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Laufberichte

Nichts zu meckern

07.09.13

Gabi Gründling, Universalgenie und Ultraexpertin, moderiert in bewährter Weise den Lauf, begrüßt die Vorbeikommenden und stellt sie kurz vor.

Am Nachmittag verziehen sich die Wolken und es wird heiß. Ich sehne mich nach einer kühlen Erfrischung. Und da steht auch schon vor dem Verpflegungsstand eine Wanne mit Wasser und Schwämmen. Genau das Richtige für mich. Mütze rein und aufgesetzt, so macht mir die Hitze nichts aus.

Überhaupt geht es mir gut. Viele Lauffreunde sind heute hier. Auch Läufer, die mir bisher nur dem Namen nach bekannt sind, sind zum Schwätzchen aufgelegt. Ab der 10. Stunde laufen Norbert und ich zusammen. Mein Rücken schmerzt und daher muss ich alle paar hundert Meter gehen. Norbert macht einfach mit. Er hat bereits 80 km hinter sich und ich 70 km. Anja läuft in meinem Bereich. Bisher war ihr weitester Lauf 80 km überhaupt, so dass sie mit 100 km hier total zufrieden wäre. Tapfer kämpft sie Runde um Runde.

Gegen Abend gibt es Live-Musik. Eine Band intoniert Rockklassiker. Der Versorgungsbereich wird zum Open Air Konzert. Die Betreuer machen es sich an Tischen bequem, Kerzen sorgen für romantisches Licht. Wir Läufer haben ein perfektes Kontrastprogramm: die lärmige Konzert-Atmosphäre kontra der Stille im Fasanengarten.

Auf dem unbeleuchteten Stück der Strecke unter den Bäumen werden Lichter aufgestellt. Maya Lukas ist voll dabei. Unglaublich, was diese Frau heute leistet. In den ersten Stunden hat sie unermüdlich die Strecke inspiziert auf der Suche nach Schwachstellen bei der Markierung. Dann habe ich sie an der Verpflegungsstelle beim Teeausschenken gesehen. Jetzt ist sie mit der Beleuchtung beschäftigt. Später wird sie die Stromquellen der Lichter in Form einer Autobatterie in Kunststofftüten als Nässeschutz einpacken. Die Chefin scheint sich keine Minute Pause zu gönnen. Dabei hat sie immer in freundliches Wort für die Läufer als Aufmunterung parat.

Laufen in der Nacht geht erstaunlich gut. Schwierig sind nur Überholmanöver in den Kurven. Nicht nur bei mir sind die Bewegungen etwas unkoordiniert und so kommt es manchmal zu ungewollten Behinderungen. Trotzdem habe ich nur von einem Sturz gehört.

Um 22 Uhr wird der 12-Stundenlauf gestartet. Die 7 Männer und 2 Frauen stehen schon vorher bereit und feuern die Vorbeikommenden an. Dann ertönt ihr Startschuss und die frischen Athleten ergänzen das Feld.

Auch nach Mitternacht ist es immer noch warm und wir schwitzen ganz gehörig. Daher verzichte ich darauf, mich umzuziehen. Als wir uns gerade auf einem freien Stück befinden, sehen wir Wetterleuchten. Hoffentlich gibt das kein Gewitter. Ein fernes Grollen ist zu vernehmen. Die ersten Tropfen können uns noch nicht schrecken. Kurz bevor wir unser Auto erreichen, geht es dann richtig los. Es kübelt wie aus Eimern. In einem Sprint erreichen wir das Gebäude gegenüber unseres Parkplatzes. Dieses ist für uns offen und hat uns seither mit seiner Toilette gedient. Jetzt sitzen wir auf der Treppe und warten auf das Ende der Sintflut. Das kann ja nicht so lange dauern.

Nach einer halben Stunde scheint es besser zu werden. Mutig verlassen wir unser Domizil. Puh, ist das kalt geworden. Wir kommen keine 100 Meter weit, da schüttet es wieder. Schnell laufen wir zurück. Jetzt frieren wir. Im Auto wartet warme Wechselkleidung auf uns und so sprinten wir über die Straße.

