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Laufberichte

Alles drin: Die Stadt, das Land, der Fluß

27.04.08
Autor: Klaus Duwe

Für den 8. iWelt Marathon Würzburg beginnt eine neue Zeitrechnung. Erstmals wird auf einer großen Schleife gelaufen. Der Kurs ist so angelegt, dass die Marathonis kurz vor Erreichen der Halbdistanz noch auf den „Halben“ umsteigen und ins Ziel laufen können. Umgekehrt ist für die Läufer vom Halbmarathon Nachschlag möglich. Die Startgebühren für Marathon und Halbmarathon sind gleich.

 
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Ungefähr 4.400 Läuferinnen und Läufer stehen in den Meldelisten. Man hat mit mehr gerechnet, gibt der neue Organisationschef Günter Herrmann zu, aber man ist zufrieden. Die Wetterprognose ist gut. Es soll am Sonntag sonnig sein und über 20 Grad warm werden. Entlang der Strecke haben Bewohner, Vereine und Musikgruppen mehr als 20 Streckenfeste organisiert. Dort und in der Innenstadt werden wieder zigtausend Zuschauer die Läuferinnen und Läufer feiern. Kommentiert wird das Geschehen von Winfried Aufenanger und Peter Maisenbacher, beide ebenso kompetent wie prominent.

Teure Topläufer hat man dieses Jahr ganz bewusst nicht verpflichtet. „Wir investieren unsere Einnahmen lieber in die weitere Optimierung der Veranstaltung, was den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zugute kommt. Unsere Zielverpflegung zum Beispiel kann nirgendwo besser sein“, erläutert Günter Herrmann die Philosophie des Würzburg Marathon.

 
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Das erweiterte Rahmenprogramm beginnt schon am Freitagabend mit einer Schifffahrt auf dem Main und einem anschließenden Rundgang mit dem Nachtwächter Wolfgang Mainka durch die Altstadt. Locker und humorvoll gibt das Würzburger Original Geschichten um Tilman Riemenschneider und Balthasar Neumann, die berühmtesten Söhne der Stadt, zum Besten, aber auch über die Bischöfe der Stadt weiß er Interessantes zu berichten.

Samstag, strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen. Der Tag beginnt mit dem Hörnchenlauf, den trotz Veranstaltungsstress OK-Chef  Günter Herrmann anführt. Im großen Messezelt beginnt die Ausgabe der Startunerlagen. Die meiste Arbeit haben gleich die Helferinnen und Helfer an den Nachmeldecountern. Das Wetter macht Lust auf Marathon und  ist offensichtlich auch gut für’s Geschäft. Die annähernd 40 Aussteller haben jedenfalls gut zu tun.

Bereits zur Mittagszeit beginnt die Pastaparty. Bei herrlichem Wetter bleibt das Veranstaltungszelt fast leer. Dafür gibt es draußen an den vielen Stehtischen kaum einen Platz. Das ändert sich zunächst auch nicht, als um 17.00 Uhr die Rossinis mit ihrer Live-Musik starten.

 
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Ohne einen offiziellen Teil kommt dieser Veranstaltungsteil nicht aus. Statt Lob in eigener Sache wird jedoch ein verdienter Sportjournalist geehrt und mit dem Medien Adward ausgezeichnet. Der Preis wird seit 2002 an den „Laufsportjournalisten des Jahres“ verliehen. Erster Preisträger war Manfred Steffny, Top-Marathonläufer (2:16) und „Spiridon“-Chef, der fortan die weitere Vergabe des Preises übernahm. Wilfried Raatz ist der diesjährige Preisträger. Der 59jährige kann beachtliche Bestzeiten aufweisen (u.a. 14:12,1 über 5000m). Seinem Verein ASC Darmstadt ist er bis heute treu und dient ihm inzwischen als 2. Vorsitzender. Mit dem Schreiben begann Raatz bereits während seines Studiums (Sport und Biologie). Seit 1991 gibt er das „Berglaufjournal“ heraus. Seine Artikel erscheinen heute in mehreren Fachzeitschriften.

