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Laufberichte

Brezen, Bier und Münchner Kindl

14.10.12

 

Böller von links

 

Ich lege meine Regenjacke ab und verstaue sie in meinem Trinkrucksack. Regenjacke brauche ich heute keine mehr. Um 10.10 Uhr zerreißen direkt neben mir Böllerschüsse die Luft, Rauch steigt auf. Jetzt weiß ich, warum die Böllerschützen Ohrenstöpsel tragen. Direkt hinter der Startlinie sehe ich Dietmar Mücke alias Pumuckl. Klar, er hat hier Heimspiel. Auf gehts mit der Läuferschlange hinein in die erste Kurve. Die Schwere-Reiter-Straße nimmt uns auf. An der Kreuzung zur Schleißheimer Straße spielt schon nach einem Kilometer die erste Musikgruppe für uns auf. Insgesamt sind 19 Gruppen an der Strecke und machen Stimmung. Es macht richtig Spaß, so im sonnigen München zu laufen. Eine zweite Musik spielt schon bei Km 2 am Giselagymnasium. Und ich weiß ja, was gleich auf uns wartet.

 

Das Auge läuft mit

 

An der U-Bahnstation Giselastraße biegen wir nach rechts ab und laufen über einen Kilometer geradeaus über die Leopoldstraße und Ludwigstraße stadteinwärts. Links Akademie der Bildenden Künste, LMU (Ludwig-Maximilians-Universität), Bayerisches Verwaltungsgericht; Rechts Goetheinstitut, Staatsbibliothek, Ludwigkirche, Bayerische Staatsbibliothek, Hauptstaatsarchiv. Und dazu vor uns der Blick auf den Odeonsplatz mit der Feldherrnhalle und der markanten Theatinerkirche. Wow, das Auge läuft hier wahrlich mit. Stadtbesichtigung im Laufschritt.

Kurz vor Km 4 machen wir die Biege. Wir wenden und laufen die Ludwigstraße wieder zurück. Das Ganze noch einmal. Und vor allem, noch einmal am Siegestor vorbei. Nein, ich erlaube mir durch das Tor hindurch zu laufen. Prompt sieht mich Dieter und wirft mir lachend "Abkürzung" vor. Klar, Foto machen und mit 5m Laufstrecke weniger in den Beinen wieder brav in die auf der Außenbahn um Siegestor stadtauswärts laufenden Marathonis einreihen.

Ist schon gewaltig, das dem Konstantinbogen in Rom im 19. Jahrhundert im Auftrag von König Ludwig I errichtete Bauwerk. Oben thront die Quadriga (Bavaria mit vier Löwen) und schaut dem bunten Läuferfeld zu.

 

Erst Leopold, dann Ludwig

 

Hinter dem Siegestor laufen wir auf der Leopoldstraße Richtung Münchner Freiheit. Vorher heißt die Straße Ludwigstraße. Leopold oder Ludwig, ist doch egal. Auf geht‘s zum Englischen Garten. Noch einer meiner Lieblingsstreckenabschnitte. An der Grenze zur Münchner Freiheit entlang führt uns die Strecke zu einem der größten innerstädtischen Parks weltweit. Hier herrscht Münchner Lebensfreude pur. Eine Halbe hier, ein Sonnenbad da und wir da mitten drin in herrlicher Sonne. Wunderschön die bereits herbstlich gefärbten Laubbäume. Zuerst entlang des Schwabinger Baches, dann Wende am Erfrischungspunkt der Leichtathletik Gemeinschaft Passau . Ein Schild weist nur noch 31,7 Km Reststrecke aus. Danke für den Tipp aus Passau und danke allen für die tolle Versorgung.

8 Verpflegungsstellen und 6 Erfrischungsstellen dazwischen lassen keine Wünsche offen. Gerade als ich leichten Hunger verspüre, liegen Bananen griffbereit, auch Gels lasse ich mir schmecken. Dazu Wasser und Iso und meine eigene Mischung im Trinkrucksack. Verhungern und verdursten muss in München keiner beim Marathon.

Vor mir laufen zwei Läufer mit leuchtend gelben Westen. "Ich bin blind .... na und?" und  „... und  ich bin der Guide" steht darauf. Ich bewundere die Beiden. Ohne Führungsband läuft der Blinde absolut sicher, Respekt.

 

Lange geradeaus

 

Zwischen Km 8 und 15 laufen wir durch den Englischen Garten. Nun geht es über die Joseph-Brücke auf die andere Seite der Isar. Doch hoppla, was ist das. Nach der Brücke führt uns die Montgelasstraße einige Höhenmeter hinauf nach Priel, bevor es über die Oberföhringer Straße  Richtung Oberföhring geht. Das wird doch kein Berglauf? Nein, es sind nur hier und an Unterführungen leichte Höhenmeter zu bewältigen. Keine Sorge, der Kurs ist flach und Bestzeiten somit möglich.

Mentale Stärke ist nun gefragt. Ist der Abschnitt entlang der Oberföhrimger Straße noch abwechslungsreich und spielen hier einige Musikanten auf, zieht sich nach der Abbiegung bei Km 19 der Weg bis zum Ostbahnhof mehr oder weniger 3 Km geradeaus. Gut, dass uns da die Steelband Kolibris Schwung für die lange Gerade erst über die Cosimastraße und dann die Weltenburger Straße gibt.

 

Der Halbe ist rum

 

An der  Halbmarathon-Marke stehen viele Zuschauer und machen Stimmung. 100.000 Zuschauer, so der Veranstalter, sollen an der Strecke sein. Ich hab sie nicht gezählt. Zuschauer gibt es in München nicht überall. Viele Streckenabschnitte läuft man relativ unbeobachtet. Egal, die Stadt macht mit beim Marathon und oft sieht man Menschen in den Fenstern die Marathonis anfeuern. Und wo sie auf der Straße stehen, machen sie Stimmung. München ist sicher nicht der stimmungsvollste Marathon, aber kein Gemeckere hier, es ist einfach schön hier zu laufen.

Ein besonders markantes Gebäude fällt mir auf. Und gleich darauf am Bahnhof höre ich etwas schnaufen und sehe Dampf. Es ist eine alte Dampflokomotive. Und was soll ich sagen, gerade als ich nach Km 27 unter einer Unterführung durch will, fährt eine zweite Dampflok schnaubend über uns hinweg. Prima Service für alle Eisenbahnfreunde.

 
 

 

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