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Laufberichte

Culinaria Rennsteig

16.05.09

Gibt’s schon wieder Bananen

Seit vielen Jahren, immer wenn es heißt: Mitte Mai ist Rennsteiglauf, treffen sich in Eisenach im Thüringer Wald mit den Ultraläufern die Verrücktesten der Laufszene. Für 2009 hat der Veranstalter 2.161 Anmeldungen im Sack die den langen Kanten über schlappe 72,7 km mit über 1.500 Höhenmetern in Angriff nehmen wollen.

Besonders hervorzuheben sind die vielen Wiederholungstäter. 7 Stück sind heuer bereits mindestens zum 35. Mal, 44 das 30.x und 75 das 25.x dabei und das ist nur die Spitze des Eisberges, dazu kommen Unzählige, die ein paar weniger als die genannten haben und natürlich alle Mehrstundenläufer/innen, Biel- und anderen Ultralauf-Finisher, Multimarathonläufer und wer weiß was noch.

Wenn man am Rennsteig mit einem Läufer ins Gespräch kommt, kapiert man ganz schnell wie der Hase läuft, hier tummeln sich die ganz harten Mädels und Jungs. Im Vorjahr hab ich es zum ersten Mal so erlebt und war begeistert, darum bin ich u.a. auch wieder hier.

2009 steht der Lauf ganz im Zeichen seines Namensgebers Johann Christoph Friedrich GutsMuths, dessen 250. Geburtstag gewürdigt wird. Er war seinerzeit ein namhafter deutscher Pädagoge und Mitbegründer des Turnens.1801 schrieb er das Buch: Mechanische Nebenbeschäftigungen für Jünglinge und Männer, ob er damals an so eine Laufveranstaltung gedacht hat? In einer Vorsichtsregel fürs Laufen schrieb er aber bereits: „Man beobachte die Läufer und lasse jeden aufhören, so bald sich stärkere Erhitzung zeigen will, und der Odem zu kurz wird. Nimmt man diese Regel zur Grenze, so ist durchaus nichts vor dem längsten Laufen zu befürchten.“ Ich werde mir seine Weisheiten zu Herzen nehmen.

Jan und Hans gehen Morgen wie ich zum zweiten Mal hier an den Start, der erste Weg führt am Samstag zum Abholen der Startunterlagen ins Creutznacher Haus, direkt hinter der Georgenkirche am Marktplatz, in der 1685 der Orgel- und Klaviervirtuose Johann Sebastian Bach getauft wurde. Der Ansturm zum Supermarathon ist heuer derart groß, dass dem Veranstalter sogar die Finishershirts ausgehen.

Um 18 Uhr ist im Festzelt nebenan, Beginn der Heichelheimer Kloßparty. Vom Vorjahr weis ich, dass sich sehr schnell, lange Schlangen vor der Essensausgabe bilden, daher haben wir uns mal vorsichtshalber gut positioniert. 10 Minuten vor Ausgabe geht auch ein Ruck durch die Reihen und im Nu steht die Schlange bis zum Zelteingang, was der Zeltsprecher umgehend mit den Worten quittiert: Gibt’s schon wieder Bananen.

 
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Traditionell sorgen hier die Kartoffelklöße, anstatt Pasta für den morgen benötigten Kohlenhydratantrieb, was seinen guten Grund hat. Über Generationen war die Kartoffel das Grundnahrungsmittel Thüringens, der Höhepunkt einer jeden festlichen Tafel der Thüringer Kloß, dabei, so wird gesagt, soll er ursprünglich nur eine Notlösung gewesen sein. Das wenige Getreide reichte gerade dazu, Grütze und Brei zu kochen. Da blieb kaum Mehl für einen Kuchen übrig – und wenn, dann war es nicht ausgemahlen, sondern dunkel.

Findige Hausfrauen fanden heraus, dass sich beim Reiben und Auspressen von Kartoffeln im Presswasser eine stattliche Menge Kartoffelstärke absetzte. Diese wuschen sie aus, bis sie ein blütenweißes Kartoffelmehl erhielten, das sich hervorragend zur Ergänzung des Mehles zum Kuchenbacken eignete. Da es aber ein Verbrechen gewesen wäre, die Kartoffelreibe an das Vieh zu verfüttern oder gar wegzuwerfen und sie nichts anderes gewöhnt waren, als aus "nischt" was zu machen, erfanden sie daraus den delikaten Rohen Kloß. Zu den Knödeln wird uns hier noch Rotkohl und Gulasch serviert und ganz neu im Programm, dann doch erstmals – wahrscheinlich hat man sich dem Druck einiger Läufer gebeugt – Nudeln zum Fleisch. Ich bleibe bei der Tradition und nehme die Klöße, ist doch mal was anderes und schmeckt zum schwarzen Gerstensaft hervorragend. Insgesamt werden an allen Ausgabeorten über 20.000 Klöße verdrückt.

