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Laufberichte

Für Könner und Genießer

 

Zusammen mit Charly fuhr ich schon am Freitag ins unterfränkische Ramsthal. Dort sollte am Samstag unser dritter gemeinsamer Marathon in diesem Jahr gestartet werden.

Die Anfahrt in den Weinort, der in einem Seitental der fränkischen Saale liegt, hatten wir in rund drei Stunden hinter uns gebracht. Unser erster Weg führte uns direkt zum Vereinsheim des SV Ramsthal, wo der Marathon auch gestartet werden soll. Wir wollten gleich unsere Startnummern abholen, doch die fleißigen Helfer waren noch beim Vorbereiten, die Startnummer gibt erst morgen hieß es. Nach einem netten Gespräch mit einer ebenso netten jungen Dame verließen Charly und ich das Sportheim nicht ohne die für uns vorbereitet Tasche, die die Startnummer, Prospekte und die üblichen Gimmicks enthielt.

Nur ein paar hundert Meter weiter bezogen wir kurze Zeit später im Gästehause „Ingrid“ unser Zimmer. Ingrid erklärte uns auch gleich den kürzesten Weg zum Gasthaus Wahler, wo wir gut und günstig zu Abend essen konnten.

 
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Ingrid hatte uns am nächsten Morgen ein ordentliches Frühstück, mit allem, was das Herz begehrte zubereitet, so dass wir uns rechtzeitig auf den Weg zum Sportgelände des SV Ramstahl machen konnten. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Der Himmel war strahlend blau und der Wind hielt sich in Grenzen. Die Temperatur war noch im einstelligen Bereich, aber das sollte sich im Laufe des Tages ändern. Nach und nach trudelten die Läufer am Veranstaltungsort ein. Um 10:00 Uhr sollten der Marathon, ein Halbmarathon, sowie ein 10-km-Lauf gestartet werden. Die blauen Startnummern waren den Marathonis vorbehalten. Die Halbmarathonis waren an den grünen Startnummern zu erkennen. Die Gelben begaben sich auf die 10-km-Strecke. Demensprechend sollte auch die Strecke farblich mit Pfeilen markiert sein, was die Orientierung leicht machte.

Die verbleibenden Minuten bis zum Start lauschten Charly und ich begeistert dem Stadionsprecher, der ohne Punkt und Komma in bestem Lothar-Matthäus-fränkisch moderierte. „Subba Wedda beim Ramsdal Maradhon !!!“ und  „Während wir uns Böh a Böh dem Start nähern …“, ließ uns zu keiner Minute vergessen, wo wir waren.

 
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Mit ein paar Minuten Verspätung fiel dann aber der Startschuss zur fünften Auflage des Saaletal Marathons. Vom Sportzentrum liefen wie die Zufahrt runter zur Hauptstraße und dann gleich nach rechts in Richtung Ortszentrum, das wir auch schnell durchquert hatten. Jetzt hieß es für, nur nicht zu schnell angehe. Die Halbmarathonis und 10-km-Läufer können schon mal dazu verleiten. Ein Blick auf der Uhr genügte, ich  hatte den richtigen Schritt gefunden .

Am Ende von Ramsthal wartete eine Gruppe Zuschauer mit einem riesigen Plakat auf die Läufer. „Auf geht`s! Der Berg ruft!“ stand dort geschrieben. Oje, das hatte ich in meiner ersten Euphorie ja ganz vergessen. Die nächsten vier Kilometer sollte es nur bergauf gehen. Es gab in der Ausschreibung zwar ein Streckenprofil, auf dem dies auch erkennbar war, allerdings ohne Angabe bezüglich der Höhenmeter. Ich hatte auf rund 500 getippt und sollte am Ende auch recht behalten. Die ersten davon lagen nun also vor uns. Das Feld zog auch relativ schnell auseinander und die ersten Läufer wechselten bereits in flottes Marschtempo. 

