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Laufberichte

Auf den Spuren des Schinderhannes

27.08.06

Von Emmelshausen nach Simmern

 

Am 27.08.2006 richtete der "Hunsrück-Marathon e.V." zum 6. Mal seinen konstant am letzten Sonntag im August veranstalteten "Hunsrück-Marathon" aus. Da dieser auf einer "Punkt-zu-Punkt-Strecke" ausgetragen wird, ist sein Namensgeber nicht eine Stadt, sondern jenes deutsche Mittelgebirge, das bekanntermaßen im Nordwesten von der Mosel, im Nordosten vom Rhein, im Südosten von der Nahe und im Südwesten von der Saar begrenzt wird. Im Rahmen des "Hunsrück-Marathons" werden folgende Strecken/Wettbewerbe für weibliche und männliche Teilnehmer (Laufklasseneinteilung nach den Bestimmungen des DLV und der IAAF) angeboten:

 

Marathon  - Start in Emmelshausen (in der Rhein-Mosel-Straße)

 

Inline-Skaten (Start um 8.45 Uhr)
Walken (Start um 8.47 Uhr)
Laufen (Start um 9.00 Uhr
Team-Marathon = Staffellauf für 4 Teilnehmer/innen (Start um 9.15 Uhr)

 

Halbmarathon  - Start in Kastellaun (am Bahnhof)

 

Inline-Skaten (Start um 8.30 Uhr),
Schülerstaffellauf für 5 Teilnehmer/innen (Start um 11.15 Uhr),
Laufen (Start um 11.30 Uhr),
Walken (Start um 11.32 Uhr)

 

Fun-Kurzdistanz (ca. 6.300 m), Start in Neuerkirch (am Kaufhaus Ostendorf)

 

Inline-Skaten (Start um 8.30 Uhr),
Laufen (Start um 14.30 Uhr),
Walken (Start um 14.32 Uhr)

 

Das Ziel für alle vorgenannten Wettbewerbe befindet sich auf dem Schlossplatz in Simmern. In dessen "Hunsrückhalle" und Schlossgebäude sind auch die wesentlichen Teile des Organisationszentrums für die gesamte Veranstaltung untergebracht, und von dem am Hallenbad gelegenen Großraumparkplatz aus fahren jene Busse ab, die die Teilnehmer/innen kostenlos zu ihren jeweiligen Startorten (Emmelshausen, Kastellaun oder Neuerkirch) bringen.

 

Simmern, das man auf der Landkarte in Luftlinie ca. 50 km süd(west)lich von Koblenz im sogenannten "Vorderhunsrück" findet, ist eine hübsche Kleinstadt, die auf eine lange wechselvolle Geschichte zurückblicken kann. Deshalb hat die heutige Kreisstadt auch eine ganze Anzahl baulicher Sehenswürdigkeiten aufzuweisen. Allen voran zu nennen sind die evangelische Stephanskirche (Baubeginn der dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche im Jahr 1486, die hierin befindlichen Grabdenkmäler gehören zu den bedeutendsten Werken der Bildhauerkunst des 16. Jahrhunderts zwischen Mainz und Trier), die katholische Josefskirche (erbaut 1749-1752, ausgestattet mit kunstgeschichtlich interessanten Deckenfresken), das Neue Schloss (1708-1713 in klassizistischem Stil errichtet) und der "Schinderhannes-Turm".

 

Dieser sich an der Ostecke der ehemaligen Stadtbefestigung erhebende Turm mit seinem steilen Kegeldach diente ursprünglich als Pulvermagazin und Gefängnis. Seinen Namen trägt er nach dem berühmt-berüchtigten Räuber Johannes Bückler, genannt "der Schinderhannes". Jener wurde nach seiner Ende Februar 1799 in Schneppenbach vorgenommenen Gefangennahme nach Simmern gebracht und im vorgenannten Turm inhaftiert. In der Nacht vom 19. zum 20. August 1799 gelang Bückler jedoch die Flucht aus dem bis dahin als ausbruchsicher geltenden Bauwerk. Heute enthält der Turm Versammlungs- und Ausstellungsräume. Er wird gerne als Tagungsstätte genutzt.).

