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Laufberichte

Wer hier groß wird, wird ein Großer

 

Die Erms mündet in den Neckar. Die Quelle eines Flusses ist aber nicht immer der von der Mündung entfernteste Ort, sondern manchmal der Ort der höchsten Wasserschüttung. Im Falle der Erms ist das einfach: Es ist die Karstquelle im Mühltal. Bei anderen Flüssen muss man die Schüttung der Ursprungsbäche berechnen. Die Quelle des Nils zu finden, war deswegen ein unmögliches Vorhaben. Zahlreiche Forscher versuchten die Wassermassen zu berechnen. Erst 1937 gelang dies Burkhart Waldecker, dazu stiefelte er jeden Bach ab. Krasses Vorbild!

Uns wird es einfacher gemacht. Wir entdecken den Fluss und die senkrechten Felswände des Weißjuras dank der Vorgaben der Organisation. Die Felswände des Weißjuras  sind ehemalige Riffe. Das Meer war tief, mangels Licht gab es zunächst nur Schwämme und Weichkorallen. Erst mit Hebung der Landmasse durch Vulkane gab es genug Licht für Korallen mit Kalkskelett. Dazwischen bildeten sich tiefe, abgeschlossene Lagunen. Dort blieben dank Sauerstoffmangels Fossilien erhalten. Wer entlang der Laufstrecke nach Fossilien suchen oder in geheimnisvolle Höhlen möchte, der melde sich beim GeoPark Schwäbische Alb in Bad Urach, es werden 40 Touren angeboten.

 

 
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Aus gleich zwei Touren besteht der Marathon. Also zweimal von Metzingen nach Bad Urach und zurück. Der Start ist um 9 Uhr auf dem Kelternplatz in Metzingen. Man macht viel für den Läufernachwuchs, Babyjogger sind aber trotzdem nicht erlaubt. Es gibt sieben Keltergebäude auf dem Platz, das macht den Ort  sympathisch. Sympathisch auch die Läufer der Consultingfirma A-B Solutions, die glücklicherweise Bier trinken und mich sogleich adoptieren. Zwiefalter ist ein stärkeres Klosterbier und wird seit 1521 gebraut.

Als Marathonläufer ist man so etwas wie ein Exot und bekommt die gesamte Aufmerksamkeit: „Waaas? Du läufst den Ganzen?“ Man kennt die klimatischen Bedingungen, die wegen der sich stark aufheizenden Kalkwände entstehen.   

 

 
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Es geht los. In der Heerstraße brachte Napoleon 16.500 Württemberger  unter, um sie für den Feldzug nach Russland zu sammeln. Knapp 100 kamen zurück.  Zu wenige, um die Straße wieder  zu beleben. Erst hundert Jahre später kam mit dem Aufschwung der Textilindustrie am Ermskanal wieder Leben in diese Straße. Hugo Boss fing 1924 an, in den 1970er begann man mit dem Fabrikverkauf, aus dem eines der größten Outlet-Center Deutschlands entstand.  Mit mir ist allerdings kein Geschäft zu machen, ich muss erstmal meine Finishershirts auftragen.

Weiter geht’s, über uns nun der Kegel des Kalverbühl (Karpfenhügel) zu sehen.  Der Vulkankegel besteht aus Eisen. Jeder Blitzschlag will dahin, erhöht dann die magnetische Anziehungskraft des Hügels. Personen mit Herzschrittmacher sollten also nicht an diesem Marathon teilnehmen. Anziehungskraft besitzen auch die Zuschauer, vor allem die in der Traubenstraße, die sich nicht nur von Traubensaft ernähren.

 

 
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In Dettingen beginnt einer der 80 historischen Albaufstiege entlang der 200 Kilometer langen Schwäbischen Alb. In diesen wichtigen Handelsstraßen offenbart sich die gesamte Geschichte, angefangen von historischen Wirtshäusern bis zu Funden verlorener Gegenständen auf den alten Wegen. Römer und Alemannen nutzen diese Wege, verloren Schuhnägel, Waffen und Münzen, die sich in Regenlöchern sammelten. Oben auf der Albhochfläche sind die Reste der größten Keltensiedlungen. Seitdem hat sich die Schwäbische Alb um zwei Meter nach Süden bewegt. Da bin ich deutlich schneller, trotz der spürbaren Steigungen auf den ersten  10 Kilometern.

