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The Joe must go on

07.02.10
Autor: Joe Kelbel

Bad Füssing heilt…und heilt…und heilt

 

Eigentlich  singt Freddie Mercury “The Show must go on!”. Aber während der 550 km langen  Autofahrt ans untere Ende von Deutschland verstehe ich: “The Joe must go on!“  „Mother Mercury, look what they´ve done to me, I cannot run, I cannot hide”.

Verstecken will ich mich nicht, ich habe das Album „A Day at the Races“ ausgegraben.  Freddie wusste:  Jeder Tag ist ein Wettkampftag, und Sonntag ist ein Wettkampftag, an dem  ich nicht verlieren werde: Marathon in Bad Füssing.

Aus 1000 Meter Tiefe sprudelt der frische Quell des Lebens: das 56 Grad heisse Wasser. Seit Millionen Jahren schlummert es im tiefen Inneren der Erde, nun will es mich heilen.

Wer hier den Marathon läuft, erhält für Samstag  und Sonntag einen freien Eintritt (geöffnet bis 18 Uhr) in der Johannesbadtherme, einer der drei Thermen von Bad Füssing.Es ist  Deutschland führendes Rehabilations-Zentrum zur Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates. Aber auch  Krankheiten des vegetativen Nervensystems können hier behandelt werden. Wenn Freddie das gewusst hätte!

 
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Das Kurhotel Königshof ist eines der offiziellen Marathonhotels und erstaunlich preisgünstig. Eigentlich hätte ich es nicht gebraucht, denn nach der Nudelparty in den Johannesbadthermen bin ich direkt in den Haslinger Hof! Schande über mich, aber ich war dort, was soll´s. Es soll ja dort vor Rentnern nur so wimmeln. Ja, es stimmt! Und wenn ich mal in der M75 laufe, so wie unser Horst, dann geh` ich dort auch wieder hin. Aber heute ist der  Haslinger Hof nur beeindruckend für mich, eine Stadt für sich, ein geballter Wirtschaftfaktor. Und als ich mich durch die Menge der geheilten Rollatorschieber durchgekämpft hatte, da kam ich doch noch zur niederbayerischen Jugendabteilung. Und da war ich der König, denn ich hatte kein Karohemd an!

Aufgrund der Enge (die gesamte bayerische Jugend war anwesend) konnte ich leider meine berühmte Windmühle auf der Tanzfläche nicht einsetzen, obwohl es günstig gewesen wäre, um den, für einen Marathonläufer angemessenen frühzeitigen Rückzug ins Kurhotel zu erlangen. Na gut, ein Ultraläufer braucht kein Karohemd und keinen Rückzug, und ich glaube zum Frühstück wäre  ich auch rechtszeitig im Königshof gewesen, wenn da, wenn da nicht das Casino gewesen wäre.

Bad Füssing ist also o.k., obwohl sehr ermüdend. Und  die Startzeit um 10 Uhr  ist menschlich. Gelaufen werden 2 Runden à 21,1 km, und Brigitte sagt, ein Halbmarathon geht immer. Also gehen auch zwei. 

 
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Die Polizisten lassen mich nicht mehr auf den Parkplatz, alles voll. Also parke ich an der Strasse und laufe mit meiner Tasche zum Johannesbad. In den Thermen kann man seine Tasche mit den Badesachen für die gemütlichen Stunden nach dem Lauf in den Spinten unterbringen. Leider sehe ich keinen freien Spint mehr und bekomme leichte Panik, denn um die Tasche zurück zum Auto zu bringen, ist es zu spät.

Als ich endlich einen freien Spint  gefunden habe, fehlt mir eine Ein-Euromünze. Es ist  heiß in dem Gebäude, und jetzt rinnt mir der Schweiß in Strömen....

Aber dann läuft es wie am Schnürchen. Da steht unser Horst Preisler, der sogar 1000 Kilometer Anreise hat, und das steht der Pumuckl, als Rokoko-Mozart und  hat sogar Schuhe an! Na gut, die sind aus dem letzten Jahrtausend. Werner Selch lacht sich kaputt, weil seine 6 Paar Laufschuhe nach dem Europalauf nicht annähernd so „gepflegt“ aussahen. Roland, der mit der Saisonfarbe seiner Laufhose wieder glänzt, hat sich auch fein gemacht, während Gerd sich mit nem gelben Plastiksack begnügt.