Günter Herrmann begrüßt Vorjahressiegerin Elke Brenner, die ihren Titel verteidigen will. Sie freut sich auf den neuen Kurs und will versuchen, erstmals unter 3 Stunden zu bleiben. Zuletzt war ihr dies um gerade mal 26 Sekunden misslungen.

Dann wird’s laut. Zehn jungen Damen stürmen das Zelt. Sie feiern Junggesellinnenabschied. Die Braut in spe („Pack mich aus“) hat ihre Klamotten mit unzähligen roten Schleifchen  verziert. Sie darf erst nach Hause, wenn sie alle Schleifchen gegen eine Spende losgeworden ist. Zuerst muss sich Bürgermeister Adolf Bauer opfern, dann ist Helmut Hochhuth vom Rostock Marathon dran. Zum Dank heizen die Mädels mit Tanzeinlagen den Gästen im Festzelt ein, das jetzt voll besetzt ist. Draußen hält es keinen mehr.  Das Marathonfest in Würzburg ist gut gestartet.

 
Ultra-Elite: Werner Selch (links) und Robert Wimmer
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Tolles Wetter und tolle Stimmung am Sonntagmorgen. Aus allen Richtungen strömen die Läuferinnen und Läufer zum Startplatz in der Dreikronentraße. Wichtige Informationen („trinken, trinken, trinken“) gibt’s von Winfried Aufenanger. Der Ex-Polizist muss es wissen, er ist Trainer, Laufexperte und Veranstalter (Kassel-Marathon) in Einem. Um 10.00 wird mit einem Kanonenschuss gestartet. Die Straße  hinauf zur Brücke der Deutschen Einheit steigt leicht an, was in der Starteuphorie natürlich keiner merkt. Nach einem kurzen Abstecher nach Zellerau geht es über die bereits erwähnte Brücke.

 
Start
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Marathon und Brücken – das ist ein Kapitel für sich. Die einen lieben sie, denken an die Bilder von New York, die anderen schimpfen, weil meist Anstiege damit verbunden sind. Dabei geht es danach auch immer bergab. Oder ist schon mal einer oben geblieben? Ein Rockband treibt die Akteure vorwärts, Schnell noch einen Blick auf den Fluß und die Weinberge, dann geht’s hinaus zum Berliner Ring und durch die Semmelgasse zurück in die Altstadt. Woher der Name Semmelgasse kommt, braucht man wohl nicht erklären. Der Nachtwächter am Freitag war trotzdem so freundlich. Richtig, hier hatten früher die Bäcker ihre Geschäfte.

Dann der erste Höhepunkt für Augen und Ohren. Gleich nach der ersten Verpflegungsstelle (km5,5) geht es unmittelbar am St. Kiliansdom, der Bischofskirche des Bistums Würzburg, vorbei. Mit dem Bau der Kirche wurde 1040 begonnen. Sie ist eine der größten romanischen Kirchen in Deutschland. Hier haben sich viele Zuschauer versammelt, um die Läuferinnen und Läufer anzufeuern.

Die Strecke führt kurz nach Frauenland und Sanderau und dann am Mainufer zurück in die Innenstadt. Mehr als 10 Kilometer müssen die armen Teufel bis zur Residenz (km 16) laufen, wo es vom Dom dort hin doch nur ein paar hundert Meter sind. Die Balthasar-Neumann-Straße ist halbseitig für den Verkehr gesperrt, was zwar für die Läufer ausreicht und keine Probleme bringt, aber den Blick auf den ehemaligen Sitz der Würzburger Fürstbischöfe doch etwas stört. Der Residenzbau wird als ein sehr bedeutendes Werk des Spätbarock angesehen und auf eine Stufe mit Schönbrunn in Wien und Schloss Versailles bei Paris gestellt. Seit 1981 trägt die Würzburger Residenz  das Prädikat „Weltkulturerbe der UNESCO“.

