marathon4you.de

 

Laufberichte

RUHM ist weich,…

 

…schwarz und sandig. Wie ich darauf komme? Naja, eine Wurzel, ein Köpper und der intensive Bodenkontakt haben mich überzeugt. Und zwar im Rosengarten. Wer nun gärtnerisch denkt oder von den Dolomiten träumt, liegt damit knapp daneben.

Meinen RUHM  fand ich im Rosengarten in den Schwarzen Bergen bei Harburg, ganz im Norden. Hier hat die eine oder andere Eiszeit ordentlich Sand hingeschoben, Findlinge inklusive, und zu beachtlich hohen Gebilden aufgetürmt. Heute ist das alles Naturschutzgebiet; die Einschränkungen sind beträchtlich und beeinflussen stark die Laufplanung. Dennoch ist es der Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft (HNT), mit rund 4500 Mitgliedern der größte Sportverein im Süden Hamburgs, und Cheforganisator Jürgen Buck gelungen, ein tolles Lauferlebnis zu erschaffen – ein neues Nordlicht erstrahlt!

 

 

RUHM steht dabei für Rosengarten ULTRA Heide Marathon. Eine von 13 Strecken beim 2. Rosengartenlauf. Von 500 m bis zu 50.000 m ist alles organisiert. Sehr beachtlich unter den erschwerten Seuchengesetzen derzeit. Von dem Trubel habe ich nur den Anfang erlebt – Frühstart – aber nordische Sorgfalt und Gelassenheit in Aktion gesehen. Einchecken mit Impfnachweis, Lucaapp, Armband und Startnummer, Präsentetasche und dann gleich ab auf die Strecke. Je nach Tempo im passenden Block, ab 8 Uhr alle 15 Minuten, das entzerrt schnell und verhindert Gedränge. Endlich mit Nummernschild und – Startschuss! Herrlich!

An den Absperrgittern längs und in den Wald. Nur kurz, dann durch den einzigen Ort, aber mehr so am Rand. Da ist tatsächlich etwas Asphalt unter den Tretern, aber dann folgt Waldboden, Schotter und Sand pur, gespickt mit Wurzeln und Steinen, immer vom Feinsten. Noch ist es trocken, meine ersten 3 Stunden sind einfach perfekt. Kühle Temperatur, leichter Wind, etwas Sonne. Später beginnt ein Nieselregen, den ich als willkommene Erfrischung einsortiere, kein Grund für die Regenjacke. Nass bin ich ja sowieso, also was soll‘s. Aber die Posten tun mir leid, am VP oder an Schlüsselstellen im Gelände. Aber alle sind gut drauf und haben engagiert einen tollen Job gemacht. Elf Verpflegungsstationen, 45 Streckenposten, sechs Sanitätsposten. Leute - meinen Dank dafür, ohne euch geht sowas nicht!

Grob orientierend bewegen wir uns die ersten 2/3 im Wald, den Rest im Heidegebiet von Fischbek. Kein Meter wird doppelt gelaufen. Es kommen dabei beachtliche 1020 Höhenmeter (Garmin) zusammen. Aber wir lassen auch kaum eine Steigung aus, ganz egal wie lang oder wie hoch. Und wieder runter- ist ja klar. Im trockenen Sand ist das ja ganz toll. Im nassen – naja, der Sand wird was fest, dafür sind Steine und Wurzeln sauglatt. Jedenfalls empfehle ich gutes Trailprofil, um sicher zu gehen (bzw. zu laufen).

 

 

Markiert ist mit Hütchen, wie auf der Straße. Ab und zu gibt es auch orange Sprühpfeile oder Richtungsweiser aus Zweigen, manchmal auch Absperrgitter. Mit GPS-Gerät ist das alles easy. Ohne dagegen entsteht hier und da Kuddelmuddel.  Irrläufe verbessern nicht gerade die Stimmung, wenn man auf Tempo läuft oder so richtig ausgepowert ist. Und Power wird hier gebraucht- oh ja! Sowas passiert aber immer wieder, auch bei bester Kennzeichnung. Ein Halbmarathon kann dann schon ganz hübsch lang sein, der Ultra ist es ja schon von Haus aus!

