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Laufberichte

Rauf und Runter bei Sonne pur

01.07.06

... ein Lauf, von Läufern für Läufer organisiert.

 

Wie jedes Jahr seit 2003 reiste ich Anfang Juli nach Oberstaufen. Ziel war die vierte Teilnahme am ersten deutschen Alpin-Marathon, der am 01. Juli  2006 in Oberstaufen stattfand.

 

In der herrlichen  Landschaft des Allgäus bietet der Lauf eine sehr abwechslungsreiche Strecke. Auf klassischen 42,195 KM sind nicht weniger als ca. 1.800 Höhenmeter zu bewältigen. Dies nicht nur nach oben. Die Strecke ist ein Rundkurs und die mühsam erkämpften Höhenmeter müssen auch wieder hinab gelaufen werden. Dies macht diesen Marathon meines Erachtens schwerer zu bewältigen als reine Bergauf-Marathonläufe. Man spürt nach dem Marathon Muskeln an Stellen, wo man sie nicht vermuten würde.

 

Organisiert wird der Alpin-Marathon in Oberstaufen von dem gut eingespielten Team des TSV Oberstaufen. Unter der Leitung von Friedhelm Donde organisieren ca. 150 ehrenamtliche Helfer eine rundum gelungene Veranstaltung, der es an nichts mangelt. Alle Helfer sind freundlich und zuvorkommend. Man merkt, hier wird ein Lauf von Läufern für Läufer organisiert.

 

Leider hat der Lauf nicht allzu hohe Teilnehmerzahlen. Den Marathon bewältigen stets nur rund 250 Teilnehmer. Offensichtlich lässt der Schwierigkeitsgrad der Strecke keine größeren Teilnehmerzahlen zu. Mir ist dies nicht recht einsichtig. Mir gefällt die Strecke wie sie ist. Um die Resonanz zu erhöhen, haben die Veranstalter im letzten Jahr das Angebot erweitert. Neben Alpin-Marathon und Kinderläufen wurden ein 2/3-Marathon über 29 KM mit 950 Höhenmetern und Nordic Walking über 11,2 KM mit 240 Höhenmetern neu ins Programm aufgenommen.

 

So konnten die Veranstalter in 2006 insgesamt ca. 700 Teilnehmer erwarten, von denen 214 den Alpin-Marathon erfolgreich beendeten. Sieger des Alpin-Marathon wurde bereits zum dritten Mal in Folge Michael Barz in einem spannenden Sprintfinish in unglaublichen 3.24 Std. mit nur 11 Sekunden Vorsprung vor Christian Storck. Dritter wurde Thomas Miksch in 3.33 Std. Bei den Frauen siegte Susanne Zeeb in 4.19 Std. vor Monika Müller (4.32 Std.) und Brigitte Schönwalder (4.36 Std.).

 

Die Strecke war an wenigen Stellen in Detail positiv verändert. Nach dem Start am Sportzentrum in Kalzofen geht es zunächst 1,8 KM flach durch den Ort. Am Kurpark beginnt der erste Aufstieg des Tages hinauf in den Kapfwald. Von dort geht es über Willis, Malas und Weissach hinab  ins Weissachtal, dem mit 660m tiefsten Punkt der Strecke. Es folgt ein Anstieg in mehreren Steigungen hinauf nach Steibis. Vorbei geht es an der Sennerei und dem Golfplatz.

 

An der Talstation der Imbergbahn beginnt der lange und steile Anstieg zum Imberghaus (1218m). Dort trennen sich die Wege der 2/3-Marathonis und der Alpin-Marathonis. Die „Alpinis“ laufen hinab ins Lanzenbachtal und nehmen den Anstieg zum Falkenhaus in Angriff. Dort oben auf 1500m Höhe ist aber noch nicht der höchste Punkt der Strecke erreicht. Es geht weitere ca. 200 Höhenmeter hinauf auf den Hochgrat. Die ca. 3 KM über den Hochgrat sind für viele Läufer das Highlight der Strecke.

 

Es geht über Stock und Stein. An einer Stelle sichert sogar die Bergwacht mit einem Querseil die Läufer und eine Eisenleiter muss überklettert werden. Dies ist für Bergerfahrene nicht spektakulär, es erfordert aber Trittsicherheit. Wer hier sein Pulver bereits aufgrund der vielen Höhenmeter verschossen hat, bekommt Probleme. Koordination ist sehr gefragt für eine sichere Querung dieser Passage. Über den Hochgrat verläuft im Übrigen die Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Wer in Laufrichtung nach rechts fällt, landet in Österreich, nach links bleibt man in Deutschland.