Wieder führt die Strecke zum Main. Vom Ludwigskai hat man den schönsten Blick auf die 1000jährige Festung Marienberg und das Käppele, die von Balthasar Neumann erbaute Wallfahrtskappelle. Nach  der Alten Brücke  trennen sich die Wege der Marathonis und der „Halben“ (km 19,2). Die Marathonstrecke führt zum Bahnhof, erneut über die Brücke der Deutschen Einheit (in umgekehrter Richtung), haarscharf am Start- und Zielgelände (km 23) vorbei und dann schnurstracks nach Heidingsfeld. Von 1367 bis 1929 war man eine selbstständige Stadt, dann wurden die „Hätzfelder“ eingemeindet. Bei Kilometer 30 kommt die Wende, knapp 3 Kilometer weiter wird die Mainseite gewechselt und bis auf einen kleinen Umweg der Uferstraße entlang gelaufen.

 
Im Grünen
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Bei jedem Citymarathon, der auf einer großen Schleife gelaufen wird, gibt es „tote Winkel“. Das ist in Rom so und in Köln, in Hannover und Hamburg, in Freiburg und in Karlsruhe. Ja, auch in Berlin. Und von New York habe ich das auch schon gehört. In Würzburg ist es offensichtlich Heidingsfeld. „Heidingsfeld? Lass mich in Ruhe“. Der Kommentar dieses Läufers lässt auf wenig Begeisterung schließen, obwohl sich der Veranstalter Mühe gibt und extra einige Musikgruppen dort hin beordert. Erfahrungsgemäß können die nicht mehr viel ausrichten, wenn die Stimmung nach 2/3 der Strecke erst einmal am Boden ist, die Kräfte durch das warme Wetter (20 Grad, der Sommer kommt erst noch, liebe Läuferinnen und Läufer) mehr als kalkuliert schwinden und man mit dem einen oder anderen Anstieg auch nicht gerechnet hat. Kurz, wenn man hinter seiner angepeilten Zeit her läuft, stinkt es einem halt.

Aber gleich wird es besser. Noch einmal wird die Residenz passiert. Die Sambagruppe hat jetzt noch viel mehr Zuhörer und die Marathonis noch viel mehr Fans als beim ersten Durchlauf. Aber das ist noch gar nichts. Als es erneut in die Altstadt geht, ist die ein einziges Menschenmeer, durch das sich die Marathonstrecke in engen Kurven schlängelt. 

 
Rathaus
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Der Marktplatz mit der Marienkapelle und Falkenhaus wird passiert und das Alte Rathaus.  Von hier blickt man über die unzähligen Menschen zum Kiliansdom. Ein Bild zum Verweilen, eine Stimmung zum Genießen. Eine Musikgruppe übertönt fast die andere, dazu der Jubel der Zuschauer, hunderte Trillerpfeifen und Rätschen, die Geräuschkulisse ist sagenhaft.

Den Weg über die Alte Mainbrücke können die noch so bemühten Helferinnen und Helfer kaum freihalten. Ich wünsche jedem Läufer und jeder Läuferin, dass sie diese Atmosphäre und den Bilderbuchblick von der Brücke mit den zwölf 4,5 m großen Sandsteinfiguren zur Festung genießen können. Wer sich auf der Brücke umdreht und zur Domstraße blickt, dem verschlägt es die Sprache. Giebel und Gauben, Türme und Zinnen, man wähnt sich im Mittelalter. Aber da ist auch das Pflaster, uneben und holprig. Und das kurz vor Schluss.

Auf der Dreikronenstraße geht’s dem Ziel entgegen, das direkt am Main aufgebaut ist. Wie es die Läufer nun schon gewohnt sind, geht’s erst scharf rechts dann links auf die kurze Zielgerade. Hier ist die andere Hälfte der Würzburger Bevölkerung versammelt. Der Zieleinlauf ist eines Citymarathon würdig, die Stimmung fabelhaft. Peter Maisenbacher gibt kompetente und wenn es passt, spaßige Kommentare, begrüßt die Finisher, stellt sie vor, spricht mit ihnen.

