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Laufberichte

Im Land der bleichen Berge

30.06.12
Autor: Klaus Duwe


Der Lauf

 

Der Domplatz (560 m) liegt im Schatten, es ist angenehm kühl, als es endlich auf die Strecke geht. Schattig ist es auch in den Altstadtgassen. In den Bars wird der erste Espresso des Tages genossen und man sieht etliche Zuschauer. Auch in der Bevölkerung wird der Lauf jetzt schon mehr wahrgenommen.  Links das Kreuztor,  Zugang zur Altstadt, dann die Hofburg. Beim Sportzentrum erreichen wir den Eisack und laufen auf dem bequemen Uferweg bis zur Widmann-Brücke, die uns ziemlich genau am Zusammenfluss von Eisack und Rienz über die Flüsse bringt.  Während der Eisack am Brenner seine Quelle hat, entspringt die Rienz am Fuß der Drei Zinnen.  Der Eisack mündet dann bei Bozen in die Etsch.

An der ersten Steigung lässt man sich nicht lumpen und läuft noch tapfer, dann ist aber hier hinten im Feld Gehen angesagt. Roland, ein Schweizer Urgestein, optisch ein Mittfünfziger, laut Pass aber 77jährig (!), rollt das Feld von hinten auf. Nach sage und schreibe 6:39 Stunden ist er im Ziel.

Ein ungemütlicher Weg führt durch ein kleines Waldstück, dann geht es über Wiesen unterhalb Mellaun (862 m) weiter. Dreihundert Höhenmeter sind bereits geschafft, schöne Blicke hinunter nach Brixen und ins Eisacktal sind der Lohn. 

Weitläufig geht es auf teilweise asphaltierter Straße weiter. Vor einem Bauernhaus sitzt der Senior und weist auf die geöffnete Kellertür, durch die man in einen dunklen und bestimmt sehr kühlen Raum blickt. Die Kantine sei geöffnet und der Grappa vorzüglich, sagt er. Aber er gewinnt keinen einzigen neuen Kunden an diesem frühen Morgen. Weiter oben, beim Schnagererhof (982 m, km 9), dagegen wird an der bereits dritten Getränkestelle eifrig zugegriffen. Gute zwei Kilometer später  ist man dann an der Talstation der Plosebahn (1067 m, km 11,4) in St. Andrä. Hier wechseln die Staffelläufer.

Auf dem Wanderweg 4 ist man in 4 ½ Stunden auf der Plose. Aber unsere Aufgabe ist es nicht, auf kürzestem Weg den Hausberg der Brixner zu erklimmen, sondern auf einer Distanz von 42,195 km. Deshalb weichen wir auch nach dem steilen Wiesenweg von der Wanderroute ab und nehmen die Forststraße ins Aferer Tal.

Im Wald sind die Temperaturen immer noch angenehm, manchmal weht sogar ein leichter Wind. Nein, kalt sei ihr nicht, sagt das Mädel an der Getränkestelle, dick in einen Kapuzenpulli gehüllt. Dann ist das gute Stück wohl neu und die Hübsche wird damit auch gleich abgelichtet.

Die meisten Wege beim Brixen Dolomiten Marathon sind nicht steil. Aber in meiner Leistungsklasse kann man sie halt trotzdem nicht laufen. Daher kommen die Zeitunterschiede zu manch anderem Berglauf.  Ab km 17 allerdings, wenn man oberhalb St. Jakob ins Aferer Tal kommt (1570 m), beginnen ca. 7 km purer Genusslauf mit kaum Höhendifferenz und nur harmlosen Steigungen.  Schade nur, dass die Berge, Peitlerkofel und Geisler, nur schemenhaft zu sehen sind.

Die Straße führt ostwärts zum Würzjoch (2003 m), einem kleine Pass zwischen Gadertal und Eisacktal mit kaum Verkehr, den vermutlich schon die Römer nutzten. In den kleinen Dörfern und Siedlungen des Tales leben gerade mal 600 Menschen, meist von der Landwirtschaft und vom Tourismus.  St. Georg (1504 m), den Hauptort, erreichen wir bei km 19.

Etwas oberhalb liegt Palmschoss, wo es einmal ein Lungensanatorium gab und in den 1960er und 70er Jahren einen Nato-Stützpunkt. Viel wichtiger ist aber heute noch, dass 1952 ausgerechnet  ein Weinhändler auf die Idee kam, das Wasser einer bereits viele Jahre vorher entdeckten Quelle untersuchen zu lassen. Wegen seiner Qualität und seiner hervorragenden Eigenschaften ist das Plose-Wasser noch heute ein Erfolgsprodukt und nicht nur in Südtirol weit verbreitet.

 
 

Informationen: Brixen Dolomiten Marathon
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