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Laufberichte

Herrliches Wadengondo

06.08.11
Autor: Joe Kelbel

Seit Jahrhunderten steht das alte Wirtshaus „zer Taferna“ leer. Hohle Fenster starren uns an. Ein altes Lied erzählt von der Wirtin Johanna Fy:

„Ich heissu Johanneli Fy,
Bi zer Taferna Wirti gsy,
Hä Wasser üssgga fer Wy,
Müös jetz in de Chalte Wassru sy!

Ich versteh eh nix, mache ein letztes Foto von den Ruinen und meine Fotomaschine verabschiedet sich im Regen. Wen es interessiert: Da wäre zu sehen gewesen: Gletscherbedeckte Berge, harter Kampf im Regen, Eric und ich in Siegerposition auf dem Pass (2006 ü.M) und noch so einiges mehr. Gut, dass ich Bilder vom Vortag habe. Schlagartig kommt die Sonne raus.

 
© marathon4you.de 42 Bilder

Dann  beginnt der Abstieg ins Engiloch. Die Fotomaschine liegt wieder trocken. Im Egiloch treffen drei Wege aufeinander: Der Stockalperweg, die Napoleonstrasse und die moderne Nationalstrasse. Napoleons Strassenführung wurde von der Nationalstrasse übernommen. Das Gebäude an der Strasse wurde 1810 auf Befehl von Napoleon errichtet, kurz davor ist der VP bei km 23. Unser Weg führt nun südlich der Strasse weiter Richtung Egga und Simplon Dorf, der Strecke vom Vortag. 

Da Sonntag ist, steht die Kirchentür von Egga oder Niederalp, oder wo ich gerade bin, offen. Ich also rein und Foto geschossen...und siehe da!  Der Herrgott hat mich erhört, denn bei km 28, in Simplon-Dorf zerren mich starke Sennerhände in die Garage. Sowas nennt man Boxenstopp. Bei Bier, Tomaten-Oliven-Häppchen, Schinkenbrötchen, frittierten Zwiebelringen und Käsespiessen lasse ich den Tag ausklingen, setze mich hin, versteh zwar kaum ein Wort, weil die Leute wohl wegen meines sportlichen Erscheinungsbildes sehr aufgeregt sind, genieße aber den Service und die Aufmerksamkeit der Almbewohner, mache einfach Urlaub.

Naja Cut-Off-Zeit bei km 30 in Gabi muss ich dann doch noch erreichen, und so laufe ich mit ner weiteren Bierflasche in der Hand mit Heidenspeed ins Tal. Aber sowas von fliegend! Ist das ein Spass! Traumhaft dieser Lauf, traumhaft diese grünen Wiesen mit den schneebedeckten Bergen da oben, die alten Gebäude, die gute Luft und dieses leichte Laufen, es ist einfach sauschön!

Eric ist wegen meines Boxenstopss vor mir. Bei km 30, in Gabi (1220 ü.M) verlassen wir die Strecke vom Vortag. Steil geht es hoch nach Furggu-Fürchterlich. Auf den nächsten 3 Kilometer haben wir 700 Höhenmeter zu überwinden. 1 Stunde Aufstieg! Mit einer gewaltigen Energie arbeite ich mich nach oben, überhole die „verrückten Hühner“(alle Achtung! 2ter Marathon!) und lasse jede Menge Mitstreiter hinter mir. Wadengondo vom Feinsten, wie ich da hoch marschiere. Ich träume von eiskaltem Mineralwasser. Ich bin so happy, kein Furggu-Fürchterlich, einfach nur Furggu. Ich habe soviel Zeit gut gemacht, ich kann sogar die Ameisen fotografieren. Vielleicht komm ich auch mal mit dem Traktor hier hoch!

Mag ja sein, dass es aussieht, als hätten wir jede Menge Verpflegungspunkte. Aber aufgrund der Steigung liegen schon mal 1 Std und mehr zwischen den Punkten. Alles ist machbar, wenn man gut trainiert hat, aber das hier ist schon ein hochkarätiges Kaliber!

Oben auf dem Furggu-Pass (km 33, 1870 ü.M.) herrlicher Blick über Alpjä, Monte Leone, Breithorn, Fletschenhorn und nach Süden zum Monschäära-Pass nach Italien, wenn es denn sonnig wäre. Ein mächtiges „Mann Mann Mann ist das schööööööön hier“ schmettert aus kräftigem Brustkorb über die Höhen, und biergestärkt geht es brutal hinab ins Zwischenbergtal.

Jetzt lass ich es laufen. Schmetterlinge und bunte Alpenblumen versüssen die Tortur. Jahreszahl 1635 im Felsen eingeritzt. Kleine Kapelle Maria Bru  am Feerbärg. Alpe Bifigjini auf 1825 m über dem Zwischbergental. Zack Zack, jede Stufe wird übersprungen, ich hüpfe ins Tal, kein Vergleich zum Vortag, absolut trittsicher. Es ist herrlich, das Ziel ist nahe!

Brücken, verlassene Häuser, glasklares Wasser, grüne Wiesen und ich mitten drin mit einem wunderbaren lockeren Tempo. Tanken bei km 38, ich brauche wirklich lange dafür, sehr lange. Und dann geht es weiter , herrlich, aber immer noch verdammt weit. Das Schild mit der Zahl 1500 täuscht. Es geht mal sowas von knallhart die Stufen runter, dass dir die Sohle um die Ohren fliegt. Sowas habe ich noch nicht erlebt.Ich versuche noch Fotos für Euch zu schießen, damit ihr das auch glaubt, aber egal. Gondo!

 
© marathon4you.de 30 Bilder

GONDO! Ziel! Ich bin so happy! 2 Tage herrliches GONDO! Und mein Läuferherz lacht auf Ewigkeit.
 

 

 
 

Informationen: Gondo Marathon
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