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Eine schlaflose Nacht …

 

…. ist der Night 52 im malerischen Bretten schon immer wert. Bereits zum 7. Mal lädt der TV 1849 Bretten e.V. zur nächtlichen Runde über die schönen Kraichgauhügel. Und diese haben es in sich, denn  die positiven Höhenmeter addieren sich laut Veranstalter auf ca. 900. Meine persönliche Messung vermeldet am Ende 831 HM bei 52,18 km. Bereits zum dritten Mal hintereinander folge ich gerne der Einladung und unterstelle dieser tollen Veranstaltung ein gewisses Suchtpotential.

Um das Wochenende genießen zu können, reise ich bereits mittags an und checke in einem der kleinen Hotels in Bretten ein. Der  Night 52 ist integriert in den Sparkassen Kraichgau City Cup, welcher mit insgesamt über 1000 Startern auf verschiedenen Distanzen von 800 – 10000 m die meisten Teilnehmer stellt. Aufgrund der noch überschaubaren Starterzahl von vorgemeldeten ca. 120 Läufer/innen gibt es kein Problem,  ein Zimmer zu finden. In den ersten Jahren wurden nur 52 Starter zugelassen, inzwischen hat man Erfahrung und Potential für mehr.

Ein Rundgang durch die Melanchthon-Stadt mir ihren Sehenswürdigkeiten ist empfehlenswert. Noch letztes Jahr schickte man das Läuferfeld erst einmal 2 km kreuz und quer durch die Altstadt, damit addierte sich die Distanz allerdings eher zu einer Night54. Also zeigte man sich einsichtig und verkürzte hier die Strecke, was dieses Jahr zu weniger Sightseeing in Bretten, dafür mehr erlaufene Natur um Bretten führte.

 

 
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Die Stadt Bretten ist geprägt durch ihren berühmten Sohn Philipp Melanchton, welcher 1497 hier geboren wurde. Der Philosoph, Humanist und lutherische Theologe wirkte in Wittenberg, wo er nach seinem Tod 1560 an der Seite seines Mitstreiters Martin Luther in der Schlosskirche seine letzte Ruhestätte fand. Auffallend ist das beeindruckende rote Sandsteingebäude, das das Melanchton-Museum beherbergt und an der Stelle errichtet wurde, an dem sein Geburtshaus stand. Dieses wurde, wie viele Gebäude in Bretten, bei einem großen Stadtbrand 1689 während des Pfälzer Erbfolgekrieges zerstört. Im Rahmen des Reformationsjahrs findet in Bretten die Ausstellung „Dialog.Disput.“ des Künstlers Thomas Rebel statt. Die involvierten Gebäude sind mit Bannern verhüllt und bieten mit 3000 qm eine gigantische Ausstellungsfläche.

Ab 15:30 Uhr beginnt im Bereich der Withum Anlage die Ausgabe der Startunterlagen. Die Straßen werden gesperrt und der Start/Ziel Bereich aufgebaut. Die Kinder und Jugendläufe starten ab 16:45, um 17:45 sind die Ultras dran. Uns folgen noch um 18 Uhr die 5 km und um 19 Uhr die 10 km Rennen. Im Stadion ist von Kaffee und Kuchen, Gerilltem und Gezapften alles zu haben. Besondere Erwähnung gebührt der Live Musik, welche bis 0:00 Uhr für Unterhaltung und Volksfeststimmung sorgt. Leider komme ich wieder zu spät ins Ziel und sehe nur noch, wie das Schlagzeug abgebaut wird. Doch bis dahin vergeht noch viel Zeit …..

Die Ultra Läufer werden um 16:45 zur Wettkampfbesprechung in die Turnhalle gebeten. Jeder hat einen Starterbeutel bekommen, der als Kleiderbeutel verwendet werden kann. Energieriegel, Traubenzucker, Startnummernband und das Finisher Shirt sind enthalten. Ebenso ein Streckenplan mit den Notrufnummern der Veranstalter. Shuttle für Aussteiger werden unterwegs sein.  Hier lässt sich auch, wenn gewünscht, die Eigenverpflegung deponieren. 

 

 
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Eine kurze Streckenbeschreibung folgt mit dem Hinweis,  dass die Straßen nicht abgesperrt sind und dementsprechend der Hinweis auf Aufmerksamkeit und Rücksichtsnahme. Sechs Verpflegungspunkte sind eingerichtet, beim größten Abstand gilt es einmal 10,3 km zu überwinden. Zusätzlich pendeln Radbegleiter zwischen den Läufern und kümmern sich um Versorgung und Hilfe (danke, Oli!).

Gleich zwei Moderatoren „verkürzen“  die Zeit bis zum Start mit Interviews mit den Schnellsten der letzten Jahre und Startern, die alle sieben Mal dabei waren. Ein kurzes Grußwort vom Bürgermeister und pünktlich um 17:45 schickt uns der Startschuss ins Rennen, das  noch  4,5 Stunden bei Tageslicht verlaufen wird. Die Schnellsten werden wohl kaum ihre Lampen benötigen. Alle anderen schon, denn die letzen Abschnitte in den Wäldern werden stockduster.

Wir starten mit einer kleinen Schleife durch die Stadt, lassen  aber wie schon angesprochen die große Runde durch die Altstadt weg. Nach 1,5 km queren die größte Straße und sollten eigentlich die Ampel benutzen, aber wir haben Glück: Zwei der Radbegleiter haben die Straße mal kurz dicht gemacht und fast das gesamte Feld kann ohne Verzögerung die Straße queren. Mit dem Verlassen der Stadt kommen die ersten Höhenmeter. Auf der ersten Anhöhe geht es in die Felder  und in leichtem Auf und Ab zieht sich die Strecke bis Sprantal. Hier erwartet uns bei km 6,6, der erste Verpflegungspunkt, welcher intensiv genutzt wird. Eine Abordnung des Ortes schaut sich von einer Bank aus das bunte Treiben an, Fotos werden geschossen….  Wir sind die Helden der Nacht!

