einen mit österreichischem Akzent. Der Gerhard Wally. „Leg mir halt den Fuß, wenn du das nicht aushältst“ sage ich ihm. Peter Hübner von den Kiltrunners zeigt den Zuschauern bei der Gospelgruppe sogar ein Tänzchen mit einem Kind vom LC 21.

 
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3 Stunden sind um, Halbzeit. Ich schaue mich näher bei der privaten Raststation der Ultra Schnecke um. Schmalzbrote, Kartoffeln, Käseschnitten, rote Zwiebel, Kellerbier und „Beschleuniger“ aus dem Hause Berentzen sind im Angebot.
Aber Highlight an der Strecke ist trotzdem zweifelsohne der Versorgungsstand mit 50 Meter Länge, der von den Green White Crocodiles betrieben wird. Er hat sich mittlerweile zum Kommunikationsplatz entwickelt und ist gut frequentiert.

Auf der gegenüberliegenden Seite machen sich gerade die 10-Kilometer-Läufer warm. Eine Vorturnerin zeigt Übungen zum Warm-Up. Es sind meist Frauen, die mitmachen, das starke Geschlecht hält sich sehr zurück. In wenigen Minuten werden knapp 100 Sprinter auf die Strecke gehen und wieder für Abwechslung sorgen. Ich habe noch zwei Stunden.

Einkehr bei der privaten Raststation der UltraSchnecke. „Magst ein warmes Wienerl“, so der Betreiber. Da höre ich mich nicht nein sagen. Dazu einen Schluck Kellerbier. Pumuckl holt sich ein Fläschchen mit Himbeer-Pfirsich Geschmack aus dem Berentzen-Kübel. Auf mein Zuprosten in die Menge schert Krista Preckel aus und nimmt sich meine Flasche. „Du hast mich jetzt gerettet“, sagt die Frau, die nicht nur läuft, sondern auch ein halbes Pferd mit sich schleppt. Man hat ihr eine Wette angeboten: 100 EUR für Anitas Kinder, wenn sie fünf Stunden durchhält. Später werden für jeden Kilometer jenseits der Marathondistanz noch fünf Euro draufgelegt.

 
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Die letzte Stunde ist zäh. Ich bekomme aber Gesellschaft von Oliver Weiß, der mich die letzten drei, vier Runden zieht. Vor einer Stunde ist er mit seiner Freundin Katja Steinhäuser die zehn Kilometer in rund 55 Minuten gelaufen. Für sie war es der erste Wettkampf. Und für ihn ist das hier jetzt weniger anstrengend als ein Auslaufen, denn der Iron Man Finisher hat als PB eine 35 über zehn Kilometer stehen. Danke dir Oliver. Genau um 15.00 Uhr ertönt dann das laute Signal: Ende, Schluss und Aus.

Ich lasse meine Hüfttasche und Startnummer fallen und sammle noch ein paar Bilder ein. Walter Wakonig kann gerade noch die Hand heben, so kaputt ist er. Später erfahre ich, dass er mit 76,8 gelaufenen Kilometern das Rennen für sich entschieden hat.

Dann kommen drei Helferinnen mit dem Eichrad, vermessen meine restlichen Meter und protokollieren das. Wer will, kann die letzte Runde mit den Geisenfeld Highlanders Pipes & Drums gemütlich im Gleichschritt zur Grünen Halle marschieren. Ich laufe lieber quer durch den Park, an der Musikschule vorbei und hole mir eine Halbe Bier bei den Green White Crocodiles.

Als ich in die Halle komme, werden gerade die jungen Läufer mit Urkunde, Pokal und cooler Sonnenbrille auf der großen Bühne geehrt. Es werden Schecks überreicht und dann folgt die Siegerehrung der schnellsten Frauen, Männer und Staffeln.

Fazit:

Wer noch nie 6 Stunden gelaufen ist, muss das hier probieren. Wer kommt mit? Nächster Termin ist der 20.03.2016. Anita lädt schon heute dazu herzlich ein. Eine tolle Sache, für die wir da in Fürth laufen dürfen. „You are my sunshine“ heißt 2016 das Motto.

6-Stunden-Lauf Männer:
1. Walter Wakonig, Lc MKW Hausruck, 76,825 km
2. Ralf Giese, LG Nord Berlin Ultrateam, 75,678 km
3. Günter Dieplinger, CLR Sauwald Cofain 699, 72,153 km
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35. Anton Lautner, Marathon4you, 58,406 km

6-Stunden-Lauf Frauen:
1. Andrea Sattler Team Klinikum Nürnberg, 65,249 km
2. Heike Bergmann, LT TSV Wassermungenau, 62,723 km
3. Silke Vocke, 59,042 km

Marathon Männer:
1. Felix Mayerhöfer, DJK Dasswang, 2.45.21
2. Lars Reußer, TB 1888 Erlangen, 3.14.34
3. Andreas Krüger, 3.20.19

Marathon Frauen:
1. Busisiwe Klimt, 3.51.09
2. Gabriele Hartwig-Wäger, Team Klinikum Nürnberg, 3.51.14
3. Caroline Credé, 3.53.06

 

 

Informationen: Welt Down-Syndrom Tag Marathon Fürth
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