Neuer Lauf, neues Glück

In der Nacht rumst es gewaltig, ein Gewitter mit ergiebigen Regenfällen geht über den Thüringer Wald hernieder und putzt in für uns noch mal so richtig raus. Um 5.45 Uhr stehen wir auf dem Marktplatz, schauen in den Himmel und sind unschlüssig. Wieder so ein Tag, an welchem die Kleidungswahl einer Wissenschaft gleicht. Eigentlich sieht es schon wieder recht ordentlich aus, aber es hat deutlich gegenüber dem Vortag abgefrischt, die Wahl ist nicht leicht. Man kann sehen, dass sich doch viele für Langarm oder Jacken entschieden haben. Ich wähle eine ärmellose Jacke, m4y-Autor Joe meint aber: viel zu warm. Ich habe aber ein Täschchen dabei und kann sie später ablegen, scheint mir die beste Lösung zu sein.

Bei meinem zweiten Einsatz habe ich was gut zumachen. Letztes Jahr lief ich zum ersten Mal und hatte super viel Respekt und bin im ultragemächlichen Tempo über den Rennsteig gejoggt und hab viel Spaß gehabt, trotz alledem habe ich mir im Zieleinlauf gedacht, das tust du dir nicht wieder an. Aber wie das im Allgemeinen so ist, am nächsten Tag gilt schon wieder: „Was schert mich das Geschwätz von gestern“. Aber da stand für mich noch die relativ unrühmliche Zeit von knapp unter 10 Stunden, anfangs im Spaß habe ich gesagt und auch geschrieben: „Aber beim nächsten Mal mach ich ernst“, und je mehr ich darüber nachgedacht habe, umso mehr setzte sich der Gedanke fest: „die 9 muss weg!“ Ich hab mir Extra den Streckenplan mit Höhenprofil und meinen Durchgangszeiten vom Vorjahr als Marschtabelle am Handgelenk angebracht, aber 50 Minuten müssen erst mal rausgelaufen werden. Ich bin zuversichtlich, dass das mit der geballten Erfahrung eines Supermarathons im Rücken klappen wird.
 
Über uns kreist der Hubschrauber, er hat sich die Vogelperspektive für den Start ausgesucht. Punkt 6 Uhr, bei noch leichter Dämmerung werden 2.021 Läufer/innen auf die lange Reise geschickt. Die ersten Meter führen durch die enge Karlstraße, für einen normalen Marathon mit 2.000 Teilnehmern wäre eine Fußgängerzone in dieser Größenordnung, als Startbereich undenkbar, aber die erfahrenen Ultras wissen genau: hinten ist die Ente fett, daher gibt’s überhaupt keine Gedränge oder Probleme. Links vor dem Nikolaitor verabschiedet uns Luther auf seinem Denkmal aus Eisenach, danach biegen wir rechts ab und schon geht es richtig zur Sache. Der 25 km lange Anstieg auf den Inselsberg beginnt.

 
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Schon auf den ersten Kilometern wird einem bewusst, was der Gewitterregen in der Nacht angerichtet hat, immer wieder gibt es kleine Staus vor Wasserpfützen. Klar, wer holt sich schon gerne gleich zu Beginn nasse Füße. Nach 20 Minuten passiere ich das über 100 Jahre alte Burschenschaftsdenkmal, das auf einer Anhöhe etwas über uns zu Ehren des vaterländischen Einsatzes der studentischen Verbindungen errichtet wurde, passend dazu kämpfen sich bereits einige Sonnenstrahlen den Weg durch die Wolken.

Die Temperaturen sind jetzt auch deutlich angenehmer, als es der Morgen vermuten ließ. Ein erstes Frühstück mit warmen Tee, Wasser, Cola und Früchten kann an der Station „Hohe Sonne“ nach gut 7 km eingenommen werden, gleichzeitig ist hier für uns der Eintritt in den Rennsteig. Der Name ist im Übrigen die Bezeichnung für einen auf- und absteigenden Bergpfad, auf dem man schnell vorwärtskommt. Wege mit dem Namen Rennsteig gibt es in Deutschland über 200, aber keiner von ihnen ist so berühmt wie der hier. Bis 2001 war hier auch der Startplatz des Supermarathons.