 

 
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Hinter Sprantal beginnt der längste Anstieg. Durch Felder, den Ort Nußbaum, wieder Felder, dazwischen mal etwas Wald erreichen wir den höchsten Punkt der Strecke. Seit Bretten haben wir 185 HM zugelegt, um hier bei km 14,8 den zweiten VP zu erreichen. Die durchgängig sehr gute Versorgung wird von allen ausgiebig genossen.   Außer Hefezopf über Obst wird auch Salziges (Salzstangen, Erdnüsse) und Süßes (Gummibärchen) angeboten.  Dazu Wasser, Schorle, Cola, Tee… alles da!

Auf dem nächsten Abschnitt verlieren wir auf 8,9 km Strecke wieder 150 HM und laufen durch typische  Kraichgau-Landschaft nach  Ölbronn, Kleinvillars und bis nach Knittlingen. Hier ist für die Staffeln die Wechselstelle und für mich die erste größere Pause angesagt. Man reicht mir ein eiskaltes Bier und ich vergesse die Zeit….10 Pätze kostet mich das mindestens, aber man muss Prioritäten setzen! Vielen Dank Susanne, freu mich schon aufs nächste Jahr!

Knittlingen verlassen bedeutet wieder aufwärts durch das schöne Weißachtal Richtung Freudenstein zum östlichsten Punkt der Strecke.  Wir befinden uns auf dem längsten Streckenabschnitt von km 23,7 bis 34,0 und die Abschnitte durch Wälder nehmen zu. Ab km 30 folgt ein schöner sanfter Anstieg durch die Weinberge oberhalb des Bernhardsbach.  Wirklich schön! Die ersten Stirnlampen werden eingeschaltet,  der Tag verabschiedet sich und es wird Nacht.  Dann erreichen wir Großvillars und den VP 4.

Weiter geht’s Richtung Steinbruch Knittlingen, kurz davor drehen wir ab Richtung Gölshausen. Bei km 40,0 erwartet uns in einem Industriegebiet VP 5. Hier gibt es eine kurze Irritation, denn der VP liegt einige Meter hinter der eigentlichen Abzweigung der Strecke. Aber auch diese Versorgung ist jeden Meter wert!

Von hier aus wären es nur 3 km bis Bretten, aber was macht man als Ultras? Man läuft erst mal 5,6 km gen Norden bis Neibsheim zur letzten Verpflegungsstation. Daniel bietet mir eine halbe Kiste Bier für den letzen Abschnitt an.  Ich beherrsche mich, denn ich weiß, dass sich die letzten Kilometer elend ziehen. Und ich möchte gerne unter der 7 Stunden Marke  bleiben.

 

 
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Es folgen viele Abschnitte in tiefem und dunklem Wald.  Man fühlt sich wie im Tunnel, denn außer der Stirnlampe gibt es keine weitere Lichtquelle weit und breit. Und dann kommen noch ein paar heftige Anstiege, bevor es zurück nach Bretten geht.

Rein in die Stadt, endlich wieder Leben. Allerdings ist es inzwischen nach Mitternacht und die Bordsteine sind hochgeklappt. Der letzte Anstieg bis zur Melanchtonstrasse, genussvolle Meter durch die Fußgängerzone und am Marktplatz sogar noch Applaus der letzten Nachtschwärmer. Vorbei an Melanchtonmuseum, Altem Rathaus und durch das Stadttor am Gerberhaus, den Simmelturm links liegend lassen hinein in die Withum-Anlage.

Dann der schönste Zieleinlauf den ich kenne, das mit Kerzen erleuchtete Stadion, eine Ehrenrunde …. Ich bleibe für ein Foto stehen.  Plötzlich wird das sprärliche Publikum laut …. Was ist los? Dann sehe ich wie zwei Lampen von hinten auf mich zu rasen …. Weg mit der Kamera und Vollgas Richtung Ziel.  Stress nach Mitternacht! Sorry Enrico und Frank, aber Platz 107 geht ins Weißbachtal! 108 und 109 mit jeweils nur einer Sekunde Rückstand nach Speyer.

 

 

Die offizielle Zeitnahme endet nach 7 Stunden, bis 7:24 wird noch elektronisch gemessen, dann baut man ab. Einer wird noch vermisst.  Ich schätze, in einer Stunde wird Gerhard eintreffen, der gibt nicht auf! Es dürfte nach 8:20 gewesen sein, als wir ihn applaudierend im Ziel willkommen heißen. Würstchen sind leider aus, aber Kartoffelsuppe und ein  kühles Bier  sind ihm sowieso lieber.

Laut Veranstalter starten 148 Läufer/innen auf die große Runde. Genau 100 Männer und 25 Frauen sind im Ziel, dazu 7 2erStaffeln.

Eine gelungene Veranstaltung dank Simon, Daniel, Armin und ihre Heerschar von Helfern. Top Organisation, für mich einer der schönsten Ultras!


Die Sieger:
 

Männer:

1.    Jens Santruschek – Bretten:           3:38:55
2.    Michael Sommer – Schwaikheim: 3:50:45
3.    Gregor Scharf – Hergershausen:   3:57:06

Frauen:

1.    Bettina Eyhorn – Schopfheim:       4:31:56
1.    Natascha Bischoff – Karlsruhe:      4:31:56
3.    Sarah Sieringer – Landau:               4:52:30    

 

Informationen: Night 52
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