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Laufberichte

Festbier am Festtag

 

Zurück in Bayern

 

An einem Gedenkmarterl überschreiten wir wieder die Landesgrenze, die Landesstraße wird zur Staatsstraße, wir sind im Landkreis Coburg. Ein paar Bayern haben sich hier auf weiter Flur versammelt, um uns den notwendigen Drive bis zum Wechsel in Autenhausen zu geben. Der Ortsteil gehört zur Stadt Seßlach. Autenhausen hat auch eine weit in das neunte Jahrhundert zurückreichende Geschichte. Wir laufen über die Kreck hinweg und rennen in die Ortsmitte bei der barocken Pfarrkirche St. Sebastian (1774 erbaut).

Zwei Staffelläufer sind schon arg malade, als sie ihren Stab an die Nachfolger übergeben. Und die machen sich aus dem Staub. Bis der Fotograf sein Werk vollendet hat, ist keiner mehr zu sehen, also mache ich mich allein auf den weiteren Weg. Die Halbmarathonis sind hier vor rund 1,5 Stunden gestartet. Die ersten werden schon am Medical Park angekommen sein.

Weiter laufen wir jetzt auf einem Radweg, der uns nach Gemünda bringt. Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche ist ein spätmittelalterlicher Bau aus dem Jahr 1515. An einer Einkehrstätte hat jemand einen Original U.S. Army Jeep geparkt.

 

Festbier am Festtag

 

In Dietersdorf dreht sich unsere Laufrichtung an einer weiteren Tanke, die unterhalb der katholischen Kirche St. Kilian aufgebaut ist. Dann höre ich Musik von Wencke Myhre: „Er hat ein knallrotes Gummiboot“. Dass ausgerechnet die Jugendfeuerwehr sich diesen Uralt-Schlager ausgesucht hat? Immerhin bekomme ich an ihrer privaten bayerische Versorgungsstation endlich das  Festbier am Festtag. Die Burschen grölen, als ist den Becher in einem Zug leere. Man will mir noch etwas mitgeben, gegen den Durst.

Zuerst laufen wir auf leicht hügeligem Terrain östlich von Gemünda durch die Flur, dann biegen wir auf eine Kreisstraße ein, die uns zur Gehegsmühle bringt. Hier überlaufen wir die Landesgrenze zu Thüringen. Ich kann aber den Grenzverlauf nicht erkennen, beiderseits ist Wald.

 

Einsam zum Ziel

 

Der 30. Kilometer liegt hinter uns, als ich in die mit knapp 500 Einwohner zweitkleinste Stadt Ummerstadt hineinlaufe. Auch hier ist der gesamte historische Ortskern unter Denkmalschutz. Schutz werden die Gänse und Enten nicht mehr haben, denn nächste Woche ist Kirchweih. Der Franke sagt auch Kerwa. Und da wird das Federvieh traditionell in der Bratröhre landen.  Wie die Kerwa gefeiert wird, kann man diesem Gedicht entnehmen:

Heit ist Kerwa holdrio,
un do senn mer ölla froh,
ölla Sorgen senn vergassn,
feste gsuffn und a gfrassn.

Seit dem Jahr 1394 hat der Ort Stadtrecht. „Thüringisches Rothenburg“ oder „Töpferstadt“ sind die Beinamen der Stadt, die auf  Fachwerk-Fassaden hinweisen und auf das Handwerk, das hier verbreitet war. Nach einem Tankstopp geht es weiter. Es ist mittlerweile einsam geworden. Nur weit vor mir sehe ich jemanden laufen, hinter mir ist keiner mehr.

Auf einen geteerten Radweg ziehen sich die Kilometer wie Kaugummi. Kilometerschild 33 beim Ortsschild Bad Colburg, also noch neun. Mental stelle ich mir eine Trainingsrunde vor, das hilft ein wenig. Vier von 100 Einwohnern machen eigens für mich eine La-Ola-Welle. Ich laufe an der Kirche St. Katharina (aus dem 16. Jahrhundert) vorbei und schon geht es ein wenig wellig neben der 42 Kilometer langen Rodach dahin. Ein, zwei Staffeln können mich passieren.