Langsam aber stetig führt der Weg nach oben, meist mit moderater Steigung und deshalb gut zu laufen. Der immer wieder von der Sonne angestrahlte, nasse Wald und die damit verbundenen Hoffnung, dass uns das Wetter keine unangenehmen Überraschungen mehr präsentieren wird, lassen momentan bei mir keine Zweifel an einem guten Gelingen aufkommen, es ist einfach herrlich mit den wärmenden Sonnenstrahlen hier rauf zu laufen.

 
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Nach einem leichten Bergabstück erreiche ich nach knapp 18 km die „Glasbachwiese“ am Passübergang der Straße von Bad Liebenstein nach Ruhla. Ich möchte mich in meinem Bericht auch etwas ausführlicher mit der Culinaria Rennsteig, den angebotenen Speisen und Getränken der großen Verpflegungspunkte der Strecke befassen. Haben sie doch meines Erachtens einen großen Anteil am Kultstatus des Rennsteiglaufs. Jetzt ist es kurz nach 8 Uhr, da passt eine erste Brotzeit doch recht gut. Unter einem bestimmt 20 Meter langen Zeltstand wird uns so Allerlei geboten. Also, was steht auf dem Speiseplan. Erstmal natürlich die Kultspeise schlechthin, der Schleim. Angeboten wird er in den Geschmacksrichtungen Orange, Himbeere, Traubenzucker und Heidelbeere. Des Weiteren gibt es leckere Schnittlauch- und Schmalzbrote, Äpfel und Bananen. Dazu Tee, Cola und Wasser. Für’s erste doch schon mal ganz ordentlich, aber es wird noch besser …viel besser, kann ich euch versprechen.

Am Gipfel

Gleich nach der Station macht Europas größter Crosslauf seinem Namen alle Ehre, mitten durch den Wald führt der Weg, über Stock und Stein und vielen, vielen Wurzeln, ganz praktisch dass ich hier erstmal noch am gehen bin, um die Reste meiner Brotzeit zu verdrücken. Immer steilere Passagen sind zu bewältigen auf den nächsten Kilometern hinauf zum Großen Inselsberg auf 916 m Höhe. Als Grenzweg teilte der Rennsteig den Berg einst in gothaisches und hessisches Gebiet, wovon die beiden Gaststätten zeugen. Er ist wegen seiner Aussicht und guten Zugänglichkeit der am häufigsten besuchte Gipfel des Thüringer Waldes. Wir haben kurz vor dem Berggasthof die 25 km voll.

Der Gipfel liegt heute im Nebel, da lohnt sich für mich kein längerer Fotostopp. Wo es steil rauf geht, geht’s auch meistens wieder runter, die folgenden 200 Höhenmeter Abstieg haben es wahrlich in sich. Vom letzten Jahr bin ich noch vorgewarnt, da hätte ich mich beinahe auf die Nase gelegt. Daher bin ich auf der Hut und bremse mich lieber etwas ein.

Im Vorjahr hatte ich hier bereits mit einem schmerzhaften Schienbeinkanten-Syndrom zu kämpfen, dem langen Anstieg waren meine Muskeln nicht gewachsen. Das ganze Jahr durch, hatte ich darauf immer wieder mit Problemen zu kämpfen, mit teilweise mehreren Wochen Laufpause. Im Fitnessstudio habe ich mir schließlich im Winter einige ganz einfach auszuführende Kräftigungsübungen zeigen lassen. Über ein halbes Jahr lang betreibe ich seit dem, jeden Tag kontinuierlich ein paar wenige Minuten lang Muskelaufbau. Mit Erfolg, heute habe ich keinen Ärger, alles ist bestens. Davor hatte ich eigentlich den größten Bammel.

Am Ende des Steilabstiegs liegt die „Grenzwiese“, an der Landstraße zwischen Tabarz und Brotterode. Hier befinden sich neben einem großen Parkplatz mehrere Gasthäuser und eine Sommerrodelbahn. Unmittelbar am Parkplatz steht der "Preußische Grenzadler", ein Grenzstein mit eingesetztem Adler. Bis 1945 verlief hier die Grenze zwischen dem Herzogtum Sachsen-Gotha-Coburg und der ursprünglich hessischen und später preußischen Enklave Schmalkalden.