 

Am Ende des Hochgrats ist erst KM 20 erreicht. Nach einem letzten kurzem steilen Anstieg zur Bergstation der Hochgratbahn (Kommentar eines Mitläufers zu diesem Steilstück: Wegsprengen!) kann man den herrlichen Ausblick geniessen. Aber Vorsicht: Nicht zu lange vom höchsten Punkt der Strecke (1708m) den Blick schweifen lassen, sonst geht der Rhythmus verloren. Es folgt ein 6 KM langer Abstieg, der sehr steil ist und kaum ein richtiges Laufen zulässt. Die Oberschenkel verrichten fast nur Bremsarbeit.  Zeit gut machen kann man hier nicht!

 

An der Talstation der Hochgratbahn angekommen, führt die Strecke entlang der Weissach Richtung Steibis, wobei genau bei KM 30 eine unangenehme Steigung zu bewältigen ist. Von Steibis aus geht im Weissachtal ein Stück des Hinweges entlang und von dort hinüber nach Bad Rain und immer kurze, knackige An- und Abstiege bewältigend am Aquariabad vorbei Richtung Kurpark und zurück zum Sportplatz in Kalzofen.

 

Dort wird jeder Läufer vom Stadionsprecher persönlich begrüßt. Im Zielbereich gibt es ausreichend Verpflegung und Duschen stehen in der unmittelbar angrenzenden Schule in genügender Zahl zur Verfügung. Wer will, kann sich auch beim Massagedienst die Muskeln pflegen lassen.

 

Die Organisation habe ich ja schon gelobt. Die Startnummernausgabe erfolgt am Freitag vor dem Lauf von 18 bis 20 Uhr im Kurhaus. Für alle Fußballfans war zur Übertragung des Viertelfinalspiels zwischen Deutschland und Argentinien die Fernsehversorgung sicher gestellt.

 

Weiterhin können die Startunterlagen auch unmittelbar vor dem Lauf am Samstag am Sportplatz in Kalzofen abgeholt werden. Für das Startgeld wird viel geboten. Für 26 Euro erhalten Frühbucher (Meldung bis zum 30. Mai) ein umfangreiches Paket mit Gutscheinen für die Bergbahnen auf den Hochgrat, Imberg und Hündle sowie die Sommerrodelbahn am Hündle und das Aquariabad. Allein diese Gutscheine sind schon mehr als das Startgeld wert!
Die Versorgung unterwegs ist gut und ausreichend. Aufgrund des alpinen Geländes habe ich bislang immer eine eigene Trinkflasche und eine leichte Windjacke zusammengefaltet am Trinkgürtel mitgeführt.

 

Der Wettergott meinte es sehr gut mit den Sonnenanbetern. Die Sonne schien den ganzen Tag vom Himmel, es gab keine Wolken. Gottlob gibt es aber einige längere schattige Abschnitte. Gleichwohl setzte die Sonne den Teilnehmern stark zu. Dafür war die Strecke trocken, was insbesondere den Abschnitt über den Hochgrat entschärfte. Die Temperaturen von deutlich über 20 Grad wurden durch den aufkommenden Wind etwas erträglicher gestaltet. Für die Läufer hätte es aber gut 10 Grad kühler sein können. Die Sonne kann ja nach dem Lauf noch genug scheinen.

 

Ich hatte es vom  Beginn des Laufes ruhig angehen lassen und bin, angefangen vom Anstieg im Kapfwald, recht konsequent die steileren Passagen gegangen. An der Falkenhütte lag ich dennoch 12 Minuten vor meiner bisherigen Zwischenbestzeit. Beim langen Abstieg von der Hochgratbergstation habe ich aber gemerkt, dass ich das Tempo nicht würde durchhalten können. Ich wurde merklich langsamer und hatte große Mühe in den flachen und abfallenden Passagen noch überhaupt bis ins Ziel zu laufen. So verpasste ich zwar eine neue Bestzeit für den Alpin-Marathon, blieb aber als letzter Läufer noch unter 5 Stunden (4:59:54 Std.). Dennoch streifte ich mir stolz das diesmal rote Finisher-T-Shirt über und plauschte mit Bekannten aus den Vorjahren.

 

Einer der Bekannten war Marathon4you-Autor Bernhard Sesterheim, den ich bereits 2003 beim ersten Alpin-Marathon in Oberstaufen traf und dessen Laufbericht zum Marathon des Sables ich gerade mit Spannung gelesen hatte. Die Welt ist klein!

 

Informationen: Alpin Marathon Oberstaufen
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