Oben angekommen, konnten wir kurz eine tolle Aussicht genießen, bevor es wieder durch ein schönes Waldgebiet ging. Gleich am Waldrand verließen uns die Kurzstreckler und wir teilten uns den weiteren Weg nur noch mit den Halbmarathonis. Immer wieder kam ich während des Laufens mit den überwiegend fränkischen Teilnehmern ins Gespräch, was die ganze Sache sehr kurzweilig machte. Doch eigentlich sind hier Ablenkungsgespräche gar nicht notwendig. Was uns schon auf den ersten zwanzig Kilometern an Strecke geboten wurde, war ein reines Laufvergnügen. Das sahen auch ausnahmslos meine Mitstreiter so. Herrliche Waldgebiete, tolle Aussichten, teilweise schön zu laufende Trails, idyllische Wege entlang der fränkischen Saale, dazu das frühlingshafte Wetter ließen die Zeit wie im Flug vergehen.

 
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Bis etwa Kilometer 18 liefen wir gemeinsam mit den Halbmarathonis. Danach erreichten wir Euerdorf, wo  wir uns nach rechts verabschiedeten. Wir überquerten die alte Saalebrücke, eine achtbogige Steinbrücke, deren älteste Teile aus dem 16. Jahrhundert stammen. Gemeinsam mit dem steinernen St.-Nepomuk aus dem Jahre 1713 blickte man  zurück auf die Laufstrecke. Ein an der Stadtmauer rekonstruierter Wachturm fällt mir auf.  Er ist so errichtet so dass man wie bei einem Querschnitt den Blick ins Innenleben des Turms hat.  Innerhalb der Stadtmauer liegt der historische Kern der netten kleinen Ortschaft, doch für eine Besichtigung hatte ich leider keine Zeit. Es lagen ja  noch rund 22 Kilometer vor mir.

Es wurde einsam auf der Strecke.  Die etwas mehr als  einhundert gemeldeten Marathonis hatten sich wohl gut verteilt, oft war kein einziger im Blickfeld. Mit der wirklich fast spektakulären  ersten Hälfte kann die zweite nicht mithalten. Manchmal war man mental ganz schön gefordert.

 
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Gleich nachdem wir Euerdorf hinter uns gelassen hatten, wartete der nächste Anstieg auf uns. Ein entsprechendes Hinweisschild bereitete uns darauf vor. Demnach befanden uns auf dem „Weg durch die Zeit“ und die steile Wegstrecke führte über den eiszeitlich Wasserriss. Eine ganze Weile ging es im Schatten der Bäume nach oben, bevor wir die Ruine Aura erreichten. 1618 hatte der damalige Würzburger Erzbischof den Bau einer Kirche, die später als Wallfahrtskirche dienen sollte, in Auftrag gegeben. Sie wurde aber wegen des Beginns des dreißigjährigen Krieges und des Todes des Erzbischofs nie vollendet.

Auf einer Weide grasten glückliche, freilaufende Kühe mit ihrem Nachwuchs hatten. Die Kälbchen waren wohl erst ein paar Wochen alt und genossen die Sonne. Einen Zaun gab es nicht,  dennoch wagte ich mich nicht näher an sie heran. Frischgebackenen Kuh-Müttern traue ich nicht. Dennoch, mein Kuh-Freunde-Herz lachte.

Nun hatten wir einen wunderbaren Blick auf Aura an der Saale, das unterhalb von uns lag. Dominant ist hier der Blick auf die Pfarrkirche St. Laurentius. Sie ist Teil einer ehemaligen Klosteranlage. Wir umliefen die Klostermauern, teilweise ging es dabei steil  bergab. Auf historischem Pflaster ist das nicht leicht. Vorsicht war geboten. Aura selbst ist ein sehr netter kleiner Ort, der mit seinen Fachwerkhäusern zu gefallen weiß. Trotzdem ließ ich ihn schnell hinter mir. Am Ortsausgang ging es auf einem Trampelpfad unter einer Brücke durch und als wir am anderen Ende wieder auftauchten, standen wir vor der Alten Brauerei, die sehr einladend aussah. Der Verpflegungstand davor kam wie gerufen. Es war warm geworden, die 20 Grad Marke dürfte geknackt sein. Im letzten Jahr, so wurde mir erzählt, sei man bei nur 2 Grad und eisigem Wind fast erfroren.