 

Nun aber wieder zurück zum Marathonlauf, auf den alleine im weiteren Text eingegangen werden soll:

 

Wie bereits eingangs erwähnt wurde, wird der "Hunsrück-Marathon" auf einer "Punkt-zu-Punkt-Strecke" ausgetragen. Dies bedeutet: Start und Ziel sind nicht identisch. Deshalb werden die Teilnehmer/innen in Omnibussen zum Startort Emmelshausen gebracht. Dort steht den Läuferinnen und Läufern für ihre Startvorbereitungen der moderne, großzügig gestaltete Bau des Kultur- und Tagungszentrums "ZAP" zur Verfügung. Nach dem um 9.00 Uhr freigegebenen Start ist zunächst eine ca. 5,2 km lange Schleife durch Emmelshausen und hierhin eingemeindete umliegende Orte zurückzulegen. Erst dann wird der "Schinderhannes-Radweg" erreicht, eine zum Radwanderweg umfunktionierte und vorbildlich ausgebaute ehemalige Bahntrasse, "auf der einst die Dampflok schnaufte".

 

In sanften Windungen werden die Orte Lamscheid, Leiningen, Norath, Pfalzfeld, Lingerhahn, Dudenroth, Bahnhof Ebschied, Hollnich, Gammelshausen, Kastellaun (Startort für die Halbmarathon-Wettbewerbe), Bahnhof Bell, Hasselbach, Alterkülz, Neuerkirch (Startort für die Fun-Wettbewerbe), Külz, Keidelheim und Kümbdchen passiert. Immer wieder wird der Blick auf bewaldete Bergrücken des Soon- und Idarwaldes freigegeben. Nach ca. 36 hierauf absolvierten km verlässt man den landschaftlich ungemein reizvollen und mit einer hervorragenden Asphaltierung versehenen "Schinderhannes-Radweg", um den restlichen km bis zum Ziel am Simmerner Schlossplatz auf einer verkehrsfrei gehaltenen innerstädtischen Straße zurückzulegen.

 

Eigentlich sind nur drei nennenswerte Steigungen zu bewältigen, die es aber aufgrund ihres Anstiegswinkels und/oder ihrer Länge "in sich haben". Dies ist zum einen der nach km 4 und damit noch innerhalb des Gemeindebereichs Emmelshausen auf einer Siedlungsstraße zu überwindende "unangenehme Buckel". Zum anderen sind es das in Höhe von Norath (in etwa bei km 11,7) beginnende und über ca. 3 km hinweg fortbestehende leichte Ansteigen der Strecke sowie der kurz nach Kastellaun schnurgerade von km 28 zum km 29 hochführende Anstieg. Als weitere Steigung könnte man eventuell noch den auf das Verlassen des "Schinderhannes-Radweges" folgenden Abschnitt werten, auf dem der zwischen der ehemaligen Bahntrasse und der vorgenannten "innerstädtischen Straße" (letzter Laufkilometer) bestehende Höhenunterschied zu überbrücken ist.

 

Ansonsten verläuft die Strecke aber weitgehend eben dahin. Von km 30 bis km 41 führt sie sogar überwiegend sachte bergab, sodass man es - falls man dann noch "Körner" übrig hat und/oder orthopädisch dazu in der Lage ist - richtig laufen lassen kann. Im Übrigen beträgt das Start-Ziel-Gefälle (Differenz der Höhenlagen von Emmelshausen und Simmern) ca. 120 m. Dass jeder km ausgeschildert ist und in einem Abstand von höchstenfalls 5 km Verpflegungsstellen mit einem vielfältigem Angebot eingerichtet sind, versteht sich bei dieser hervorragend organisierten Laufveranstaltung, deren "Erfinder", Initiator, Hauptorganisator und "gute Seele" der nie schlecht gelaunte und stets ansprechbare Ottmar Berg ist, ganz von selbst.

