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Laufberichte

In St. Wendel tut sich was

05.04.09
Autor: Klaus Duwe

Ich hätte für meinen zweiten Marathon in diesem Jahr keine bessere Wahl treffen können. Als es pünktlich um 10.00 Uhr auf die Strecke geht, ist auf dem Schlossplatz eine Stimmung, wie zu besten FC-Zeiten im Ludwigspark. Ich bin happy, wieder mittendrin statt nur dabei zu sein.

Der Laufstrecke hat drei Wendepunkte und ist von den Marathonis zweimal zu durchlaufen. Nicht gerade sexy, mag der Eine oder Andere denken.  Rein vom Papier her würde ich dem zustimmen. Aber es kommt halt darauf an, was man daraus macht. Und da kommt wieder Marketingprofi Thomas Wüst ins Spiel. An der Strecke sorgen 39 Musikbands für Unterhaltung, Kurzweil und Motivation. Hunderte gut gelaunte Helferinnen und Helfer tun Dienst an den zahlreichen Verpflegungsstellen, die optimal bestückt sind: Wasser, Iso, Cola, Bananen, Orangen, Trockenobst , und, und … Und dann ist da noch die sportbegeisterte Bevölkerung. 15.000 feiern entlang der Strecke.

Langeweile? Nicht in St. Wendel. Bald gibt es auf den Pendelstrecken Gegenverkehr, man kann den Rennverlauf aus der ersten Reihe verfolgen und später seine Verfolger studieren. Die Strecke führt zum ersten Wendepunkt in die Werkstraße (km 3), dann auf der B 41 nach Süden entlang der Blies und der Bahnlinie nach Ober- und Niederlinxweiler (km 10/30), von wo aus es zurück in die City (km 15/35) und dann in nördlicher Richtung nach Urweiler (km 19/39) geht.

Zunächst sieht es so aus, als würden die Kenianer das Rennen unter sich ausmachen. Dann zeigen die Marathon-Rookies jedoch überraschend Schwäche und der Ukrainer Vasil Remshchuk kann sich den zweiten Platz erkämpfen. Held des Tages wird Geoffrey Gikuni. Er soll bis km 25/30 für die Pace Richtung Streckenrekord sorgen. Erst im nächsten Jahr will der 24jährige auf die Marathonstrecke wechseln, zuvor noch seine Bestzeit auf der Halbdistanz unter 60 Minuten drücken. Als er seine Kameraden schwächeln sieht, ergreift er die Initiative und zieht „das Ding“ durch. Die Zeit bei seinem ersten, praktisch improvisierten Marathon: 2:14.27,7 – neuer Streckenrekord.

Klare Sache dagegen von Anfang an für die Russin Sviatlana Kouhan, die einen überlegenen Start-Ziel-Sieg herausläuft. Publikumslieblinge sind jedoch Lokalmatadorin Tanja Hooß, die mit  2:55.48,1 viel umjubelt auf dem zweiten Platz landet vor Kerstin Alaimo aus St. Wendel. Für die jeweils ersten Drei aus dem Saarland gibt es übrigens Sonderprämien.

Als ich nach der Wende in Urweiler Richtung City laufe und gerade vom Sieger überholt werde, gibt mir das schon zu denken. Dann schaue ich in die Gegenrichtung, sehe, praktisch 4 Kilometer hinter mir, junge Männer marschierend auf der Halbmarathondistanz, und die Welt ist wieder in Ordnung. Ich freue mich, fühle mich fit für die zweite Runde.

Die Befürchtung, dass das nun ein einsames Rennen werden wird, trifft nicht zu. Schon bald gibt es wieder Gegenverkehr. Ich schaue in die Gesichter der Läuferinnen und Läufer und rechne mir aus, den einen oder anderen noch einzusammeln. Eines werde ich heute nicht schaffen – den 4:30-Stunden-Pacern zu folgen. Daniel und Heino haben diesen, übrigens von den Veranstaltern mit 100 Euro honorierten Job übernommen. Sie haben Ulrike Nilles im Schlepp, die ihren ersten Marathon läuft. Mit viel Zureden und gut dosiertem Tempo bringen sie sie nach 4:29 Stunden ins Ziel. Herzlichen Glückwunsch.

Bei der ersten Runde habe ich es gedacht, bei der zweiten spüre ich es: der St. Wendel Marathon ist nicht flach. Da sind ein paar Wellen drin, die entweder das Tempo drücken oder den Puls nach oben jagen. Eine dieser „Bodenwellen“ ist am Ende der zweiten Wendepunktstrecke, wenn man auf den Kreisel zuläuft. „Komm, Klaus Boullon“, denke ich, „schieb mich deine flache Strecke hoch.“ 

Nicht lang, aber für manche auch in Wahrheit zum Kotzen ist der letzte Buckel vor dem Zieleinlauf. Zum Glück stehen hier schon die ersten Zuschauer und reden mir gut zu. Aber was dann kommt, entschädigt tausendmal. Auch jetzt stehen noch sehr viele Zuschauer an der Straße und machen den 300 Meter langen Zieleinlauf zum Genuss. Applaus und Anfeuerung nehme ich gerne, aber mit einen lockeren Endspurt kann ich nicht dienen. Mir reicht’s, ich bin platt. Aber glücklich.

20 Kilometer sind mir zuwenig, 42 zuviel. Ich muss noch üben.

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Informationen: St. Wendel Marathon
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