marathon4you.de

 

Laufberichte

Hart, härter, Pitztal-Trails

13.07.13

Taschachhaus


Eine Brücke führt uns über den wild rauschenden Gletscherbach des Sexegertenferners hoch zum Taschachhaus auf über 2.500 m, nur ein paar hundert Meter unterhalb der Gletscherzunge. Den packenden Blick auf die Eisbrüche des Taschachferner können wir hier aus nächster Nähe genießen. Die Entstehung der Gletscher spielt sich oberhalb der Schneegrenze im Gipfelbereich der Hochgebirge ab. Die nicht abtauenden Schneemassen verdichten sich zu Eis und bewegen sich ca. 100 m im Jahr talwärts. Der zungenförmige Eisstrom schmilzt unterhalb der Schneegrenze ab und bildet eine gewölbeartige Öffnung, das Gletschertor, aus dem der Gletscherbach entspringt.

Die Labestation ist einiges weiter unten am Materiallift der Hüte aufgebaut, bis dahin gilt es noch ein gutes Stück zurückzulegen. Ein Akkuwechsel zwingt mich zu einer Pause. Als ich fertig bin, ist Jan längst über alle Berge. Über die Moränenhänge des Taschachferners steigt man ab in das ehemalige Gletscherbett. Die gewaltige Dimension des Eises, das hier in unwahrscheinlich kurzer Zeit abgeschmolzen ist, kann man nur erahnen. Abschnittsweise fühle ich mich auf die Eiger-Moräne beim Jungfrau Marathon versetzt. Allerdings mit zwei krassen Unterschieden: Hier geht es abwärts und vor allem, ich bin ganz alleine unterwegs. Ein Wunschtraum auf der immer völlig überfüllten Eiger-Moräne. Es ist richtig geil hier, auch wenn der Abstieg alles andere als leicht ist.

Rostbraun bis Dunkelrot glänzen Felsplatten des Gneis, der vorherrschenden Gesteinsart in den Ötztaler Alpen, in der warmen Sonne. Große Steinplatten und riesige Felsbrocken in diversen Rottönen sind am und auf dem Laufweg. An der dritten Labe lege ich eine kleine Pause ein, Jan kann ich bergab nie und nimmer einholen. Mein jetzt schon schwer verdientes drittes Kreuzchen auf die Startnummer lasse ich mir natürlich nicht entgehen.

Ab VP führt ein bequemer Forstweg über 6 km runter zur Taschachalm. Unterbrochen wird der Downhill von einigen Viehgattern, die zu öffnen sind. Oft fühlen sich die Rindviecher gestört, brüllen laut und rennen davon. Ich will nichts herausfordern und nehme lieber jedes Mal Tempo raus. Für die 42K-ler sind es an der Alm nur mehr wenige hundert Meter bis zur Zwischenstation in der Trailcity in Mandarfen. Mit uns meint es die Rennleitung besser. Ab Taschachalm jagt man uns fast senkrecht den Berg hinauf zur Rifflseehütte. Vorher kann aber noch an einer Getränkestation Hollundersaft getankt werden.

Die breite Schotterstraße führt über die Grubenkopfbahn hinauf zur Rifflseehütte. Wir haben schon Schöneres und Aufregenderes heute unter den Füßen gehabt. Ursprünglich stand der Aufstieg auch nicht auf dem Plan, vermutlich ist es ein Abschnitt der eingeschoben werden musste, um uns mit den nötigen Höhenmetern zu versorgen, da die Gletscherüberquerung ja wegfällt. Nur wenige Serpentinen kann die Straße aufweisen, das macht den Aufstieg teilweise derart giftig, dass es mir fast die Luft aus den Lungen saugt. 500 Höhenmeter auf nur 4 Kilometer machen mir in der prallen Sonne schwer zu schaffen. Unbarmherzig geht es durch bis zur Hütte. Jan war auch völlig fertig und ist eingekehrt für einen Cappuccino und einer leckeren Speckknödelsuppe. Ich habe aber leider immer noch keinen sonderlichen Appetit. Nur ganz knapp haben wir uns verpasst.

Ein paar Meter weiter, an der Liftstation, geht es auf dem Panoramatrail wieder runter. Steil und unwegsam durch blühende Felder von Alpenrosen, schön anzuschauen, aber nicht minder steil als der Herweg, dafür deutlicher unwegsamer und trailiger. An dessen Ende steht Mario und hält nach seinen Schäfchen Ausschau. Das Schlimmste ist überstanden, meint er und erklärt mir noch den Weg zum nächsten Fixpunkt, der Braunschweiger Hütte.

Nach 8 Stunden bin ich wieder im Verpflegungszelt in Mandarfen zurück. Jan macht sich nach einer Stärkung gerade auf den weiteren Weg. B‘jak gibt an Position 3 liegend ein Interview, er fühlt sich nicht optimal. Mir geht’s nicht viel besser, mir ist auch leicht übel.  Dabei sollte ich mich jetzt eigentlich ausgiebig verpflegen. Aber irgendwie habe ich schon den ganzen Tag keine Lust auf Essen. Obwohl ich sonst derlei Probleme nicht kenne und eigentlich alles und viel verputzen kann. Mit Mühe kann ich mir eine Suppe reinwürgen. Verena sieht mir vielleicht was an, fragt mich, wie’s mir geht. Alles ok, nur nicht den schwachen Mann markieren. Am Schluss werde ich noch aus dem Rennen genommen. Nach 15 Minuten geht’s weiter.

Zweimal ist der Durchlauf durch die Trail-City beim 95K (km 35 + 46) zu absolvieren. Nach der Runde zur Braunschweiger Hütte geht’s nochmal hier durch. Beim 42K wird die Schleife übersprungen, sie absolvieren gleich den Aufstieg über die Plangerossalpe, die bei uns nachfolgend dran ist.

 
 

Informationen: Pitz Alpine Glacier Trail
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner
 

Das M4Y-Buch

Das M4Y-Buch bestellen

Aktuelle Print-Ausgabe

Das marathon4you.de Printmagazin