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Laufberichte

Einfach märchenhaft ...

24.07.11
Autor: Klaus Duwe

Wir laufen entlang des Hopfensees, den man aber zunächst durch Bäume und Sträucher und wegen des verschilften Ufers nur an manchen Stellen sehen kann, bevor uns der Weg direkt an das Seeufer und wenig später in den Kurort Hopfen am See (km 10) führt. Man will es heute zwar kaum glauben, aber im Hopfensee kann man wegen seiner geringen Tiefe bereits ab Mai baden.  Am Strandbad mühen sich drei Alphornbläser und es gibt sogar ein paar Zuschauer. Die meisten Leute beobachten das Geschehen aber  gemütlich vom Frühstückstisch aus. 

Keiner von ihnen würde mir glauben: Ich will nicht tauschen. Seit einiger Zeit halte ich mich an Thomas, der die Pace für 4:45 macht. Mit im Schlepp sind Regina, Gudrun und Sybille, Elmar, Annette und Bernd und noch ein paar. Drei von ihnen behaupten, mein Buch zu haben, der Rest ist mindestens einmal täglich auf der Website.  Der schon erwähnte bunte internationale Haufen kommt ab morgen dazu. Wir haben einen Riesenspaß. Um den Anschluss nicht zu verlieren, muss ich mir die Zeit für einen Fotostopp vorher herauslaufen oder später hinterher hecheln. Ich bin mal gespannt, wie lange das gut geht.

Der Südseite des Sees laufen wir ein zweites Mal entlang, ehe wir auf dem ebenfalls schon bekannten Radweg zurück nach Füssen laufen, diesmal ganz bequem mit leichtem Gefälle und den Säuling fest im Blick. Bernd wird von seinem Fanclub kurz aufgehalten und muss wie ich jetzt Gas geben, um am Pacer dranzubleiben. Wir laufen links hinunter zum Forggensee und machen einen kleinen Umweg zum Festspielhaus.

Dem Kini würd’s grausen, würd‘ er sehn, was sich da so abspielt. Der Start des Musicals „Ludwig II – Sehnsucht nach dem Paradies“ im Jahr 2000 war ganz vielversprechend und in 1506 Vorstellungen zählte man 1,5 Mio. Besucher. Trotzdem wurde der Betrieb Ende 2003 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. 2005 startete man mit einem neuen, zum Teil von Konstantin Wecker komponierten Musical. „Ludwig 2 – Der Mythos lebt“ war ein Flop und nach zwei Jahren fiel der letzte Vorhang.  Seither werden wechselnde Programme gespielt.  An der Lage des Festspielhauses direkt am See mit Blick auf des Königs Lieblingsschloss, Neuschwanstein, kann es nicht liegen.

Ein Jammer ist das auch deshalb, weil Ludwig II. ja selbst einmal ein Festspielhaus finanziert hat, für dessen Aufführungen man heute als Normalbürger nach ungefähr  15 Jahren eine Karte zugeteilt bekommt. Die Rede ist von den Bayreuther Festspielen. Richard Wagner erfreute sich der Gunst und des Geldes des Königs, der sich manchmal exklusiv ganze Opern von ihm aufführen ließ.

Der Lech durchfließt den Forggensee. Ein kleines Stück folgen wir dem Fluss, bis wir ihn schließlich überqueren (km 21). Die Stadt ist nicht weit, wir sehen das Hohe Schloss und den Kirchturm vom Kloster St. Mang. Nach einem kleinen Waldstück erreichen wir nun erneut den Forggensee und laufen kilometerweit an dessen Ufer entlang. Es ist einfach traumhaft schön: der See mit den kleinen, grünen Inseln, festgemachten Booten, das Festspielhaus am anderen Ufer, saftige Weiden, die Berge und, jetzt immer im Blickfeld, Schloss Neuschwanstein.

Ein Fahrgastschiff gibt laut Signal, Passagiere winken. Man kann’s kaum glauben, aber der Forggensee ist zwar wie alle anderen Seen im Voralpenland nach dem Abschmelzen der Gletscher entstanden, aber seit 1910 bei Roßhaupten aufgestaut und im Winter vollkommen trocken. Dann sieht man Grundrisse alter Häuser und Straßen. Sogar Reste der Via Claudia Augusta, eine der wichtigsten Römerstraßen, die den süddeutschen Raum mit Norditalien verband, sollen erkennbar sein.

Bei Waltershofen (km 26) ist die Anlegestelle und eine der zahlreichen Verpflegungsstationen. Die meist jungen Helferinnen und Helfer machen unermüdlich ihre Arbeit. Nein, Arbeit ist das nicht. Sie haben Spaß und freuen sich über jeden Becher Wasser, Iso oder Cola, den sie los werden. Es gibt auch Riegel und Obst. Und wer bei nur noch sporadischem Regen auch äußerlich Erfrischung braucht, für den liegen Schwämme bereit. Der Service ist perfekt. 

Wenig später verlassen wir den See und laufen Richtung Schwangau, die Berge und die kleine, barocke Colomanskirche (km 30) aus dem 17. Jahrhundert fest im Blick. Ich habe mir wieder einen kleinen Vorsprung herausgelaufen und kann eine Fotopause machen. Dafür gibt’s von der 4:45-Gruppe ´ne Welle.

Ich muss gleich wieder spurten, denn wir laufen jetzt direkt auf das Märchenschloss zu und ich verspreche mir weitere lohnende Motive. Einmal gelingt es mir sogar, beide Schlösser, Neuschwanstein und Hohenschwangau zusammen mit meinen Kumpels auf ein Bild zu kriegen. Vor lauter Begeisterung  vergesse ich ganz, dass ich bereits 35 km gelaufen bin und bei meinem letzten flachen Marathon da kräftemäßig längst am Ende war. Heute ist doch mein Tag. Meiner Begleitung sei’s gedankt.

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Informationen: Königsschlösser Marathon
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