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Laufberichte

100 km del Sahara - Abschied von der Normalität

19.03.10

4. Tag: Mittwoch, 10. März 2010 •2. Etappe von Camp Bibene bis Bir el Ghif (ca. 16 km)

Tagsüber ist es zwischen 22 und 31 Grad warm, nachts fällt die Temperatur empfindlich ab. Und dann steht man einfach auf und bewegt sich ein bisschen und wartet bis zum Frühstück, schluckt seine Salztabletten, packt die Tasche und wartet auf den Start um 10:30 Uhr.

Jeder nimmt sich heute vor, es ruhig angehen zu lassen und dies als entspannende Etappe vor dem morgigen Marathon zu nutzen. 16 km, das sollte ja wohl kein Problem darstellen. Der Startschuss fällt und alles rennt los – und wir natürlich mit. Es geht gleich wieder die Dünen hoch und runter, der Sand wird mit jedem Schritt weicher. Die Füße werden heiß. An der Getränkestation laufen wir vorbei, das Wasser in den Rucksäcken reicht für diese kurze Etappe. Wir überholen die Dromedare, die unsere Walkergruppe begleitete und die Nachhut bildete, dann überholten wir die Walker. Diese waren immer gut drauf und bejubeln jeden, der an ihnen vorbeikam. Die Kilometer verflogen, wie schön, wenn man dann aus der Ferne das Lager und das aufblasbare Marathontor sah.

Im Ziel gab es immer frische, saftige Orangen – wie gut die nach so einem Lauf und dann noch in der Wüste schmeckten, das muss man selbst erlebt haben. Es war angenehm warm und wir wollten uns eilen, unter die „Dusche“ zu kommen.  Wie verbrachten wir den Rest der Zeit? Mit fotografieren und Fußpflege. Gegen 14:00 Uhr gab es Mittagessen. Zu jeder Mahlzeit wurden Nudeln oder Reis gereicht. Wir waren müde, wollten uns aber nicht hinlegen, da wir bedenken hatten, wir könnten dann die Nacht nicht durchschlafen. Also hielten wir uns mit Gewalt wach. Wir richteten unsere Rucksäcke und Laufsachen für den morgigen Marathon – bloß nichts vergessen – sehr groß war der Respekt vor der vor uns liegenden Etappe.

Ein weitere Herausforderung waren die immer mehr und größer werdenden Blasen an den Füssen. Diese sollten zu keiner Zeit unterschätzt werden. Wir trugen zum Glück Gamaschen über den Schuhen, um den Sand herauszuhalten; aber die Füße fingen dennoch an zu schwitzen. Kay jedoch hatte mehr Glück als ich und kam ohne eine einzige Blase durch das gesamte Rennen. Im Lager war ein Sanitätszelt aufgebaut und das Haupttagesgeschäft der Ärzte war die Behandlung von Blasen. Blasen können so schmerzhaft werden, dass sie einen zwingen, das Rennen abzubrechen. Ich wollte nicht dazugehören. Daher nahm ich mir nach jedem Rennen sehr viel Zeit für die eigene Fußpflege. Ich habe die Blasen aufstechen müssen um etwas Druck abzulassen, anschließend noch etwas Fußpuder darauf. Der Rest des Tages lief ich nur noch mit Flip-Flops durch das Lager, damit genügend Luft an die Füße kommt - egal wie kalt diese im Laufe des Abends wurden.

5.Tag: Donnerstag, 11. März 2010 •3. Etappe von Bir el Ghif nach Bir Lectaya- der Marathon (42 km)

Die Läufer wurden auf Basis der Ergebnislisten der Vortage in 3 Startgruppen aufgeteilt; die Langsamsten starten als erste Gruppe.

•Start der 1. Gruppe um 8.30 Uhr
•Start der 2. Gruppe um 9.30 Uhr
•Start der 3. Gruppe um 10.30 Uhr
•Die Walker starten um 9.30 Uhr auf etwa der Hälfte der Strecke

Die Nacht war grausam. Es war die schlimmste Nacht der ganzen Woche und das vor dem Marathon. Ich wollte am liebsten gar nicht an den Start. Wir konnten kein Auge zumachen, dafür schliefen andere in unserem Zelt umso besser und rodeten Österreichs Wälder nieder.

70 Läufer starteten in der 1. Gruppe um 8:30 Uhr, dies war auch unsere Gruppe und wir waren froh so früh starten zu können. Unsere Strategie, diese heutige Etappe zu meistern, unterschied sich kaum von der eine 10-km Trainingsstrecke zu bewältigen. Wir würden lediglich einen Fuß vor den anderen setzen - und nicht anhalten, bis wir die Ziellinie überquerten - hoffentlich. Die Zeit scheint in endloser Ferne zu liegen. Kay und ich sind ein tolles Team. Kay läuft mein Tempo, gibt mir im richtigen Moment meine Ride-Shots und spornt mich an, wenn ich mich gerade mal wieder hängen lassen will. Er machte Fotos während des Laufens.

Wir suchten uns den besten Untergrund zum Laufen. Die Streckenführung ließ zum Glück individuelle Vorlieben zu, wir durften nur die Markierungsfahnen nicht aus den Augen verlieren. Ständig mussten wir über Sträucher springen oder in den Dünen herum klettern. Die Füße schmerzten unter dem heißen Sand. Bergab waren die Schmerzen am schlimmsten, da meine Füße nach vorne rutschten und meine Zehen gegen die Vorderseiten der Schuhe pressten. Unsere Trailschuhe haben wir zum Glück zwei Nummern größer gekauft, denn meine Füße schwellen bei der Hitze in ungeahnte Dimensionen an.

Die Temperatur ist heute deutlich höher als die letzten Tage. Entlang dieser Naturkulisse begegnen uns Kamele sowie Gruppen, die die Wüste auf Motorrädern oder in Geländewagen durchqueren. Einige bieten uns etwas zu trinken an, andere Winken uns zu und sind so begeistert von uns Wüstenläufern, dass sie uns fotografieren wollen.

 
 

 

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