Der traditionsreichste Landschaftsmarathon Deutschlands lockte am vergangenen Sonntag, den 11. Oktober 2026, wieder Tausende Sportbegeisterte in den grünen Süden der Ruhrgebiets-Metropole Essen. Bei der mittlerweile 64. Auflage des Westenergie Marathons herrschten optimale Wetterbedingungen, die sowohl Spitzenläufern als auch Hobbysportlern hervorragende Voraussetzungen für die Jagd nach neuen Bestzeiten boten.
Insgesamt verzeichnete das Sportevent eine riesige Resonanz. Rund 4.000 Menschen gingen bei den verschiedenen Wettbewerben rund um den Baldeneysee an den Start. Etwa 1.200 Läuferinnen und Läufer stellten sich der ultimativen Herausforderung und bewältigten die volle Marathondistanz. Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Organisatoren einen deutlichen Zuwachs vermelden, da rund 200 Teilnehmende mehr erfolgreich die Ziellinie überquerten. Die restlichen Athleten verteilten sich auf die beliebte Seerunde, die Allbau-TeamStaffel, den Walking Day sowie die Kinder- und Jugendläufe.
Für ein sportliches Drama und viel Diskussionsstoff sorgte eine folgenschwere Panne auf der Marathondistanz. Ein Führungsradfahrer, der der Spitzengruppe den Weg weisen sollte, bog an einer Kreuzung falsch ab und leitete die Läuferinnen und Läufer auf eine falsche Fährte.
Durch diesen Navigationsfehler wurde die geplante Route plötzlich deutlich zu lang. Viele Sportler stellten im Nachgang fest, dass sie statt der klassischen 42,195 Kilometer am Ende bis zu 43,8 Kilometer auf ihren GPS-Uhren stehen hatten. Das Organisationsteam des TUSEM Essen versuchte zwar sofort zu reagieren und kürzte die Strecke an einer anderen Stelle der Seerunde spontan ab, um die Zusatzmeter auszugleichen – bei einigen Läufern fehlten dadurch am Ende jedoch wiederum entscheidende hundert Meter.
Die Konsequenzen für die Athleten sind bitter:
• Verlust der amtlichen Vermessung: Da die gelaufene Strecke nicht mehr dem exakt zertifizierten Kurs entsprach, verlor das Event für diesen Tag seinen offiziellen Status.
• Keine Anerkennung für Bestenlisten: Obwohl Spitzenzeiten wie die des Siegers Tom Förster (2:18:08 Stunden) und der Siegerin Alexandra Krämer (2:47:04 Stunden) absolute Spitzenklasse waren, können sie wegen des Fehlers in keiner offiziellen Bestenliste gewertet werden.
• Frust und Erleichterung: Während die sportliche Leitung und einige Athleten von einem verständlichen „Scheißgefühl“ sprachen, stand für die meisten der rund 1.200 Marathon-Teilnehmer am Ende dennoch der Stolz im Vordergrund, die unfreiwillige Ultra-Distanz erfolgreich gefinisht zu haben.
Neben der vollen Marathondistanz bildete die Westenergie Seerunde über 18,6 Kilometer auch in diesem Jahr wieder das teilnehmerstärkste Herzstück des Essener Laufevents. Da dieser Wettbewerb planmäßig an den Start ging und im Gegensatz zum Marathon von jeglichen Streckenpannen verschont blieb, erlebten die Zuschauer am Baldeneysee einen reibungslosen und sportlich hochklassigen Wettkampf, dessen Zeiten regulär für alle offiziellen Bestenlisten gewertet werden.
Bei den Männern entwickelte sich von Beginn an ein schnelles, taktisches Rennen an der Spitze des Feldes. Mit einer beeindruckenden Energieleistung setzte sich letztlich Oscar Andres Romero Roa durch. Er passierte die Ziellinie am [Seaside Beach] nach einer hervorragenden Zeit von 1:01:24 Stunden als strahlender Gesamtsieger. Den zweiten Platz auf dem Podium sicherte sich mit einem starken Schlussspurt Malte Hoffmann, gefolgt von Fred Delannoy, der das hochkarätige Treppchen der Männer als Dritter komplettierte.
In der Frauenkonkurrenz zeichnete sich früh eine Solomission ab. Sarah Schmitz zeigte sich in bestechender Form, diktierte das Tempo von vorne und feierte einen unangefochtenen Start-Ziel-Sieg. Sie krönte ihre Leistung mit einer exzellenten Endzeit von 1:11:47 Stunden. Ein packendes Duell gab es dahinter um die weiteren Podestplätze: Nadine Boeger erkämpfte sich mit einer tollen Laufleistung den Silberrang, während Sonja Beba das Ziel knapp dahinter als verdiente Dritte erreichte und das begeisterte Publikum im Zielbereich zum Jubeln brachte.
Die Kulisse rund um den Baldeneysee verwandelte sich am Rennsonntag in eine einzige Arena. Tausende Zuschauer säumten die Wege, um Freunde, Familie und die Spitzensportler lautstark anzufeuern. Entlang der Strecke herrschte eine ausgelassene, festliche Gemeinschaftsatmosphäre.
In den Meinungen der Teilnehmenden spiegelte sich trotz des logistischen Fehlers des Radfahrers große Begeisterung wider. Viele Läufer lobten die perfekte Organisation des Ausrichters TUSEM Essen, das fantastische Publikum und den einzigartigen landschaftlichen Charakter der Strecke.
Die Gewinner zeigten sich im Ziel glücklich über ihre Performance und betonten, dass die großartige Stimmung am Streckenrand die unfreiwilligen Zusatzmeter schnell vergessen ließ.
Nächster Termin: 10. Oktober 2027, Anmeldungen sind bereits möglich