Auf einer schmalen Landstraße liefen wir nun in Richtung Elfershausen. Entlang des Waldrandes ist es angenehm schattig. Linkerhand verläuft die fränkische Saale. Es war herrlich, auch wenn sich die gerade Landstraße ganz schön in die Länge zog. In der Ferne konnte ich auf dem Pfaffenberg die Limburg entdecken. Sie gehört zum Gemeindeteil Elfershausen und dient als Orientierung. Die teilweise aus dem 11. Jahrhundert stammende Limburg wurde, nachdem sie jahrelang leer stand, 1980 durch den Freistaat Bayern an den Markt Elfershausen verkauft. Seitdem bemüht man sich zusammen mit den „Freunden der Limburg“ um deren Erhalt. Die Limburg ist regelmäßig an Wochenenden nach Anmeldung zu besichtigen und ist dann auch bewirtschaftet. Ebenso finden mittelalterliche Märkte und andere Kulturveranstaltungen auf der Limburg statt.

Ich aber lief weiter auf der Landstraße, nicht ohne immer wieder den Blick auf die Limburg zu genießen. Dann waren wir wieder im Wald. Ein steiler Anstieg lag vor mir. Dann kam der meiner Meinung nach etwas unattraktive Streckenabschnitt. Kein Marathon kommt ohne einen solchen aus. Auf der gut ausgebauten Staatsstraße liefen wir die letzten Kilometer in Richtung Elfershausen. Der Verkehr auf der Straße hielt sich zwar in Grenzen und alle Autofahrer, manche sogar winkend,  „schlichen“ an uns vorbei, aber trotzdem zog sich dieser Abschnitt in Länge. Ich hatte keinen Blick mehr für die Umgebung. Aber auch diese Kilometer brachte ich hinter mich und ich erreichte Elfershausen. Auf dem Pausenhof einer Schule war die nächste Verpflegungsstation eingerichtet.

 
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Kreuz und quer wurden wir durch den Ort geschickt, überquerten schließlich nochmal die fränkische Saale um schließlich bei einer Unterführung die Straßenseite zu wechseln. Inzwischen waren wir bei Kilometer 32 angekommen und es warteten die letzten 10 Kilometer auf uns. Auf Wander- und Feldwegen ging es zurück in Richtung Ramsthal. Ebenfalls unterwegs war Erwin Bittel, auch als Lionheart bekannt, mit einer kleinen Laufgruppe.

Schon aus zwei Kilometer Entfernung konnte ich den Stadionsprecher vernehmen. Er sprach immer noch ohne Pause und begrüßte Teilnehmer daher mit inzwischen leicht angeschlagener Stimme. So wurde dann auch ich im Ziel empfangen.

Eine schön gestaltete Medaille war der Lohn der Mühen. Geduscht wurde im Sportheim des SV Ramsthal.  Das Wasser war angenehm warm, weshalb es bei mir ein paar Minuten länger als üblich dauerte. Auch Massagen waren im Angebot.  Erwin Bittel wurde bereits bearbeitet. Als ich nach 20 Minuten von der Liege sprang, war ich fast wie neu und die 300 km zurück nach Hause waren kein Problem.

Die Fränkische Rundschau hatte eine Vorschau auf den Saaletal Marathon so überschrieben: „Ein Lauf für Genießer und Könner“. Weil ich das genauso sehe, leihe ich mir den Titel aus. Wegen der 500 Höhenmeter ist die Strecke nicht für Bestzeiten gemacht und für blindes Rennen auch viel zu schade. Zu schön ist die Landschaft,  aber nicht einfach zu laufen. Für Könner eben.

 

Informationen: Saaletal-Marathon
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