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Laufberichte

Superveranstaltung, bildhübsche Stadt

13.04.08

Ukrainische Marathon-Siege in St. Wendel

Die im nordöstlichen Saarland gelegene Kreisstadt St. Wendel hatte mich im Vorjahr zum einen aufgrund ihres hübschen historischen Stadtkerns und zum anderen wegen ihrer bestens gelungenen Erstveranstaltung eines Stadtmarathonlaufes sehr begeistert. Und so bedurfte es gar keines großen Überlegens, das auch in diesem Jahr, und zwar am Sonntag, dem 13. April 2008, ausgerichtete St. Wendeler Event in meine Wettkampfplanung einzubeziehen. Ja, ich freute mich sogar in ganz besonderem Maße auf meine Teilnahme an dem in "Globus Marathon St. Wendel" umbenannten Laufspektakel.

Leider wurde die Vorfreude durch die Wettervorhersagen etwas getrübt. Nach den Ausführungen bei "WetterOnline", die üblicherweise recht zuverlässig sind, hätte es ganztags in der Region St. Wendel heftig regnen müssen, und nachmittags wären noch Gewitter hinzugekommen. Keine ermutigende Prognose für jemanden wie mich, der ich davon ausgehen konnte, das Zeitlimit von 6 Stunden weitgehend ausschöpfen zu müssen.

Aber vorab schon an dieser Stelle: Es kam nur halb so schlimm. Wurde der südlich der Mosel gelegene Abschnitt meiner Anreiseroute noch von Regen begleitet, so fielen bei meiner Ankunft am Veranstaltungsort gegen 8.15 Uhr zunächst keine Niederschläge mehr. Ein nun erster Versuch der Sonne, die derzeit noch geschlossene Wolkendecke zu durchdringen, ließ in mir Hoffnung aufkeimen, die dann auch zeitweise erfüllt wurde.

So stellte sich wechselhaftes Wetter ein. Phasen mit aufgerissener Bewölkung und Sonnenschein sowie Phasen mit weitgehend geschlossener Bewölkung und Regen wechselten einander ab (manchmal gab es sogar Sonnenstrahlen und Regenschauer zu gleicher Zeit). Dabei war es zwar kühl, aber nicht kalt. Und der Wind spielte auch nur eine sekundäre Rolle. Also noch einmal Glück gehabt!

Der angenehmen Atmosphäre der Veranstaltung tat das Fehlen des vorjährigen "Kaiserwetters" (2007 zeigte sich kein Wölkchen am Himmel, allerdings war eine ungewohnt hohe Temperatur zu verkraften, die in den Mittagsstunden bei +30° Celsius lag) keinen Abbruch. Start und Ziel befanden sich erneut in der inmitten der St. Wendeler Innenstadt gelegenen Bahnhofstraße.

Zum letztjährigen Wettkampfangebot (Marathon- und Halbmarathonlauf) hatte man noch einen "Kids-Marathon" über 2.195 m hinzugefügt. Und ich sah auch noch Läufer/innen, die "19..-Startnummern" mit besonderem Aussehen trugen und angeblich Teilnehmer/innen an einem Staffellauf waren, über dessen Ausrichtung ich in der Ausschreibung jedoch keine Information fand.

Der Marathon- und Halbmarathonlauf wurden gemeinsam um 10.00 Uhr gestartet, wobei 5 Blöcke (Elite, unter 3:00/1:30 Stunden, unter 4:00/2:00 Stunden, unter 5:00/2:30 Stunden, über 5:00/2:30 Stunden) eingerichtet worden waren. Dieser Einteilung scheint mir jedoch wenig Beachtung geschenkt worden zu sein. So war der letzte Block nur spärlich frequentiert, was aber lediglich dem Endergebnis im Marathonlauf gerecht wurde.

Ich selbst passierte exakt 3:30 Minuten nach der Startfreigabe als einer der Letzten die Startlinie. Aus meiner vorjährigen Teilnahme war mir bekannt, dass solch ein Verhalten unschädlich war, weil die für die Zeitenerfassung zuständige schweizerische Firma DATA-SPORT DS AG die Ergebnisse anhand in den Startnummern integrierter Einweg-Chips ermittelte und für alle Teilnehmer/innen alleine deren jeweilige Nettozeit ausgewiesen wurde.

Laufstrecke war erneut der amtlich vermessene 21,1-km-Kurs durch das St. Wendeler Stadtgebiet mit seinen 3 Wendepunkten, der diesmal allerdings in umgekehrter Richtung durchlaufen werden musste. Da es gleichgültig ist, in welcher Reihenfolge man Gegenlaufabschnitte absolviert, brachte die Neuerung für die Teilnehmer/innen weder eine Erleichterung noch eine Erschwernis. Vermutlich waren es organisatorische Gründe (z.B. die frühzeitigere Wiederfreigabe der einen oder anderen Hauptverkehrstraße), die zu einer Richtungsänderung bewogen hatten.

An mehreren Messpunkten des Kurses, den die "Marathonis" logischerweise zweimal bewältigen mussten, wurde das Durchlaufen digital erfasst, sodass ein korrekter Wettkampfverlauf gewährleistet wurde.

Laut Ausschreibung war die Strecke "schnell, flach und durchgehend asphaltiert." Das Prädikat "flach" würde ich nicht ganz unwidersprochen stehen lassen wollen. Es handelte sich aber sicherlich um die flachste Variante, die die sehr wellige Topografie der Stadt St. Wendel hergibt.

