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Laufberichte

Tolles Rennen am Lago di Baldini

09.10.11
Autor: Joe Kelbel

Sonntag. So schön wie mein Lauf gestern war, so schön kündigt sich der Morgen an, denn die Sonne kämpft sich durch den kalten Nebel. Bestes Wetter und schnelle Strecke, das ist nicht so mein Ding. Kleiderbeutelabgabe direkt am Ziel, die nehmen auch größere Gepäckstücke. Der Weg zum Start ist relativ weit, gibt aber Gelegenheit zum Warmlaufen. Die Stimmung ist konzentriert und ernst, dies ist kein Partymarathon. Pater Tobias, vor einer halben Stunde noch im Radio für seine Spendenaktion geworben, wird heute richtig Gas geben. Gerd Zachäus, das Urgestein dieses Laufes, selbst ehemals Spitzenläufer, wieselt überall rum. AC/DC vertreibt den Restnebel, da fällt auch schon der Startschuß.

Nach einer kleinen Steigung geht es schnell hinunter nach Werden, bereits 796 durch den Heiligen Lugerus als Klosterort gegründet. Die Kirchtürme, die barocke Klosterresidenz und die bewaldeten Höhen grüßen herüber. Ein riesiges „Werden“ überspannt wie Weihnachtsdeko die Strasse, ich habe keine Zeit für Fotos, gebe heute Gas.

Die Stadt Werden besticht mit seinen alten Gebäuden, der ältesten Kirche (St. Luzius) nördlich der Alpen (wir laufen direkt vorbei), der romanischen Abteikirche mit Kirchenschatz, die Barockresidenz mit klassizistischen Torbau (ehem. Preussische Zuchthaus) und jede Menge alter Gebäude in den Strassen Leinewebergasse, Rittergasse, Brandtorstrasse sowie der alten Thurn-und Taxis´schen Poststation, die historische „Neukircher Schleuse“ und die Weisse Mühle, an der wir sehr schnell vorbeilaufen.

Läuferbegleitung sollte an dieser Stelle jetzt hinab zum alten Leinpfad gehen, auf dem einst Pferde die Schiffe (Ruhrraaken) flussaufwärts zogen. Links des Weges erkennt man dann den alten Schleusenkanal  an der langen Baumreihe, dahinter die rekonstruierte Papiermühlenschleuse mit dem barocken Fährhaus und holländisch anmutender Klappbrücke. Wer Zeit hat, der geht weiter flussabwärts, die 3 km bis zum Kattenturm, dem sagenhaften Haus Oefte und den zerfallenen Resten der Burg Luttelnau.

Ich habe keine Zeit, kämpfe mit den 3:45 Pacemakern. Die Fotos halten mich auf, doch der Blick übers Wasser mit den weißen Segeln ist wunderbar. Auf der anderen Seite der Regattaturm, von dem der alte Krupp die Wettkämpfe beobachtete, dort wird unser Zieleinlauf sein. Darüber erkennt man die Villa Hügel.

Der Uferweg ist verdammt gut, meine 10 km Zeit auch. Ruth Litzig war 1933 die erste Tode am Baldeneyesee. Die Weltrekordlerin im Dauerschwimmen  (73:52 Std) starb bei einem erneuten Weltrekordversuch nach 79 Stunden. Makaber, dass 40.000 feiernde Zuschauer dabei waren, Rekordschwimmen war damals sehr beliebt, man saß hier beim Haus Scheppen, feierte und tanzte die ganze Nacht im Schein der Fackeln, während draußen Ruth Litzig an Unterkühlung starb.

In der Nähe von Haus Scheppen wird derzeit ein steinzeitlicher Rastplatz von Archäologen untersucht. Über hundert Objekte hat man bisher gefunden. Interessant sind Werkzeuge aus Bergkristall. Die Speicherkarte ist voll, ich hatte vergessen 500 Bilder von Köln zu löschen. Das kostet jetzt Zeit, ich verpasse einen VP, weil ich nur auf das Display schaue.

In Kupferdreh, vor dem Kaserneneingang ist die „Kupferdreher Steinkiste“, ein Megalithgrab zu bestaunen, leider von der Strecke aus nicht sichtbar. Kupfervorkommen gab der Stadt den einen Teil des Namens. Die Ruhr den anderen, denn sie macht hier auf ihrer relativ direkten Ost-Westrichtung plötzlich eine 180 Grad Drehung um der Sutan-Verschiebung auszuweichen. Wir laufen am alten Bahnhof der Hespertalbahn vorbei und über die Kampmannbrücke.

Schon von weitem sind die Blau-Weißen zu hören. Die Jungs geben alles auf ihren Schlagzeugen. Ganz große Klasse hier, wo es doch ein Stückchen aufwärts geht. Ich dreh um, ich muss die Jungs doch fotografieren, wer weiß ob ich nachher in der zweiten Runde noch Zeit dafür habe.

Der Abstecher nach Heisingen gibt Gelegenheit, auf dem Begegnungsstück seine Position zu checken. Sieht nicht gut aus. Jens Vieler, der 4 Std Pacemaker, ist knapp hinter mir. Conni Bullig macht den 4:15 Pacer und ist auch schon sichtbar. Ich lege einen Zahn zu. By the way: „Einen Zahn zulegen“, der Ausdruck kommt von der Halterung über dem Lagerfeuer, an dem die Kochtöpfe hängen. Wollte man mehr Hitze, dann hängte man den Topf einen Zahn tiefer.

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Informationen: Westenergie Marathon Rund um den Baldeneysee
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