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Laufberichte

Durch den Rüthener- und Arnsberger Wald

 

Vor 360 Jahren lebte in Rüthen die Bäuerin Grete Adrian. Am 3. Juni des Jahres 1655 wurde sie vorgeladen und angeklagt wegen Zauberei. Unter den fünf Anklagepunkten war, sie hätte sich in einen Werwolf verwandelt und das Pferd des Nachbarn getötet. Sie wäre reich geworden, weil der Speck, von dem sie abschneide, nie zu Ende ginge.  Und außerdem wären schon ihre Schwestern und Brüder als Hexen verbrannt worden. Sie bestritt die Vorwürfe, gestand dann unter schwerster Folter Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, Hexensabbat und Schadenszauber. Sie wurde geköpft und dann verbrannt. Im Gericht Rüthen gab es im 16. und 17. Jh. 169 Hexenprozesse,  79 Menschen wurden hingerichtet.

Heute ist hier nichts mehr zu spüren von Hexenjagden. Selbst Menschen, die am Muttertag durchs Bibertal laufen, werden nicht mehr als verrückt oder verzaubert hingestellt. Seit 38 Jahren gibt es hier schon den Bibertal-Volkslauf und heute zum 8. Mal einen Marathon.

Für mich ist es nur eine kurze Anreise, denn in etwas über 1 Stunde bin ich am nördlichen Rand des Sauerlandes am Naturpark Arnsberger Wald. Der Marathon heißt zwar Bergstadt Marathon Rüthen, aber wir fahren gleich an Rüthen vorbei. Rechts von der Straße von einem Berg herab grüßt der Ort. Rüthen ist komplett von einer großen Stadtmauer eingefriedet, was ihr im Mittelalter als Hansestadt Sicherheit bot. Die Stadt steht auf einem 38ha großen Bergvorsprung und galt auch als Bollwerk gegen die Bischöfe von Paderborn. Wer Zeit hat, sollte nach dem Lauf noch einen Rundgang um die innere Stadtmauer machen und die herrliche Aussicht genießen.

Für mich heißt es jetzt runter ins Bibertal und immer der Möhne folgen. Südlich der Stadt liegt der Rüthener Stadtwald mit vielen Freizeiteinrichtungen. Der Start- und Zielbereich befindet sich am wunderschön gelegenen Freibad am Fuße des Bibertales.

Die sehr erfahrenen Veranstalter bieten ein komplettes Lauf- und Wanderprogramm an. Neben dem klassischen Marathon, den man auch als 2er Staffel laufen kann, gibt es den Halbmarathon sowie 10km, 4,3km und verschiedene Kinder- und Schülerläufe. Die 10km und die 20km Strecke zählen auch zum Hochsauerland-Laufcup. In 2001 war ich schon mal hier und habe damals die AK gewonnen und dafür einen wunderschönen Glaspokal erhalten.

 
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Es ist noch recht kühl, als ich mir für 15€  die Marathon-Startnummer hole. Nachmeldungen sind bis 30 Minuten vor dem jeweiligen Start möglich, ohne Aufschlag. Der Wetterbericht meldet für heute Regenschauer. Das wird wohl auch der Grund sein, warum nicht so viele Läufer den Weg hier ins Bibertal antreten. Es ist noch eine halbe Stunde bis zum Marathonstart und das Thermometer zeigt gerade mal 7 Grad. Die Läufer sind meist noch dick angezogen. Clemens Rieger, der Laufwart vom TSV Rüthen, greift zum Mikrofon und informiert die Teilnehmer über alles Wesentliche. Er wird heute einen Mikrofon-Marathon haben, denn er wird den kompletten Tag durch die Veranstaltung führen.

Es ist kurz vor 8:30 Uhr und eine kleine Gruppe von nur 4 Frauen und 28 Männern sowie zwei Staffeln finden sich ein. Unter den Startern befindet sich auch Christof Marquardt vom LV Oelde. Er holte sich beim Düsseldorf-Marathon den Meistertitel der Deutschen Sparkassen in 2:38. Heute wird der 45-jährige Läufer den Marathon in 2:47:22 gewinnen. Außer ihm bleibt nur die schnellste Staffel mit 2 ½ Minuten Rückstand unter drei Stunden auf dem welligen Kurs mit knapp 1.000 Höhenmetern.