 
Zieleinlauf
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Medaillengeschmückt werden die Helden in den großen Verpflegungsbereich geleitet. Günter Herrmann hat nicht zuviel versprochen: selten findet man ein ähnlich vielseitiges Angebot an Gebäck, Obst und den verschiedensten Getränken. Wen wird es wundern, Favorit ist der Gerstensaft, wir sind in Bayern.

Wie ist sie nun, die neue Strecke? Ich bin sie (leider) nicht gelaufen, meine Verletzung wird mich noch Wochen zum Zuschauen verdammen. Also sollen das andere beurteilen. 

Flach sei sie nicht, das ist die spontan geäußerte Meinung aller. Eher anspruchsvoll, aber das ist ein Marathon schon alleine wegen der 42 Kilometer. Also: eine fast flache Strecke, sehr abwechselungsreich, einige Steigungen, viele Kurven, in der Altstadt das Straßenpflaster und das etwas langweilige Stück nach Heidingsfeld. Das sind die am meisten genannten Stichworte. Tolle Organisation und Verpflegung, fügen viele dazu. Und super Stimmung in der Stadt, tote Hose außerhalb - und zu warm. Na ja, das kennt man ja.

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Elke Brenner schafft es heute nicht, endlich die 3-Stunden-Marke zu knacken. Mit 3:01:19 wird sie gestoppt. Das Dumme für sie: Carolin Meyer ist 9 Sekunden schneller. Elke bleibt Platz 2. Jetzt könnte sie auch über die Strecke motzen. Tut sie nicht, ihr hat es sehr gut gefallen, es hat eben nicht gereicht.

Kidus Gebremeskel geht es ungleich schlechter. Er will ja nicht nur den Sieg, sondern den Streckenrekord. Er läuft zusammen mit Manuel Stöckert, der allerdings nur den Halben macht und den auch gewinnt  (1:08:40). Mit der gleichen Zeit passiert auch Kidus die Halbmarathonmarke, ist dann aber alleine auf sich gestellt. Er kriegt Probleme und steht kurz davor, das Handtuch zu werfen. Nur mühsam kämpft er sich ins Ziel und gewinnt (2:27:10).

Jetzt zu Mario Peschke, unter 3:15 (neue persönliche Bestzeit) lautet sein unbescheidenes Vorhaben. Von Steigungen weiß er nichts und die Wetterprognose tut  er mit den Worten ab: „Endlich wird es warm“. Und was soll ich sagen? Stolz hält er mir im Ziel seine Uhr unter die Nase: handgestoppte 3:14:58 – offizielle Nettozeit 3:14:55. „Nicht die Strecke, das Training macht’s“. Sagt er - und hat recht. Seine Kumpels Hans Schlelein (3:12), Martin Schöll (3:15) laufen ebenfalls im Plan. Auch im Plan, aber wesentlich langsamer ist heute Bernie Manhard. 4:27 im Schongang, weil der Rennsteig ruft. Und weil er fotografiert hat wie ein Weltmeister – für seinen Laufbericht, hier auf Marathon4you. 

 
Sieger unter sich: Kidus Gebremeskel (links) gewinnt den Marathon, Manuel Stöcker den ''Halben''
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Ergebnis Marathon Männer

1. Gebremeskel, Kidus (ETH)  02:27:10
2. Neumann, Oliver 02:40:16
3. Reinke, Uwe 02:42:57

 
Carolin Meyer gewinnt den Marathon bei den Frauen
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Marathon Frauen

1. Meyer, Carolin 03:01:10
2. Brenner, Elke 03:01:19
3. Pullins, Sabine 03:09:16

 

Informationen: iWelt Marathon Würzburg
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