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Laufberichte

Das gibt’s nur in Hamburg!

22.05.11
Autor: Joe Kelbel

Ach, was für eine Freude heute hier in Hamburg zu laufen. Mittwoch bin ich erst den Marathon an den Hamburger Teichwiesen gelaufen und jetzt geht es mir so gut. Ich danke diesen begeisterten Zuschauern.

Im östlichen Teil des Kleinen Grasbrooks liegt der Moldauhafen. Es wurde aufgrund des Versailler Vertrages für 99 Jahre an die Tschechoslowakei verpachtet, das als elbanliegendes Binnenland somit eine Exklave zu den Seehandelswegen besaß. Mit dem Erlöschen des Versailler Vertrages nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Pachtvertrag privatrechtliche Aspekte. Bis 2002 wurde der Hafen von der Tschechoslowakischen Elbe-Schifffahrtsgesellschaft genutzt. Der Pachtvertrag gilt noch bis 2028.Eine ähnliche Konstellation besteht auch in Stettin.

Im Tunnel am Hauptbahnhof machen wir Läufer uns selbst die Stimmung, der Schatten ist angenehm, km 14 ist geschafft als wir wieder ans Tageslicht kommen.

Vorbei an der Binnenalster. Das Objektiv der Kamera ist verschmiert, ich muss Zuschauer fragen ob sie mir die Linsen putzen können. Hahaha die glotzen mich an, als sei ich ein Außerirdischer und lachen laut, aber die haben wenigstens noch trockene Kleidung.

Der Alstersee entstand übrigens schon im 12.Jahrh. durch Stauung des Flusses zu einem Mühlenteich für eine riesige Kornmühle. Der Staudamm wurde später verbreitert, daraus wurde der Jungfernstieg. Der  Teich wurde erst im 17. Jahrhundert in Außen- und Binnenalster getrennt und zwar mit der Errichtung der Hamburger Wallanlagen (1616 - 1625), der Durchfluss der Alster erhielt eine Holzbrücke. Daraus entstand später die Lombardsbrücke und seit 1953 zusätzlich die Kennedybrücke.

Mir gelingt ein Blick auf das mächtige Verwaltungsgebäude der Hapag-Lloyd AG, sie entstand 1970  durch die Fusion der beiden traditionsreichen Reedereien Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt AG (HAPAG)  und dem Norddeutscher Lloyd (NDL) aus Bremen. Die HAPAG hat die  Auswanderer nach Amerika transportiert. Um die Auswanderer besser betreuen zu können, wurden 1900 die Auswandererhallen gebaut, dort mussten die Menschen 14 Tage in Quarantäne leben, bevor sie auf die Schiffe durften (Ballinstadt, Hamburger Elbinsel).

Es ist heiß. Kamera in meine Gürteltasche Matilda, Wasser über den Kopf, Kamera wieder raus und wieder trockene Zuschauer anquatschen. Immer wieder diese erstaunten Fragen, wie man denn so wahnsinnig sein könne, mit Kamera zu laufen.

Der neue Jungfernstieg blendet mit seinen weißen Fassaden und kupfergedeckten Dächern. Zahllose   Zuschauer bilden ein Spalier vor der kleinen Steigung hoch zur Kennedybrücke . Zum Glück wartet oben Martin, der mir einen Zipfel von seinem Hemd leihen muss. Von der Kennedybrücke hat man einen wunderbaren Blick auf die Außenalster mit den Segelbooten und nach rechts über die Lombardbrücke auf die Binnenalster mit der 60 Meter hohen Alsterfontaine, die verlockende Kühlung verspricht.

Meine Gedanken gehen zu dem Fernsehbericht von letzter Woche: Im Zweiten Weltkrieg wurde über die Binnenalster eine aus Holz bestehende Innenstadtkulisse simuliert. In der Außenalster befand sich  eine „falsche“ Lombardsbrücke als Attrappe, um die Bomberverbände zum Abwurf der Bomben in die Alster zu bewegen.

Doch wie weggeblasen ist die schmerzvolle Geschichte Hamburgs, als ich auf die Uferstrasse nach Norden einbiege. Es beginnt eine Marathonparty, die unvergleichlich ist.

Brechend volle Biergarnituren am Streckenrand. Glitzernde Segelboote und der Blick auf die Hamburger Skyline. Die Hamburger wissen, wo es schön ist. Und ich erliege der Versuchung, setze mich dazu und lasse fünfe gerade sein. Von den Biertischen habe ich eine gute Sicht auf meine Mitlstreiter. Einige sehen nicht so gut aus, andere sind aufgepeitscht von den Zuschauern.

Jörn sagt: „Die sind alle bekloppt, lass die laufen und trink noch einen.“„Genau! Hamburg ist viel zu schön um hier durchzuwetzen, gib mir bitte noch von den Käsespießen!“

Als ich wieder loslaufe, tut nichts weh. Ach, ist das schön. Ich laufe schnell, halte dabei aber kulinarische Ausschau. Grillwürsten und Brezeln, herrlich. Nein ich mag keinen Sekt, Bananen auch nicht! Hey, gute Musik hier! „ Mach mal ein Foto von uns, kriegst auch ein Bier!“

Wir laufen Richtung Uhlenhorst, was übersetzt tatsächlich Eulennest bedeutet. Der Name bezeichnete ein verlassenen Gehöft in der heutigen Marienstrasse, in dem Eulen hausten. Man wohnt also nicht in Uhlenhorst sondern auf der Uhlenhorst. Und hier hat jeder Verein, jeder Club und jede Hausgemeinschaft einen Stand aufgebaut. Riesige Fahnen und Schilder überall, sowas habe ich noch nicht erlebt.

 Da hat die Heimleitung doch ein ganzes Altersheim an die Strecke gekarrt. Es ist wirklich so, dass ganz Hamburg an der Strecke ist. Wie ein Jojo hole ich nun meine Mitstreiter immer wieder ein, setze mich erneut an einen Biertisch und erzähle von meinen Heldentaten. Jutta gibt mir eine Frikadelle mit viel Senf, Thomas ein  eiskaltes Bier, und gemeinsam brüllen wir aufs Läuferfeld.
Barmbek Nord, Alsterdorf, das erst 1803 von Dänemark abgetauscht wurde, überall Menschenmassen am Straßenrand. Ich konzentriere mich mehr auf die Zuschauer als auf die Strecke.

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Informationen: Haspa Marathon Hamburg
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