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Laufberichte

You Are My Sunshine

 

Für viele Läufer beginnt die Saison mit einer Tradition: Laufen, lachen, Gutes machen beim Welt Down Syndrom Tag Marathon in Fürth, der immer am Wochenende um den 21. März herum stattfindet. Und dieser Tag wird als Welt-Down-Syndrom-Tag auf der ganzen Welt begangen. Der 21. März ist nicht zufällig gewählt, sondern der Tag erinnert an das dreifache Vorhandensein des 21. Chromosoms, dem Merkmal für das Down-Syndrom.

„You Are My Sunshine“ heißt das diesjährige Motto, das Anita Kinle, Macherin des Events, mit ihren Helfern ausgewählt hat. Sechs Stunden als Einzelläufer und in der Staffel, Marathon, Halbmarathon, FanTicket und KidsTicket stehen im Programm zusammen mit einem 10 Kilometer-Rennen auf einer 1,3152 Kilometer flachen Runde durch den Südstadtpark. Alles ist asphaltiert, wenige Kopfsteinpflasterpassagen und ein Durchlauf in der Grünen Halle warten je Runde auf den Athleten. „Du bist doch verrückt“ kann ich mir von Vereinskollegen anhören. Dabei wissen die gar nicht, wie interessant so ein langer Lauf ist. Klaus hat mich vor fünf Jahren davon überzeugt.

Nachdem ich am Samstag noch in der Region Ingolstadt bei einem Waldlauf über neun Kilometer richtig Gas gegeben habe, ist mein Plan für Fürth einfach strukturiert: Ein gescheites Auslaufen über sechs Stunden, das gleichzeitig ein erster Test für noch größere Aufgaben wie etwa die 100 Kilometer sein kann. Der Franke würde zu so einem Zeitvertreib wohl sagen: „Su aafach is des fei nedd.“

Mit einem kleinen Schlenkerer in der Stadt, ich hatte ein Hinweisschild nicht gesehen, erreiche ich rechtzeitig das Startgelände. Zwar sind im Umfeld der Grünen Halle, dem Hauptquartier des Events, die Parkmöglichkeiten begrenzt, doch etwa 400 Meter entfernt finden wir bei einem Supermarkt genug Abstellplätze.

 

 
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Die Gebühren für den Lauf beginnen bei gut 20 EUR für den Zehner bis knapp 60 für den Solisten bei den sechs Stunden. Das Startgeld beinhaltet eine reichhaltige Verpflegung (davon später mehr), ein Finishergeschenk, Urkunde aus dem www und auch Duschmöglichkeiten, dieses Mal gleich an der Halle in einem Zelt. Der Nachwuchs kann bei einer Kinderbetreuung abgegeben werden und wir brauchen uns da nicht zu viel Sorgen machen. Ich zeige den beiden mitgereisten Kids nur kurz, wo wir vorbeilaufen, und dann ist der Läufer, sprich ich, nicht mehr interessant. Sie werden schon mal an die Strecke kommen, wenn sie mitlaufen wollen oder Hunger haben.

Die Grüne Halle ist sehr schön hergerichtet: Durchlauf für die Aktiven, in der Mitte geschmückte Biertische für Betreuer und Besucher und später für die Aktiven, Podium und Bühne, Cateringbereich. Die Zeitmessung geschieht mit dem Zeitmesssystem von maxx-timing.de. Der Chip für den Laufschuh wird weiterverwendet, also muss man den wieder abgeben, sonst wird er in Rechnung gestellt.

Bei einer kurzen Umschau sind wieder viele Bekannte aus dem Läuferumfeld zu sehen. Dietmar Mücke alias Pumuckl, ist schon von weitem im Kreis vieler Kinder zu sehen. Läuft der heute barfuß oder ist es dafür noch zu kalt? Die Frage erübrigt sich, als ich ihn schuhlos stehen sehe. Für die Musik in der Grünen Halle sorgt Bernd van Trill. Er hat ja die Organisation des Metropolmarathons inne.

Bei den am Down Syndrom erkrankten Mitmenschen liegt das 21. Chromosom in dreifacher Form vor. So spricht man häufig von Trisomie 21. Die betroffenen Kinder leiden meist an Herzfehlern und Darmerkrankungen, die heute medizinisch gut beherrschbar sind. Der Laufclub 21 führt Menschen mit dieser Erkrankung an den Laufsport heran, ganz ohne Leistungsgedanke. Der Wunsch, an einem sportlichen Event teilzunehmen, muss schon vom Sportler selbst kommen, das ist das Credo von Anita Kinle als Vereinsvorstand.

Nicht innerhalb von Zäunen oder Räumen wird beim Laufclub 21 Sport betrieben, Anita wählt bewusst und offensiv die Öffentlichkeit. Und der heutige Laufevent ist die beste Basis dafür, ihre Thomas-Benjamin-Kinle-Beratungsstelle bekannter zu machen. Ja, es laufen viele Kinder mit Trisomie 21 mit, einige sind gleich im 6-Stunden-Lauf gemeldet und werden die ganze Zeit, zwar mit Pausen, aber immerhin, auf der Strecke unterwegs sein.