 

Ich habe bereits 2001, 2002, 2003 den "Hunsrück-Marathon" bestritten. 2004 musste ich dann leider passen. Im Februar 2004 hatte sich nämlich bei mir wieder ein Herzkranzgefäß verengt. Diese Schädigung wurde diesmal zwar durch die Einpflanzung eines imprägnierten Stents (und nicht wie 1996 durch eine Bypass-Operation) behoben. Ich fühlte mich jedoch im August 2004 physisch und psychisch noch nicht in der Lage, ein solches Unterfangen wie einen Marathonlauf zu bewältigen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ohnehin nicht mehr so recht daran geglaubt, erneut in die "Marathon- und Ultralauf-Szene" zurückkehren zu können. Als mir dies jedoch im September 2004 beim "Kölner 6er" wieder gelungen war, stand meinem Start beim "Hunsrück-Marathon 2005" nichts im Wege. Und dass in diesem Jahr meine nun 5. Teilnahme folgen würde, war ja eigentlich schon fast selbstverständlich.

 

Hatten in all den Vorjahren strahlender Sonnenschein und oft auch hochsommerliche Temperatur dem "Hunsrück-Marathon" ihren Stempel aufgedrückt, so schien "Petrus" in diesem Jahr seinen "Schönwettervertrag" mit Ottmar Berg aufgekündigt zu haben. Zwar hatte es während des Bustransfers von Simmern nach Emmelshausen den Anschein, als ob die Wolkendecke dünner werden würde und etwas Blau sowie zarter Sonnenschein durchschimmere. Mit Freigabe des Starts um 9.00 Uhr setzte jedoch unfreundliches Dahernässen ein. Zum Glück hielt dieses nur wenige km an. Nach einer Laufzeit von ca. 2 Stunden streuten sich sogar immer wieder kurze Aufhellungsphasen in Form von kleinen blauen Lücken zwischen der Bewölkung und wohltuendem Sonnenschein ein. Wer sich aber nach ca. 4½ Stunden Marathonlaufzeit (mithin also gegen 13.30 Uhr) so wie ich irgendwo zwischen Hasselbach und Neuerkirch auf der Strecke "herumtrieb", den bestrafte "Petrus" mit einem ca. 10-minutigen heftigen Regenschauer gnadenlos.

 

Und noch einmal musste ich eine Zeit lang bangen. Es war kurz nachdem ich km 36 passiert hatte, als sich rechts von der Laufstrecke eine tief dunkelgraue Wolkenwand auftürmte. Durchnässt war ich ja bereits. Ein erneuter Regenguss wäre nicht das Problem gewesen. Wäre aber noch ein Gewitter hinzugekommen, hätte man befürchten müssen, dass die Organisatoren oder die Polizeipatrouillen zur Vermeidung einer Gefährdung die noch auf der Strecke befindlichen Läufer/innen und Walker/innen "aus dem Rennen genommen" hätten. Aber welcher "restleistungsfähige Marathoni" würde Derartiges so kurz vor dem Ziel noch erdulden wollen? Innerhalb von relativ wenigen Minuten riss jedoch der Wind die sich durch sein Einwirken wieder aufhellende Wolkenfront auseinander, sodass die letzten Lauf-km nicht mehr gefährdet waren. Was machte es da schon aus, dass meine Zielankunft nach knapp 5:40 Stunden von einem erneuten Regenschauer begleitet wurde. Der Zieleinlauf auf dem Schlossplatz in Simmern, wo zwei seit Jahren erprobte Moderatoren mit großer Routine und Sachkunde die Anwesenden unterhalten und die Ankömmlinge begrüßen, ist und bleibt - gleichgültig, welches Wetter vorherrscht - ein besonderes Erlebnis.

 

Der "Hunsrück-Marathon" ist natürlich für die eher ländlich geprägte Region des "Vorderhunsrücks" ein herausragendes Großereignis. Deshalb versammeln sich üblicherweise in den von der Streckenführung tangierten Orten zahlreiche Zuschauer, die mit Beifall nicht geizen und stellenweise schon fast zu "südländischer Begeisterung" auflaufen. Da der diesjährigen Veranstaltung allerdings - wie oben bereits beschrieben - kein "Biergarten-Wetter" beschert war, hielt sich die Anteilnahme der Bevölkerung in den Anliegerorten heuer in Grenzen. Dieses Defizit versuchte das an den Straßenüberquerungen und Verpflegungsstellen eingesetzte Personal durch besonders netten und aufmunternden Zuspruch auszugleichen. In meinem Falle hätte es aber eines solchen nicht bedurft, weil ich ohnehin gerne in Ruhe die schöne Gegend genieße und froh bin, wenn ich nicht so oft auf ein "Beklatschtwerden" mit Worten und Gesten des Dankes reagieren muss.