 
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Pünktlich erfolgt der Start. Wir laufen neben dem Biber-Schwimmbad über einen befestigten Waldweg zum Biberteich. Rechts der Laufstrecke schlängelt sich der Lauf der Biber, der am Ende des Tales in die Möhne fließt. Unser Weg geht bis zum See und wir folgen dann der Biber auf der anderen Talseite abwärts. Wir kommen am Schwimmbad-Parkplatz vorbei. Viele Läufer, deren Wettbewerb später startet, verabschieden uns applaudierend. Kurz danach kreuzen wir die B 516 und biegen ab in die Felder von Rüthen. Wir sind gerade 2km gelaufen und es geht bergaufwärts. Irgendwie müssen ja auch 1000 Höhenmeter zusammen kommen. Es geht über einen Feldweg oberhalb der Stadt Rüthen. Der Blick ist leicht verschwommen zur Bergstadt rüber, denn es hat wieder angefangen leicht zu regnen.

Nach km 5 geht es abwärts bis kurz vor Altenrüthen. Hier ist die erste Versorgungsstation. Der nächste Anstieg kommt bei km 6. Die Strecke ist sehr gut gekennzeichnet. Auf den Boden sind gelbe Pfeile aufgesprüht und zusätzlich hängen an vielen Büschen Flatterbänder.

Dann tauchen wir in den Wald ein für den nächsten Kilometer. Die Wege sind erstaunlich gut zu laufen, kaum Matsch und die Schuhe bleiben relativ sauber. Enttäuschend für hartgesottene Trailer, angenehm für solche, die im Landschaftslauf oder Trailrunning noch nicht so geübt sind.

Wir folgen der Straße am Waldrand zum Eulenspiegel. Kurz vorm Zeltplatz befindet sich eine weitere Versorgungsstation. Jetzt öffnet der Himmel seine Schleusen und der Regen wird heftig.

Beim Eulenspiegel handelt es sich um ein Diözesanzentrum. Das DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg) Diözesanzentrum Rüthen bietet Gebäude und einen Zeltplatz für Jugend- und Familienfreizeiten. Das besondere ist ein rollstuhlgerechter Hochseilgarten. Hier können Menschen mit und ohne Behinderung an vierzehn Stationen austoben.

Der Regen wird jetzt so stark, dass ich mir wünsche, ich hätte meine Traillatschen mit Goretex an den Füßen. Ich kann jetzt nur hoffen, dass es bald wieder aufhört und ich keine Blasen bekomme. Es sind ja erst 11km rum.  Am Waldrand entlang geht es hinunter zum Wasserschloss Körtlinghausen (km 15), das jetzt in Privatbesitz ist, aber nach Vereinbarung besichtigt werden kann.

 
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Noch schnell ein paar Fotos und wieder geht es kurz aufwärts. Bei Km 16 kommt erst der Kirchturm von Kallenhardt und dann der ganze Ort ins Blickfeld. Der wurde auf der Bergkuppe im 13. Jh. vom Kölner Erzbischof gegründet zur Absicherung gegen Arnsberg. Sehenswert im Ort sind die alte Stadtmauer sowie die katholische Kirche St. Clemens und viele Wohngebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Auch in Kallenhardt gab es Hexenprozesse,  40 Personen wurden hingerichtet.

Wir biegen noch vor dem Ort ab und durchlaufen das Glennetal zur Provizialstraße und kommen zu einer  kleinen Siechenkapelle. Hier gibt es noch den alten Brauch des Krautbundsammelns. Für einen Krautbund werden Heilkräuter gesammelt und im Haus und in Stallungen aufgehängt. Bei Bedarf macht daraus einen Heiltee. Damit der auch ja hilft, werden in der Kapelle werden jedes Jahr zu Maria Himmelfahrt die Krautbunde geweiht. Neben der Kapelle beginnt auch der Prozessions- bzw. Kreuzweg auf den Kalvarienberg.