 

 
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Startaufstellung für die Staffeln und die Langstreckler in der Halle, die anderen starten im Außenbereich. 21 Sekunden vor 09.00 Uhr wird von 1 auf 21 hochgezählt und dann setzt sich das Feld langsam unter lauter Musik und Nebel in Bewegung. Ich schieße noch ein paar Bilder und mache mich dann auf den Weg. Nach wenigen Sekunden befinde ich mich schon im Freien, wo von rechts weitere Läufer auf unseren Kurs einmünden. Es ist eng.

Wem die sechs Stunden zu lang sind, wer keine Mitläufer für die Staffel findet, der kann auf so einem Rundkurs auch einen Marathon oder Halbmarathon angehen. Ihr werdet sehen, es ist total kurzweilig und interessant. Und verhungern könnt ihr auch nicht.

Neugierig auf die Streckenführung? Nachdem wir die Halle verlassen haben, geht es im 90 Grad-Winkel nach links. Nach einigen Metern biegen wir rechts ab. An dieser Kurve (an den anderen auch) stehen Helfer Eck, damit keiner abkürzt. Sie sprechen jeden an und klatschen ab. Es folgt dann die lange Gerade von knapp 500 Metern, der Wind kommt leicht von hinten. Nach 200 Metern steht der DJ. Am Ende der Gerade biegen wir rechts ab. Doch halt, zuvor ist noch eine öffentliche Bedürfnisanstalt, in die immer wieder ein Renner hinein- oder aus dieser herausspringt. Die folgende Gerade ist etwa 150 Meter lang, dann kommt abermals eine Kurve nach rechts. Auf der folgenden Strecke laufen wir auf die Grüne Halle zu.

Zuvor kommt aber die Verpflegungsstelle, die optimal ausgestattet ist. Ich sehe Riegel, Obst, Salzstangerl, Wurstbrote, Salami, Kuchen, Kekse, Gummibärchen zum Futtern und Iso, Wasser, Tee und Cola zum Trinken. Die Liste ist nicht vollständig, ich kann mir nicht alles merken. Vor der V-Stelle ist noch eine weitere Entsorgungseinrichtung in Boxen-Form. Auf dieser langen Gerade stört der Wind. Ich habe gut gewählt, noch eine zusätzliche Schicht Kleidung am Oberkörper draufgepackt zu haben.

Nach der Verpflegungsaufnahme geht es noch ein kurzes Stückchen gerade auf die Grüne Halle zu, die wir auf einem grünen Teppich durchlaufen. Digitaluhr, Rundenanzeiger, für alles ist gesorgt. Na ja, unter den Langstrecklern interessiert das nur wenige. Die meisten laufen für sich oder zum Spass oder wollen den Laufclub 21 unterstützen. Und nebenbei haben wir eine Runde mit einem guten Kilometer geschafft.

Die ersten Runden verlaufen für mich leicht defensiv. Ich werde heute keine 60 Kilometer packen können, denn die Nase läuft und kitzelt. Es wird doch kein Infekt sein. Außerdem lasse ich mir bei den V-Stellen heute besonders viel Zeit. Ebenfalls bei einer Unterhaltung im Feld. Franz Schwengler, ein Langstreckenurgestein, drängt noch ein anderes Ereignis, das Heimspiel der Clubberer gegen die Leipziger. Er als Edelfan muss da ins Stadion. „Der halbe Marathon reicht mir heute“, sagt er und lässt sich zurückfallen.

 

 
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Es dauert nicht lange, dann beginnen die Überholmanöver der Sprinter und der Staffeln. Schon als einer der ersten kommt Vereinskollege Roland Rigotti von hinter heran. Er klopft mir auf die Schulter und springt weiter. Wer weiß, ob er nicht wieder mit am Stockerl steht beim Halbmarathon. Ich traue es ihm voll und ganz zu. Wieder einmal in der Halle, wird gerade Anita vom TV interviewt. Ein kurzer Stopp von mir und ein Schuss aus dem Handgelenk und weiter.

Ein weiteres Wort zur Verpflegung: Ich nehme mir vor, auf jeder dritten Runde anzuhalten und zu essen und zu trinken. Staunen muss ich über das Team der Green-White-Crocodiles, denn sie bieten  fränkisches Frühstück, fränkisches Buffet, Schweinebraten und Kuchen an. Es geht schon mal gut an, denn bei meinen ersten Stopps lachen dir Schnittchen mit Marmelade, Nutella, Obatzdem und Stadtwurst an. Zu dem deftigen Snack fehlt das richtige Getränk, was auch Pumuckl bemerkt und sich bei Anita beschwert: „Komm mal her und hol dir deinen Anschiss ab!“ Wir können es der Chefin leicht nachsehen, denn ein Zuschauer hat jenseits der Grünen Halle eine Kiste Gruibinger Brunnenbier auf einer Bank drapiert. Conny Kaltwasser, Rotkäppchen Alexandra Schistek und der Pumuckl entdecken das Depot noch vor mir und halten mir die Flasche hin.