Mein Magen knurrt, darum werde ich mal schaun, was angeboten wird, das Schild vom WSV Brotterode verkündet Tee, Schleim, Wasser, Obst und Brot. Aber da ist natürlich viel mehr drin, als drauf steht. Allein die Stullen bieten eine Auswahl an Schmalz-, Käse-, Salami- und Butterbroten. Dazu Weiß- oder Schwarzbrot pur. Ganz praktisch, gleich daneben steht eine Salzbüchse, so können auch gleich einige verloren gegangene Elektrolyte wieder nachgefüllt werden. Zitronen und Bananen liegen auch griffbereit. Jetzt noch eine Cola und einen Becher Wasser und weiter geht’s.

 
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Auf den nächsten 10 Kilometern machen Jan und ich richtig Druck, oft ist das Streckenprofil leicht abschüssig und die Wege sind meist auch trocken und fest. Bergab ist Jan in seinem Element, da kann er fliegen und ich hänge mich an ihn wie eine Klette. Voriges Jahr ist er 8:24 gelaufen, darum versuche ich heute so lange wie möglich mitzuhalten.

Ja, wirklich ein geiler Abschnitt mit den häufigen Gefällen um richtig Pace zu machen. Zwischendrin passieren wir das „Possenrieder Kreuz“, ein einsamer Trompeter im Wald bläst uns hier ein Ständchen. Gleich wird’s auch voller auf der Piste, hier treffen die 35 km-Wanderer von ihrem Startort auf den Rennsteig. Bestimmt anderthalb Kilometer vor der nächsten Super-Fressstelle kann man im Wald schon den Sprecher vernehmen, der an der „Ebertswiese“ fast jeden persönlich begrüßt. Und wieder gibt’s eine Musikeinlage. Drei Alphornbläser stehen etwas oberhalb und geben ihr Bestes.

Halbzeit

So, die Hälfte ist durch, jetzt aber ran an den Speck. Jan und ich haben Hunger nach der Tempohatz. Hier an der „Ebertswiese“, eine der schönsten Bergwiesen des Thüringer Waldes, welche eine vielfältige Flora aus Borstgrasrasen, Gebirgsfrischwiesen mit zahlreichen schönen Wiesenblumen beherbergt, gibt’s fast alles was das Herz begehrt. Einen richtig kleinen Marktplatz hat man hier aufgebaut, als erstes steuern wir gleich den Stand mit den heißen Würstchen mit Senf an. A bisserl was Deftigeres können wir jetzt gut vertragen. Den Stand kann ich gut und gerne weiter empfehlen. Natürlich gibt’s wieder alle Arten von Broten, Obst und Getränken.

Aber was mir hier jetzt noch ganz besonders auffällt, ist die Bezeichnung für den Schleim. Interessanterweise wird er hier als Heidelbeersuppe bezeichnet. Jetzt kann man sich aussuchen, haben wir Heidelbeerschleimsuppe getrunken oder etwa doch Heidelbeerschleim gegessen? Die Meinungen über den Schleim gehen sowieso total auseinander, die Einen schwören drauf, die Anderen meiden ihn wie der Teufel das Weihwasser. Schlechtes ist nicht drin, der Hauptanteil besteht aus Haferflocken, also wirklich eine gute Energiequelle und problemlos und schnell runterkippen lässt er sich auch, dazu noch gut verträglich, also eine denkbar gute Läuferverpflegung. Mir schmeckt er während des Rennens, zuhause als Hautmahlzeit würde ich ihn aber wohl auch nicht unbedingt favorisieren. 300 kg Trockenpulver werden benötigt um alle ausreichend zu versorgen.

Warm ist es mir auch geworden, die Weste kommt runter und wird in meiner Gürteltasche verstaut. Ein schneller Blick auf meine Zeittabelle verrät mir, ich habe bereits 40 Minuten zum Vorjahr gut gemacht, das passt doch wunderbar. Auf geht’s und weiter, ab hier nehmen die Steigungen, aber vor allem auch die schlechten Streckenverhältnisse wieder deutlich zu. Durch die vielen Wanderer wird es noch zusätzlicher enger auf der Strecke, aber sie räumen immer gleich bereitwillig und schnell den Weg.

