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Laufberichte

Alte Liebe rostet nicht

08.12.13

Was dem einen Bertlich ist, bedeutet mir das Siebengebirge. Nach nur zwanzig Minuten Fahrt ist der Austragungsort Aegidienberg (zwischen Bonn und Koblenz auf der Rheinhöhe) erreicht und die mit viel Herzblut von der Tri-Power Rhein-Sieg ausgerichtete, handgemachte Veranstaltung ist so richtig nach meinem Geschmack.

Wie gut, daß ich in der Saure-Gurken-Zeit quasi konkurrenzlos und um die Ecke einen attraktiven Marathon laufen kann. Bereits zum fünften Mal trete ich hier an, normalerweise sieht man mich nicht wieder. Was aber nur daran liegt, daß es so viele schöne Strecken im In- und Ausland gibt, von denen ich möglichst viele kennenlernen möchte.

Mein allererster Marathon fand vor zwölf Jahren exakt hier statt. Schon zum Volkslauf eigentlich wie die Jungfrau zum Kind gekommen, hatten mich liebe Lauftreffler zum Löwenburglauf geschleppt, damals der erste Lauf im Siebengebirgscup. Vor den 15 km und 400 Höhenmetern hatte ich seinerzeit die Hosen gestrichen voll und erst recht vor dem zweiten Cup-Lauf, dem Drachenlauf, mit seinen 26 km und 1000 Höhenmetern. Ich war noch nie so fit gewesen wie zu diesem Zeitpunkt und die Aussicht auf gleich zwei Medaillen, nämlich sowohl für den Marathon als auch für die Cup-Teilnahme, ließen mich nach ganz tiefem Luftholen meinen ganzen Mut zusammennehmen und auf den Anmeldeknopf drücken.

Gelitten habe ich wie ein Hund, besonders auf den letzten km, und im Ziel eine geschlagene Stunde reglos auf einem Stuhl verbracht. Über die nachmarathonalen Beschwerden brauche ich Euch nicht zu berichten, die kennt Ihr aus eigenem Erleben. Dennoch habe ich mich nicht abschrecken lassen und bin im Frühjahr darauf in Mainz zum zweiten Mal zum Marathon angetreten. Viele Läufe sind inzwischen dazugekommen und mit ihnen ein gerüttelt Maß an Routine, aber ohne Verlust des Respekts vor der Strecke, und das jedes Mal aufs Neue. „Jeder Lauf ist ein Geschenk“, sagt unser Marathonanzahl-Weltrekordler Christian Hottas, wie recht hat er damit.

Für meine Verhältnisse habe ich hier schon wirklich gute Resultate erzielt, heute jedoch wird nur gejoggt. Keine Hektik bei meinem letzten Marathon in der M 50, bei dem mich mal wieder Jochen begleitet, mit dem ich schon so manche Schweißperle zusammen vergossen habe. Quasi zeitlos wird die heutige Aktion werden, denn meine Suunto Ambit ist krank, das muß ich noch erzählen. Ich habe vom Armband eine Schraube verloren, die sich unbemerkt gelöst hatte. In der naiven Annahme, ein unbürokratisches Verfahren sei möglich, hatte ich Suunto angeschrieben und um Übersendung einer Schraube gebeten. Nein, so unkompliziert geht das natürlich gar nicht, die Uhr muß eingeschickt werden, damit sich die Angelegenheit auch für die Post lohnt. Der Hersteller selbst hat, weil die Uhr noch in der Gewährleistung ist, nicht einmal etwas davon. Und so befindet sie sich halt im Werk anstatt an meinem Arm.

 
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Der Orkan Xaver hat uns im Grenzgebiet südliches NRW/nördliches RLP glücklicherweise verschont, daher ist der heutige ausgiebige Waldlauf gefahrlos möglich. Sogar halbwegs mild ist es wieder geworden, eine Vermummung unnötig. Auch der Regen versiegt zwei Stunden vor dem Start und ermöglicht uns daher einen zumindest von außen trockenen Lauf. Viele liebe Bekannte werden getroffen, der konkurrenzlose Termin bringt zahlreiche  Marathon-Junkies zusammen. Gute vierhundert von ihnen finden sich am Gangpferdezentrum zum Start ein, darunter auch unser Anton, den ich schon zu lange nicht mehr gesehen und gehört habe. Sprachlich verstehen tue ich ihn zwar immer noch nicht, unseren Neuburger aus der Nähe von Ingolstadt, dafür aber liegen wir auf einer Wellenlänge und darauf kommt es schließlich an! Bernd Neumann bewundere ich aufrichtig. Nach seiner schweren Operation im vergangenen Jahr hat er sich wieder mehr als berappelt, dies ist heuer sein dreißigster Marathon.