Irgendwann bemerke ich, dass nun mehr Zuschauer am Rand unterwegs sind. In der Mitte kicken Freizeitmannschaften. Auch der Kinderspielplatz ist gut besucht. Die ersten drei Stunden vergehen schnell, doch das Fahrgestell mault schon. Ausblenden muss ich das Gemeckere.

Mittag. Irgendwie höre ich bei meinem Vorbeilaufen an der V-Stelle jemanden „Schweinebraten“ rufen. Marathon-Fotograf Norbert Wilhelmi streicht sich genussvoll über den Bauch.  Na ja, auch Pressefritzen wissen, wie man über die Runden kommt. Aber auch ich lasse mir den Braten von der Bio-Sau munden. So eine Versorgung hatte ich noch nie, fehlt nur noch der Willi aus Südtirol. Für die Unkundigen: Das ist der Williams, also der Birnenschnaps.

Norbert ist von Anfang an in Fürth und lässt für die Down Syndrom Sportler manchen lukrativen Job sausen. In der Halle gibt es eine Ausstellung seiner Bilder vom Laufclub 21 Event, die auch im Buch „In Bewegung bringen“ von Thomas und Anita Kinle zu finden sind. Das Buch richtet sich an Betroffene, Angehörige, Mediziner und Interessierte und soll die Integration der Menschen mit Down Syndrom in die Gesellschaft fördern. Norbert hat die Betroffenen in ihrem privaten Bereich in der Schule, bei der Arbeit, beim Sport und in der Freizeit ohne großes Brimborium fotografiert. Gut gemacht, Norbert.

Mittlerweile ist es übersichtlicher im Feld geworden, denn die Halbmarathonis sind längst im Ziel und von den Marathonläufern haben die ersten ebenfalls fertig. Klug gewählt ist die Startzeit der Zehn-Kilometer-Läufer, die sich kurz vor 13.00 Uhr auf Höhe des DJ im Freien versammeln. Sie werden zumindest in unserer fünften Stunde für Abwechslung sorgen. Die führenden Staffeln und die ersten Solisten auf der Langstrecke überholen regelmäßig, darunter auch die beiden Burger-Brüder Frank und Rüdiger vom Team Icehouse.

 

 
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Jetzt halte ich jede zweite Runde an der Tankstelle. Es wird so hinausgehen, dass kurz nach dem Verlassen der Grünen Halle der Abpfiff kommt. Der geschieht jedoch unerwartet früh, ich stehe mit Roland Krauss gerade zehn Meter vom Haupteingang weg. „Das Signal kam genau eine Minute zu früh“, so Roland. Wir holen uns eine Bank und warten einige Zeit, bis die Vermesser kommen. Nach der Protokollierung des Standortes und der Restmeter spaziere ich in Richtung Grüne Halle. Dort fängt gerade die Siegerehrung an, die zügig durchgezogen wird.

Wie schaut es mit meiner Leistung aus? Ich war schon deutlich schneller, aber mit meinem vielen Pausen sind dennoch 51242 Meter und 20 Zentimeter zusammengekommen. Das reicht. Keule Klaus Neumann hat mit auf meiner letzten Runde den Rest gegeben. Er hat überholt und steht in der Liste mit 50 zusätzlichen Metern drin. Na warte, das nächste Mal schlägt der Reporter zurück.

 

 

Fazit:


Wer noch nie 6 Stunden gelaufen ist, muss das hier probieren. Und wem der lange Kanten ein Wagnis ist, kann sich auf den weniger langen Strecken ausprobieren. Nächster Termin ist der 19.02.2017. Das Motto wird dann lauten „Überwältigt von Dir“. Anita lädt schon heute dazu herzlich ein. Wer kommt mit? Eine tolle Sache, für die wir da in Fürth laufen dürfen.

 

Ergebnisse:

 

Staffeln 6 Stunden:

1 DPOLG NÜRNBERG 92,064 km
2 RSC-BOMANN 84,039 km
3 POLIZEI FÜRTH 74,777 km

Einzelläufer 6 Stunden:

Frauen

1. BERGMANN Heike TSV Zeulenroda 61.673,70 m
2. LEDERLE Sabrina AUS 61.451,80 m
3. PIRNER Martina SCR Schnaittach 59.784,00 m

Männer

1. LEYENDECKER Rainer SV Schwindegg 72.195,30 m
2. FISCHER Sven Team ERDINGER Alkoholfrei 70.429,60 m
3. BURGER Frank Team Icehouse e.V. 69.568,40 m
3. BURGER Rüdiger Team Icehouse e.V. 69.568,40 m

 

Marathon Frauen:

1 PIFFL Diana o.V. 03:20:22
2 ALTMANN Christine MTG 03:34:11
3 CREDÉ Caroline o.V. 03:38:19

Marathon Männer:

1 HANTSCHEL Patrick Stadtmarathon Würzburg e.V. 02:53:42
2 KACZYNSKI Patrick my-marathons.jimdo.com 02:57:47
3 SCHNURR Marco LSG Karlsruhe 03:24:09

 

Informationen: Welt Down-Syndrom Tag Marathon Fürth
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