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Laufberichte

Wie Nichtschwimmer beim Triathlon

04.05.14

Sonntag gegen 17 Uhr. Ich sitze im Regionalzug, der mich vom französischen Städtchen Saint-Dié-des-Vosges nach Straßburg bringt, von wo aus ich mit dem TGV zurück nach Karlsruhe fahren werde. Wie nach Laufveranstaltungen üblich, will ich die Heimfahrt nutzen, um erste Notizen für meinen Bericht zu schreiben. Doch mein Kopf ist so leer, wie meine Beine schwer sind. Völlig kaputt, aber glücklich - Ihr kennt dieses Gefühl.

Meine Gedanken kreisen immer wieder um diese Begriffe: "Hammerhart", "Brutal", "Genial", "Super-Trail". Eigentlich könnte ich die nächsten Seiten damit füllen, diese Worte fettgedruckt aneinander zu reihen. Wer mich kennt, weiß, dass ich am liebsten auf anspruchsvollen Trails laufe, vor allem technisch schwere und steile Abstiege liebe, Asphalt hasse und breite Waldwege meistens langweilig finde. Daher ist der TdR für mich ein Paradies, doch er zeigt mir auch deutlich meine Grenzen. Jeder erfahrene Trailrunner sollte sich diesen Lauf in den Kalender eintragen. Anfänger fühlen sich dagegen vor allem beim ersten Abschnitt wie Nichtschwimmer beim Triathlon. 

Zwölf Stunden Zeitlimit für 73 km mit 3400 Höhenmeter, das klingt in der Ausschreibung für mich wie eine gut lösbare Aufgabe. Die durchschnittlich 9,3 % Steigung bzw. Gefälle verteilen sich auch auf ein paar flachere Abschnitte, dazwischen aber einige extrem steile und technisch sehr anspruchsvolle Passagen. Meine gewohnte Kalkulation, bergauf zu marschieren, bergab dann Vollgas laufen, geht heute nicht auf, da ich manche flachen Strecken und scheinbar einfache Abstiege hier wegen vieler Steine und Wurzeln ebenfalls nur marschieren kann und mich manche steilen Abstiege noch stärker bremsen. Die Strecke gliedert sich in eine südliche Runde mit 32 km und eine nördliche Runde mit 41 km. Für die gesamte Distanz werden bei der Anmeldung 183 Startnummern ausgegeben, am Schluss erreichen 139 Läufer das Ziel, außerdem gibt es 18 Staffeln, die sich beide Runden teilen, sowie 466 Finisher auf einem 19 km Trail mit 990 Höhenmetern.



 Saint-Dié-des-Vosges, benannt nach einem legendären Einsiedler aus dem 7. Jahrhundert, liegt auf der westlichen Seite der Vogesen. Wer mit dem Auto von der Rheinebene kommt, fährt am besten durch den Vogesen-Tunnel, aber auch die Zugverbindung ist einigermaßen brauchbar. Historisch ist nur von Bedeutung, dass hier 1509 die sogenannte Waldseemüller-Karte gezeichnet wurde, auf der Amerika erstmals so (nach dem Entdecker Amerigo Vespucci) genannt wurde. Eine malerische Altstadt sucht man hier vergeblich. Aber darüber sollte man sich als deutscher Tourist nicht beschweren, denn der Grund für den Mangel an fotogenen Altbauten liegt daran, dass die Stadt 1944 von den deutschen Truppen völlig ausgelöscht wurde.


In der Nachkriegszeit entwarf unter anderem der berühmte Architekt Le Corbusier Pläne für eine komplette Neugestaltung der Stadt, stieß aber mit seinen modernen Entwürfen auf Widerstand von allen Seiten. Nur ein Fabrikgebäude durfte er für einen Freund bauen lassen. Die Fabrik Duval ist heute eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, denn sie vereint alle Elemente von Le Corbusiers spätem Werk. Mir gefällt dieses heute recht heruntergekommene Gebäude überhaupt nicht, aber wenn ich überlege, wie richtungsweisend damals die klaren Formen und die wirklich gute, heute leider kaum wahrnehmbare Farbgestaltung gewirkt haben, empfinde ich doch Respekt für diese Leistung.


Viel utopischer wirkt der 1989 zur Zweihundertjahrfeier der Französischen Revolution erbaute Tour de la Liberté. Direkt neben diesem 36 m hohen Freiheitsturm befinden sich Startnummernausgabe und der Start/Zielbereich des TdR.

Als Tourist kann man sich noch die Kathedrale anschauen, deren Langhaus ursprünglich aus dem 12. JH und die Fassade aus dem 18. JH stammt. Nur in einem kleinen Seitenbereich überstanden die alten Fenster den Krieg, die neuen gefallen mir aber auch. Zwischen der Kathedrale und einer benachbarte Kirche befindet sich ein sehenswerter Kreuzgang, der momentan aber wegen Bauarbeiten gesperrt ist, so dass ich nur von außen hinein blicken kann.
 
 

Informationen: Trail des Roches
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