Anja hatte sich nach vollendeten 100 Kilometer im Auto abgelegt. Wir erstatten kurz Bericht. Dann sind wir eingeschlafen. Vom rhythmischen tock-tock auf unserem Auto werde ich geweckt. Es ist 4 Uhr durch, Stunde 18. Ich sehe einige Läufer und hab das Gefühl, dass der Regen nachgelassen hat. Norbert lässt mir den Vortritt und so mache ich mich alleine wohlig eingepackt auf in eine neue Runde.

Anlaufen ist zunächst ein Problem, aber bald geht es wieder. Mir schmerzt das linke Knie und die rechte Achillessehne. Beim Überspringen der Pfützen ist das etwas hinderlich. Aber die Müdigkeit wird von der frischen Luft vertrieben und so macht mir das Laufen schnell wieder Spaß. Der Startbereich hat sich total verändert. Die Digitaluhr ist verschwunden, der Monitor abgebaut, alle Zelte sind dicht. An der Verpflegungsstelle herrscht Notversorgung, was bei den wenigen verbliebenen Läufern auch ausreichend ist.

Ich hole Norbert ab. Wir hoffen, dass bald die Sonne aufgeht. Leider verspätet sie sich heute und erst um 8 Uhr wird es richtig Tag. Ich kann jetzt nur noch gehen. Die Schmerzen in der Achillessehne sind unerträglich. Den meisten geht es ähnlich. Aber es ist ja nicht mehr lange.

Umso erstaunlicher finde ich, dass immer noch einige rennen. Wolfgang Schwerk, Inhaber des Deutschen Rekords von 276,2 km, gelaufen im Jahr 87, zieht unvermindert seine Kreise. Am Ende wird er mit phantastischen 219,6 km Gesamtzweiter. Roland Riedel, gerade erst vom Trans Gaule (1.200 km in 19 Tagen) zurück, läuft von Anfang bis Ende konstant schnell und wird mit 216,9 km zufriedener Dritter. Mit der besten aktuellen 24 h Stundenzeit von 237 km, gelaufen in Basel, ist Günter Marhold hier als Favorit angereist. Nach einem vorsichtigen Beginn, er will ja Ende September zum Spartathlon, beendete er das Rennen mit 229,5 km und wird verdient Deutscher Meister. 

Bei den Damen ist Antje Krause klare Favoritin. Trotz Magenproblemen war sie von Anfang an flott unterwegs. Mit 212,4 wird sie mit großem Abstand Deutsche Meisterin. Auch sie ist für den Sparthathlon gemeldet. Antje Schuhaj finisht ihren ersten 24 Stundenlauf überglücklich mit 203,7 km und wird Vize. 180,9 km reichen Anja Tegatz für die Bronzemedaille.

Die Strecke füllt sich. Unsere Anja ist auch wieder auf Achse. Mit 126,4 km wird sie unerwartet 4. in der starken W40 Klasse. Norbert spult die letzten 10 km auch flott herunter. Nachdem er zwischendurch nochmal eine Stunde pausieren musste, geht es wieder super. Er schafft seine angestrebten 150 km und wird ebenfalls 4. in seiner AK. Bei mir läuft nicht mehr viel. Ich kämpfe mich noch auf die 140 km und beende dann 20 Minuten vor Schluss das Rennen. Das reicht für den 3. Platz in meiner AK.

Nach dem Schlusssignal warten wir am Auto auf die Restmetervermessung. Natürlich ist wieder Maya dabei. Nach Duschen und Umziehen treffen sich alle auf dem Gelände des alten Stadions. Dort betreibt der AKK (Arbeitskreis Kultur und Kommunikation der Uni) ein Café. Die Getränke sind spottbillig und wir greifen gerne zu. Im Hof zum Stadion hin sind bereits Biertische aufgebaut. Es gibt Nudeln mit verschiedenen Soßen. Im Rahmen der Siegerehrung überreicht Harry Arndt, Ehrenpräsident und Gründer der Dt. Ultramarathonvereinigung, nach feierlichen Dankesworten einen riesigen Pokal an Maya und Jens Lukas für die gelungene Veranstaltung.

Nachdem alle Sieger geehrt sind, wird es Zeit zum Aufbruch. Wir sind fix und fertig - der Stolz über das Geleistete wird erst später kommen. Meinen Glückwunsch an Maya und Jens! Das war Spitze. Super organisiert, tolle Strecke, leckere und vielseitige Verpflegung - hier gibt es nichts zu meckern.

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Informationen: Deutsche Meisterschaft im 24h-Lauf (DUV)
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