 

Im Übrigen werden die Ergebnisse aller Wettbewerbe unter Einsatz des ChampionChip-Messverfahrens ermittelt. Dies hat zur Folge, dass sich die Finisher/innen nicht nur an der ihnen unmittelbar nach der Zielankunft umgehängten Medaille (auf einer der beiden stets geschmackvoll gestalteten Seiten ist in diesem Jahr der bereits oben erwähnte "Schinderhannes-Turm" abgebildet), sondern auch an einer wenig später abholbaren Soforturkunde erfreuen können.

 

Sieger des Marathonlaufes und Erster der Klasse M35 wurde Marco Diehl vom TSV Friedberg-Fauerbach in neuer Streckenrekordzeit von 2:32:04 Stunden. Der 36-jährige Vizepräsident eines großen Finanzdienstleisters, der häufig einen Arbeitstag von 10 bis 12 Stunden hat, betreibt das Laufen als Hobby und Ausgleich. Für einen Läufer seines Leistungsvermögens bestreitet er ungewöhnlich viele Marathonläufe im Laufe eines Jahres. Dabei steht er meist als Erster, stets aber zumindest als Platzierter auf dem Siegerpodest. Er hat bereits im Vorjahr den "Hunsrück-Marathon" in letztgültiger Streckenbestzeit gewonnen und war u.a. auch der Sieger 2005 und 2006 des ebenfalls empfehlenswerten "Weiltalweg-Landschaftsmarathons".

 

Den 2. Platz im Gesamtlauf und Rang 1 in der Klasse M30 belegte Daniel Gidumbanda aus Darmstadt in 2:32:05 Stunden. Wer den gertenschlanken und voll austrainiert wirkenden Läufer vor dem Start sah, musste annehmen, man habe einen afrikanischen Star "eingekauft", der den Streckenrekord pulverisieren sollte.

 

Gewinnerin der Frauenwertung und Erste der Klasse W35 wurde Sabine Rech vom LT Horn-Laubach in ausgezeichneten 3:00:55 Stunden. Sie stand schon bei vier vorangegangenen "Hunsrück-Marathons" auf dem Treppchen, nämlich 2001, 2002 und 2004 als Zweitplatzierte sowie 2003 als Siegerin.

In Anbetracht der hervorragenden Organisation und der landschaftlich großartigen Streckenführung ist folgender Sachverhalt für mich völlig unverständlich und überhaupt nicht nachvollziehbar: Das eigentliche Kernstück der Veranstaltung "Hunsrück-Marathon", der Marathonlauf selbst also, hat in den letzten beiden Jahren einen Teilnehmerrückgang zu verzeichnen.

 

Gelangten im Jahr 2001 bei der Premiere 383 Männer und 52 Frauen, im Jahr 2002 282 Männer und 34 Frauen, im Jahr 2003 308 Männer und 36 Frauen und im Jahr 2004 301 Männer und 59 Frauen ins Ziel, so finishten im Jahr 2005 lediglich 212 Männer und 31 Frauen und in diesem Jahr nur noch 192 Männer und 23 Frauen.

 

Dies ist umso verwunderlicher, als der Termin (letzter Sonntag im August) unverändert beibehalten wurde und keine andere Marathonlauf-Veranstaltung in solcher Nähe vorhanden ist, dass sie Teilnehmer/innen kosten könnte. Dabei war in letzter Zeit häufig zu lesen, dass ein zunehmender Anteil der regelmäßig Marathonläufe Bestreitenden des Rummels bei großen Stadtmarathonläufen überdrüssig sei und sich nunmehr wieder vermehrt dem Laufen in der grünen Natur zuwende. Wenn das 'mal kein Irrtum ist. Ich jedenfalls wünsche dem "Hunsrück-Marathon" schon alleine des organisatorischen Aufwandes wegen einen Wiederanstieg der Marathonläufer/innenzahl. Verdient hätten dies der rührige Ottmar Berg und seine fleißigen, umsichtigen Mitorganisatorinnen und Mitorganisatoren aufgrund ihres nimmermüden Einsatzes allemal.

 

Volker BERKA ("Auslaufmodell FranksVater"), 27.08.2006

 

Informationen: Hunsrück Marathon
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