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Laufberichte

Do kannsch laufa

12.05.18

Endlich mal wieder einen gemütlichen Hunderter. 3400 Höhenmeter sind ja eigentlich gut verteilt. So 20 Stunden, das müsste machbar sein. Aber die 11 Anstiege haben es in sich: deftig, knackig, steil. Da hat sich so mancher bei seiner angestrebten Zielzeit verrechnet. Und dann die Hitze - die hat mich total fertiggemacht. Aber es war so schöön...

Briefing am Freitag, es gibt die Startnummern und  - absolut genial: Maultaschen und Kartoffelsalat. Alle sind sie mehrfach am Tresen. Dazu richtigen Hopfentee und angeregte Gespräche und die Welt ist in Ordnung. Übernachten kann man u.a. in der Turnhalle im Erdgeschoß, die Nacht wird ja kurz, Start ist um 4 in der Früh.

Ein kleiner Bummel noch durch die Altstadt, ein paar Eindrücke sammeln, denn beim  Start wird  es zappenduster sein. Ein gutes und reichhaltiges Frühstück erleichtert uns das Aufstehen, pünktlich um 4 geht es los. Viel zu dunkel für Fotos, erst nach dem VP1 ist genügend Licht da. Aber in Günters Bericht kann man alles bei Tageslicht sehen.

 

 

Durch den Ort, etwas zickzack, dann hoch zum Ostlandkreuz. Im Dunkeln sieht man die Steigung nicht so deutlich, man spürt sie aber umso besser. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommt.

Man lernt schnell die Schilder zu deuten. Immer dem T- Symbol nach, auch wenn es auf die unwegsamsten Pfade weist. Das ist so gewollt. Nebenwege haben andere Symbole, immer aufpassen! Im Dämmerlicht quälen wir uns die Autalwasserfälle hoch, dann noch ein langes Stück bis zur Ave-Maria-Station. Rechts zweigt später der Halbtraum ab, wir halten uns geradeaus. Auf gutem Schotterweg zum nächsten Anstieg. Immer sind das so 200 hm am Stück und sausteil. Erst zehrt es, dann bremst es. Oben wird es schön, ein schmaler Trail durch den Wald.  Es ist angenehm kühl, der Untergrund trocken, nicht schwierig und der Blick über die Felskante ins Tal große Klasse.

Ein Abstecher zur Hiltenburgruine hoch, dort lauert ein Fotograf, der uns Helden in flagranti erwischen will. Bis Gosbach, dem VP2, läuft es wie von selbst, einfach perfekt. Richtig stärken mit Salz, Früchten, Wurst und Käse, denn der nächste Anstieg kommt bestimmt.

Unten im Ort muss man die B466 an der Ampel queren, dann kommt er, der Anstieg. 200 hm in der Direttissima auf Singletrails hoch. Stöcke helfen hier enorm. Übrigens auch bei jedem weitern Bergaufstück. Oben eine Kapelle, die bleibt links, der Waldweg führt uns zum Nachbartal, an der A8-Abfahrt Mühlhausen vorbei in den Ort und gleich wieder so einen Anstieg hoch. Also, wer sich diese Wege ausgedacht hat... will womöglich die Leute davon abhalten, in den Wald zu gehen. Steine, loses Geröll und sowas von steil - aber oben ein traumhafter Singletrail über die Höhen nach Wiesensteig. Halt, noch nicht ganz - erst nochmal 100 Meter hoch, in Serpentinen durch Felsenwald, sehr schön, aber kräftezehrend. Einen steilen Kreuzweg wieder runter, im Ort noch zum Residenzschloss und durch die schöne Altstadt hindurch. Zur Papiermühle mit VP3 sind es noch 2 km, dann haben wir einen Marathon in den Beinen.

Riesenüberraschung: die Schwaben können doch Hochdeutsch und sie können das Sauerlandlied! Da habe ich ja nun gar nicht mit gerechnet, also staunende Freude bei mir. Hier lohnt eine Pause. Ein weites, offenes Tal empfängt uns nun, entlang des kleinen Flusses Fils bis zu seiner Quelle. Übrigens- letzte Chance zum Abkühlen mit kaltem Wasser, ab hier kommt nix mehr. Wunderbare Natur – und diese Stille. Wanderer sind unterwegs, treten beiseite, feuern uns an. Viele fragen auch nach dem Lauf und sind dann völlig platt, als wir ihn erläutern: den Albtraufgänger in 24 Stunden einmal rum. Einfach unvorstellbar!

Und natürlich wieder hoch, diesmal gut 160 hm. Im Wald wird es allmählich auch warm, Lorenz brennt ordentlich. Immerhin gibt es Schatten. Die Forstwege sind ausgezeichnet, man könnte gut laufen, Kraft und Puste vorausgesetzt. Beides wird allmählich knapp bei mir. Oben ein Parkplatz, eine Straßenquerung, und dann das Highlight: die Burg Reußenstein. Auf einer Felsnadel gelegen, viel besucht. Total idyllisch. Felskletterer ruhen sich aus, gleich geht‘s wieder runter. Für uns geht‘s an der Albkante weiter. Im Wald, auf schmalen Pfaden, eine kurze Schleife über die Graswiesen und flott wieder in den Schatten. VP4 lockt.

