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Laufberichte

Mein Davos-Debüt (C42)

26.07.14 Swissalpine
 

Heidboden soll man als C42-Teilnehmer bis spätestens 8.15 Uhr erreicht haben. Für die 8 km benötige ich etwas mehr als eine Stunde, wäre somit als K78-Starter noch zurechtgekommen. Das Limit ist mit 8.05 Stunden angesetzt worden.

Bald sind mehr K78er auf der Strecke als C42-Läufer, denn die Langsamen habe ich schon überholt. Unten im Tal pfeift die Rhätische Bahn, sie kündigt wohl aus Sicherheitsgründen ihr Kommen an. Sie ist z.B. auch Kulturgut und nicht mehr wegzudenken.

Michal aus Israel läuft auf der K30-Strecke ihrer Aufschrift am Trikot nach zu schließen „for peace“, eine faire Geste gegenüber den vom Krieg im Gazastreifen heimgesuchten und Not leidenden Palästinensern. Doch ob dies eine Wende herbeiführen kann, bleibt eine rhetorische Frage.

Nach 12 km erreichen wir Spina, wo uns Kuhglockengetöse empfängt. Ein junger Mann bedient mit einem verknoteten Seil gleich mehr als ein Dutzend Glocken unterschiedlicher Größe, die in einer Scheune platziert sind.

Wenn man auf die nachfolgenden Läufer  zurückblickt, erkennt man gut die Steilheit des Anstiegs nach Spina. Der Ausblick auf die Landschaft wird aber nun doch sehr störenden Dauerregen getrübt. Dennoch regt sich niemand laut hörbar über das Sauwetter auf, Läufer sind geduldig und hart im Nehmen.

Inzwischen befinden sich in meinem Umfeld lauter bekannte Gesichter, die einmal vorne laufen, dann wieder zurückfallen. Den graubärtigen Jürgen, der wie ich für den C42 registriert ist,  habe ich im Laufe der Jahre schon öfters bei einem Marathon gesehen, man grüßt sich, doch woher er genau kommt, weiß ich bis heute nicht.

In Monstein habe ich das Gefühl, längst schon 20 km gelaufen zu sein, denn mehr als 2 ½ Stunden sind seit dem Start vergangen. Doch genau genommen besteht auch hier eine Richtzeit: C42er sollten spätestens nach 2:50 Stunden die 17km-Marke erreicht haben. Hingucker und beliebtes Fotomotiv ist das bekannte Jugendstil-Kirchlein. In einer Wende geht es nun zur Labestelle und anschließend auf Asphalt ins Tal hinunter. Diese Strecke sagt mir zu, ich überhole Dutzende Läufer. Mein Respekt gehört aber Didi, dem blinden K78er-Läufer, der mit einem weiblichen Guide richtig schnell unterwegs ist.

Endlich haben wir 20 km geschafft, die „Talfahrt“ ist für mich am Schmelzboden, wo wir unter strenger Obhut der Helfer die Gleise der Rhätischen Bahn überqueren, zu Ende. Nun geht es hinein in die berühmte Zügenschlucht, die eine durch die Landwasser entstandene drei Kilometer lange Passage zwischen Wiesen und Monstein in der Landschaft Davos ist. Die Felsformationen Steig und Silberberg rahmen die Schlucht ein, die bis 1974 von der Kantonsstrasse Davos–Filisur durchquert wurde. Seitdem ist sie wie die Bahnstrecke Davos Platz–Filisur der Rhätischen Bahn als Landwassertunnel in den Berg verlegt. Die Alte Zügenstrasse ist für Wanderer begehbar und als ein Gesteinslehrpfad ausgewiesen.

Bei Schönwetter wären hier herrliche Aufnahmen zustande gekommen, die tosende Landwasser tief unten, hohe aufsteigende Felsenschluchten links und rechts und als Hauptattraktion die Viadukte, die auch zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurden. Ich bleibe einige Male stehen um zu fotografieren, auch um Himbeeren zu essen, die so zahlreich an den vom Regen schwer gewordenen Stauden hängen, dass es den Anschein hat, die Wanderer nehmen davon keine Notiz. Auch viele reife Walderdbeeren laden zum Verweilen ein, doch als 10km/h-Läufer weiß man: 2 Minuten bedeuten 400 m, die bekannten Gesichter sind inzwischen alle vorbeigezogen.

Der Kurs führt über eine Holzbrücke über die Landwasser, dann geht es über eine Treppe einige Meter hinunter, bevor ein Anstieg erfolgt. Schließlich führt der Waldsteig hinunter zur Bahnstation Wiesen. Ich blicke auf die Uhr, 24 km sind erreicht, an die 3 ½ Stunden bin ich unterwegs. Der Platzsprecher geht nur auf die K78er ein, die nach 3:15 Stunden Wiesen erreicht haben müssen. Doch alle laufen weiter, auch die hinter mir kommenden. Ich gönne mir eine kleine Pause hinter einem Baum und trinke ausgiebig.  An den Labestellen werden Wasser, Iso, Riegelstücke, Bananen angeboten.

Der Kurs führt entlang der Geleise der Rhätischen Bahn auf das Viadukt, wobei an der Seite der  schmale Metallsteg bei so vielen Läufern ins Schwingen gerät. Durch das feinmaschige Gitter kann man direkt in die Tiefe blicken. Der Talgrund befindet sich zumindest Hundert Meter unten. Ich glaube, dass nur ich das so genau bemerkt habe, die anderen scheinen mit dem Lauf gedanklich beschäftigt zu sein.

Längst habe ich meine dünne Windjacke übergesteift, doch obwohl sie laut Etikett waterproof sein soll, ist sie m Nu waschelnass. Heute ist der Regen wahrlich ein Spielverderber.