Die Ausschreibung führte zur Strecke weiterhin aus: "Motivierend und zuschauerfreundlich. Durch die Wendepassagen zurück in die Innenstadt werden alle Sportler immer wieder voll ins Laufgeschehen eingebunden, und die Zuschauer können das Renngeschehen leicht verfolgen. Rund 30 Musikbands, Cheerleader und Sambagruppen unterhalten Läufer und Zuschauer." In der Realität stellte das fünfmalige Zurückkehren in die Nähe des Zielbereiches und anschließende "Wiederweglaufenmüssen" die Psyche so mancher Läuferin/so manchen Läufers  auf eine sehr harte Probe. Was das durch die Streckenführung bewirkte harmonische Miteinander von Aktiven und Zuschauern betraf, so hatte der Veranstalter jedoch in keiner Weise zu viel versprochen.

Mir waren die Saarländer zwar schon von meinen früheren Wettkampfaufenthalten in ihrer Region her als ein "lustiges Völkchen" bekannt, das recht gerne feiert und sehr gastfreundlich ist. In St. Wendel war die Bereitschaft, begeisterten Beifall sowie aufmunternde und anerkennende Worte zu spenden, jedoch in ganz besonders hohem Maße vorhanden. Trotz der nicht immer zuschauerfreundlichen Witterungsverhältnisse und selbst, als ich in der 2. Runde am Ende des stark ausgedünnten hinteren Marathonfeldes alleine dahintrabte, war das Zuschauerinteresse noch nicht erlahmt, und ich musste mir nicht - wie dies andernorts häufig der Fall ist - veralbernde Zurufe anhören. Hierfür mein großes Kompliment an die saarländische Bevölkerung!

Eigentlich brauche ich keinen Rummel. Ich laufe viel lieber in Ruhe (ohne auf wohlwollenden Zuspruch reagieren zu müssen) durch die Natur. Aber dennoch muss ich gestehen: Meine Teilnahme am Stadtmarathonlauf in St. Wendel vermittelte mir auch in diesem Jahr wieder ein Lauferlebnis der besonderen Art und wird erneut bei mir unvergessliche Eindrücke hinterlassen. Mein persönliches Fazit lautet mithin auch heuer wieder: Eine professionelle Organisation, bei der man auf Schritt und Tritt erkennt, dass die Stadt St. Wendel Initiatorin dieses Laufevents ist und es mehrere potente Förderer desselben gibt - eine tolle Atmosphäre - ein begeistertes und beifallfreudiges Publikum - eine Superveranstaltung inmitten einer bildhübschen Kleinstadt!

Jedoch sollte auch Verbesserungswürdiges nicht unerwähnt bleiben: Dies wäre aus meiner Sicht das Onlineanmeldung-Verfahren. Es lag ebenso wie das nach meinen Erkenntnissen vorbildlich funktionierende Streckenkontrolle-, Zeitnahme- und Auswertungsverfahren in den Händen der schweizerischen Firma DATA-SPORT DS AG, die ein Paket von Serviceleistungen für die Stadt St. Wendel erbrachte. 

Ich halte das schon im Vorjahr und auch heuer unverändert angewandte Onlineanmeldung-Verfahren für hochgradig kompliziert und umständlich. Da musste man sich zunächst in eine Art Kundenliste eintragen (so etwas mag ich gar nicht, denn ich möchte lediglich einen Marathonlauf bestreiten und nicht in der Kundendatei einer Firma landen). Dann musste man seine Anmeldung in einen Warenkorb legen. Anschließend wurde man befragt, ob man ein schweizerisches Jugendprojekt mit einer Spende unterstützen möchte. Nachfolgend wurde die Begleichung der sich in weiteren Zwischenschritten summiert habenden Kosten mittels Gutschein gefordert. Um diesen erwerben zu können, war aus einer Fülle von Möglichkeiten ein individuell geeigneter Zahlungsweg herauszufiltern. Dies wollte mir aber partout nicht gelingen, weil ich die üblicherweise bei vielen deutschen Marathonläufen praktizierte Variante des Erteilens einer einmaligen Abbuchungsermächtigung vom Girokonto nicht vorfand. Schlimmer ging 's nimmer. 

Nach gut einer Stunde vergeblichen zähen Ringens "warf ich hoch frustriert das Handtuch". Aber für Stümper wie mich gab es ja zum Glück noch die Möglichkeit der unmittelbaren Anmeldung beim Amt für Stadtmarketing der Kreisstadt St. Wendel per Formblattzusendung, Fax oder E-Mail (was insofern recht erbaulich war, als dort eine sehr angenehme und stets freundliche Dame mit erwähnenswerter Geduld ihren Dienst versah) und als letzten Rettungsanker das mit Mehrkosten verbundene Nachmelden vor Ort.

Ergebnisse der erstplatzierten Frauen im Marathonlauf:

1. Anna Kovalenko - Donetsk/Ukraine - 2:37:21,4 Stunden
2. Svenja Gayk - Mülheim - 2:59:40,8 Stunden
3. Tanja Hooß - Ottweiler - 3:04:10,7 Stunden

Ergebnisse der erstplatzierten Männer im Marathonlauf:

1. Sergej Zachepa - Luck/Ukraine - 2:17:44,8 Stunden
2. Patrick Wieser - Aadorf/Schweiz - 2:23:23,7 Stunden
3. Jaroslav Janicki, Gryfino/Polen - 2:28:31,2 Stunden

 

Informationen: St. Wendel Marathon
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