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Laufberichte

„Im Ziel warten Bier, Chips und 6!“

12.09.10

An der Autobahnunterführung der A 71 finden sich zwei Trommlerinnen, die mit Eifer ihre Instrumente bearbeiten. Es geht später in den Wald, ansteigend, dafür im Schatten. Mitunter ist es etwas eng im Läuferfeld. Das könnte jetzt in meinem Bereich daran liegen, dass vor mir die 4-Stunden-Pacer unterwegs sind. Marathonis sind da nicht viele dran, aber für den Halbmarathonläufer ist zwei Stunden bei dieser Strecke mit knapp 350 Höhenmetern schon eine klasse Leistung.

Die erste V-Stelle wartet bereits bei Kilometer 3,4. Im Angebot stehen Bananen, Äpfel, Traubenzucker, Riegel, Wasser, Apfelsaftschorle, Cola, Iso, teilweise später noch Weißbier und Energy Drink. Vielleicht verleiht dann letzterer Flügel. Wird bei mir sicher nicht wirken, ich versuch’s dann lieber mit Bier. Wasserstationen mit Schwämmen können dazwischen auch noch zur Abkühlung genutzt werden. Die werden wir noch brauchen, denn die Temperatur ist gerade in der Sonne jetzt schon hoch.

Im Läuferfeld herrscht Fröhlichkeit, ich sehe kein Gegeneinander und kein Konkurrenzdenken. Gerhard Schumm aus Bad Brückenau (liegt gleich um die Ecke) erzählt mir sogar einen Witz. Er lässt sich dann zurückfallen.

Übrigens ist jeder Kilometer ausgeschildert. Große Schilder, und alle mit einen netten Spruch. Viele kennt man schon, wie „der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt“ oder „läufst du noch oder kriechst du schon?“

Ausgeschildert sind die Strecken einheitlich mit bestimmten Farben. So sind die Marathonis gelb, die „Halben“ rot und die Zehner grün. Einfach den farbigen Pfeilen nach und dann dürfte nichts schief laufen.

Kurz nach Kilometer sieben geht es wieder über die A 71. Jetzt aber auf einer Brücke. Gleich danach hat sich eine Blaskapelle auf dem freien Feld postiert. Wir werden mit schmissiger Blasmusik unterhalten.

Kilometer neun: Wir laufen jetzt auf Graswegen Richtung Sportplatz, den wir dann quasi beim Hintereingang betreten. Wer jetzt muss, der kann sich im Tennishäuschen erleichtern. Auf das wurden wir vor dem Start noch hingewiesen.

Noch auf dem Gelände können wir eine langgezogene V-Stelle benutzen. Ich schnappe mir einen Iso-Drink, fotografiere und sehe noch den Gerhard mit einem der Mädels am Stand herum schäkern. Das gefällt denen.

Unsere weitere Strecke führt uns jetzt durch Rannungen. Der Ort wurde 772 als „Hrannunga“ in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda erwähnt. Im Mittelalter beherrschte das Hochstift Würzburg den Ort. Als Sehenswürdigkeit gelten die Pfarrkirche St. Bonifatius mit dem Julius-Echter-Turm (16. Jahrhundert) sowie die Fürstbischöfliche Zehntscheune (17. Jahrhundert) und das ehemalige Obere Wirtshaus (Fachwerkbau aus 1665). Letzteres war einst Poststation auf der Strecke Meiningen – Würzburg. Pferde konnten damals gewechselt werden. Heute ist der 1200 Einwohner zählende Ort wirtschaftlich mehr mit dem 15 Kilometer entfernten Schweinfurt verbunden.

Kilometer elf: Wir haben Rannungen durch ein modernes blaues Tor des oberbayerischen Biersponsors verlassen, da ist ein treuer Fan. Monika sitzt im Rollstuhl und feuert jeden an. Das Schild für den zwölften Kilometer bringt dann den saublöden Spruch, den ich gleich als Überschrift verwende: „Im Ziel warten Bier, Chips und 6!“ Mir kommt ein Brüller aus, leider vergesse ich das Corpus Delicti zu fotografieren.

Mittlerweile haben sich um die 4-Stunden-Pacer knapp zehn Mitstreiter gefunden und hängen dran. Peter und seine Kollegen Roland und Elisabeth laufen gleichmäßig. Zwar haben sie jetzt ein wenig Vorsprung, „aber das brauchen wir noch zum Ende dieser Runde, da wartet eine längere Steigung.“

Und dann wollen sie von mir wissen, wie ich das bewerkstellige mit Laufen und Fotografieren. Nun, da muss man halt ein Ochs sein. Denn wenn man den am Sonntag einspannt, dann zieht er auch an. Gleiches ist bei mir. Wenn man mich von dem Marathonkarren spannt, dann...

Mittlerweile hat sich das Gedränge im Läuferfeld gelegt, es geht ruhig voran. Für eine willkommene Unterbrechung sorgt dann ein kurzer Treppenlauf mit acht, zehn Stufen. Ein Helfer steht auch da, falls einer bergauf ins Stolpern kommt. Nach Kilometer 14 steht an einer Landstraße eine Sambagruppe mitten im Wald. Nur für uns. Ist doch prima.

Bei Kilometer 15 kommt ein weiterer Knaller. Radarkontrolle. 15 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit! Da dürften die Schnellen blechen. Wenn jetzt einer da eine Diarrhö bekommt, dann kann er gleich das Notfall-WC benutzen. Schaut Euch das Bild an.

Und damit jeder seinen Tempomat einstellen kann, wird ein paar Meter weiter die eigene Geschwindigkeit gemessen. Ich fotografiere und erhalte einen Anschiss. „Du sollst hier laufen!“ Ich könnte aber bei einem Verkehrsverstoss blitzen, da bin ich doch geübt.

Der Wiesenweg ist breit genug, dennoch gibt es ein Überholverbot für die Walker. Wer hat von den Rannungern diese Idee gehabt?

Den 17. Kilometer leitet ein Schild ein: „Der längste Berg muss in einem Tal enden!“ Und in der Tat, die folgende Steigung hat es in sich. Einige gehen und ich überlege, fast auch in den Wanderschritt zu verfallen, so steil geht es im Birkenhain nach oben.

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Informationen: Rund um Rannungen
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