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Laufberichte

Marathon: Allgäu aus dem Bilderbuch

19.08.12
Autor: Klaus Duwe

1852 wurde als erstes Hotel in Allgäuer Alpen das Grüntenhaus errichtet. Heute zählt das Allgäu zu den beliebtesten Urlaubsregionen in Deutschland. Alleine hier im Oberallgäu leben 60 % der Bevölkerung direkt vom Tourismus. Sportliche Top-Ereignisse sind das Skifliegen in Oberstdorf und die Weltcup-Rennen am Ofterschwanger Horn. Der Anstieg dort hinauf ist heute die erste schwere Prüfung. Die Verpflegungsstelle bei der Weltcup-Hütte kommt gerade recht.  Nach Süden schaut man ins Allgäuer Hochalpental, nach Westen ins Gunzesrieder Tal, Ostertal und zur Nagelfluhkette, nach Norden ins Alpenvorland und nach Osten ins Illertal und zu den Sonnenköpfen. Mehr Allgäu geht nicht. Dazu Sonne pur. 

Auch wegetechnisch haben wir nach 8 Kilometer bereits alles hinter uns: Asphaltierte Straßen, Schotterpisten, Wiesentrails, wurzlige Waldpfade und steinige Steige, manche sogar mit Seilen gesichert. Aber keine Sorge, richtig gefährlich ist keiner der Wege. Auch für diejenigen nicht, die sich nicht für schwindelfrei halten.

Weiter geht’s zum Weiherkopf (km 12 - 1665 m), einem Aussichtsberg erster Güte, der einem aber beim finalen Anstieg kräftig Schweiß abfordert. Bequemer geht’s mit der nahegelegenen Hörnerbahn. Deshalb gibt es hier sogar ein paar Zuschauer. Einige lächeln mitleidig, andere klatschen und wieder andere bieten Dir an, Deinen Gipfelsieg auf den Chip zu bannen. Von mir aus.

Eher noch steiler als der Aufstieg ist der Abstieg. Vorsicht ist geboten, denn auf der staubtrockenen Schotterpiste kann es einem in den Serpentinen leicht „dabröseln“.   Ich spüre mein Knie. Aber nicht das lädierte, orangefarben getapte rechte, sondern das vermeintlich „gesunde“ linke. Soll ich vielleicht demnächst beiseitig ….

Beim Berghaus Schwaben, einem beliebten Ausflugsziel auf 1500 m Höhe, kommen wir auf einen asphaltierten Weg mit nur noch leichtem Gefälle. Eine Wohltat für Füße und Muskulatur, für einen Vollblut-Trailer eher ein Graus. Nach einem kurzen aber mächtigen Anstieg geht es nach der Getränkestelle unterhalb des Ochsenkopf aber wieder genussvoll und  alpin weiter. Saftig grüne Alp-Wiesen (sage hier ja keiner Almen), Berge, blauer Himmel, einfach paradiesisch.

Seit einiger Zeit laufe ich mit Heike und Hans Werner zusammen, m4y-Fans aus Brandenburgischen. Heike zeigt mir ihr Tape, gestern genau wie mir von Barbara und Andreas geklebt, das bei ihr aber von der Wade über den Oberschenkel vermutlich bis zur Hüfte reicht. Das Ergebnis ist das gleich wie bei mir: Null Problem! Die nächste Viehtränke kommt Heike wie gerufen. Dass das Wasser ziemlich dunkelbraun gefärbt ist, stört sie nicht: „Hauptsache nass und kalt!“

Über den Riedberger Sattel erreichen wir Grasgehren (km 18 – 1447 m), der einzigen Cut-off-Stelle auf der Marathonstrecke. 3:15 Stunden gibt man den Läufern Zeit. Viel Luft ist da für unsereiner nicht mehr. Hoffentlich lassen sich davon nicht viele Neulinge von einem Start abhalten. Denn ansonsten ist der Allgäu Panorama Marathon ideal geeignet, einmal Berg- und Trailrunning-Luft zu schnuppern. Auf der 42 km Strecke kommen zwar auch 1500 Höhenmeter zusammen, die müssen aber nicht „am Stück“ abgearbeitet werden, sondern verteilen sich mehrheitlich auf der ersten Streckenhälfte.  Kommt man zum Riedbergpass (km 19,5 – 1407 m), dem höchstgelegenen befahrbaren Gebirgspass in Deutschland, hat man schon deutlich mehr als halbe Laufzeit geschafft. Ungefähr bei der Halbdistanz zweigt die Strecke des Ultratrail rechts ab.

Bevor wir uns auf der bequemen Asphaltstraße ins Lochbachtal stürzen, nimmt Heike jetzt ein Sitzbad. Das bekommt ihr offenbar so gut, dass ich sie danach schnell aus den Augen verliere. Aber ich muss ja auch die herrlichen Silberdisteln am Wegrand fotografieren.  Die Wurzeln sollen gegen Grippe helfen und die Blütenböden wurden früher sogar ähnlich wie Artischocken zubereitet und gegessen. Deshalb nennen  die Hirten die Silberdistel auch Jägerbrot.

 
 

Informationen: Allgäu Panorama Marathon
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