Die nächste Mega-Brotzeitoase sind die „Neuhöfer Wiesen“ bei km 45. Wenn ich vorhin die Würstchen als deftig beschrieben habe, dann war das vielleicht etwas voreilig. Diese Station verlässt garantiert keiner mit knurrendem Magen. Vieles ist natürlich auch den Wanderern geschuldet, die zu diesem Zeitpunkt auch bereits über 25 km zurück gelegt haben und rustikaleres vertragen. Deftig passt hier einfach am besten. Die Knacker mit Schwarzbrot und die mit groben Schmalz o.ä. (genau kann ich es nicht analysieren) und Paprika und Essiggurken belegten Schnittchen würden mich – nach jetzt fünfeinhalb Stunden Laufzeit – schon richtig anlachen, aber das verkneife ich mir doch lieber, so was habe ich während eines Laufes noch nie zu mir genommen und weis daher nicht ob es mir bekommt. Da greife ich lieber wieder zum bewährten Schleim. Bananen, Äpfel, Zitronen, warmer Tee, Cola und Wasser sind natürlich auch hier unbegrenzt zu haben.

 
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Das Waldstück nach den „Neuhöfer Wiesen“ hat es in sich, des Öfteren sind Schlangenlinien bis an den Waldrand mit Bückeinlagen unter den Ästen durch nötig, um nasse Füße zu vermeiden. Auf den weichen Waldwegen, steht das Wasser in großen Pfützen, manchmal sind’s fast kleine Waldseen. Dann haben wir dieses Waldstück überstanden und bewegen uns auf ein Hochplateau mit herrlicher Aussicht über den Thüringer Wald zu. Die Beine werden aber immer schwerer, der grobstollige Weg hinauf auf die Anhöhe tut sein Übriges. 3 km vor dem „Grenzadler“ wird der Weg aber wieder deutlich besser und es geht wieder meist leicht bergab. In der Nähe von Oberhof passieren wir die Trainingsstrecken der Biathleten und Langläufer, mich amüsiert das Schild: Stop Trainingsstrecke, Sportler haben Vorfahrt. Was wäre wenn jetzt wirklich einer kommen würde, sind nicht in dem Fall wir die Sportler, weil wir uns in einem Wettkampf befinden und nicht im Training. Wer müsste warten?

Teilziel Grenzadler

Das erste Teilziel ist erreicht, wir sind am „Grenzadler“. Seit 1866, als der Kreis Schmalkalden preußisch wurde und hier eine Hauptverkehrsstraße die preußische Grenze kreuzte, markiert der Grenzstein mit Adler diese Stelle und gab ihr seinen Namen. Die Wanderer sind hier im Ziel, für die Supermarathonis besteht die Möglichkeit eines offiziellen Ausstiegs mit separater 55 km-Wertung. Die Medaille wird auch jedem umgehängt, der davon Gebrauch macht. Hans macht‘s, schon 45 Minuten vor uns hat er den Punkt erreicht, Knieprobleme bereits aus dem Vorfeld sind der Grund seiner Vorsichtsmaßnahme. Für mich und Jan war es nichts Neues, die Möglichkeit davon Gebrauch zu machen hat er uns schon vorher angedeutet.

Zur Stärkung wird uns geboten: Schleim, Salami-, Butter und Schmalzbrote, Äpfel, Bananen und Zitronen. Ich greif mir diesmal ein Butterbrot und ein Päckchen Salz dazu, Natrium ist sehr wichtig. Neben mir steht Jürgen Herrmann mit der Startnummer 1, der Zielsprecher weist in als den ersten aus, der sich zum SM angemeldet hat.

Anspruchsvoll geht’s weiter, gleich nach überqueren der Teerstraße, zweihundert Meter oberhalb der Biathlon-Rennsteig-Arena-Oberhof dürfen wir wieder einige Höhenmeter erklimmen. Bevor der Aufstieg zum Großen Beerberg, dem höchsten Punkt des Laufes beginnt, geht es nochmal runter, um am Rondell die Bundesstraße zu überqueren.

Mir fällt es hier schon ziemlich schwer das Tempo von Jan beim Bergab-Laufen zu halten. Aber noch kann ich am Anstieg wieder aufschließen. Richtig Cross geht’s weiter, ausgewaschene, mit Wurzeln und Steinen übersäte Waldwege führen zum Gipfel, der etwa bei km 62 erreicht ist. Ab km 60 hat sich Jan abgesetzt, ich weis dass ich auf den letzten 10 Kilometern eh nicht an ihm dran bleiben kann, aber noch sehe ich ihn ein Stück vor mir. Schon als Kind war er bergab immer der Schnellste, hat er mir erzählt. Kein Wunder, dass einer seiner Lieblingsmarathons, der Pitztaler Gletschermarathon ist, da geht’s fast nur runter. Aber ich bin jetzt fast eine Stunde unter meiner Vorjahrszeit und die versuche ich ins Ziel zu bringen.

