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BUCHTIPP: Tom Mc Nab - Trans Amerika

05.08.20
Quelle: Dirk Liedtke

Läuferbuch vom amerikanischen Traum

 

Amerika, 1931, Zeit der großen Depression. Über 2 000 Läufer aus aller Welt folgen dem Aufruf des irisch stämmigen Veranstalters Charles C. Flanagan, in einem Etappenrennen drei Monate lang die Vereinigten Staaten zu durchqueren, 5062 Kilometer von Los Angeles bis nach New York. Drei Jahre zuvor hatte es tatsächlich ein Rennen quer durch Amerika gegeben. So tat sich die Frage auf, ob oder inwieweit der Roman auf Tatsachen beruht.

Je weiter man liest, desto klarer wird: dieser Roman ist Fiktion. Eine Fiktion, die mit Realitätsbezügen aufwartet. Da sind zuerst die Tatsachenbezüge über das Laufen selbst. Autor Tom Mc Nab, einst selbst schottischer Leichtathlet und Trainer, bringt so manches von seinem Lauferfahrungsschatz in die Story ein. Sehr schön kommt der Teamgedanke zur Geltung. Während des Rennens finden sich zunächst ein paar Grüppchen von Läufern, die begreifen, dass sie nur zusammen durchkommen. Und in der Mitte des Romans begreift sich der ganze Trans-Amerika-Tross als Team.

Unterhaltsam stellt der Autor die Protagonisten vor. Die Charaktere werden nach und nach in die Kapitel eingearbeitet und entwickelt, was dazu beiträgt, dass die Handlung über das Rennengeschehen hinaus spannend bleibt.

Weiter gelingt es dem Autor, seine Handlung in das Zeitgeschehen der 30’er Jahre des letzten Jahrhunderts glaubwürdig einzuarbeiten. Die politischen und wirtschaftlichen Belange wirken direkt auf den Trans-Amerika ein. Da sind zum Beispiel die Olympischen Spiele, die 1932 als Amateurveranstaltung in den USA stattfinden sollen und der Profiveranstaltung Trans-Amerika konträr gegenüberstehen. Die verschiedenen Traditionen, welche dem Tross in den Städten begegnen verdeutlichen amüsant: die amerikanische Tradition ist auch eine europäische, von den Einwanderern mitgebracht und bewahrt. Die Lauftruppe der Hitlerjungend aber lässt die Deutschen – der Zeit etwas vorausgeeilt – im Roman schon mal schlecht wegkommen. 

 

 

Und immer geht es um Geld. Der Trans-Amerika muss finanziert werden, die Läufer rennen um Prämien. Darum wird das Buch zum amerikanischen Traum. Der Armut entrinnen, vom Tellerwäscher zum Millionär, das ist es, was die Protagonisten antreibt. Dazu gehört auch: nie aufzugeben. Und das bezieht sich nicht nur auf die Einstellung zum Laufen. Auch bei all den anderen Steinen, die dem Trans-Amerika in den Weg gelegt werden, geht es um die Finanzierung, geht es schlichtweg um das Überleben des Rennens.

Unrealistisch, aber unterhaltsam sind die Unternehmungen, die die Protagonisten am Rande, also nach den täglich zu laufenden 80 Kilometern und dem einen wöchentlichen Ruhetag bewältigen müssen. Dazu zählen einige zusätzliche sportliche Wettkämpfe auf hohem Niveau. Und hierbei wird übermütig und scharf gewettet, um Geld, das das Ankommen des Trans-Amerika in New York garantiert.

„Trans Amerika“ ist ein spannender Abenteuerroman, von einem Schotten geschrieben, der den Laufsport lebt und den Wilden Westen liebt. Fantasievoll erzählt, unterhält und fesselt der Roman den Leser. Parallelen zu Jules Verne, Karl May und Edgar Allan Poe sind erkennbar. Der Autor selbst lässt den Journalisten Carl C. Liebnitz schreiben: „Irgendwann, wenn die ganze Geschichte des Trans-Amerika aufgeschrieben worden ist, wird sie sich lesen wie eine Mischung aus Homers Odyssee und Huckleberry Finn.“

Doch vor allem geht es in dem 550 Seiten dicken Taschenbuch um das Laufen. Es geht um Läuferindividuen, die während des Trans-Amerika lernen, dass sie eigentlich des Laufens wegen laufen, dass Geld nicht alles ist und dass sie nur im Team bestehen können. So ist eines garantiert: Das Buch macht Lust aufs Laufen.

 

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