Die Wüstung Billmuthausen wurde in den 70er Jahren geschliffen, hier war ja die Grenze zum „Klassenfeind“. Der Ort mit weniger als 100 Einwohnern wurde damals schrittweise dem Boden gleichgemacht. Einzelne Häuser wurden abgerissen, Familien zwangsweise umgesiedelt, die Dorfkirche bei Nacht abgerissen. Erhalten geblieben ist der Friedhof und ein Transformatorenturm.

Ich schäkere mit den Helfern an der Tanke herum und lasse mir noch ein Bier einschenken, merke dann aber, dass die führende Josefine an mir vorbei saust. Mann, ääh, Frau, hat die einen Zug drauf. Sauber hat sie das Rennen eingeteilt, ich ziehe den Hut. Und der Bodo? Ist nicht in Sicht, vielleicht von ihr versägt.

Wir überschreiten die Landesgrenze zum vierten und letzten Mal zwischen Mühlberg und Hohen Stein, Gauerstadt liegt vor uns. Der Ort ist fast ausgestorben, denn lediglich zwei Helfer am Verpflegungstisch und zwei Sanis halten Aussicht auf die Läufer. Auf meine Frage: „Gab es was zu tun?“ schüttelt ein Sani den Kopf, klatscht und meint: „Nicht mehr weit für dich“.

Es wird zäh auf der Kreisstraße nach Bad Rodach. Unterhalb des Gauerstädter Berges der letzte Trank einen Kilometer vor dem Finish. Man versucht, mir ein Wasser anzudrehen. Mein Bierwunsch wird nicht wahrgenommen. Erst als ich auf  die Flasche Bier deute, lässt man mich einen Zug machen.

Die Steigung endet und auf dem Radweg. Neben der Kreisstraße erhalten wir ein paar Höhenmeter zurück. Zwei Feuerwehrleute sperren für mich die Straße und dann kommt – nein, kein Endspurt. Denn die letzten 500 Meter gehen ansteigend zur Zufahrt zum Medical Park, wo ich nach 3.54 Stunden die Ziellinie überschreite. Geschafft.

 

Impressionen im Ziel

 

Die Zeit ist mir heute eh egal, denn in zwei Wochen muss ich alles in die Waagschale werden, da ist Meisterschaft für die Floriansjünger. Im Ziel erhalten wir Wasser, Iso, Obst, Milch und Erdinger zum Abwinken. Die Zieleinläufe sind jetzt gehörig auseinander.

Nach einigen Minuten ziehe ich mich zur Regeneration in den Wellnessbereich und in die Sauna der Einrichtung zurück.

Zur Siegerehrung ist der Biergarten bestens besucht. Dann hocken Patienten, Sportler und Betreuer am Tisch und fachsimpeln über das Rennen.

Mein Fazit:

Ein kleiner, aber feiner Lauf. Schade, dass nur knapp 400 Teilnehmer auf allen Strecken zu finden sind. Der Marathon verträgt ein Vielfaches.

Und dann das: Wer kann berichten, bei seinem ersten Marathon aufs Stockerl gekommen zu sein?  Josefine und Lucia, das habt ihr super hingekriegt.

Was restlos überzeugt, sind die 200 ehrenamtlichen Helfer von Vereinen, Organisatoren und Privatleuten. Danke euch allen. Gunter Holig lädt für den 03.10.2016 schon heute ein.


Ergebnisse Marathon Männer:

1. Hauke Dutschak, Lautertal Runners, 2.54.53
2. Markus Veth, TSV Rannungen, 2.57.35
3. Bernd Ruckdäschel, 3.05.44

Ergebnisse Marathon Frauen:

1. Josefine Lißner, 3.45.03
2. Lucia Hämmerl, 4.04.24
3. Melanie Klein, TSV Waigolshausen, 4.07.57

 

 

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Informationen: Medical Park Marathon
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