Den Startschuß gibt ausnahmsweise mal nicht der Bad Honnefer Bürgermeister Peter Wirtz ab, der sich üblicherweise anschließend selbst ins Getümmel stürzt und hervorragende Zeiten erzielt, sondern die Ortsbürgermeisterin. Nach einem km entlang der Pferdeanlage finden wir uns auf der Aegidienberger Hauptstraße wieder, um nach einem kurzen Blick auf das Veranstaltungszentrum nach links in die Botanik abzutauchen und dort erst nach 39 km wieder vorsichtig in der Zivilisation zu erscheinen. Die Wege sind ordentlich matschig, am Ende sind bei den meisten die Beine schwerer vom anhaftenden Schmodder als von der Anstrengung. Sogar die Sonne lacht uns ein wenig vom Himmel, das war noch heute Früh fast nicht vorstellbar.

 
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Nach bereits einer guten halben Stunde gibt’s das erste Mal zu trinken. Ich erinnere mich an den warmen Tee vergangener Jahre, werde nicht enttäuscht und bleibe dem bis ins Ziel treu. Lecker! Fast meditativ ist das Laufen durch vertrautes Gelände, ob Siebengebirgsmarathon, Drachenlauf, Löwenburglauf, Rheinhöhenlauf, Rheinsteig-Extrem- oder –Erlebnislauf, irgendwann bist Du fast an jeder Ecke mal vorbeigekommen und erinnerst Dich an viele schöne, aber auch anstrengende Stunden. Fast ein wenig schade ist, daß wir nicht auf den Gipfel zur Löwenburg laufen, sondern diese nur umrunden, auch wenn uns so eine heftige Steigung erspart bleibt. Die Ruine ist wirklich sehenswert, die Aussicht phänomenal. Dafür erinnere ich mich mit Hochgenuss an das Malzbier in der Gaststätte nach 40 km der ersten Etappe des Rheinsteig-Erlebnislaufs.

Die Meditation wird jedoch jäh unterbrochen, als ich von hinten vertraute, aber dennoch eher unverständliche, mehr gutturale Laute vernehme. Der, den ich weit vorne vermutete, hat schwer getrödelt und pflügt sich jetzt langsam durchs Feld nach vorne. Schön ist’s, den Anton mal eine Stunde lang an meiner Seite zu haben, am Ende bekomme ich sogar das meiste mit, was er erzählt. Soll einer mal sagen, das habe sich nicht gelohnt. Danke, Anton! In den Steinbruch, in dem eine schöne Grillhütte steht, müsse er eigentlich mal reinlaufen, sage ich ihm, und er macht es tatsächlich. Schaut mal auf trailrunning.de, da findet Ihr seinen reich bebilderten Bericht.

 
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Gelegentlich kommen uns einige Läufer auf ihrer Trainingsrunde entgegen. Generell freue ich mich immer über jeden, der seinen inneren Pigdog überwindet und seinem Körper damit etwas Gutes tut. Muß man das aber ausgerechnet parallel zu einer laufenden Veranstaltung machen, zumal man als Einheimischer genau weiß, daß diese stattfindet? Ich käme mir dabei etwas affig vor und würde mir da lieber eine Startnummer umschnallen und zumindest den Halben laufen. Dann hätte ich das gute Gefühl, dabei zu sein und am Ende noch etwas Zählbares in der Hand. Und der Veranstalter für seine Mühe ein paar zusätzliche Euro.

Manch einer wird verwundert sein, als er nach der Umrundung der Löwenburg wieder an der gleichen Verpflegungsstelle herauskommt, aber das ist praktisch für alle. Doch nicht genug, nach Umrundung des Lohrbergs kommen wir hier ein drittes Mal vorbei. Ob es wirklich jede(r) bemerkt hat? Kreuz und quer laufen wir durch den Wald, häufig können wir den Weg weit nach vorne einsehen und üben uns in mentaler Stärke. Die brauche auch ich, denn nach dem 19. und fast zehn gemeinsamen km verabschiedet sich der schnelle Bajuware nach Zündung seines Turbos auf den Weg nach vorne, um mir noch gute zwanzig Minuten abzunehmen. Auch bei der Halbzeit gibt es nur Vertrautes, Eventfotografie24.de in Person der omnipräsenten Birgit Holler schießt jeden harmlosen Läufer ab und freut sich über bekannte Gesichter.

Vieles ist vertraut, aber so manches Bild haut einen doch von den Socken. Wie der Anton nicht nach hinten gehört, haben auch die Ultraläufer Sigrid und Roland dort nichts verloren, als sie wenig später auf mich auflaufen. Positiver Effekt: Wieder ein nettes Schwätzchen gehalten. Dann ist da auch schon das „Auge Gottes“, ein Kapellchen mit eben diesem aufgemalten Sinnesorgan, das zumindest mir signalisiert, daß ich heute nicht ohne Beistand von oben unterwegs bin. Den gibt’s aber auch direkt davor in Gestalt weiterer Verpflegung (Tee, warm). Kurz danach, viele werden sie nicht bemerkt haben, stehen die Reste einer V1-Stellung aus dem 2. Weltkrieg. Die V1 war ein von der späteren NASA-Größe Wernher von Braun entwickelter Marschflugkörper als „Wunderwaffe“, die, ab 1944 gegen v.a. London und Antwerpen eingesetzt, aber auch kein Wunder mehr erzeugen konnte.

