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Laufberichte

Regen, Schnee und Wind

08.02.09
Autor: Klaus Duwe

Wellness- und Lauf-Wochenende im allem Drum und Dran

1938, Füssing ist ein kleiner Weiler. Mit seinen sechs Bauernhöfen gehört es zu Safferstetten. Die Menschen dort in der Pockinger Heide leben mehr schlecht als recht hauptsächlich von der Landwirtschaft. Keiner weiß mehr wer und warum auf die Idee kam, hier könne es Erdöl geben. Jedenfalls wurde danach gebohrt. Gefunden wurde aber statt dem Schwarzen Gold 56 Grad warmes Thermalwasser. Auch nicht schlecht. Aber - die Oberen untersagten die Erschließung mit dem Hinweis, es gäbe schon genug Heilbäder.

Erst in den 1950er Jahren setzte man die Bohrungen und Untersuchungen fort. Dabei konnte im Füssinger Thermalwasser ein sehr hoher Gehalt an Schwefel, Natrium, Calcium, Chlorid und Kalium-Ionen nachgewiesen werden, was bei einer Vielzahl von Erkrankungen äußerst vorteilhaft ist.

Mit von der Partie war auch der Arzt Eduard Zwick. Das nach seinem Sohn benannte Johannesbad war praktisch der Grundstein zu seinem Bäderimperium und seinem Image als „Bäderkönig“. Als er sich wegen seiner Steuerschulden in die Schweiz absetzte, übernahm Johannes Zwick die Geschäfte. Die Steuerschulden, immerhin 71 Mio. DM,  wurden dem Strauß-Spezl übrigens erlassen – gegen Zahlung einer Strafe von 8,3 Mio. DM.

Füssing, inzwischen zum „Bad“ avanciert, entwickelte sich zum bedeutendsten Kurort Europas. Über 60 Hotels und 3.000.000 Übernachtungen pro Jahr werden verzeichnet und das Zwick-Imperium hat daran großen Anteil.

Es gab und gibt aber auch Probleme. Das hauptsächlichste heißt für Bad Füssing wie für alle anderen Kurorte Gesundheitsreform. Bei den Kuraufenthalten sparen die klammen Kassen am ehesten und am deutlichsten. Zielgruppe der Heilbäder müssen daher selbstzahlende, gesundheitsbewusste Menschen sein. Da diese Klientel weitaus anspruchsvoller ist als der Kassenpatient, muss mit erheblichen Investitionen das traditionelle Kurortimage aufpoliert werden.

Dem Johannesbad ist es in hervorragender Weise immer  wieder gelungen, hier Vorreiter zu sein, was der erst kürzlich für zig Millionen vorgenommene Anbau eindrucksvoll belegt. Hinter der verglasten Eingangsfront und unter der hellen Lichtkuppel empfängt die Besucher „Eine Welt der Sinne und Elemente“.

Vielleicht war der Thermenmarathon ja am Anfang auch so eine Marketingidee, um den Übernachtungszahlen in den ruhigen Wintermonaten etwas auf die Sprünge zu helfen. Was sich aber 16 Jahre am Markt nicht nur hält, sondern sich auch weiterhin positiv entwickelt, hat Substanz.

 
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Die Laufstrecken (Marathon, Halbmarathon und 10 km) sind abwechslungsreich und bei jedem Wetter gut zu laufen. Die Organisation inklusive der Verpflegung ist ohne Fehl und Tadel. Und die Startgebühren, für den Marathon sind es 27/32 Euro, sind in Anbetracht der Gegenleistung ein Schnäppchen. Enthalten sind nämlich 2 x Eintritt in die Therme, ein Nudelgericht (mit Nachschlag und Salat) und ein Getränk nach Wahl. Rechnet man alles großzügig zusammen, kommt fast ein Freistart dabei heraus.

 
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Trotzdem bleibt, wer „nur“ zum Laufen kommt, weit unter den Möglichkeiten. Nicht nur die zum Johannesbad gehörenden erstklassigen Hotels bieten für das (verlängerte) Marathonwochenende Sonderpreise an, die inzwischen viele Läuferinnen und Läufer nicht nur aus ganz Deutschland dazu verleiten, mit ihren Familien ein Wellness-Wochenende in Bad Füssing zu verbringen.

