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Laufberichte

Das haben wir uns verdient

16.10.11


Backward-Challenge


Thomas will sich einlaufen. Ich nutze die Möglichkeit und laufe mit ihm. Er rückwärts, ich vorwärts. Thomas Dold ist Weltmeister im Rückwärtslaufen auf der Kurzstrecke. Wir haben den sympathischen Rückwärtsläufer bei seinem Weltrekord beim Oberelbemarathon erlebt. 10 Kilometer in 40:58 Minuten. Viele kennen ihn aber auch als Treppenläufer. In diesem Jahr erreichte er erneut den 1. Platz beim Empire State Building Run Up in New York. Nach ein paar hundert Metern wechseln Thomas und ich die Stellung. Ich rückwärts, er vorwärts.

"Wie ist das eigentlich“ frage ich ihn, „gibt es auch rückwärtslaufende Frauen?“ Ich wittere meine Chance für eine Rückwärtslaufkarriere. „Ja“ sagt er trocken, „da gibt schon einige“. Thomas Muskulatur ist nun bereit. Bereit, um gemeinsam mit Achim Aretz, ebenfalls Weltmeister im Rückwärtslaufen (Halbmarathon bis Marathon) bei der „Backward-Challenge“ rückwärts gegen vorwärts über 10 Kilometer, gegen das RTL-Läuferduo anzutreten.

Die Gegner sind die ehemalige Dschungelcamperin Indira und Jürgen Milski, bekannt aus der ersten Staffel des Big Brother und mittlerweile auch Partysänger. Das gesamte in Palma antretende Laufteam von RTL hat wohl so einiges zu büßen. Auf die Halbmarathon-Distanz schickt RTL unter anderem Sportmoderatorin Ulrike von der Groeben und Wolfgang Konz. RTL möchte gerne ein Wörtchen bei der Vergabe des „Running Awards“ und um den Titel „schnellstes Unternehmen Europas“ mitreden. Dies kann uns aber auch egal sein, solange sie mit der Teilnahme den RTL-Spendenmarathon, an dem sich auch TUI mit einer Spende beteiligt, unterstützen.

Man könnte nun  glauben, wir hätten ein größeres „Büßerkonto“, da wir uns wie immer auf die 42,2 km Strecke begeben.


Salida heißt Start


9:00 Uhr: Über den Paseo Marítimo laufen wir in östliche Richtung. 9:02 Uhr, jetzt wird unsere Zeit gestartet. Gleichzeitig starten wir mit den 10 Kilometerläufern und den Halbmarathonläufern. Wie ein großer Festumzug schlängelt sich die Läuferschar durch die breite Straße. Die Hauptverkehrsader Palmas ist lahmgelegt. Wer hier heute läuft, erobert Palma zu Fuß. Nicht nur zu den Prozessionen werden Trompete, Posaune, Trommel und Rassel ausgepackt. Der erste Teil der Strecke führt fast wie ein Spaziergang an der Promenade des Hafens entlang. Das Meer ist ein einziger Spiegel. Yachten dümpeln. Ein wenig erinnert dieser Blick an Nizza. Auf der anderen Seite sieht man die ersten Läufer und dann all die Menschenmassen, die schon vor uns laufen.

1903 wurde das erste Hotel  in der Ciutat eröffnet. Dunkelblau ist die dominierende Farbe der Guardia Civil. Braungebrannt und lässig sehen sie aus mit ihrer Baseball-Cup und dem Polohemd. Ein verwittertes Plakat in rotschwarz kündigt einen Stierkampf an, der bereits vor Monaten in der Hauptstadt stattgefunden hat. Im Juli 2010 hatte Katalonien per Gesetz das Ende der Stierkämpfe beschlossen. Das Verbot tritt formal im Januar 2012 in Kraft. Katalonien ist nach den Kanarischen Inseln die zweite Region Spaniens, die ein Stierkampf-Verbot verhängt. Begegnungskurs. Ich sehe Jürgen, wir klatschen uns ab. Beim Frühstück lachte er noch über meinen Obstteller. „Denn kann ich dir auch empfehlen“ meine Antwort. Er sieht angestrengt aus, keiner hat damit gerechnet, er läuft als Erster der Backward-Challenge nach 10 Kilometern ins Ziel.

