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Laufberichte

Neuland

 

Ein neuer Lauf für mich und eine neue Region: Es geht in den Harz. Das Mittelgebirge ist immer noch ein weißer Fleck auf meiner Marathonlandkarte und es wird Zeit, da ein Fähnchen zu stecken. Der 10 Teiche Marathon in Hahnenklee, zwischen Goslar und Clausthal-Zellerfeld gelegen, findet schon zum sechsten Mal statt. Die Strecke sei schön, aber nicht ganz leicht und die Veranstaltung sei geprägt von familiären Atmosphäre, habe ich mir sagen lassen. Dann schau ich mir das mal an.

Wir fahren per Bahn schon am Tag zuvor nach Goslar, eine Stadt mit gut 50000 Einwohnern, die man unbedingt besuchen sollte. Denn die Altstadt Goslar zählt mit dem ehemaligen Erzbergwerk Rammelsberg und der Oberharzer Wasserwirtschaft zu den Weltkulturerbestätten der UNESCO. Es trifft sich gut, dass just an diesem Wochenende auch das Altstadtfest in Goslar stattfindet.

Ausgeschrieben sind der Einsteiger-Marathon mit 11,5 Kilometer, der Halbmarathon und der Marathon. Da läufst du über 42,24 Kilometer (steht so wirklich in der Ausschreibung) und 685 Höhenmeter. Somit wartet ein welliger Kurs, der sich mit einem Mittelgebirgsmarathon wie am Kyffhäuser, im Fichtelgebirge oder am Rothaarsteig gut vergleichen mag. Wir haben einen Rundkurs zweimal zu laufen und einen „Wurmfortsatz“ mit ein paar Kilometer zum Schluss. Medaillen gibt es für alle Finisher, die Versorgung ist wie üblich und die ersten drei aller Wettbewerbe erhalten Pokale.

25 EUR verlangt man für den langen Kanten, bei einer Nachmeldung kommen noch 2,50 EUR hinzu, ein günstiges Angebot in meinen Augen. Eine Anmeldung am Lauftag selbst ist laut Ausschreibung nicht möglich, da sollte man dann den Veranstalter kontaktieren. Die Zeitmessung ist professionell mittels Chip im Schuh. Ach ja, der Start und die Ausgabe der Unterlagen sind im Umfeld der Jugendherberge (da kann man auch duschen) und das Ziel ist in der Ortsmitte Hahnenklee (etwa zwei Kilometer vom Start entfernt), ein Rücktransport mittels Shuttle ist sichergestellt. Wer länger als sechs Stunden für den Marathon braucht, kann nach Rücksprache mit dem Veranstalter früher starten.

 

 

Am nächsten Tag schaue ich vor dem Frühstück aus dem Fenster und stelle fest, dass die Bewölkung vom Vorabend einem klaren Himmel gewichen ist mit ersten Sonnenstrahlen. Nur ein wenig frisch ist es draußen, so rund zehn Grad. Bevor das Frühstückbuffet geplündert wird, schauen wir im Nebengebäude der Jugendherberge vorbei, denn dort können die Unterlagen nebst Chip und einigen Prospekten mitgenommen werden. Ich sehe auch die vorgesehenen Hinweisschilder mit den verschiedenen Farben für die Strecken, wir halten uns an die roten Pfeile. Daneben ist der Streckenplan zu sehen, ein recht verschlungener Kurs an den zehn Teichen vorbei und das 2,5 Runden. Ich werde die Strecke schon finden, zumal noch einige Posten an markanten Stellen aufpassen werden. Ja, und dann sehe ich nach  dem Frühstück einen alten Freund, den Bodo mit seiner Ute, der Frau mit dem Hut. Etwa 15 Minuten vor dem Start um 10.00 Uhr (für die Marathonis und Einsteiger) gehen wir ein paar Meter von der Jugendherberge hinunter auf einem Sportplatz, wo sich schon viele Läufer versammelt haben.