 
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Krach ertönt auch von meiner rechten Seite, allerdings aus weitaus friedlicherer Ursache. Drei Hirschkühe brechen mit Getöse durchs Unterholz, nur wenige Meter von mir entfernt, ein schönes Bild. Leider sind sie schon fast außer Sichtweite, als ich meine Kamera schußbereit habe. Fast 35 km sind geschafft, als ich neugierig nach vorne sehe, ob der berühmte Bauwagen noch da steht. Tatsächlich, er ist immer noch am vertrauten Ort. Nun, sind die visuellen Abwechselungen überschaubar, freust Du Dich über jede Kleinigkeit und fotografierst auch den. Es ist wie im Film. Wie ich da stehe und knipse, kommt’s von hinten: „Ah, der berühmte Bauwagen!“ Volker, der an dieser Rennposition als Wenig-über-drei-Stunden-Läufer ebenfalls absolut nichts verloren hat, freut sich ein Loch in den Bauch, daß er den Muskelfaserriss von vor zwei Wochen gut überstanden hat. Selbstverständlich muß er sich davon im Rahmen eines Marathons überzeugen, für eine kürzere Strecke hat sich wohl das Umziehen nicht gelohnt. Am letzten, dem achten Verpflegungsposten, werde ich dem Tee untreu und pfeife mir einen Becher Cola rein. Hat durchaus auch etwas für sich.

Dann geht’s Schlag auf Schlag: Erst das von mir heißgeliebte 40 km-Schild, dahinter der Ortsrand von Himberg, wieder Asphalt unter den Füßen und das gute Gefühl, bei meinem heutigen vergleichsweisen Schneckentempo noch gut drauf zu sein und ordentlich ausschreiten zu können. So vergehen die letzten anderthalb km entlang der Aegidienberger Hauptstraße, die mir vor zwölf Jahren noch unendliches Leiden bescherten, wie im Flug.

Vor der Halle knipst der Anton alles ab, was ihm vor die Linse kommt, sogar seinen Kollegen, und dann folgt „Frankfurt light“: Die paar Schritte in die hell erleuchtete Halle, passend ist gerade ein Showtanzgruppe auf der Bühne, macht jede Menge Alarm und der Held läuft auf rotem Teppich zur Zeitnahme. Thomas Hahn, Orga-Chef und Mitveranstalter des Siebengebirgscups, moderiert sich gleich wieder einen Wolf und fragt mich, wie es gewesen sei. Klasse, wie immer, lieber Thomas. Alte Liebe rostet nicht.

 
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Gute Zielverpflegung sowie preiswerter Kaffee und Kuchen (Pott Kaffee plus großes Stück Blechkuchen für schlappe 2 €) erfreuen die Sinne. Bald darauf findet die Siegerehrung statt, hier zeigt sich dann erfreulicherweise der am Start vermißte Peter Wirtz. Abschließend gibt es dann noch die Siegerehrung für die Erfolgreichen des Siebengebirgscups und damit auch vielen Teilnehmern unseres Malberglaufs. Über zusätzliche Medaillen, ein schönes Shirt und Schuhgutscheine für die schnellsten Frauen und Männer freuen sich alle sichtlich und strahlen um die Wette in die Kamera. Vom Lauf kaum gezeichnet verlasse ich zufrieden den Ort des Geschehens. Der Weihnachtseinkauf am folgenden Tag ist bedeutend anstrengender.

Streckenbeschreibung:

Welliger Kurs auf überwiegend matschigem Untergrund, die Anstiege addieren sich auf 794 Höhenmeter.

Startgebühr:

24 – 26 – 28 €, je nach Anmeldezeitpunkt.

Teilnehmerbeschränkung:

Marathon 600, Halbmarathon 500.

Zeitnahme:

Manuell.

Weitere Veranstaltung:

Halbmarathon

Auszeichnung:

Medaille, Urkunde, Sachpreise für die Erstplazierten.

Logistik:

Das Bürgerhaus Aegidienberg ist das Veranstaltungszentrum. Dort gibt es die Startunterlagen und ab 7 Uhr ein preiswertes Frühstück. Zum Start auf dem Gangpferdezentrum sind es ca. 400 Meter, das Ziel ist in der Halle. Parkplätze sind in der Nähe, Duschen in der nahe gelegenen Schule.

Verpflegung:

8 Verpflegungsstellen mit Wasser, Iso und Tee (warm!), ab Verpflegungsstelle 5 zusätzlich Cola sowie Bananen und Riegel. Gute und reichhaltige Zielverpflegung.

Zuschauer:

Bis auf einige kleine Fangruppen Fehlanzeige (was aber nicht stört), aber einige Spaziergänger und Jogger.

  

Weitere Bilder von Anton Lautner gibt es hier
AUF TRAILRUNNING.DE

 

Informationen: Siebengebirgsmarathon
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