Jeder Kurort hat ja so seine mehr oder weniger „geheimen“ Treffpunkte. In Bad Füssing ist das der „Haslinger Hof“. Dahinter verbirgt sich keine Bayrische Bierwirtschaft mit besonders großer Haxen-Portion, sondern ein weit über die Region hinaus bekanntes Erlebnis- und Vergnügungsviertel. Schon so mancher hat nach einem Aufenthalt dort anschließend vom Marathon- auf den Halben umgebucht oder sogar auf dem 10er schlapp gemacht.

 
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Gestartet wird direkt vor der Johannes-Therme. Zuerst sind um 9.45 Uhr die 10er an der Reihe. Um 10.00 Uhr gehen die Marathonis und die Halben auf die Strecke, danach wird noch ein Schülerlauf gestartet. Das Wetter ist um diese Jahreszeit hier in Niederbayern natürlich so eine Sache. Ich hatte schon alles: Eiseskälte, Schnee und Sonne. Aber diesmal ist es besonders scheußlich. Erst regnet es, dann kommt der Schnee und immer geht ein kalter Wind. Es ist wieder so ein Tag, wo ich mit der mir zwangsweise auferlegten Laufabstinenz bestens zurechte komme.

 
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Die Strecke ist immer die gleiche. Es ist ein 21 km langer Kurs in Form einer 8, den die Marathonis zweimal laufen. Er führt über ruhige Nebenstraßen, auf denen einem auch schon mal ein Auto begegnet, durch kleine Orte und entlang von Feldern und Wiesen. Ein Stückchen Wald, wo man den Wind nicht so sehr spürt, ist auch dabei. Die erste Runde mit dem großen Feld der Halbmarathonläufer, ist noch ganz unterhaltsam. Die zweite Runde erfordert schon eine gewisse mentale Stärke – an einem Tag wie diesem besonders. Nicht alle, die bei Halbzeit aussteigen, waren gestern im Haslinger Hof. „Scheiß Kälte“, meint zum Beispiel Renate und schmeißt den Bettel hin. Insgesamt finishen nur 223 den Marathon, wesentlich weniger als im Vorjahr (307).

 
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Kalt ist es auch Dorothea Frey. Ihre schwarze Mütze hat sie tief ins Gesicht gezogen. Unbeirrt läuft sie das Tempo, das ihr der Trainingsplan vorgibt. Ein bestimmtes Ergebnis hat sich nicht im Auge. Sie hat die 50 km letzte Woche in Rodgau (2. Platz!) offensichtlich gut weggesteckt und lässt auch auf der zweiten Hälfte nicht nach. Im Gegenteil.

 
Marathonsiegerin Doro Frey
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Nur 24 Frauen beenden erfolgreich die Marathondistanz und Doro Frey ist die Schnellste (3:13:42 Stunden). Als Belohnung darf sie mit ihrem Mann für eine Woche ins Kur- & Sport-Hotel Palace in Bad Hofgastein. Dort ist Daniel Pickl schon Stammgast. Er gewinnt nämlich bereits zum dritten Mal in Folge den Thermen-Marathon (2:43:58 Stunden). Er ist hier zwar schon wesentlich schneller laufen, aber erstens ist heute nicht mehr notwendig und zweitens hat auch ihm das Wetter zu schaffen gemacht. Nicht nur Siegerin und Sieger tauen im warmen Thermalwasser aber schnell wieder auf.

Marathonsieger

Männer

1. Pickl, Daniel LG Festina Rupertiwinkel 2:43:58
2. Wießner, Klaus Lauffreunde Gößweinstein 2:47:40
3. Jäger, René Garbsener SC 2:55:13

 
Daniel Pickl als Sieger im Ziel
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Frauen

1. Frey, Dorothea EK Schwaikheim 3:13:42
2. Dilger, Inge FTSV 1922 Straubing  3:18:18
3. Mayer-Tancic, Ulrike LG Telis Finanz Regensburg 3:19:45

 

Informationen: Thermen-Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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