Kurz vor dem Start gibt der Ortsbürgermeister Heinrich Wilgenbus letzte Hinweise und empfiehlt mir gleich seinen „Boss“, Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk, der heuer den Halbmarathon mitlaufen wird. Der ist hocherfreut, dass jemand aus Oberbayern zum Wochenendurlaub hergekommen ist. In den Vorjahren, so wird mir berichtet, hat der Herr OB schon beim Einsteigerlauf und beim Halbmarathon mitgemacht, seine letztjährige Zeit von 2.03 Stunden für einen Bürgermeister mit einer begrenzten Trainingszeit ist als Ergebnis gar nicht mal so schlecht. Na, Herr OB, wie wäre es einmal mit der Volldistanz?

Kurz vor 10.00 Uhr werden wir an die Startlinie gebeten, keiner will sich ganz vorne hinstellen. Eine Gruppe von vier, fünf Leuten machen noch ein Teambild, während schon heruntergezählt wird. Dann haut uns ein Schuss aus der Startpistole pünktlich auf die Strecke. Auf geht’s.

Hahnenklee-Bockswiese ist ein Stadtteil von Goslar, aber der Ort hat zwei räumlich voneinander getrennte Teile. Der kleinere davon ist Bockswiese und liegt unweit der Bundesstraße 241, rund 15 Kilometer südlich von Goslar auf einem Hochplateau im Oberharz.

 

 

Wir starten über die Wiese, dann erreichen wir nach ein paar Hundert Metern über den Grabenweg schon das erste Gewässer, den Unteren Flößteich. Sehr aufmerksam ist es von Heinz Schrader und seinen Sportfreunden, dass hier schon der erste Teich mit einem Hinweisschild angekündigt wird. Und ein weiteres Hinweisschild zeigt uns die schon zurückgelegte Distanz zusätzlich an.

Es geht Schlag auf Schlag. Fast im Minutentakt laufen wir nun an den schier kaskadenförmig angelegten Oberen Flößteich, Mittleren Grumbacher Teich, Oberen Grumbacher Teich und Neuen Grumbacher Teich vorbei. Die Tendenz geht natürlich nach oben.  Am Dammfuß der jeweiligen Teiche warten mitunter kurze Stiche, die uns auf die Dammkrone bringen. Erste Läufer gehen (jetzt) schon. Der Grumbach, ein 8,4 Kilometer langer Nebenfluss der Innerste, entspringt unweit beim Auerhahn und entwässert über diese Teiche in Richtung Westen.

Alle Teiche sind Bestandteil des Oberharzer Wasserregals, das zu Zeiten des Bergbaus (16. bis 19. Jahrhundert) Wasserräder antrieb und damit Energie erzeugte. 1978 wurden diese Anlagen als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz gestellt und 2010 wurden diese auch dem UNESCO-Welterbe Komitee vorgestellt. Der Auerhahnteich ist der höchste der Wasseranlagen. Dort müssen wir einen elend steilen Stich hoch zu einer guten Forststrasse, wo ein kurzes Wendepunktstück (etwa 200 Meter) zu belaufen ist. Am Wendepunkt werden die Startnummern notiert, wir können auch etwas trinken. Ich wende und sehe viele Läufer auf der anderen Seite vom Auerhahnteich hochkommen.

 

 

Wir können nun für etwa zwei Kilometer Fahrt aufnehmen, die Strecke verläuft ziemlich flach. Dabei umrunden wir den Bocksberg (726 Meter) fast zur Hälfte. Die Aussicht da oben muss gigantisch sein. Man soll den Brocken sehen und bis in die Norddeutsche Tiefebene blicken können. Später werden wir an der Talstation der Bocksberg-Seilbahn vorbeikommen, die Urlauber von Hahnenklee auf den Berg transportiert. Zuvor streifen wir den Than Teich und laufen über dessen Staumauer an Hahnenklee heran. Wir bleiben noch am Waldrand und rennen dann durch den Pfarrhof zur Gustav-Adolf-Stabkirche. Hier haben sich einige Urlauber und Fans der Läufer eingefunden. Das Gotteshaus wurde 1907 erbaut. Stabkirchen sind aus Holz errichtet, in Skandinavien findet man davon viele. Diese hier ist ein Nachbau der Stabkirche in Borgund (Norwegen). Hier finden auch Konzerte, Lesungen und Workshops statt.