Der Trail in der Folge weist einen erhöhten Schwierigkeitsgrad auf, abschnittsweise geht es durch rutschigen Gatsch ziemlich steil hinunter.  Einige Läufer werden dadurch sehr stark eingebremst, ich hingegen lasse es zischen und gerate eigentlich nie in Sturzgefahr. Ich hole alle Davongeeilten wieder  ein, darunter auch einen Deutschen mit der Nummer 4173, der erwähnt hat, Klaus gut zu kennen und mit ihm in Davos auch gesprochen zu haben. Im Spaß sage ich, dass Klaus in der Regel gute Bekannte von der Bildliste streicht, damit sie nicht zu oft vorkommen.

Wir sind wieder an der Talsohle direkt am Landwasser, laut Streckenplan wird das größte Viadukt nach 30 km erreicht. Meine Uhr zeigt 11.02 an, ich bin also gut in der Zeit unterwegs. An der Labe bleibe ich stehen und öffne ein Gelpäckchen. Bis hinauf nach Filisur sind weitere 3 km zu überwinden. Dort endet der K30, C42-Läufer sollen den Ort bis spätestens 12.25 Uhr erreicht haben. Ich laufe nach 11.29 über die Matte, K78er hätten es in 11:25 schaffen müssen. Dies wäre für mich auch möglich gewesen, wenn ich beim K78 angetreten wäre und mich auf das Rennen konzentriert hätte.

In Filisur befindet sich eine weitere Labe, an der ich aber nur kurz stehen bleibe. Ich bin nämlich zuversichtlich, in unter 6 Stunden finishen zu können, also für die restlichen 12 km nicht mehr als 1:30 Stunden zu brauchen.

Die weitere Strecke führt durchs Albulatal leicht aufwärts. Gehen und Laufen wechseln sich ab, einige Läufer überhole ich. Endlich kommt eine Markierung: 5 km sind es noch bis ins Ziel in Bergün. Doch schon bald merke ich: jetzt kommt die schwierigste Stelle im Rennen, die besonders für die K78er ein zeitlicher Prüfstein ist. Es geht nie enden wollend 300m steil über einen Waldweg, der durch den Dauerregen völlig aufgeweicht ist, aufwärts. Würde ich für 5km mehr als eine Stunde benötigen? Nur ein einziger muskelbepackter Läufer schafft es aufwärts an mir vorbei zu kommen, doch die eine Stunde reicht nicht aus. Zwar geht es dann wieder auf einen Forstweg zu Tal, doch die Marathonstrecke ist mit 43km auch etwas länger als regulär.

Nach 6:11:59 laufe ich über die Matte in Bergün. Der Platzsprecher sagt, Anton habe sich für den C42 entschieden, er hätte aber auch gerade noch das Limit für den K78 geschafft.  Ich erblicke Edi, längst frisch geduscht. Er hat wie vereinbart auf mich gewartet. Ich hole mir das Finishershirt und die Medaille, dusche mich und erreiche gerade noch den Zug, der um 13:47 nach Filsur fährt.  Edi hat mit 5:07:47 den ausgezeichneten 3.Platz in der Altersgruppe M60 belegt. Ursula wurde beim K30 mit 4:49:30 Achte ebenfalls unter M60.

In Filisur trennen sich unsere Wege, ich fahre nach Davos weiter. Wegen einer kleinen Verspätung bleiben mir nur 15 Minuten, in denen ich mein Gepäck vom Hotel holen muss und um dem Zug um 15:02 nach Landquart und Buchs zu erreichen. Es geht sich knapp aus.

Meine Bilanz zu Davos und zum C42: Die Strecke ist als Trail-Run ausgelegt. Die Rhätische Bahnstrecke ist wie die Eisenbahn selbst ein Erlebnis, für die Viadukte müsste man sich viel mehr Zeit nehmen, sie sind phantastisch. Die Gegend selbst steht mit Recht hoch im Ansehen in der Welt, Davos war und ist eine Reise oder besser auch einen längeren Aufenthalt wert. Mich juckt es, zum 30. Jubiläum den K42 zu laufen, oder vielleicht sogar am K78 teilzunehmen. Dazu müsste ich mich aber speziell vorbereiten.

 

Bildgalerie von Peter Ickert (C42)

 

 

Siegerliste

 

K 78

Männer

1  Buud, Jonas (SWE)  06:30:18  
2  Ritter, Beat (SUI)  06:38:51  
3  Berner, Mirco (GER)  06:53:39

Frauen

1  Zimmermann, Denise (SUI)  07:47:57  
2  Kahl, Claudia (GER)  08:12:50  
3  Poltéra, Ornella (SUI) 08:33:38

959 Finisher

K 42

Männer

1  Bundi, Gion-Andrea (SUI)  03:30:06  
2  Gehring, Lukas (SUI)  03:41:14  
3  Zeiler, Timo (GER)  03:47:49

Frauen

1  Burkhart, Jessica (SUI)  04:21:38  
2  Oberlin, Monika (SUI)  04:23:01  
3  Schnüriger, Samira (SUI)  04:36:09

1091 Finisher

C 42

Männer

1  Loetscher, Arno (SUI)  03:19:53  
2  Mertens, Gert (BEL)  03:21:24  
3  Stähli, Lukas (SUI)    03:25:24

Frauen

1  Girsberger, Valerie (SUI)  03:54:08  
2  Sobrino, Karen (RSA)  03:54:51  
3  Dusch, Kerstin (SUI)  03:56:52

331 Finisher +
137 "Umsteiger" vom K 78

12
 
 

Informationen: Swissalpine
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