 

 

Eckhöfe, große Pause. Bis zum cut-off ist noch viel Zeit, also mal 10 Minuten ausgespannt. Schließlich muss man doch weiter, natürlich berghoch.  Der Berg heißt Boßler und ist der höchste Punkt der Strecke mit 800 m. In steilen Serpentinen, auf Singletrails zwischen Wanderern und ihren Dackeln runter zum Deutschen Haus, einer Gaststätte; dran vorbei, in den Wald zurück und entlang der A8 (starkes Hintergrundrauschen). Die hat dort einen kleinen Tunnel. Wir laufen auf der alten Trasse der A8. Gluthitze hier, der helle Schotter gleißt von unten und die riesigen Stützwände glühen von der Seite. Es geht zwar bergab, aber an Laufen ist überhaupt nicht zu denken. So geht das bis in den Ort Aichelberg. Aber schon am ersten Haus nach rechts, steil, steil hoch auf den Berg. Natürlich, bloß nichts auslassen, ist ja immerhin ein alter Vulkan und heute ein Geodenkmal. Wir müssen fast über den Gipfel, tauchen aber bald in den Schatten des Waldes ein. Erst ein flotter Trail, dann ein sonnendurchglühter Feldweg, zum Schluss noch etwas Wald und schon sind wir in Eckwälden. Km 66 und Dropbagstation, Zeit für eine Runderneuerung.

Bad Boll, hier kann man kuren. Die Wege sind auf einmal eher flach und in gutem Zustand, es gibt Holzbrücken, Tempelchen, Lehrpfade und Obstplantagen. Man kann viel lernen hier: über Obstsorten, Schwäbische Mundart, Lebensweisheiten. Dazu mussß man nur die Schilder mit Verstand lesen. Meiner ist irgendwie abgeschaltet, läuft auf Notstrom. Das Bild einer Eisdiele schwebt vor mir, ich weiß gar nicht, warum. Zitrone- Himbeer- lechz-lechz. Beim Betreten der kleinen Ausläufer von Gammelshausen materialisiert sich da leider gar nix, also ganz fix wieder hoch in die Berge. Im Schatten ist es toll. Ich laufe tatsächlich wieder -  und fast an der Abzweigung vorbei. Das passiert ganz schnell. Die Schilder sind eben für bedächtige Wanderer angelegt und nicht für Läufer in der Tiefenmeditation. Aber der Trail hier entschädigt für alles. Ganz toll.

Bis kurz vor Fuchseck, dann kommen mal flott wieder 120 hm. 78 km sind erreicht. Aber nun ist Ende bei mir,  eine Bank kommt mir gerade recht. Prächtiger Blick auf die Vulkankegel vom Alb-Marathon im Herbst. Ich pfeife auf dem letzten Loch. Für die nächsten 2 km bergab auf schönem, einfachem Schotterweg brauche ich eine halbe Stunde! Bergab! Unten liegt VP6, meine Rettung. Ich habe fertig. Essen und Trinken klappt nicht, ich kriege nichts runter. Auch nicht nach einer halben Stunde Pause. Also: Schluss mit dem Vergnügen, rechtzeitig, bevor es noch ernst wird. Ab dem nächsten VP setzt ja auch Günters Bericht wieder ein, dem aufmerksamen Leser bleiben also nur die nächsten 10 km verborgen. Zumindest bis 2019, denn dann tretet ihr hoffentlich hier an! Alle! Denn das ist richtig Extraklasse hier!

Fazit

Von Läufern für Läufer, das merkt man sofort. Alle Details sind berücksichtigt. Von der Anmeldung bis zur Siegerehrung, alles läuft rund. Und natürlich der Benefiz-Gedanke: die Einnahmen werden samt und sonders gespendet, die Versorgung wurde von Sponsoren übernommen. Man fühlt sich so richtig gut dabei. Und damit man auch ins Ziel kommt: gute Trailschuhe, Stöcke, die Pflichtausrüstung- es könnte ja auch mal regnen... Moderne Technik erlaubt die live-Verfolgung der Läufer, der große Bildschirm war immer umlagert. Eins noch, was im Ländle selbstverständlich ist, den Zugereisten aber entgehen könnte: FSME-Impfschutz prüfen!!! Man befindet sich in einer Zeckenregion mit hohem Infektionsrisiko, die Impfung hält nur 3 Jahre vor.

Also, in 2019 zur zweiten Auflage, hier kannscht laufa, aber wie!

Den erwähnten Laufbericht
von Günter Kromer findet ihr hier.

 

Informationen: Alb-Traum 100
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