Am Waldrand geht es den Idiotenhügel hinunter. Nein, der heißt nicht so, ich nenne ihn so, weil da ein Babyschlepplift hochgeht. Wir rennen wieder in den Ort hinein, fast direkt zur Talstation der Seilbahn, dann höre ich schon die Moderation am Ziel. 43 Minuten habe ich für 6,6 Kilometer benötigt. Na bravo, berauschend ist das Tempo nicht. Die ersten des Einsteigerlaufes kommen schon ins Ziel. Ich verpflege und nehme auch schon mal ein alkoholfreies Bier. Zunächst, denn ein „Gescheites“ hat man auch auf Lager. Beim nächsten Mal, sage ich den Helfern, langt der Bayer richtig zu.

Die Strecke führt nun mitten durch den Kurort. Die Parkstraße am Kurhaus wird von Floriansjüngern abgesperrt. An einem großen Plakat erkenne ich, dass gerade die HarzerWanderWochen angefangen haben, unser Lauf zählt als Auftaktveranstaltung auch dazu. Kurz tangieren wir den Kurpark mit dem Kleinen und Großen Kranicher Teich. Am Ende des zweiten Teiches stehen zwei Helfer, die hier genug zu tun bekommen, denn unsere Strecke kreuzt sich. Der Kuttelbacher Teich, am Ende des Kurparks, ist der zehnte Teich, er diente in der Vergangenheit auch dem Bergbau. Das Waldseebad ist jetzt verwaist. Zum Baden wird das Wasser wohl schon zu kalt sein.

Wir verlassen den Teich und biegen an einer Stelle, die sich Gottlob nennt, rechts ab. Ein zweiter Kreuzungspunkt kommt dann nach wenigen Metern, unsere Startnummern werden notiert und der Autor erbettelt sich beim Helfer einen Schluck von seinem Bier. Jetzt können wir es wieder rollen lassen.  Auf einem längeren Stück geht es zwar anfangs bergauf, doch beim Ferienpark Hahnenklee nehmen die Steigungsprozente deutlich ab, die Strecke fällt sogar leicht. Nur ein paar Leute sehe ich vor den riesigen Wohnblöcken spazieren. Wie überall muss man auch hier um Touristen kämpfen. Mittlerweile hat die Spitze des Halbmarathonlaufes die 15minütige Verspätung auf unseren Start egalisiert, die ersten kommen, aber deren Feld ist auch schon weit auseinandergezogen.

 

 

Die etwa sechs Kilometer lange Schleife endet schließlich wieder am Kreuzungspunkt, wo ich verpflege. Auf einem Grasweg erreichen wir den Waldrand und gleich danach den Großen Kranichteich, wo die beiden älteren Helfer jeden Sportler anfeuern. Wir laufen auf der Dammkrone und sehen ein paar Meter im Teich das sogenannte Striegelhaus, in dem der Wasserabfluss mittels Absperrschieber geregelt werden kann.

Gleich danach helfen uns Feuerwehrleute über die Parkstraße. Nach einem nur kurzen Wegstück im Wald erreichen wir wieder Bockswiese, wo wir über die Dammkrone des Unteren Flößteichs laufen. Nicht nur hier, sondern auch an vielen Stellen sehen wir Hinweisschilder mit Informationen zum früheren Bergbau. So auch über den Pißtaler Wasserlauf. Kein Scherz, der Name stimmt. Dann führen uns ein paar Treppen und ein 50 Meter langer und steiler Asphaltweg hoch zur Jugendherberge, wo wir ausgiebig verpflegen können. Bananen, Cola, Schokolade und Kuchen stehen für die hungrigen Läufer bereit. Ich nehme mir ein paar Bissen, trinke und dann trabe ich weiter hinunter zum Startplatz, wo wir erneut unter dem Starttransparent durchlaufen. Eine Runde ist geschafft, 18 Kilometer liegen hinter uns.