In Bad Urach sind die 10er gestartet, sie kommen uns auf der Höhe des  „Garten Eden“ entgegen. Der Garten erinnert an die Zeiten, als der Wein mit sauberen Füßen anstatt in Keltern gequetscht wurde. Der 2 ha große Garten ist eine Besichtigung wert.

 

 
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Wir kommen nach Bad Urach:  „Aufrecht durch den Alltag gehen – für manchen gar nicht so einfach.“, so wirbt das Gesundheitszentrum. Dem muss ich Recht geben, denn nur mit Mühe gelingt mir der Rundkurs auf dem Sportplatz. 61 Grad heiß sind die Quellen, die sich aus vulkanischen Hotspots die Energie holen.  Wir Läufer hoffen auch auf Energie, tendenziell  geht es nun wieder abwärts.  Kurz vor dem Uracher Wasserfall (Brühlbach) wenden wir. Einst wurden die terrassenförmigen Kalkablagerungen des Wasserfalles abgebaut.  

Ich baue  noch nicht ab. Im Gegenteil. Beim Wendepunkt( km 21) in Metzingen habe ich wieder Zeit gut gemacht.  Doch nun geht es wieder aufwärts, dazu kommt eine unangenehme Schwüle. Alle zwei, drei Kilometer gibt es eine Getränkestation, dazwischen helfen Zuschauer mit Gartenschläuchen, Wasserbottichen und Schwämmen aus. Die  Abkühlungsmaßnahmen kosten viel Zeit. Dazu beobachte ich die ersten Marathonläufer, die mir nun entgegen kommen.

Dann grüßt wieder die Burg Hohenurach. Neun Reste von einst bedeutenden Burgen gibt es hier, die den Albaufstieg in Bad Urach sicherten. Interessant ist die Venedigerburg. In meinem Bericht vom Thüringen Ultra letzte Woche hatte ich den Begriff der Venediger erklärt: Es waren südländische Gastarbeiter. Sie wohnten im 14. Jahrhundert in der damals schon verfallenen Burgruine Schorren (rechts der Laufstrecke), die nur über eine Leiter erreichbar ist. Es ist eine doppelstöckige Höhlenburg, vermutlich um 1100 errichtet. Wer sie besichtigen will, sollte sich beim schon erwähnten GeoPark Schwäbische Alb anmelden. Sicherungen zum Abseilen sind vorhanden.  

 

 
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Auch ich seile mich ab, zurück nach Metzingen. Der Besenradler ist weit hinter mir. Also nehme  ich jetzt jede Duschgelegenheiten mit, was sich nächste Woche positiv auf meine Wasserrechnung auswirkt. An den Seiten des Tales leuchten die hohen Kalkwände aus dem Gebüsch. Ich bin mir sicher, da könnte man mal einen sagenhaften Traillauf veranstalten.

 

 

Nach diesen Träumereien komme ich auf die Zielgeraden in Metzingen. Dort hängen auffällig viele junge Frauen begeistert jubelnd über den Absperrgittern. Ich kenne das von vielen Läufen. Dann drehe ich mich um, registriere, dass ich von einer Horde gelbgekleideter Pimpfe verfolgt werde.  Wie beim Stierlauf in Pamplona, nur diesmal bin ich der Gejagte und die Begeisterung der Damen gilt den Kindern, nicht dem Gejagten.

Begeistert bin ich aber auch, und zwar von der Jugendarbeit.  Hier gibt es keine weinenden und elternsuchenden Kinder, hier werden Nachwuchsläufer entdeckt. Das liegt bestimmt auch an der anspruchsvollen Strecke.  Wer hier groß wird, der wird einmal ein Großer!  

 

Informationen: Ermstal-Marathon
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