 
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Wir folgen dem Kreuzweg ein Stück und kommen zu einer Unterführung, die auch die Glenne nutzt. Nach weiteren  2,5km erreichen wir am Parkplatz Eichenkamp den nächsten Versorgungspunkt und  die Wechselstelle für die Marathonstaffeln. Kurz danach ist Halbzeit. Wir laufen jetzt eine 2km Schleife, dann  geht es mal wieder bergaufwärts. Km 25 ist erreicht, als man durch die Bäume auf Kallenhardt schauen kann. Jetzt kommt sogar mal die Sonne durch. Aber dunkle Wolken lassen befürchten, dass das nicht von Dauer sein wird.

Wer zu Weihnachten gerne eine Fichte im Wohnzimmer stehen hat, kann sehen, woher das Bäumchen mit großer Wahrscheinlichkeit kommt. Hier im Sauerland gibt es richtige Weihnachtsbaum-Plantagen. Bei km 26 können wir eine solche besichtigen. Der nächste Versorgungspunkt ist in einer Schutzhütte. Gut so, denn aus zwischenzeitlich wieder eingesetztem leichtem Regen wird ein heftiger Hagelschauer.

Wir laufen abwärts, um dann bei  km 28 den  wohl heftigsten und längsten Anstieg der Strecke zu bewältigen. Dazu scheint dann wieder die Sonne. Oben gibt es wieder eine Versorgung und dann geht`s genauso heftig abwärts wie zuvor in die andere Richtung.

Abwechslungsreich wie die Strecke ist auch Wetter. Regen und Sonne wechseln sich ab, ebenso das Auf und Ab und flache Passagen.

 
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Nur noch 10km und es schüttet mal wieder wie aus Eimern. Aber keine Bange, mir wird versichert, dass es seit 38 Jahren erstmals am Lauftag regnet. Was soll`s, Landschaftsläufer und Trailrunner sind ja nicht aus Seife. Und man ist in einer wunderschönen Gegend, ohne Lärm und Hektik.

Am Biberpfad vorbei und folgen geht es auf die nächste große Schleife mit kaum Höhenunterschieden durch dunklen Wald. Hier und da gibt es Lichtungen mit Neuanpflanzungen. Viel geschlagenes Holz wartet am Wegrand auf den Abtransport.

Bei km 40 ist noch einmal ein Versorgungsposten eingerichtet, es geht weiter  talwärts. Über einen Feldweg  kommen wir zum Biberteich mit seinen übergroßen Sitzmöbeln. Alte Grenzsteine sind zu bestaunen, dann endlich kommt Km-Schild 42 in Sicht.

Ich fürchte, ich werde schon sehnsüchtig erwartet, denn man empfängt mich mit herzlichem Applaus. Wie der Lauf, so die Medaille: Natur pur. Sie ist nämlich aus Holz mit eingebrannter Widmung.  Clemens Rieger gratuliert mir und kann jetzt Schluss machen und das Mikrofon abschalten. Die Dusche im Schwimmbad ist heiß und letzte Bratwurst ist es auch. Nach netten Gesprächen nehme ich Abschied vom Bibertal.

Fazit: Ein wunderschöner Naturlauf mit einigen Anstiegen, aber herrlichen An- und Aussichten.  Ich kann die ganze Truppe des TSV Rüthen mit ihren vielen fleißigen und freundlichen Helfern nur loben und wünsche ihnen, dass im nächsten Jahr viel mehr Läufer den Weg hierher finden.

Heute waren im Ziel leider nur 4 Frauen, 28 Männer und 2 Staffeln. In den letzten Jahren kamen noch zwischen 50 und 60 Teilnehmer ins Ziel. Ich hoffe und wünsche dem TSV Rüthen das die Zahl wieder wächst, denn die Veranstaltung ist es auf jeden Fall wert.

Marathonsieger:
Männer
1. Christof Marquardt LV Oelde   2:47:22
2. Peter Kaminsky  LG Emsdetten   3:06:15
3. Eddi Masuch  Radsport Schwalbe Oelde 3:19:14

Frauen
1. Beate Rosentreter Haxter Lauffreunde Paderborn 3:45:11
2. Daniela-Luana Fulga     3:54:22
3. Dung Tenberg  Marathon Soest   4:03:19

 

Informationen: Bergstadt Marathon Rüthen
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