Runde zwei trete ich nach knapp zwei Stunden an. Bis zum Mittleren Grumbacher Teich ist noch „Leben“ auf dem Kurs, dann biegen die Halbmarathonis auf ihre letzte Schleife ab, ich bin alleine. Bisher konnte ich an der Ausschilderung nichts bemängeln. Zwar ist eine Stelle etwas unübersichtlich, doch das habe ich mir auf der ersten Runde gemerkt. Ruhig lege ich den Teil bis zur Talstation zurück.

 

 

Am Ziel herrscht nun Hochbetrieb, die Halbmarathonis kommen herein, darunter ist auch der Herr OB Oliver Junk. Ich denke, er ist mit seiner Zeit von 2.09 Stunden zufrieden. Gut gemacht, nicht nur in der Politik braucht man einen langen Atem. Diesmal greife ich beim Bier und beim Kuchen gescheit zu. Und dann mache ich mich wieder auf die Socken. In der Ortsmitte sind nun die Freiplätze am Kachelofen besetzt. So heißt ein Café in der Nähe des Kurhauses.

So langsam komme ich in Fahrt, denn ich überhole immer wieder einzelne Marathonis. Körner gut eingeteilt? Es scheint so, denn auch der Bodo muss auf der Waldschleife dran glauben. Noch gut sechs Kilometer liegen vor mir, als ich die Tankstelle an der Jugendherberge zum zweiten Mal verlasse. Es wird nichts mehr anbrennen. Ich muss zwar an den üblen Steigungen nochmals gehen und alle Konzentration auf die Holperstrecke vor dem Wendepunkt legen, doch dann  schwinden, den vielen Hinweisschildern folgend, die Restkilometer rasch. Ich dachte, unter 4:30 Stunden finishen zu können, doch die schwierigen ersten Kilometer haben mehr Zeit gekostet. Nach 4.34 Stunden laufe ich durchs Ziel und platziere mich im Gesamteinlauf auf Rang 24. Ich bin zufrieden.

 

 

Über die Zielverpflegung kann man nicht meckern. Zuerst nehme ich etwas gegen den Durst (Bier), dann Kuchen und Fleischpflanzerl (für Nichtbayern: Buletten, Frikadellen) gegen den Hunger. Die Medaille wird gegen Abgabe des Chips überreicht. Leicht lädiert kommt ein paar Minuten später Heike ins Ziel, sie musste drei Kilometer vor dem Finish noch eine „Bodenuntersuchung“ vornehmen, obwohl sie das gar nicht wollte. Ohne Sturz wäre für Heike der Gesamtrang drei bei den Frauen noch in Schlagweite gewesen.


Mein Fazit:

Überzeugt hat die gut durchdachte organisatorische Konzeption der Veranstaltung, die Freundlichkeit der Helfer sowie die kurzweilige Streckenführung gleich mehrfach vorbei an den zehn Teichen. Toll, wie wir im Ziel empfangen wurden und uns sogar eine Massage angeboten wurde. Angenehm ist auch, dass wir wieder zum Start gefahren wurden. Ich verstehe nur nicht, warum so wenige Läufer hier teilnehmen. Die Strecke und die Organisation verträgt ein Vielfaches. Immerhin ist die Finisherzahl im Vergleich zu 2018 von 161 auf 247 gestiegen. Ich wünsche der Sportgemeinde Hahnenklee-Bockswiese mit seinem umtriebigen Vorsitzenden Heinz Schrader und den vielen Helfern, dass der Trend anhält.

 

Ergebnisse Marathon
Männer:

1.    Jörn Krafzik, TCFIKO Rostock, 3.19.00
2.    Alexander Stehr, Goslar, 3.31.11
3.    Alexander Gäbler, LC Auensee Leipzig, 3.47.52

Frauen:
1.    Rebekka Baldauf, Die Schildkröten/Laufen gegen Leiden, 3.51.46
2.    Katrin Neugebauer, Laufschule Lauenhagen, 4.17.23
3.    Antje Schönknecht, LC Hämelerwald, 4.32.29

65 Finisher

 

Informationen: 10 Teiche Marathon
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