Schöne Buchen und hohe Fichten stehen überall, es ist total angenehm zu laufen. Der weiche Boden federt gut. Heute sind ausnahmsweise keine Biker unterwegs, so mancher Trail wird sonst von Mountainbikern genutzt. Nach und nach lasse ich die Flotten vorbei und habe meine Ruhe. Aber es gibt Begegnungs- oder Kreuzungsstücke, da treffe ich sie alle wieder, außerdem sind immer mal die Halbmarathonis im Bild, die Strecken sind teilweise gleich. Dann gibt es eine Streckenteilung und es wird endgültig ruhig. Was sind die schnell geflitzt (konnte ich auch mal…).

Zu sehen gibt es vieles, manchmal ganz unerwartet im Wald. Kleine Siedlungen namens Tempelberg, Datschen und auch den archäologischen Lehrpfad. Seit 6000 Jahren tummeln sich hier die Hamburger und Niedersachsen und haben Hügelgräber hinterlassen, die fachgerecht wieder hergerichtet sind. Hochinteressant und nur 50 m rechts neben dem Weg. Später in der Heide kommt die Aussicht dazu. Wahnsinn, einfach klasse. Und die Heide blüht! Auch unter Wasser kriegt man die Farben schön mit. Leider fehlt der Duft vom Heidehonig, aber man kann ja nicht alles haben. Beton im Wald und auf der Heide erinnert an den alten Standortübungsplatz, Warnschilder an den Segelflugplatz, der immerhin seit 1910 genutzt wird! Also bereits kurz nach Orvilles Erfolgserlebnis! Hier betrete ich auch Teile des berühmten Heidschnuckenweges, einer der schönsten Fernwanderwege unseres Landes. Der beginnt in der Nähe, führt nach Celle und ist um die 240km lang. Ein besonderer Ultra -  wen der Ehrgeiz packt…

Wie ich höre, sind 1500 bunte Pylone, zig Meter Sperrgitter und Warnbaken aufgestellt worden, das muss auch alles wieder weg. Die Naturschutzaufsicht ist da ganz eigen. Nur Fußspuren dürfen zurückbleiben. Alle Achtung! Als Läufer kriegt man ja doch von sowas nur wenig mit. Das sind schon beachtliche Mühen. Auch das Startgelände muss geräumt werden, schließlich blockiert unser Event Teile des Parkplatzes vom Wildpark. Der ist richtig gut besucht und die Kinder hört man weit in den Wald hinein.

 

 

Schikanen hat es auch. Kurze und fiese Schleifen mit ordentlich Höhe, damit die Distanz stimmt. Tatsächlich kommen 50 km zusammen und runde 1000 hm. Das kann sich wirklich sehen lassen, hier im „flachen“ Norden. Sonst fahren die Nordlichter ja in den Harz, um Höhe zu üben. Dabei kann man das in den Schwarzen Bergen auch. 378 m alpines Gelände laut komoot. Mann, was hat das Körnchen gekostet!

Der Zieleinlauf ist natürlich wieder spektakulär. Alle sind schon da. Meine Fans, die Kollegen, die Orga. Konzentrierte Aufmerksamkeit für das Alte Eisen. Dann gibt’s lecker Würstchen mit was Isotonischem. So liebe ich das. Die schöne Medaille ist eine tolle Erinnerung, die Urkunde gibt’s zu Hause aus dem Drucker. Also – nächstes Jahr unbedingt wieder!

 

Fazit

Ein richtiger Ultratrail, wo man ihn am wenigsten erwartet. Anstrengend ist er und weist schwieriges Gelände auf. Gute Trailschuhe sind nicht verkehrt! Stöcke und Rucksack braucht man nicht, Verpflegung gibt es reichlich. Ein GPS- Gerät ist sehr nützlich, damit es keinen Kuddelmuddel gibt. Dann kann nichts mehr den Laufgenuss trüben, beim neuen Stern am Nordhimmel!

 

 

Informationen: RUHM Rosengarten Ultra Heide Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

Das M4Y-Buch

Das M4Y-Buch bestellen

Aktuelle Print-Ausgabe

Das marathon4you.de Printmagazin