Pünktlich erfolgt der Start. Eigentlich sind nur Halbmarathonläufer um mich rum. Mein fünfter Marathon (in diesem Jahr), aber endlich kann ich mal auf purem Asphalt laufen. Die Temperatur ist angenehm um die 0 Grad. Ich spüre, wie die glasklare Luft meine Lungen füllt und nehme gerne das schnelle Tempo der Halbmarathonläufer auf.  Überall liegt Schnee, doch  die Laufstrecke besteht aus narbenlosem, schneefreien Asphalt. Während Restdeutschland die Schneeräumerei aufgegeben hat, und ich seit November nur auf quälendem Untergrund laufen musste, habe ich hier und heute die jungfräulichste Laufstrecke vor mir! Sagenhaft. Ich habe richtig Spass am Laufen.

 
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Die Strecke führt über schnelle, asphaltiere Wege durch kleine,verträumte und verkehrsarme Ortschaften.Da überholt mich Sylvie, die habe ich ja seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Wenn  mich die schnelle Sylvie erst jetzt überholt, dann  bin ich sehr gut.

Werner steht traditionell alle fünft Kilometer am Rand vor seinem Auto und sagt uns die Zwischenzeiten an. Ich wüsste gerne, ob er Horst Risse kennt, der diesen lustigen Job in Arolsen beim Marathon macht, vielleicht sind die beiden ja irgendwie verwandt?

Ein witziges rosa Schweinchen lugt aus einer sexy Po-Tasche. Sonja läuft nie ohne ihren Glücksbringer.Ich muss ein wenig Gas geben, um das niedliche Tierchen noch zu fotografieren.

Pumuckl, alias Mozart schliesst auf. Wie ein junger Hund läuft er vor und zurück, grüßt hier, grüßt da, und wir laufen mit einer sehr guten Zeit (2:01) durch die Halbmarathonmarke. Die zweite Runde beginnt. Bei km 23 hält ihn  eine Bierflasche fest und ich werde ihn nicht mehr wiedersehen.

 
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Bernhard überholt mich, das ist o.k.. Ich bin also noch gut dabei, fotografiere noch schnell das „Lebensgefahrschild“ am Golfplatz und trabe weiter. Es ist einsam geworden auf der Laufstrecke. Bernd aus München schliesst auf. Er hat sich verfahren und ist verspätet um 10:15 mit dem Schülerlauf gestartet, hat den Besenwagen überholt und überholt mich jetzt. Demnach werde ich langsamer.

Gerhard überholt mich. Na gut, er will ja auch am Spartathlon teilnehmen. Bei km 35 steht wieder Werner. Die Zwischenzeit, die er mir durchgibt, ist noch ganz o.k.. Ich bleibe also garantiert unter dem Zeitlimit von 5 Stunden. Als mich Bernie überholt, ist bei mir aber endgültig die Luft raus. Ich quäle mich über die Ziellinie, bin aber froh, nach einer schrecklichen Woche doch noch einen guten Lauf absolviert zu haben.

 
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Im Ziel treffe ich noch Brigitta Biermanski, die einzige Europäerin, die den Himalayamarathon gefinisht hat und Hannes Kranixfeld, den Zweitplazierten im Europacup Ultralauf. Da ist also eine hochkarätige Besetzung heute angetreten.

Im heißen Außenbecken der Therme rudern  immer mehr Marathonköpfe aus den Nebelschwaden heran. Sie schwätzen über ihre Heldentaten und lassen diesen Tag Revue passieren, während unter der schwefligen Wasseroberfläche sich geplagte Beine erholen.

Ich bin das erste Mal den Thermenmarathon gelaufen und bin hoch erfreut. Die Strecke ist klasse, und das Drumherum mit Thermen und Kurgebiet ist einmalig. Dieser Marathon steht bei mir jetzt ganz oben auf der Liste.

Auf der Autobahn sehe ich den größten und hellsten Meteoriten, den ich je gesehen habe. Minutenlang fliegt er langsam der  Erde zu, um dann kurz über den Horizont in hunderte Einzelteile zu zerbersten. Ich darf aber nicht sagen, was ich mir dabei gewünscht habe.

Marathonsieger
Männer

1.  Stübinger, Klaus PTSV Rosenheim  2:42:49
2.  Summereder, Christian LC MKW Hausruck  2:45:00
3.  Steiner, Jürgen DJK Weiden 2:47:16

Frauen

1.  Maier-Kling, Isolde SV Birkenhard  3:20:56
2.  Wieland, Hilde Therme LT Böblingen  3:34:28
3.  Straßer, Regina Laufteam Donautal  3:42:59

 

Informationen: Thermen-Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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