Schlussoffensive

Endlich oben, das Schild „Höchster Punkt des Laufes“ ist eine Wohltat, von "Plänckners Aussicht" an geht’s nun überwiegend nur noch talwärts. Aber man muss sich die Kräfte eingeteilt haben, das runterlaufen malträtiert die Oberschenkel gewaltig. Bei mir geht es noch, aber doch nicht mehr so dynamisch, wie ich es mir eigentlich erhofft hätte. Begeistert bin ich aber von einem mit Rindenmulch ausgelegten Teilstück, darauf läuft es sich wie auf Federn.

 
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Der letzte große Versorgungspunkt ist an der „Schmücke“ bei km 64, einer Ansiedlung von ein paar Gebäuden wie der Wetterstation und dem höchstgelegenen Gasthof des Thüringer Waldes. Heute ist es ein privat geführtes Waldhotel, besonders genutzt von Wanderern und massenweise einströmenden Touristen. Ein reichhaltiges Sortiment wird wieder angeboten, Hunger habe ich aber keinen mehr. Die Aussage „man geht hungrig an den Start und kommt satt ins Ziel“ trifft jetzt voll zu.

Schnell noch eine Cola und einen weiteren Becher Getränk und weiter geht’s, aber was ist das denn? Ich habe mir versehentlich einen Becher Bier geschnappt, darüber bin ich jetzt nicht gerade traurig, aber erwartet habe ich es auch nicht. Eigentlich war ich immer der Meinung, Alk gibt es erst an der allerletzten Verpflegungsstelle in Form von Schwarzbier und darauf war ich auch eingestellt. Muss ich mir aber merken, ist nämlich nirgends abgedruckt oder angekündigt.

Bald kommt das 65er Schild, ein Blick auf meine Zeitentabelle verrät mir, ich bin locker im Soll. An einem Berghang geht es teilweise kräftig bergab, aber leider ist auch noch ein ca. 500 Meter Anstieg zu bewältigen, ehe ich die letzte Getränkestelle „Kreuzwege“ mit dem angebotenen Schwarzbier erreiche. Ich hab mein Soll schon intus und genehmige mir daher nur noch Wasser. Hier wird auch der Rennsteig verlassen. Breite, ebene Wege führen hinab nach Schmiedefeld. Wer auf den folgenden Kilometern auf ein 70er Schild wartet wird enttäuscht sein, es existiert nicht, im Vorjahr bin ich noch darauf reingefallen. Warum das so ist, würde mich aber brennend interessieren. Dafür gibt es noch eine 71er und 72er Markierung.

 
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Die letzten Hügelchen werden zu Bergen aber dann bin ich doch im Ziel und die „Acht“ steht. Fast genau eine Stunde besser als im Vorjahr. Mit meinen 8:51 kann ich ausgezeichnet leben, ich habe mein persönliches Ziel erreicht. Hans und Jan erwarten mich schon, er hat mir den Berg runter, doch noch glatt 10 Minuten abgenommen, Chapeau. Da gesellt sich auch noch Joe dazu. Wie schnell? 8:33, da muss ihn doch ein Drache gejagt haben!

Wer jetzt im Ziel denkt, mit dem Essen geht’s so weiter wie entlang der Strecke, wird enttäuscht sein. Man kann lediglich noch seine Gutscheine für einen Becher Gemüsesuppe und ein Fläschchen Altbier einlösen. Aber an den vielen aufgebauten Ständen, findet sich noch für jeden Geschmack etwas, freilich nur gegen Bares.

 
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Und nicht vergessen: unbedingt die Sofort-Urkunde ausdrucken lassen mit Original Rennsteiglauf-Stempel versehen lassen, der belegt: „Läufer hat teilgenommen und das Ziel erreicht“. Ist genauso Kult wie der Lauf und die Verpflegung auf der Strecke. Manch einer lässt sich auch seine Startnummer, Hand oder Unterarm abstempeln. Es gab sogar mal einen mit einem besonders delikaten Wunsch. Er ließ buchstäblich die Hosen fallen.

 

Informationen: GutsMuths-Rennsteiglauf
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