Puente Club de Mar bereits nach 3,7 Kilometern - ist hier die erste Verpflegung. Sie sind gut drauf, die Mädels aus England. Die grellen pinkfarbenen Perücken heben sich auf der weißen Haut ab. 15 Minuten nach den Läufern wurden die Walker ins Rennen geschickt. Sie kommen uns auf der gegenüberliegenden Seite entgegen.

Nicht nur in der Karwoche geißeln und verkleiden sich die Menschen, auch hier sehen wir viele Läufer verkleidet und viele davon werden sich geißeln. Wir tauchen ein in die Altstadt. 1988 wurde der Gründer von San Francisco, Los Angeles und San Diego, ein mallorquinischer Mönch, vom Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Miquel Ferrer, der 1713 geboren wurde, studierte an der Universität von Palma. Wer mehr über diese interessante Geschichte wissen möchte, der sollte in das Landstädtchen Petra fahren. Der Ort ist zur Pilgerstätte vor allem US-amerikanischer Touristen geworden. In einem Museum wird an sein Leben erinnert. Wir setzen unseren Lauf durch die Geschichte und die Straßen Palmas fort.


Die Eroberung der Hauptstadt


859 kamen die Wikinger. Sie hatten aber nicht vor, dauerhafte Besitzungen zu erobern. Dann fielen um 1530 immer wieder hunderte von Piraten auf Mallorca ein. Wie heute, waren die Einheimischen den Angreifern stets unterlegen. Auf die Meute von Piraten kamen oft nur 30 Mallorquiner. Die Läuferschar gleicht den Piraten von einst. Die Piraten trugen Kopftücher und Totenköpfe zierten ihre Fahnen, heute ziert der Totenschädel mit gekreuzten Knochen, die Trikots einiger Läufer.

Auch Tom Hanks ist verkleidet gesichtet worden, mit Sonnentuch im Piraten-Look und schwarzem T-Shirt mischte er sich unter die Touristen. Der amerikanische Filmstar ist ebenfalls gerade auf der Insel. Nicht als Forrest Gump, sondern zu Dreharbeiten für das teuerste deutsche Projekt der Filmgeschichte.  Die Produktionskosten sollen etwa 100 Millionen Dollar betragen.

Die Augenklappe der in die Jahre gekommenen Seeräuber wird heute durch eine coole Sonnenbrille ersetzt. Aber auch das hat seinen Sinn, tarnt doch so mancher seine Augenränder von der langen Nacht am Stand vom Ballermann.
Moderne Piraten haben sich heute im Südwesten der Insel bei Port d Ándratx ins „Düsseldorfer Loch“ gesetzt und die Hanseaten sitzen rund um den „Hamburger Hügel“ in Ca´s Concos südlich von Felanitx. Ortsnamen wie aus Asterix und Obelix. In welchem Piratennest finde ich die Hessen? Ist eigentlich egal, denn nach meinem letzten Rentenbescheid, kann ich mir mit der Suche einer Immobilie noch knapp 20 Jahre Zeit lassen.

Nach 10 km sind wir auf der Prachtmeile angekommen. Ursprünglich fand sich hier der Wassergraben vor der Stadtmauer, der die maurische Stadt vor Angriffen schützen sollte. Im 17. Jahrhundert wurden hier am Passeig d'es Born Ritterturniere ausgetragen. Der Platz liegt schattig. Eindrucksvoll sind die Fassaden der Häuser. San Miguel erreichen wir bei Kilometer 14. Es gibt Versionen, dass sich die Muslime vor dem christlichen Sieg ergeben wollten. Der muslimische Wali zog sich in eine Moschee zurück, die dort stand, wo sich heute die Kirche Sant Miquel befindet. Dort schnitt ihm König Jaime I ohne Mitleid die Gurgel durch.

Die Statue König Jaime I – sehen wir etwa bei 18,5 KM. Es ist die lebhafte Plaza d' Espana mit ihren Banken, Geschäften und Restaurants. Hier spucken Busse und Züge die Touristen und Pendler aus den Dörfern aus. Andere fahren von hier mit dem Holz-Zug Richtung Soller ab. Es ist schön, sich mit den Läufern durch die Jahrhunderte treiben zu lassen.

 
 

Informationen: Palma de Mallorca Marathon
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