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Laufberichte

Strammer Erstling

25.06.11

Aus dem Wald hinaus geht es durch eine saftige Blumenwiese hinunter auf einen der verschwindend kurzen Abschnitte auf Asphalt. Träumereien sind für einen Moment nicht angebracht, da  zahlreiche Automobilisten auf der einfachen Parkplatzsuche bei der Talstation der Ehrwalderalm-Bahn vor der bewegenden Frage stehen „rechts oder links?“.

Für die mitreisende Supportergruppe stellt sich die Frage nicht. Tief in die Knie und dann hoch – so geht die Welle, mit welcher ich auf den nächsten Anstieg geschickt werde. Auf der Forststraße hole ich Andrea wieder ein und unterhalte mich mit ihr, bis auf halbem Weg dieser Steigung hin zum höchsten Punkt der Strecke wieder eine Verpflegungsstelle steht. Lecker Kuchen gebe es dort, wird uns von entgegenkommenden Zuschauern angekündigt. Die Kühe interessieren sich (zum Glück) weit mehr für die Wasser- und Iso-Fässer auf der anderen Straßenseite und  lassen sich nicht so schnell davon überzeugen, dass dies nicht ihre Tränke sei.

Nach kurzer Rast geht es über die Hochfeldernalm zum Feldernjöchl. Almwiesen, lockerer Baumbestand und dann nur noch kleinwüchsige Kiefern, so sieht der Übergang ins alpine Gelände aus.

Während es  über Geröllhalden hoch geht, lockert sich vorübergehend die Bewölkung. Der Blick nach oben mit den Umrissen der weiter oben Laufenden vor dem blauen Himmel ist der optische Ausdruck der „Stairways to Heaven“. Wenige Meter vor dem Feldernjöchl, wo für den folgenden Streckenverlauf eine gefährliche Passage angekündigt wird, steht die Marke für verbleibende 70 Kilometer. Bevor ich mich auf diesen Weg mache, lasse ich die Aussicht auf mich wirken. Peter Wasser, der Vorsitzende der LLG Kevelaer mit ihrem gleichnamigen Marathon, ist auf seinem ersten Ultraberglauf und tut es mir gleich.

Durch eine breite Schutthalde geht es hinunter in Richtung Gatterl, von wo aus die Knorrhütte erreicht werden könnte. Diese ist nach dem folgenden, wieder mit Warnschild versehenen Aufstieg auf dem Grat zum höchsten Punkt der Strecke in der Ferne zu sehen.  Der Farbwechsel des Gesteins und seine unterschiedliche Charakteristik an dieser Stelle sind eindrücklich. Grau-Weiß und Rot-Braun wechseln sich ab. Ich tippe als geologische völlig Unbedarfter auf Kalk- und Sandstein. Der Kopf hat die Kapazität zu solchen und vielen anderen Gedankengängen. Es ist ein Mittel zur Ablenkung, denn dieser Anstieg fordert Kräfte. Ich kann es nicht verleugnen, dass in meiner Vorbereitung nicht das gewünschte  Maß an Höhenmetern dabei war. Mit dem Sonnenschein ist auch schon wieder vorbei, zudem bläst ein so kräftiger Wind, dass ich mein Käppi in der Hand tragen muss.

Nach der Überquerung des Kulminationspunkts wird es um die Ohren und Oberschenkel herum etwas gemütlicher. Ein leichte Senke und ein kurzer, sanft ansteigender Pfad führen zur nächsten Krete, hinter der es dann mal kräftig abwärts zum Steinernen Hüttl geht. Schnell zu laufen ist ein Wunsch, überhaupt zu laufen eine Kunst. Schon zum Wandern stellt dieser Bergpfad eine Herausforderung dar.

Beim Steinernen Hüttl, wo zur Sicherheit der Teilnehmer ein weiterer der zahlreichen Kontrollposten eingerichtet ist, bleibt keine Zeit zur Erholung. Die Muskulatur muss gleich wieder auf Steigung umstellen. Der nächste längere Abstieg muss zuvor mit zusätzlichen Höhenmetern auf kurzer Strecke erkauft werden. Die in den Serpentinen schon weiter vorangekommenen Läufer sind nur in wenig mehr Distanz von mir entfernt als sie an Höhenmetern über mir sind. In solchen Momenten ist der Unterschied zu einem kürzeren Berglauf, bei welchem kein Rucksack mit viel Pflichtausrüstung getragen wird, deutlich zu spüren.

Gut 700 Meter tiefer als diese letzte Kuppe hinter dem Predigtstein liegt der Beginn des nächsten Anstiegs. Zügig, aber ohne zu übertreiben, gehen wir in der Bergvegetation den umgekehrten Weg dorthin. Über Bergpfade, Almwiesen, an Sträuchern  und Buschwerk vorbei in den Wald. Das einzig Fehlende ist die Wärme der Sonne, die den harzigen Duft des Waldes intensivieren würde. Ich bin mit Haut und Haar in den Bergen und genieße es in vollen Zügen. Peter, Andrea und ich sind seit geraumer Zeit nicht nur in der Nähe zueinander, sondern miteinander unterwegs.

Besonders nach der Verpflegungsstelle auf der Hämmermoosalm, wo es wieder in die Höhe geht, hilft es mir, nicht alleine unterwegs zu sein. Der schöne, lockere Bergwald steht im Moment Kontrast zu den schweren Beinen. Nach ungefähr halber Höhe, nach der Wangalm, durchlebe ich eine kleinere Krise, und zwar in dem Moment, als die Baumgrenze überschritten und die vor mir liegende Strecke hinauf zum Scharnitzjoch so deutlich zu sehen ist. Der große Fels mit Gedenktafeln und Marterl sind auch nicht unbedingt der geeignetste Motivator in dieser Situation.  Dazu kommt, dass die Wanderer auf ihrem Rückweg ins Tal nichts als die Wahrheit gesagt haben. Da oben zieht es wie Hechtsuppe, das Käppi muss wieder in die Hand wandern, bevor es zu einem Alpenrundflug abhebt. Ruhig wird es nach dem Überschreiten des Grats, wo der weitere Weg windgeschützt ist. Beruhigend wirken auch die Schafe, welche über diese Bergflanken verstreut friedlich am Grasen sind. Dort, wo es nicht allzu steil ist, können wir sogar recht zügig laufen. Stellenweise ist absolute Aufmerksamkeit gefordert, um nicht an einer Wurzel oder einem Stein hängen zu bleiben oder auf eine besonders rutschige Stelle zu treten.

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